Sonntag, 20. Oktober 2013

Märchen für Hartgesottene - Demnächst ...

Wann kommt denn mal neuer Lesestoff?, ist eine Frage, die ich mir in letzter Zeit öfter anhören musste. Endlich kann ich sie mit einem konkreten Datum beantworten. Am 31.10.2013, also zu Halloween, werde ich mein neuestes Machwerk veröffentlichen!

Einige werden es bereits wissen: Ich liebe es, bekannte Märchen neu zu interpretieren und ihnen dabei einen neuen, zumeist düsteren Stempel aufzudrücken. Auf die Weise verhalf ich bereits dem Rotkäppchen und dem Mädchen mit den Schwefelhölzern zu ganz neuen Dimensionen. Auch aus Schneewittchen habe ich bereits eine eigene Version gestrickt, die vielleicht noch in diesem Jahr in einem illustrierten Märchenbuch erscheinen wird (die Herausgeberin arbeitet daran jedenfalls intensiv).

Mein neuestes Werk passt in diese Riege perfekt hinein. Es handelt sich erneut um ein Schauermärchen. Dieses Mal habe ich das bekannte Grimms-Märchen von "Hänsel & Gretel" verhackstückt und in meiner ganz eigenen, düster-schaurigen Neuinterpretation niedergeschrieben. Sie trägt den Titel "Die Brezelfrau".

Angesiedelt ist die Geschichte wieder einmal in meiner Wahlheimat Dietzenbach, in dem es praktischerweise tatsächlich einen Stadtteil namens Hexenberg gibt - genau dort spielt "Die Brezelfrau".

Ein Cover kann ich leider noch nicht präsentieren, weil es sich noch bei einer Coverdesignerin in Arbeit befindet - ich bin selbst schon ganz neugierig auf das Ergebnis! Aber den Klappentext und eine klitzekleine Leseprobe kriegt ihr heute schon:

Klappentext:

„Sie flüsterten nur, doch ich verstand jedes Wort. Von einem alten Fluch war die Rede. Von der Hexe aus dem Wald. Sie nannten sie die Brezelfrau.“

Von Anfang an fühlt sich Johanna in dem uralten Haus am Waldrand von Hexenberg nicht wohl. Ihre Zwillinge Hans und Greta aber lieben ihr neues Zuhause. Als eines Tages kleine geflochtene Körbe mit frisch gebackenen Brezeln auf der Türschwelle stehen, ahnt Johanna, dass es besser ist, das verführerisch duftende Gebäck nicht anzurühren. Doch es tauchen immer wieder Brezelkörbe auf, und Johanna kann nicht ewig verhindern, dass ihre Kinder davon naschen. Als sie von der alten Hilde Korpath die Legende erfährt, die sich um den Hexenberg rankt, erkennt sie die wahren Ausmaße der Gefahr, doch da ist es schon fast zu spät.

„Die Brezelfrau“ ist ein modernes Schauermärchen, angelehnt an Motive aus dem bekannten Märchen Hänsel und Gretel von den Gebrüdern Grimm.

„Doch der Geist der Brezelfrau ist nicht fort; er geht immer noch am Hexenberg um und sinnt auf Rache. Und von Zeit zu Zeit verschenkt sie ihre Brezeln, um sich neue Opfer zu holen …“


Leseprobe:

„Tja“, schloss Jakob seinen Bericht ab, „wenn du mich fragst, dann haben sich die Leute am Hexenberg eine kleine urbane Legende gestrickt und sie mit diesem Haus und seinen Bewohnern verbunden.“

Aber war das wirklich alles? Johanna versuchte, Jakobs Worten zu glauben und diesem ganzen Brimborium um das Haus und die Brezeln keine tiefere Bedeutung beizumessen. Sie versuchte es wirklich, doch es wollte ihr nicht gelingen.

Nachdem Jakob gegangen war, ging sie in das Schlafzimmer ihrer Kinder und beobachtete, wie sich ihre kleinen Brustkörbe ruhig und gleichmäßig hoben und senkten. Wovon sie wohl gerade träumten? Von Brezeln in kleinen geflochtenen Körben? Von unsichtbaren Spielkameraden, die im Keller auf sie warteten?

