Mittwoch, 20. April 2016

Buchtipp: "Der Ruf der Dunkelheit" von Vincent Voss & Constantin Dupien

Wenn mein Lieblingsherausgeber und mein Lieblingsautor gemeinsame Sache machen, kommt dann dabei ein neues Lieblingsbuch heraus? Nun, auf jeden Fall stand für mich fest, dass ich das von Vincent Voss und Constantin Dupien gemeinsam geschriebene Werk "Ruf der Dunkelheit" unbedingt lesen musste. Nun ergab es sich, dass ich das Buch bei einem Gewinnspiel ergattern konnte. Obwohl genug andere Bücher darauf warteten, von mir gelesen zu werden, wollte ich wenigstens schon einen kurzen Blick hineinwerfen - und habe es gleich ganz gelesen.

"Ruf der Dunkelheit" verfolgt einen spannenden Ansatz. Die Geschichte kombiniert die Schrecken des Ersten Weltkrieges mit Horror der düstersten Sorte. Dabei verarbeiteten die Autoren den Weihnachtsfrieden, der tatsächlich im Jahr 1914 zwischen den Deutschen und den Briten stattgefunden hatte: Einen Abend lang vergaßen die Soldaten in den Schützengräben in Flandern, dass sie Feinde waren und einander bekämpften. Stattdessen feierten sie gemeinsam das  Weihnachtsfest.

Vor diesem Hintergrund folgt der Leser den Schicksalen zweier Soldaten, die stellvertretend die jeweilige Front beschreiben. Private William Mallory ist der eine, ein britischer Soldat, der die Geschehnisse als Ich-Erzähler in der Vergangenheitsform wiedergibt, seine Parts lesen sich wie eine Mischung aus Tagebuch und Brief. Walter Heilmann ist der Name des deutschen Soldaten, seine Kapitel werden ebenfalls aus der Ich-Perspektive, aber in der Gegenwartsform erzählt, was mich als Leserin noch viel näher an die Geschichte heranzieht. Während ich mit Mallory gemeinsam auf die Schrecken zurückblicke und seine im Nachhinein gezogenen Schlüsse mitvollziehe, weiß ich bei Walter immer nur das, was auch Walter in dem Moment weiß. Beides hat seinen Reiz, und beides harmoniert ganz wunderbar miteinander, auch die verschiedenen Schreibstile von Voss und Dupien greifen ineinander wie Teile eines Uhrwerks.

Zunächst erfährt man einiges über die realen Schrecken des Krieges. Ich fühlte mich schnell an meine damalige Pflichtlektüre in der Schule erinnert, als wir "Im Westen nichts Neues" lesen mussten. Aber es dauert nicht lange, bis das Grauen Einzug hält. Es ist namen- und formlos, eine dunkle Macht, die im Boden steckt, auf dem der Krieg ausgetragen wird, und es ergreift nach und nach Besitz von den Soldaten. Es schickt sie in den Wahnsinn, lässt sie unaussprechliche Dinge tun und verwischt die Grenzen zwischen Realität und Vision. Spätestens als Mallory und Walter einander irgendwo zwischen den Fronten begegnen, eskaliert die Lage.

"Ruf der Dunkelheit" ist wahnsinnig düster, über allem schwebt permanent diese unbestimmte Bedrohung. Ich bin keine Expertin, was Kriegsführung und Waffenkunde im Allgemeinen und den Ersten Weltkrieg im Speziellen betrifft, aber ich hatte zu jedem Zeitpunkt den Eindruck, dass die Autoren ihre Hausaufgaben sorgfältig gemacht haben. Man muss auch nicht wirklich Ahnung von Militärkunde und deutscher Geschichte haben, um Gefallen an der Lektüre zu finden. Denn der Krieg und seine Schrecknisse bilden lediglich den Rahmen und bieten dem Bösen, das dort in seinen Schatten lauert, genügend Versteckmöglichkeiten.

Auch wenn mir das Ende fast ein wenig zu abrupt daherkam, hat mir dieses Buch richtig gut gefallen, denn seine extrem gruselige Atmosphäre hatte mich von Anfang bis Ende in seinem Bann - so etwas mag ich sehr!

Ich vergebe 4,5 von 5 modrig riechenden Soldatenstiefeln.

"Ruf der Dunkelheit" ist bisher nur als ebook erschienen und kann HIER käuflich erworben werden.

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