Dienstag, 14. Oktober 2014

Nachlese: FBM und BuCon 2014


Mit Lisa Frank von Bookrix

Und da ist sie auch schon wieder vorbei, die wohl schönste Messe Frankfurts. Mir jedenfalls hat sie auch in diesem Jahr wieder ausgesprochen gut gefallen. Ich verbrachte den Donnerstag und Freitag auf dem Gelände und konnte nicht nur einiges an Souvenirs einsammeln, sondern hatte vor allem die Gelegenheit, viele Gleichgesinnte zu treffen, um mit ihnen über das zu schwatzen, was uns allen so sehr am Herzen liegt: Bücher und Geschichten, insbesondere die Art und Weise, wie jeder von uns diese Geschichten schreibt und was er oder sie anstellt, um diese Geschichten auch an den Leser zu bringen.

Narcissus – der Neue im SP-Markt

Mit Hilke-Gesa Bußmann traf ich mich am Donnerstagnachmittag in Halle 8.0. Ich ging zu Fuß von Halle 3.0 aus dorthin und weiß jetzt, wie groß die Frankfurter Buchmesse wirklich ist! Hilke arbeitet seit diesem Jahr für Narcissus, einen neuen Player auf dem deutschen Markt für Self-Publishing. Narcissus kommt aus Italien, wo es quasi einer der Marktführer in Sachen eBook-Distribution ist. Dort wird ein Großteil der unabhängig publizierten eBooks über Narcissus vertrieben. Eines der am meisten verkauften eBooks in Italien (mehr als 1,5 Mio. Verkäufe) ist ein Reisebuch, das über Narcissus veröffentlicht wurde.

Hier in Deutschland muss Narcissus sich erst einmal gegen die "etablierten" Distributoren wie neobooks oder Bookrix behaupten. Das sei in den ersten paar Monaten auch eher schleppend verlaufen, wie Hilke berichtete. Doch mittlerweile laufe das Geschäft für Narcissus Deutschland recht gut an. Immer mehr Self-Publisher wählen den Neuen im Markt für die Verbreitung ihrer Buchprojekte. Ich selbst liebäugele auch schon eine Weile mit diesem Distributor, und Hilke lieferte auch gleich ein schlagkräftiges Argument pro Narcissus: Sie agieren vollkommen unabhängig, gehören auch nicht anteilsmäßig zu irgendeinem Verlagshaus, und daran solle sich auch zukünftig nichts ändern, so erklärte Hilke mir. Wenn sie vielleicht tatsächlich eines Tages, so zumindest ein Gedanke bei Narcissus, auch Print anbieten, und zwar mit Anbindung an den stationären Buchhandel, dann hätten sie einen unschlagbaren Vorteil. Aber das ist noch Zukunftsmusik, und bis dahin werden sich sicherlich auch die Wettbewerber weiterentwickeln.

Ich habe Hilke-Gesa Bußmann als eine äußerst sympathische, liebe Person kennengelernt, die mit voller Leidenschaft hinter dem steht, was sie macht, sei es die Arbeit für Narcissus, die Kooperation mit Matthias Matting bei der Selfpublisher-Bibel oder ihre eigenen Buchprojekte wie die Weltentaucher-Saga oder das geplante multimediale Reisebuch über ihr Lieblingsland Schottland.

Bookrix – unter Verlagsfittichen, aber frei wie ein Vogel

Am Freitag hatte ich einen Termin mit Lisa Frank, Director Community Management & Support bei Bookrix. Wir trafen uns am Stand von Bastei Lübbe, denen seit diesem Frühjahr die Community für Autoren und Leser mehrheitlich gehört.

