Sonntag, 15. November 2015

Buchtipp: "Du darfst mich nicht finden" von Vincent Voss

Ich hab es wieder getan: Ich habe wieder einen Voss gelesen! Diesmal einen Thriller, der aber mit Horror-Elementen nicht geizt. Darüber muss ich euch berichten, nicht nur, weil ich das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen habe, sondern weil es eine Empfehlung auf meinem Blog verdient hat.

"Du darfst mich nicht finden" erschien in der Reihe Hochspannung von Bastei Entertainment, und da passt der Titel auch absolut rein: Er erzählt eine rasante, hochspannende, brutale Geschichte im Geocacher-Milieu. Geo-was? Zufällig kannte ich mich schon vor der Lektüre mit diesem Thema aus, hatte ich doch sogar schon selbst mit meiner Familie Geocaching betrieben. Das ist, um es kurz zu machen, eine Art moderne Schnitzeljagd mit GPS-Navigation. Man sucht nach sogenannten Caches, die mal aus kleinen Döschen, mal aus richtigen Schatzkisten bestehen, deren ungefähre Lage zuvor zum Beispiel in einer App herausgesucht wird. Dann fängt man an zu suchen, und wenn man den Cache dann gefunden hat, darf man sich in ein Logbuch eintragen, das sich im Cache befindet und versteckt ihn wieder genauso sorgfältig für die nächsten Geocacher.

Wir haben bisher nur nach sogenannten Tradi-Caches gesucht, traditionelle Caches, die in der Regel an leicht zugänglichen Orten nicht zu schwierig versteckt waren, quasi die familienfreundliche Variante. Die Figuren aus Vincent Voss' Roman können darüber nur müde lächeln. Lloyd will mehr. Der erfahrene Geocacher hat schon die abenteuerlichsten Caches geborgen und ist stets auf der Suche nach dem nächsten Kick. Den glaubt er gefunden zu haben, als er auf eine mysteriöse Website namens Cazimi-Caching stößt, wo er seine Handynummer hinterlässt, um auf den Trip eingeladen zu werden. Zwei befreundete Geocacher, Stars der Szene, warnen ihn eindringlich davor, sich auf Cazimi-Caching einzulassen, doch Lloyd hat sich da innerlich längst entschieden. Der geheimnisvolle Anruf folgt schon bald, und der Cache trägt den Namen einer Geocacherin, die vor einigen Monaten spurlos verschwand. Lloyd überredet seine drei Freunde, sich mit ihm auf den Trip zu begeben und nach "Jennifer" zu suchen, von der sie hoffen, dass sie noch lebt und sie sie retten können.

Sie landen in einer fast unbewohnten Waldgegend, die direkt aus dem nächsten Hollywood-Schlitzer-Horrorfilm stammen könnte, und der Horror lässt auch nicht lange auf sich warten, kaum dass sie den Wald betreten haben. Geheimnisvolle Hütten im Wald, kryptische Botschaften von anderen Geocachern, die vor ihnen hier gewesen zu sein scheinen, unheimliche Geräusche und Schemen mit Hörnern, die durchs Unterholz schleichen - dazu ständig dieser Nebel und das schlechte Wetter! Als sich ein paar aus der Gruppe durch merkwürdige Umstände schwer verletzen, hat der Spaß längst aufgehört, und allen ist klar: Nicht sie sind die Jäger, sie sind diejenigen, die gejagt werden. Doch wer oder was steckt hinter diesem bösartigen Katz-und-Maus-Spiel?

Mein Eindruck:
Ich mag den Einstieg sehr - direkt, ohne große Vorrede und irgendwelche blumigen Beschreibungen. Ein paar Teilnehmer der Leserunde störten sich daran, dass Voss seine Figuren nur sehr spärlich beschreibt. Ich kenne von niemandem die Haar- oder Augenfarbe, weiß nicht, ob Hope hübsch ist und ob die Herren in der Runde Waschbrettbäuche haben oder sich widerspenstige Haarsträhnen aus dem kantigen Gesicht streichen. Zum Glück! Das Äußere ist für die gesamte Geschichte komplett unwichtig. Was ich über die vier Freunde wissen muss, weiß ich. Mehr braucht es nicht.
Voss spart stattdessen nicht an Hinweisen, Spuren, falschen (?) Fährten und dekoriert alles mit diesem unwirtlichen, unheimlichen Wald, in dem sich unsere vier Abenteurer verirren. Über allem liegt das Gefühl der Bedrohung wie eine schwere Käseglocke, so dass von Anfang klar ist, dass das für die Gruppe kein gutes Ende nehmen kann. Ich mag das sehr.

Mir gefällt die horrormäßige Atmosphäre irre gut. Plastisch und filmreif dargestellt, lässt mich vieles an Gänsehautklassiker aus dem Kino wie das Blairwitch Project denken. Aber auch Genreperlen wie "Evil Dead", "Cabin in the Woods", selbst "Hostel" und so ziemlich jeder Backwood-Slasher scheinen den Autoren inspiriert zu haben. Selbst der typische widerwärtige, zwielichtige Hinterwäldler darf nicht fehlen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts dagegen, wenn bekannte Motive aus anderen Büchern und Filmen neu "verhackstückt" werden, wenn, ja wenn sie denn auf gekonnte Weise neu kombiniert und mit eigenen Ideen angereichert werden. Und das hat Herr Voss hier meisterlich gemacht!

Voss bürdet seinen Romanfiguren eine Menge Leid auf und lässt das Ganze in einem bösen, blutigen Showdown enden, der mir vielleicht ein Fitzelchen zu schnell "abgespult" wird, wenn ich dann noch kurz "meckern" darf. Mehr will ich aber nun wirklich nicht verraten, ihr sollt das doch selbst noch lesen!

Ich hatte viel Spaß mit diesem Buch und wünsche ihm noch viele weitere begeisterte Leser!

Ich vergebe viereinhalb von fünf blutbeschmierten Caches!

"Du darfst mich nicht finden" ist übrigens schon Vincent Voss' zweiter Auftritt in der Hochspannung-Reihe. Alle Titel findet ihr hier.

1 Kommentar:

Anja Bauer hat gesagt…

Ui, ein Buch wie für mich gemacht. Kommt gleich auf die Wunschliste. Vielen Dank für die Vorstellung. Schon allein das Cover ist sehr ansprechend.
Liebe Montagsgrüße
Anja vom kleinen Bücherzimmer

P.S. habe gerade gesehen, das es nur als Ebook gibt. Sehr schade, also wieder runter von der Wunschliste :-(