Dienstag, 22. Mai 2012

Das leere Buch

Mystery-Kurzgeschichte, 2009
 
Die Grundidee zu dieser Geschichte hatte schon seit Jahren in meinem Kopf herumgespukt: Jemand findet ein zunächst leeres Buch, das sich dann aber wie von Zauberhand füllt und dem Finder eine Botschaft zukommen lässt.
Ich dachte immer, daraus müsste ich mal etwas machen. Ich müsste mal eine Geschichte schreiben. Was ich aber nie tat, weil irgendwie immer etwas dazwischen kam. Sei es der Job, das Eheleben, dann die Schwangerschaft und anschließend die Kinder (ich bekam Zwillinge). Irgendwas ist ja immer.
Dann entdeckte ich im Frühjahr 2009 in einer dieser kostenlosen Wochenzeitungen, die man erhält, wenn man NICHT den Hinweis „Keine Werbung“ an seinem Briefkasten befestigt hat, den Aufruf zu einem Wettbewerb für Hobbyschriftsteller. Gesucht wurden phantastische Geschichten, die einen Bezug zum Rhein-Main-Gebiet hatten. Der Preis war die Veröffentlichung in einer Anthologie.
Bild: Cisco Ripac / pixelio.de
Das war der richtige Anlass. Endlich nahm ich mir die Zeit, formulierte meine Ursprungsidee in Worte und siedelte die Geschichte wie gewünscht im Rhein-Main-Gebiet an. Ich verpasste meiner Protagonistin Melanie einige Dinge aus meinem eigenen Leben. Auch ich zog einst von Hamburg nach Dietzenbach, auch ich arbeitete als Assistentin des Geschäftsführers und war am Anfang sehr gestresst von dem Umzug, der Umstellung auf das neue Leben. Auch ich brauche viel Kaffee, um wach zu werden. Auch ich hätte das Buch wohl mitgenommen, wenn ich es in der S-Bahn gefunden hätte.
Ich feilte bis zum letzten Abgabetag daran herum. Spät abends, kurz vor Mitternacht, schickte ich den Text endlich per E-Mail an den Verlag und war mir nicht einmal sicher, ob mein Beitrag überhaupt noch berücksichtigt werden würde. Das war im Juli 2009 gewesen.
Ich vergaß das Ganze, bis ich im September einen Brief erhielt. Darin wurde mir gratuliert, dass meine Geschichte es in die Anthologie geschafft hatte, zusammen mit 14 anderen Geschichten. In dem Brief stand aber auch, dass ich es in die Top 3 geschafft hätte und man lud mich zu einer kleinen Siegerehrung in die Verlagsräume ein, wo ich das endgültige Ergebnis erfahren würde. Was für eine Ehre! Ich war wahnsinnig aufgeregt und freute mich wie ein Schneekönig. Da hatte ich zum ersten Mal überhaupt an einem Wettbewerb teilgenommen und dann gleich so ein Ergebnis!
Ich wäre mit jeder Platzierung zufrieden gewesen, doch es kam noch besser. Ich hatte tatsächlich den ersten Platz erreicht. Meine Geschichte kam in der Anthologie an erster Stelle, ich erhielt eine Urkunde, freien Eintritt zur Frankfurter Buchmesse mit Einladung zum Stand des Verlags auf eine Tasse Kaffee, zwei Bücher des Schriftstellers und Jurymitglieds Jens Schumacher, eins davon signiert. Ich war völlig baff.
Die Belegexemplare (es gab drei!) kamen genau am Heilig Abend bei mir an. Ein krönender Abschluss für ein – schriftstellerisch gesehen – sehr erfolgreiches Jahr.

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