Samstag, 24. Mai 2014

Buchtipp: "900 Meilen" von S. Jonathan Davis

Im Frühjahr 2014 veranstaltete der Luzifer-Verlag eine Leserunde auf Lovelybooks für den Zombie-Roman "900 Meilen" von S. Johnathan Davis, und ich durfte daran teilnehmen. Erst jetzt komme ich dazu, euch das Buch vorzustellen - dafür aber mit großer Begeisterung und wärmster Empfehlung.

"900 Meilen" war eines dieser Bücher, die ich quasi in einem einzigen Rutsch inhaliert habe. Gerade einen Tag zuvor hatte ich den apokalyptischen Pageturner "Mit Zähnen und Klauen" zu Ende gelesen und wollte eigentlich mal Pause machen von all den Geschichten über Zombies, Apokalypse und den Untergang der Menschheit. Aber ich beging den "Fehler" und las nur mal den Anfang, um zu schauen, wie der Stil so war. Schon nach dem ersten Absatz war es um mich geschehen, und ich las doch weiter bis zum Schluss:
Das Leben erschien uns hart. Wir machten uns Gedanken darüber, dass wir den Job nicht bekamen, den wir unbedingt wollten, und waren angepisst, wenn Politiker sinnlose Gesetze erließen. Das Schlimmste was uns passieren konnte, war, dass der Barista unseren `Venti Coffee` verhunzte, oder dass unsere Lieblingsfernsehserie abgesetzt wurde. Wir lebten gedankenlos vor uns hin.
Banale Aufgaben in einer banalen Welt.
Was zur Hölle wussten wir schon?
Wir bettelten ja förmlich, dass es aufhörte …
Das ist es auch, was diesen unglaublich spannenden Roman über den plötzlichen Ausbruch einer mindestens amerikaweiten, wenn nicht sogar weltweiten, Zombie-Epidemie so Klasse macht: Immer wieder wird in wohldosierten Mengen Gesellschaftskritik eingestreut, werden vermeintliche Errungenschaften der westlichen Zivilisation als komplett idiotisch und im Ernstfall als überflüssig wie ein drittes Nasenloch enttarnt.

Protagonist John befindet sich am Anfang der Geschichte in New York, wo er an einem langweiligen Meeting mit seinen affigen Kollegen und seinem ätzenden Chef teilnimmt. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Untote auf, greifen die Lebenden an, töten sie und machen aus ihnen ebenso Zombies, die sich kurz darauf gegen ihre ehemaligen Mitmenschen wenden. John hat mitten in diesem Alptraum aus Blut und wandelnden Leichen nur ein Ziel: zu seiner hochschwangeren Frau Jenn zu gelangen, die sich die titelgebenden 900 Meilen entfernt von ihm aufhält. Ohne die zufällige Bekanntschaft mit dem Ex-Soldaten Kyle wäre John aber vermutlich nicht einmal aus dem Hochhaus lebend herausgekommen, in dem er arbeitet, als die Apokalypse ausbricht. Kyle ist es, der seinem Kumpel im Lauf der Geschichte immer wieder den Arsch rettet und dafür sorgt, dass sie nicht nur heil aus New York entkommen, sondern sich tatsächlich auf die abenteuerliche Irrfahrt durch das untote Amerika machen.

Den traurigen Höhepunkt des Romans bildet wohl der nicht ganz freiwillige Aufenthalt von John und Kyle in Avalon, einem angeblich sicheren Ort, zu dem nur die reichsten Leute Zutritt erhalten, die es sich leisten können, sich dort zu verschanzen und ein Leben in Saus und Braus zu führen. Alle anderen müssen sich wie Sklaven unterwerfen und werden von der Oberschicht zur Arbeit und Prostitution gezwungen und - wenn sie nicht spuren - den Zombies zum Fraß vorgeworfen. Irgendwie klar, dass so viel Dekadenz, die deutlich an das Alte Rom erinnert, zu keinem guten Ende führen kann. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber gar nicht verraten.

Mein Fazit: Ein atemraubender Pageturner, der mit brutal-blutigen Zombie-Szenen nicht geizt und auf angenehm dezente Art immer wieder Kritik an unserer heutigen, konsum- und leistungsorientierten Gesellschaft unterbringt. Hat mir irre gut gefallen. Ganz klar: Sollte ich mich eines Tages in einer Zombie-Apokalypse wiederfinden, hätte ich bitte auch gern so einen Kyle an meiner Seite, der mir die Viecher vom Leib hält und mir beim Überleben hilft.

Ich vergebe 5 von 5 mit Zombiematsche besudelten Hummern!

"900 Meilen" gibt es als Taschenbuch und eBook und sollte in keiner Sammlung von guten Zombie-Büchern fehlen.

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