Sonntag, 7. Mai 2017

Buchtipp: Andreas Gruber - Apokalypse Marseille

Ich lese in letzter Zeit wieder verstärkt Anthologien und Kurzgeschichtensammlungen. Und da sind ein paar echte Perlen dabei, schließlich konzentriere ich mich auf die Kandidaten der Midlist für den Skoutz Award Anthologie. Denn diese Midlist habe ich ja als Jurorin zusammenstellen dürfen.

Das erste Buch, das ich aus dieser Liste komplett gelesen habe, ist "Apokalypse Marseille" von Andreas Gruber. Von diesem Autoren hatte ich schon vorher viel Gutes gehört, aber tatsächlich noch nichts gelesen. Bei "Apokalypse Marseille" handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich grob ins Genre Science Fiction einordnen lassen, wobei auch Elemente aus Horror und Thriller hineinspielen. Von Aliens über Zeitreise und Cyborgs bis zu Weltuntergang ist alles dabei. Und Gruber versteht es hervorragend, eine beklemmende, spannende, unheimliche Atmosphäre zu schaffen.

Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Geschichten ...


Sieben Ampullen

Wir begleiten einen Mann bei seinem Amoklauf. Er tötet seine komplette Familie, obwohl er sie über alles liebt. Warum nur tut er das? Diese Geschichte gibt eine unglaubliche Antwort.

Ramada Inn

Als Busfahrer für die Regierung zu arbeiten, ist kein Zuckerschlecken. Insbesondere wenn die Passagiere aus einer Gruppe von Qaarteln bestehen. Was Qaarteln sind? Keine angenehmen Zeitgenossen, so viel darf ich schon einmal verraten.

Biohybriden

Kennt ihr diese düsteren Krimis von damals, wo ein Detektiv in seinem Büro von einer attraktiven, geheimnisvollen Frau besucht wurde, die ihm einen seltsamen Auftrag gab? Dieses Setting hat Gruber in ein New York der Zukunft verlegt, und der Detektiv erledigt seinen Job mit einigen raffinierten Hilfsmitteln.

Einundvierzig Grad nördliche Breite

Eine unglaublich spannende Zeitreisegeschichte, die ein ganz neues Licht auf den spektakulären Untergang der Titanic wirft - davon hätte ich sehr gern eine Verfilmung!

Weiter oder Raus

Oh Gott, das Lesen dieser Story hat mir dermaßen körperliches Unbehagen beschert wie kaum eine Geschichte zuvor. In einer perversen Spielshow lassen sich Kandidaten freiwillig und für viel Geld körperlich quälen und verstümmeln. Fast nicht zu ertragen, aber verdammt gut.

Wenn der Himmel gefriert

Die ganze Welt wurde von einer fremdartigen Macht erobert, die alles menschliche Leben auslöschen will, doch die Überlebende Naluk gibt nicht auf und benutzt einen einfachen wie genialen Trick, um den Feinden zu entkommen. Wie lange wird es aber noch funktionieren?

Parkers letzter Auftrag

Nanotechnologie ist mir ehrlich gesagt ziemlich unheimlich. Um genau diese Technologie geht es in der Geschichte, und sie zeigt einmal mehr, was an Nanorobotern und Co. so unheimlich ist.

Der Maya-Transmitter

Steampunk in Mittelamerika. Eine Maya-Pyramide birgt ein dunkles Geheimnis, und ein paar mutige Forscher versuchen, diesem auf den Grund zu gehen.

Sabrina

Ein Student verliebt sich in ein Mädchen, das irgendwie ... anders ist. Sagen wir es so: Sabrina kommt nicht von hier. Aber mehr verrate ich nicht!

Raum Nr. 7

Hamburg irgendwann in der Zukunft. Bender arbeitet bei der Polizei und verwendet zur Aufklärung von Todesfällen eine besondere Methode: Memory Reconstruction. Sein neuester Fall bringt ihn an seine Grenzen.

Apokalypse Marseille

Die titelgebende Geschichte spielt an der südfranzösischen Küste, die nach einer globalen Nuklearkatastrophe im Sterben liegt. Mittendrin Guyenne, ein Handlanger, der für seinen fiesen Boss die dreckigen Aufträge erledigt - dabei ist er selbst bereits todsterbenskrank. Das sind aber irgendwie alle, die bis hierher überlebt haben. Trostloser und düsterer geht Dystopie kaum noch.

Asteroid CMG 8

Endlich. SciFi, die auch so richtig im Weltall spielt. Ein Astronaut macht eine Bruchlandung auf einem Asteroiden. Wundersamerweise entdeckt er eine Art Bunker, in den er sich retten kann. Aber was hat es damit auf sich? Wer hat ihn einst gebaut, und welchem Zweck dient er?

Die Weltmaschine

Steampunk vom Feinsten. Wien im Jahr 1899. Moritz Cernizky ist Wissenschaftler und am Bau der größten Maschine beteiligt, die die Menschheit je gesehen hat. Das streng geheime Projekt findet unter der Erde statt und löst von Zeit zu Zeit Erdbeben in der österreichischen Metropole aus. Cernizky erhält Besuch von einem Mann aus der Zukunft, der den Auftrag hat, ihn zu töten. Doch bevor er das tun kann, verwickelt Cernizky ihn in ein Gespräch, denn er ist neugierig: Wer hat den Mörder aus der Zukunft geschickt, und warum soll der Wissenschaftler sterben?

Und da sind wir am Ende angelangt. Gruber hat für dieses Buch noch ein interessantes Vorwort darüber verfasst, wie er seine Liebe zur Science Fiction entdeckte und pflegte. Außerdem gibt es zu jeder Geschichte ein kurzes Vorwort, in dem er dem geneigten Leser ein paar Hintergrundinfos über die Entstehung präsentiert.

Ich weiß nun, dass es dieses Buch mehr als verdient hat, auf der Midlist für den Skoutz Award zu stehen. "Apokalypse Marseille" hätte es auch verdient, noch viel weiter zu kommen. Es sind allesamt originelle, sauspannende Geschichten, gespickt mit Überraschungen und Wendungen, die einem noch beim Lesen das eigene Bild komplett über den Haufen werfen. Dieses Buch ist außerdem der beste Beweis dafür, dass gerade das Genre SciFi hervorragend als Kurzgeschichte funktioniert.

Meine Favoriten sind übrigens "Sieben Ampullen", "Weiter oder Raus" und "Einundvierzig Grad nördliche Breite".

Ich gebe eine ganz klare Empfehlung nicht nur für SciFi-Fans, sondern für alle, die spannende (Kurz-)Geschichten mögen.

Dafür gibt es von mir 5 von 5 Sternen aus weit entfernten Galaxien!

"Apokalypse Marseille" von Andreas Gruber ist im Luzifer Verlag erschienen und kann hier direkt im Verlagsshop oder hier beim großen A als E-Book oder Taschenbuch erworben werden.


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