Donnerstag, 11. Oktober 2012

Das war meine Frankfurter Buchmesse

In diesem Jahr war ich zum zweiten Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Das erste Mal durfte ich sie 2009 besuchen, als ich vom Societätsverlag ein Tagesticket als Preis für die gewonnene Ausschreibung "Blitztip Phantastisch" erhielt. In diesem Jahr habe ich mich selbst als Journalistin angemeldet und erhielt nach erfolgreicher Akkreditierung ein kostenloses Presseticket, mit dem ich sogar an allen Messetagen freien Eintritt gehabt hätte - wenn ich denn auch Zeit gehabt hätte. So blieb es bei dem heutigen Tag, dem ersten Messetag und - als Sahnehäubchen - der Teilnahme an der Eröffnungsfeier gestern.

Feierliche Eröffnung mit Guido

Fragt mich nicht, wie ich es geschafft habe, aber die Frankfurter Buchmesse hat mich persönlich eingeladen (wie wahrscheinlich Hunderte anderer akkreditierter Journalisten auch) und ich dachte mir, ich sollte mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Immerhin ist das Gastland in diesem Jahr ein aus meiner Sicht besonders interessantes. Neuseeland wurde gestern Abend auf der Feier vom stellvertretenden Premierminister Bill English und den zwei Schriftstellern Joy Cowley und Bill Manhire repräsentiert. Alle drei hielten sehr schöne, interessante und unterhaltsame Reden, denen ich problemlos folgen konnte, denn ich stellte fest, dass es mir nicht zu schwer fiel, neuseeländisches Englisch zu verstehen. Joy Cowley las eine von ihr verfasste, sehr süße und mit Ironie gewürzte Fabel über eine Eidechse und eine Schlange vor.
Deutschland wurde von den Rednern Prof. Dr. Gottfried Honnefelder (Vorstehender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Jürgen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Peter Feldmann (Oberbürgermeister von Frankfurt), Jörg-Uwe Hahn (Stellv. Hessischer Ministerpräsident) und unserem allseits beliebten Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle repräsentiert. Alle Herren machten ihre Sache gut. Die Reden waren jeweils nicht zu lang und gut aufeinander abgestimmt. Honnefelder ging stark auf die Digitalisierung des Buchmarktes ein; Boos sprach viel von Literatur für Kinder und Jugendliche, was ja ein Schwerpunktthema der Buchmesse 2012 ist; Feldmann pries Frankfurt als Hochburg der Literatur, Hahn und Westerwelle berichteten von den Fortschritten im Bereich des Urheberrechts und des Schutzes von geistigem Eigentum im digitalen Zeitalter.
Die ganze Zeremonie dauerte tatsächlich anderthalb Stunden, die mir aber zum Glück nicht langweilig wurden. Trotzdem war ich froh, als es endlich hieß, die Buchmesse sei eröffnet und alle Richtung Neuseeland-Pavillon strömten.

Exotischer Zauber und wilde Krieger

Was uns da von den Ehrengästen geboten wurde, war atemberaubend und von wilder Schönheit. Teile des Pavillons, der komplett in Dunkelheit gehalten wurde, standen unter Wasser. In den künstlichen Teichen stand eine Gruppe von Sängerinnen und Musikerinnen barfuß und sangen unter einem blass leuchtenden Vollmond irgendwelche (vermutlich neuseeländischen) Lieder, die ich nicht kannte, die aber faszinierend klangen.
Auf der anderen Hälfte des Pavillons wartete schon eine Truppe von traditionell geschmückten Tänzern und Sängern auf ihren Auftritt. Sie standen in vollkommener Dunkelheit auf der anderen Seite des Wassers. Wir Gäste standen am gegenüberliegenden Ufer und schauten neugierig, als die Jungs plötzlich loslegten - pure Energie und ein Wahnsinnstempo. Als diese erste Gruppe ihren Auftritt beendete, ging es aber erst richtig los. Aus einer Ecke des Pavillons erschien eine kleine Armee von Maori-Kriegern mit wilden Kriegsbemalungen im Gesicht und am Körper, mit Speeren und anderem Kriegsgerät bewaffnet. Sie eroberten eine Bühne direkt vor meiner Nase und legten los mit ihrer Mischung aus Gesang, Gebrüll und Tanz und wurden später auch von einer nicht minder beeindruckend geschmückten Gruppe von Maori-Frauen in ihrem Treiben unterstützt.
Herr Westerwelle stand übrigens wenige Meter von mir entfernt und schaute dem Tanz zu - so viel kriegte ich mit. Ob es ihm gefallen hat, ließ sich jedoch in der Dunkelheit nicht feststellen.
Ich habe Videos davon gedreht, die ich gerade parallel auf Youtube hochlade. Links liefere ich natürlich nach.
Dass der Neuseeland-Pavillon sich in völliger Dunkelheit präsentiert, hat einen guten Grund. Das Motto lautet "While you were sleeping" und weist darauf hin, dass es in Neuseeland tiefste Nacht ist, während wir auf der Buchmesse durch den Pavillon schleichen.
Ich kann jedem Besucher der Frankfurter Buchmesse nur empfehlen, einmal in den Pavillon der Neuseeländer hineinzugehen und die magische Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Ein Ort der Ruhe und Meditation inmitten des Messetrubels.

