Donnerstag, 12. Dezember 2013

Buchtipp: "Sie kommen!" von Madeleine Roux

Vor kurzem ausgelesen und für gut befunden.
Der Untertitel lautet "Ein Blog vom Ende der Welt". Das hat Gründe. Tatsächlich hatte die Autorin diese Geschichte ursprünglich auf ihrem Blog veröffentlicht, bevor daraus ein richtiges Buch wurde.
Auf dem Cover erkennt man ein paar Bücher und eine nicht mehr ganz frisch aussehende Hand. Also geht es hier wohl um Zombies und ... Bücher? Ja, irgendwie schon. Aber auch wieder nicht.

Die Romanform ist quasi der Tagebuchroman 2.0 - in Blogform. Die Protagonistin Allison bloggt über ihren Überlebenskampf während der Zombie-Apokalypse. Wie das geht? Na ganz einfach. Die Apokalypse erwischt sie während ihrer Arbeitszeit - in einem Buchladen (ah! daher die Bücher!), und dort befindet sich auch ihr Laptop. Sie findet das SNet, ein militärisches Internet, das einzige, das noch zu funktionieren scheint. Und über diesen Weg berichtet sie von den Dingen, die ihr und ihren Mitmenschen widerfahren. Jedes Kapitel entspricht einem Blogeintrag, am Ende eines jeden Eintrages tauchen auch noch Kommentare von Lesern des Blogs auf.

Allison ist hart im Nehmen. Sie übernimmt schon bald die Verantwortung für die kleine Truppe und trifft die unangenehmen Entscheidungen, die auch über Leichen führen. Im Lauf der Geschichte entwickelt sie sich zur knallharten Zombiekillerin, die aber auch immer wieder über ihre eigenen Gefühle stolpert und viel zu oft Abschied nehmen muss von liebgewonnenen Menschen.

Ihre wichtigste Motivation ist die Hoffnung, dass ihre Mutter noch am Leben ist und sich zu dem Ort namens Liberty Village durchgekämpft hat, wie Allison von ihr in einem Kommentar unter einem Blogartikel erfährt. Auch Allison erkennt bald, dass es nicht gut ist, zu lange an einem Ort zu verweilen, wenn draußen die Toten auf der Erde wandeln. Und so begibt sie sich auf eine Irrfahrt durch ein zerstörtes Amerika auf den Weg nach Liberty Village. Dabei sind die Zombies nicht die einzige Gefahr und bei weitem auch nicht die schlimmste.

Was mir gefallen hat, ist nicht nur die Erzählform, die in Form und Ausdruck ziemlich realistisch daherkommt. Wenn man erst einmal den Umstand akzeptiert hat, dass die Erzählerin und Bloggerin Allison tatsächlich alle paar Tage dazu kommt, einen neuen Blogeintrag zu verfassen, der noch dazu extrem ausführlich und manchmal fast etwas zu auktorial daherkommt, und dass ihr Laptop all die Strapazen tatsächlich durchsteht und weder verloren noch kaputtgeht, macht die Lektüre richtig Spaß.

Es wird nicht nur gekämpft und geflüchtet. Zwischendurch ist auch Zeit für Gefühle, zwischenmenschliche Konflikte, gesellschaftskritische Gedankenspielereien und Humor, obwohl der gern ziemlich schwarz oder zynisch daherkommt. Genug Zombies und Matschegatsche für Fans von Gore hat es auch, wobei das den ganz dollen Hardcore-Fans dann doch noch zu wenig sein dürfte. Auf jeden Fall war das Buch für mich, die ich die "Zombieliteratur" gerade erst entdecke, eine schöne Bereicherung des Genres.

Ach und freundet euch nicht zu sehr mit den Nebenfiguren an! Ich möchte ungern spoilern, aber ich verrate ich euch immerhin so viel: Die wenigsten kommen durch. Und die, die doch durchkommen, sind nicht immer die sympathischen, an die man sein Herz hängt.

Ich verteile 4 von 5 Streitäxten mit dran klebender Zombiehirnmatsche.

(Ein Punkt Abzug, weil es ein-, zweimal seine Längen hatte und die Heldin ab und zu doch sehr übers Ziel hinausschießt, dass es ein klitzekleinwenig unglaubwürdig wird, aber nur ein winziges Bisschen.)

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