Dienstag, 30. Dezember 2014

Buchtipp: Anthologie "Aus dunklen Federn"

Ich habe es bestimmt schon hier und da erwähnt: Ich liebe Kurzgeschichten, ich lese wahnsinnig gern Anthologien. Entsprechend neugierig war ich auf das Buch, das ich heute vorstellen möchte.

"Aus dunklen Federn" wurde von Sonja Rüther in ihrem eigenen kleinen Verlag Briefgestöber herausgegeben und erschien im November 2014. Das Buch hat kein übergeordnetes Thema; Vorgabe an die Autoren war es lediglich, eine unheimliche Kurzgeschichte nach eigenem Gusto zu schreiben. Zwei der Geschichten stammen aus der dunklen Feder der Herausgeberin höchstselbst, die anderen Geschichten wurden von diesen Autoren verfasst:

Thomas Finn, Lena Falkenhagen,
Markus Heitz, Hanka Jobke,
Boris Koch und Vincent Voss

Voss zählt längst zu meinen Lieblingsautoren, wenn es um gruselige Short-Stories geht. Von Finn und Heitz hatte ich vorher schon gehört, aber noch nichts gelesen (behaupte ich jetzt mal). Das und die sympathische Art, mit der Sonja ihr Buch unter anderem im Horror-Forum präsentierte, überzeugte mich, das Buch vorzubestellen. Belohnt wurde ich mit ordentlich Bonusbeigaben in Form von signierten Postkarten und obendrein einer Originalzeichnung von Sonja selbst. Sie ist eine begnadete Zeichnerin und schenkte mir meinen persönlichen Zombie.


My own personal Zombie! <3>
Was mir an der Gestaltung des Buches besonders gefiel, waren neben dem (dezent blutigen) Cover und den mit Foto garnierten Autorenbiographien auch die Titelbilder, die die beitragenden Autoren persönlich zu ihren Geschichten abgeliefert haben.

Aber nun zu den Geschichten selbst. Schließlich kommt es bei aller tollen Aufmachung am Ende immer auf den Inhalt an! Die Herausgeberin hat ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Beiträge für ihre Anthologie bewiesen. Fast jede Geschichte erzeugte eine gewisse Wirkung: Mal lief mir eine wohlige Gänsehaut über den Rücken, mal grinste ich in mich hinein, mal las ich mit angewiderter Faszination.

Kurz gesagt: Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, ich habe das dunkle Lesevergnügen sehr genossen. Dennoch war es hier wieder wie bei jeder Anthologie, die ich bisher gelesen habe: Einige Geschichten konnten mich nicht so überzeugen wie andere, manche jedoch hauten mich regelrecht um und ließen mich noch lange nach der Lektüre in düsteren Gedanken versunken zurück. Diese drei Geschichten waren meine Favoriten:

Sonja Rüther – "O Tannenbaum"
Ich las diese fiese Geschichte mit ordentlichem Ekelfaktor kurz vor Beginn der Vorweihnachtszeit. Eine gestresste Familie muss an Weihnachten sparen und holt sich einen billigen Tannenbaum ins Haus. Der beherbergt aber einige äußerst widerliche ungebetene Bewohner, und schon bald geht der Weihnachtshorror los. Bei aller Grässlichkeit schafft es Sonja Rüther, ihren ganz eigenen schwarzen Humor unterzubringen. Ich liebe die Geschichte, betrachte aber meinen eigenen Tannenbaum (der natürlich noch steht) mit einiger Skepsis – bisher ist alles ruhig geblieben …

Lena Falkenhagen – "Alles ganz normal"
Eine schwangere Frau ist plötzlich davon überzeugt, dass mit dem Kind in ihrem Leib etwas nicht stimmt. Eine Geschichte, die im Prinzip nur aus einer einzigen Szene besteht, die es aber in sich hat. Vielleicht hat mich diese Story so angesprochen, weil ich selbst Mutter bin und mich einfach gut in die Protagonistin hineinfühlen konnte. Auf jeden Fall fand ich die Atmosphäre großartig, diese Geschichte hatte was.

Vincent Voss – "Destruenten"
Voss durfte zwei Stories beitragen, auch die zweite mit dem Titel "Farben des Frühlings" war ziemlich geil. Aber sie ließ mich am Ende ein wenig ratlos zurück – irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob ich sie wirklich verstanden habe. Anders seine Bonusgeschichte "Destruenten". Meine Güte, war das gruselig! Der Junge im Tunnel, die dunklen U-Bahn-Schächte, etwas Altes, Böses, das dort unten lauert. Genau mein Ding und eine der gruseligsten Kurzgeschichten, die ich kenne, die nicht von Stephen King geschrieben worden ist.

Fazit: "Aus dunklen Federn" ist eine hervorragend gestaltete Anthologie mit sorgfältig ausgewählten Beiträgen von wirklich tollen deutschsprachigen Autoren. Ein Muss für Freunde dunkler Kurzgeschichten und eine Empfehlung für alle, die sich erst einmal mit den deutschen Horrorautoren vertraut machen wollen.

Ich vergebe 5 von 5 blutbesudelten, dafür parasitenfreien Weihnachtsbäumen.

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1 Kommentar:

Eva - Scathach testet hat gesagt…

Danke für deine Rezension zu diesem Buch :-) Damit hast du mich noch neugieriger gemacht und ich habe das Buch gleich mal aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse^^

Liebe Grüße
Eva von "Alles was Horror macht"