Waiting for Mr. Terminator

Das Highlight meines Messebesuchs heute war natürlich der Auftritt von Arnold Schwarzenegger. Als ich neulich erfuhr, dass er an demselben Tag wie ich auf der Messe sein würde, stand für mich fest, dass ich versuchen müsste, so nah wie möglich an ihn heranzukommen. Was sich quasi als unmöglich herausstellte. Der Ex-Gouvernator wurde bewacht, als wäre er der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich. Unzählige Polizisten und Security-Leute plus eigenem Bodyguard-Tross passten auf, dass dem Herrn Schwarzenegger auch kein Härchen gekrümmt und kein Krümel auf den teuer aussehenden Anzug fallen würde.
Sein Auftritt auf der ARD-Bühne war für 14 Uhr angekündigt. Ich war um 13.30 Uhr dort und erlebte noch mit halbem Ohr Ursula Krechel, die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2012. Sie war vor wenigen Tagen gekürt worden und wurde heute von einer Bühne zur anderen durchgereicht. Egal zu welcher Lesebühne ich ging, Frau Krechel war schon da. Die Ärmste. Naja, als Gewinnerin muss sie da nun durch. Achso, der Herr Schwarzenegger trat dann erst kurz vor 15 Uhr auf. Ich hatte die ganze Zeit also dort gestanden mit geschätzten 3000 anderen Fans und Journalisten. Er hielt eine unterhaltsame Ansprache in schönstem Österreichisch, in der er sein Leben umriss und seine Autobiographie "Total Recall" vorstellte. Er verglich seine Laufbahn mit dem Fahren eines Autos: man startet im ersten Gang, gibt langsam Gas, schaltet hoch, beschleunigt und immer so weiter. Achja, bremsen musste er auch ganz stark, nämlich als Maria Shriver ihn verließ und der ganze Skandal um uneheliche Kinder und Geliebte hochkam. Immerhin sprach er auch darüber ganz offen und versprach, das alles auch ungeschönt in seinem Buch zu erzählen.
Na, das Buch befindet sich jetzt in meinem Besitz. Ein Rezensionsexemplar sozusagen. Lesen werde ich es auf jeden Fall, denn ich finde den Mann und sein Leben überaus spannend. Mit seinen 65 Jahren sieht er immer noch richtig fit aus und ich habe ihm geglaubt, als er beteuerte, jetzt ginge es noch einmal richtig ab in seiner Karriere.

Sonst so auf der Buchmesse

Ich habe einen wunderbaren, aber auch anstrengenden Tag auf der Buchmesse hinter mir. Anstrengend, weil ich unglaublich viel gelaufen bin und heute Morgen schon mit einer leichten Erkältung aufgewacht bin. Wunderbar, weil ich die Atmosphäre sehr genossen habe. Ich genoss auch das Privileg, in das Pressezentrum reinzudürfen. Ich erlebte die Autorin Ingrid Schmitz und ein paar ihrer Kollegen und Kolleginnen im Lesezelt, ich lernte Renate Zawrel vom Sarturia Verlag kennen, ich traf Dieter Gewalt, einen Pilz-Experten aus Dietzenbach, der mit dem Tre Torri Verlag ein richtig tolles Pilz-Kochbuch herausgebracht hat. Ich schaute zu, wie ein altertümlich gekleideter Drucker an einer Gutenberg-Druckmaschine arbeitete. Ich erlebte den Autor Bodo Kirchhoff, die Eichinger-Witwe Katja Eichinger, ich entdeckte Ralf Möller unter dem Gefolge von Arnold Schwarzenegger und ich konnte ein paar schöne Mitbringsel für meine Familie einsammeln.

Ach gerne wieder. Allen, die noch zur Frankfurter Buchmesse gehen wollen, wünsche ich ganz viel Spaß und viel Erfolg und vor allem Inspiration!

Bilder werde ich noch nachreichen.



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