Emily Bold in der SP Area
Ich bin ja selbst Mitglied bei BX, mein Nickname dort lautet "windjaeger". Ich freute mich, dass Lisa mich gleich zuordnen konnte und mich auch so ihrem Kollegen Johannes vorstellte. Ich gestand ihr, dass ich seit dem Relaunch der Seite Anfang 2013 nicht mehr besonders aktiv dort bin, weil ich mich nicht mehr so heimisch fühle. In der Tat hat es in jener Zeit eine Menge Umstrukturierungen im Hause Bookrix gegeben, der Relaunch war nur die gut sichtbare Spitze des Eisberges. Mittlerweile gehören sie also zu Bastei Lübbe, das BX-Team besteht aus 8 Leuten, die sowohl die deutsche als auch die amerikanische Community betreuen, die aus einer halben Million Usern besteht. Allerdings sei von dieser Zugehörigkeit kaum etwas zu spüren, so Lisa. Der Verlag lasse Bookrix freie Hand bei der Gestaltung und Verwaltung sowie bei Aktionen mit Lesern und Autoren.

Zu Lisas Aufgaben gehört es unter anderem, neue für den Verkauf via BX eingestellte Bücher zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen, falls bestimmte Richtlinien und Vorgaben nicht eingehalten werden. Sie nimmt den Kontakt zur Community sehr ernst, kommuniziert täglich mit den Mitgliedern, beantwortet Anfragen und hält ständig Ausschau nach besonderen Büchern, die es wert sind, durch BX speziell gefördert zu werden. Darin sieht Lisa auch das unschlagbare Argument für Bookrix: Nicht nur die Margen seien hier besonders gut kalkuliert, auch der Support sei wesentlich besser, weil direkt und persönlich. Darüberhinaus fördert BX die Sichtbarkeit der eBooks durch Produktoptimierung, schaltet auch schon mal Anzeigen bei XTME oder unterstützt ausgewählte, vielversprechende Autoren bei Korrektorat, Lektorat und Covergestaltung.

Das klang alles sehr vorbildlich und machte mir Lust, mich doch einmal wieder mehr mit Bookrix zu beschäftigen. Dieses Gespräch, das gefühlte zwei Stunden dauerte, war superinteressant, und Lisa stellte sich ebenfalls als eine unglaublich nette, herzliche Person heraus, die ihren Job liebt und mit Leidenschaft für Bookrix arbeitet.

Souvenirs und Erinnerungen

Was das Leser-Sammler-Herz begehrt

Was bleibt, sind die Erinnerungen an einige wunderbare Begegnungen mit wundervollen Büchermenschen, sei es der Verleger, der stolz über neu gewonnene Autoren berichtet, sei es die Autorenkollegin, die ich per Zufall bei einer der zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Selfpublishing in Halle 3.1 traf. Eines der Highlights war sicherlich mein Treffen mit Stefanie Maucher, auch so eine richtig liebenswerte Autorenkollegin, die extra aus Leipzig anreiste, um sich den Frankfurter Messestress zu geben. Durch Stefanie lernte ich dann noch die Autorin Katja Piel und die süße Mel Döring kennen, eine Bloggerin, die genau wie ich bei Qindie mitmischt. Mir gefiel unsere "bierselige" Runde draußen vor Halle 3!

Aber ich schleppte auch ordentlich Give-aways mit nach Hause. Das kurioseste war wohl eine einzeln verpackte Tofu-Salami, die es anlässlich einer frisch erschienenen Krimi-Anthologie mit dem Titel "Tod und Tofu" gab. Das war zwar mal eine originelle Abwechslung, aber leider weit entfernt von lecker. (Wieso, frage ich mich da jedes Mal wieder, wieso essen Menschen, die freiwillig auf den Genuss von Fleisch verzichten, Produkte, die aus Tofu hergestellt werden und den Geschmack und die Form von Fleisch nachahmen – beides aber komplett verfehlen?)

Ansonsten füllte ich vor allem am Freitag meine Bastei-Lübbe-Tasche mit reichlich Leseproben, Lesezeichen, Kulis, Buttons, Notizblöcken und manch anderem Krimskrams. Ich selbst brauche das alles nicht, aber ich weiß, dass sich viele, viele Bücherfans danach die Finger lecken. Also werde ich meine gesammelten Souvenirs die Tage hier im Blog noch verlosen. Augen auf, ihr Lieben!