Hans und Greta waren ihr Ein und Alles. Sie waren glücklich hier. Nichts an diesem Haus schien sie zu ängstigen. Doch Johannas Sorgen wuchsen. Mit gemischten Gefühlen ging sie zu Bett.

Für Johannas kleine Familie schien es ein wenig aufwärts zu gehen. Jakob hatte ihr ein Vorstellungsgespräch in einer kleinen Firma im Ort vermittelt. Der Chef war sehr freundlich gewesen und wollte sie gern zum nächsten Monat einstellen. Annabelle, eine Nichte von Jakob, hatte sich angeboten, ab und zu auf die Kinder aufzupassen, damit Johanna sich um die Arbeitssuche oder einfach einmal nur um sich kümmern konnte. Für die Zwillinge wurde endlich ein Kindergartenplatz frei. Nur noch diese Woche durchhalten, sagte Johanna zu sich selbst, die sich jeden Tag aufs Neue zusammenreißen musste, um nicht beim kleinsten Geräusch aufzuschreien. Ein so altes Haus machte ständig Geräusche, und Johanna fragte sich, ob sie sich wohl jemals daran gewöhnen würde. Immer wieder musste sie an Hilde Korpath und das denken, was Jakob ihr erzählt hatte. An dieser ganzen Geschichte war noch viel mehr dran, das spürte sie. Sie schaffte es nicht, ihre sorgenvollen Gedanken abzuschütteln.

Als das nächste Brezelkörbchen auftauchte, reichte es ihr. Die Kinder fanden es beim Spielen im Garten. Es musste irgendwo im Gebüsch am Zaun versteckt gewesen sein. Johanna kam in letzter Sekunde dazu, ein Tablett mit Getränken in den Händen, als sie sah, wie Hans gerade im Begriff war, in das Gebäckstück zu beißen. Sie schrie auf, ließ das Tablett fallen, das mit dem schrillen Klirren von zerbrechendem Glas auf den Terrassenstufen aufschlug, und sprang zu ihren Kindern.

„Nein!“, rief sie panisch; ihre Stimme überschlug sich. Hans saß mit großen Augen und offenem Mund da, die Hand mit der Brezel war kurz vor seinem Mund zum Halten gekommen. Auch Greta hatte sich erschrocken zu ihrer Mutter umgedreht, die wie eine Furie auf die beiden zu rannte. Johanna entriss ihrem Sohn die Brezel und schleuderte sie, so weit sie konnte, in den Wald hinein. Sie schnappte das Körbchen mit dem rot-weiß-karierten Tuch und hielt es von sich wie etwas Ekliges, Abstoßendes. Ohne ein weiteres Wort zu den Kindern marschierte sie steifbeinig um das Haus herum bis zur Mülltonne und warf das Körbchen hinein.

Sie spürte, wie schnell ihr Herz klopfte und hörte, wie laut und schnaufend ihr Atem ging. Als sie sich wieder einigermaßen im Griff hatte, straffte sie sich und ging zurück zu ihren Kindern. Gretas Lippen bebten; sie war kurz davor, in Tränen auszubrechen. Hans schaute seine Mutter vorwurfsvoll und mit wütendem Blitzen in den Augen an. Johanna hob an, den beiden zu erklären, warum sie das getan hatte, doch ihr wollten nicht die richtigen Worte einfallen. Sie wusste ja selbst nicht genau, was das alles zu bedeuten hatte. Also ließ sie es bleiben und bat die Zwei stattdessen, im Haus weiterzuspielen.

Wortlos verschwanden die Kinder in ihrem Zimmer. Johanna folgte ihnen schweigend. Bevor sie die Terrassentür schloss, warf sie einen misstrauischen Blick in den Wald hinterm Garten. Dort war niemand zu sehen; dennoch hatte sie das heftige Gefühl, beobachtet zu werden.

"Die Brezelfrau" wird am 31.10.2013 bei Amazon KDP erscheinen. Save the date!

P.S. Solltet ihr auf Bookrix mit mir befreundet sein, könnt ihr bereits jetzt die komplette Geschichte kostenlos lesen!

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