Freitag, 6. Juni 2014

Mein erstes Autorenseminar - Und wie war es?

Das vergangene Wochenende habe ich in München verbracht. Schön da. Allerdings war ich nicht wegen der Sehenswürdigkeiten dort, deshalb beschränkt sich mein Eindruck auf die Messestadt, wo mein Hotel stand, den Hauptbahnhof und den Weg mit der Straßenbahn bis zur Albrechtstraße. München als Urlaubsziel für einen Städtetrip hole ich bestimmt mal nach. Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich von etwas ganz Anderem berichten:

In München nahm ich an meinem ersten Autorenseminar teil. Es wurde von der Textmanufaktur in den Räumen des Knaur Verlags veranstaltet. Wir saßen in einem der Meetingräume, in denen die Lektorenrunden stattfinden, bei denen darüber entschieden wird, welche Bücher ins Programm aufgenommen werden. Erhebendes Gefühl. Das Thema war „Spannung, Krimi, Thriller“. Dieses Motto passte in jeder Weise. Das Seminar war unglaublich spannend, interessant, überraschend und äußerst lehrreich. Das traf auf die bunte Runde der Teilnehmer ebenso zu wie auf deren sehr unterschiedliche Manuskripte und auf die zwei Dozenten André Hille von der Textmanufaktur und Peter Hammans, der Lektor bei Knaur ist.

Nach einer Vorstellungsrunde gab Peter Hammans einen unterhaltsam-informativen Einblick in die Verlagswelt und in die Arbeitsweise eines Lektorats. Insbesondere seine Anekdoten über den steinigen Weg, den manch ein Buch durch zig Lektoratsrunden nehmen musste, bevor es tatsächlich verlegt und sogar zum Bestseller wurde, haben mir gefallen. Es hat mir auch wieder gezeigt, dass der Erfolg eines Buches nicht nur von der Qualität und dem Inhalt selbst abhängt, sondern auch von der doch sehr subjektiv geprägten Meinung des Lektors, von Trends im Buchmarkt, von der Tageslaune des Verlegers, vom Glück und vom Wetter sowie der Anzahl der Reissäcke, die am Tag der Entscheidung in China umgefallen sind. Das mag ernüchternd klingen. Mich hat es aber eher beruhigt, dass das so ist.

Der Hauptteil des Seminars bestand darin, dass jeder Teilnehmer seine Story vorstellte und daraus einen kleinen Teil vorlas, damit wir „die Stimme des Autoren“ hören konnten. Anschließend wurde das Manuskript in der Runde besprochen, bewertet, kritisiert, gelobt. Das Marktpotential wurde beurteilt, Unklarheiten wurden hinterfragt. Das Feedback in dieser geballten Form – sowohl von den Dozenten als auch von den Teilnehmern – brachte uns allen enorm viel. Ich selbst kam übrigens als allerletzte Teilnehmerin am Sonntagnachmittag dran. Als ich vorlas, hatte ich längst anhand der Fehler, die wir bei den anderen aufgedeckt hatten, meine eigenen Fehler und Schwächen erkannt. Genau die wurden mir dann auch um die Ohren gehauen – und noch ein paar mehr. So eine offene, zwar absolut sachliche, aber dennoch harte Kritik muss man erst einmal abkönnen. Aber ich merkte schon während der Besprechung meines „Falles“, wie viel mir dieses Seminar brachte. Ich entwickelte bereits erste neue Ideen und knipselte im Inneren an der Lösung einiger verzwickter Fragen, die den anderen bei meinem Manuskript aufgefallen waren.

Am Ende fühlte ich mich richtig erschöpft und brauchte im Zug nach Hause erst einmal eine gewisse Zeit, um mich zu erholen und meine aufgewirbelten Gedanken zu sortieren, bevor ich mich dazu aufraffte, Notizen zu machen und mir selbst kritische Fragen zu meiner Geschichte zu stellen.

Das ist es auch, was für mich unterm Strich dabei herausgekommen ist: Ich muss mir erst selbst darüber klar werden, was für eine Geschichte ich eigentlich erzählen will. Ich muss die konkrete Richtung festlegen und mir insbesondere über den Antagonisten noch sehr genaue Gedanken machen, damit am Ende alles stimmig ist und die Leser mitnimmt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Ja, ich habe durch das Seminar, durch die Arbeit mit den Texten der anderen Teilnehmer und durch die vielen hilfreichen Anmerkungen von allen Beteiligten überhaupt erst erkannt, wo bei mir die Schwächen liegen, aber auch die Stärken. Atmosphäre kann ich, wurde mir dort gesagt. Schwafeln und schwurbeln kann ich aber auch, und das muss alles rausfliegen! Von Stilblüten und überflüssigem Ballast wie Infodump und Wiederholungen fange ich gar nicht erst an.

Es liegt also nach diesem Seminarwochenende noch eine Menge Arbeit vor mir. Den anderen Teilnehmern ging es übrigens ganz ähnlich. Mancher von uns verabschiedete sich mit dem metaphorischen Rucksack voller Hausaufgaben auf dem Buckel, einige hatten hinterher zwei Geschichten im Gepäck, weil ihnen geraten wurde, bestimmte Elemente aus dem einen Manuskript zu entfernen und separat in einer zweiten Geschichte zu verarbeiten.

Ich selbst werde also meine Erkenntnisse aus dem Seminar dazu verwenden, mein Romandebüt voranzutreiben, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Darüber hinaus aber konnte auch ich den Schwung an Motivation schon sehr gut nutzen: Ich habe das komplette Konzept für ein neues Schauermärchen erstellt und eine wirklich coole Idee für einen weiteren Thriller entwickelt, an der ich gern weiterfeilen möchte, weil sie mir jetzt schon saugut gefällt.

Aber eins nach dem anderen. Die Idee ist notiert und muss warten, bis ich die anderen Projekte abgeschlossen habe. Denn wie schon Neil Gaiman gesagt haben soll, lautet die wichtigste Regel für Autoren: Schreib dein Buch fertig!

An dieser Stelle bedanke ich  mich noch einmal ganz herzlich bei André Hille und Peter Hammans und ganz besonders bei neobooks, die mir dieses Seminar für meinen Sieg beim Kurzthriller-Wettbewerb "Wenn es dunkel wird" im vergangenen Jahr geschenkt haben. Eine großartige Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann und die ich bestimmt wiederholen werde.

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