Samstag: Auf zum BuCon

BuCon: Die Gewinner der Storyolympiade

Wer die Frankfurter Buchmesse kennt, weiß, dass diese erst ab Samstag für das Publikum geöffnet wird, und dann kommen sie tatsächlich in Massen angerannt. Ich kenne es nur vom Hörensagen, denn ich habe stets auf kluge Menschen gehört, die mir davon abrieten, die FBM am Wochenende zu besuchen. Das war aber auch gar nicht nötig, denn ich hatte am Samstag einen ganz anderen Termin auf dem Kalender: den Buchmesse Convent in Dreieich-Sprendlingen. Diese kleine, feine Buchmesse, die sich auf phantastische Literatur spezialisiert hat und auf der alljährlich der Deutsche Phantastik Preis verliehen wird, findet schon seit Jahren – ach was, seit Jahrzehnten! – in meiner unmittelbaren Nachbarschaft statt, und ich war trotzdem noch nie da gewesen. Das wollte ich jetzt endlich ändern. Und es hat sich gelohnt.

Der BuCon dauert nur einen Tag und verzeichnet um die 500 bis 600 Besucher. Er besteht aus einer übersichtlichen, aber hochkarätig besetzten Fachausstellung von 40 Kleinverlagen und Vereinen und bietet außerdem ein vollgepacktes Programm mit Lesungen und Vorträgen. Das Schöne hier war wirklich, dass ich auf dem BuCon die Leute persönlich treffen konnte, die sich in genau den Genres bewegen, in denen auch ich mich zu Hause fühle. Ich freute mich über ein Wiedersehen mit Steffen Janssen (Luzifer-Verlag) und Schemajah Schuppmann (Papierverzierer-Verlag), deren Tische direkt nebeneinander standen. Auch die liebe Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag war vor Ort und sprühte wie immer vor Energie. Endlich lernte ich auch Jürgen Eglseer persönlich kennen, in dessen Amrûn-Verlag die "Mängelexemplare: Dystopia" im Frühjahr erschienen. Er war auch zu meinen Söhnen, die ich mitgebracht hatte, superfreundlich und schenkte ihnen spontan ein Kinderbuch aus seinem Programm. Ich fand es herrlich, so gemütlich und auf Augenhöhe mit so vielen Gleichgesinnten zu sein, die ich bisher nur aus dem Internet und von Facebook & Co kannte, wenn überhaupt.

Grit Richter in ihrem Element

Ich denke, den BuCon werde ich ab sofort als festen Termin im Jahresplan notieren. Freunden der phantastischen Literatur in all ihren Facetten kann ich die kleine Schwester der Frankfurter Buchmesse jedenfalls empfehlen.

Ich verabschiede mich hochzufrieden und hochmotiviert vom diesjährigen Buchmesse-Zirkus! Und nicht vergessen: Stay tuned for the big FBM-Souvenir-Gewinnspielaktion!

P. S. Zwei interessante Prognosen möchte ich nicht unerwähnt lassen: Die eine betrifft den Buchmarkt an sich. Ein italienischer Experte soll vorausgesagt haben, dass im Jahr 2020 bereits 75 Prozent aller Autoren Self-Publisher sein werden. Die andere Prognose betrifft die Entwicklung der Trends in der Horrorszene. Ein Insider verriet mir, dass er erwartet, dass die klassische Spukgeschichte, angereichert mit modernen Elementen und originellen Wendungen, die noch dominierenden Zombiegeschichten und ultrabrutalen Torture-Porn-Stories ablösen wird. Das käme mir sogar sehr recht, denn dann könnte ich mein geplantes Romandebüt ja sehr passend platzieren (wenn ich es denn rechtzeitig zur Trendwende fertig kriege …).

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