Dienstag, 10. Oktober 2017

Frankfurter Buchmesse 2017 ist eröffnet!

Ich bin gerade heimgekommen von einer wirklich schönen Eröffnungsfeier der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Was ich schon einmal verkünden kann: Die Buchmesse ist eröffnet. Ab morgen früh können Buchmenschen aus aller Welt sich wieder die Füße platt laufen. Das Gastland Frankreich hat einen echt schönen Pavillon gestaltet, in dem man sich zwischen endlosen Reihen aus hölzernen Buchregalen gerne mal verläuft und die Zeit beim Durchblättern der ausgestellten Bücher und Bildbände vergisst.

M & M

Neben den "üblichen Verdächtigen" wie Heinrich Riethmüller vom Börsenverein des deutschen Buchhandels und diversen prominenten Persönlichkeiten aus der Welt der Medien hatten sich zwei besondere Gäste für den Abend angekündigt: Emmanuel Macron, französischer Präsident, und Dr. Angela Merkel, unsere Bundeskanzlerin.

Selfie mit Le Président
Beide Politiker stehen für die historisch gewachsene Freundschaft zwischen beiden Ländern und wurden in ihren jeweiligen Reden nicht müde zu betonen, welch gute Beziehungen Deutschland und Frankreich verbinden und welche große Rolle beide Länder in Europa spielen. Vorbilder und Vorreiter wollen sie sein.

"Ohne Kultur kein Europa."
Emmanuel Macron

Frau Dr. Merkel habe ich bei der anschließenden Einweihung des Pavillons nicht mehr zu Gesicht bekommen, die muss schnell durchgerauscht und wieder abgereist sein. Monsieur Macron hielt zum Glück länger durch, und ich bekam Gelegenheit, bis auf wenige Meter an ihn heranzukommen. Sogar ein Selfie hab ich mit ihm gemacht - na ja, irgendwie ist es mehr ein Suchbild geworden, aber egal. Es ist ein Selfie von mir, und Macron ist auch drauf. So.

Französisch leicht und luftig

Hier wird durch's Rohr gesprochen.
Wie das jeweilige Gastland seinen Pavillon schließlich gestaltet, ist jedes Jahr wieder eine Überraschung. Ich war nicht jedes Mal begeistert. Mein Favorit ist immer noch der Pavillon von Neuseeland, der ganz im Dunkeln lag und in der Mitte einen See hatte. Aber die Franzosen haben es sehr schön und sehr ... buchlastig gelöst, was ja ganz im Sinne einer Buchmesse ist. Die gesamte Fläche wurde labyrinthartig mit hellen Holzregalen bestückt, teilweise mehrere Meter hoch. In den Regalen finden sich - thematisch sortiert - Unmengen von Büchern zum Anschauen und Hineinlesen. Eine Guttenbergpresse steht auch mittendrin, auf der man sich die Menschenrechte zum Mitnehmen ausdrucken lassen kann.

Es dauerte zwar, bis endlich die Schnittchen, Häppchen und Getränke gereicht wurden, aber was dann alles aufgefahren wurde, das war sensationell. Lauter leckere Kleinigkeiten! Ich war noch nie so satt aus einer Buchmesseeröffnungsfeier rausgegangen wie aus dieser.

Französische Scheibenjongleure
Das Rahmenprogramm bestand übrigens aus einem DJ-Duo, das französisch-lässige Klänge auflegte, und einer Truppe von ... ich würde sie Performancekünstler nennen. Die schwarz gekleidete Truppe lief mit Regenschirmen und Rohren zwischen den Leuten umher, blieb immer mal stehen und hielt ihre Rohre an die Ohren der Gäste und flüsterte ihnen auf diese Weise etwas zu. Was immer sie ihnen erzählten, die Leute lauschten andächtig und lächelten verzückt. Ich selbst kam leider nicht in den Genuss, fand es aber irgendwie faszinierend.

Lustige Anekdote am Rande: Wir kamen mit halbvollen Sektgläsern im Pavillon an, die wir von der Sektbar vor dem Congress Centrum mitgenommen hatten. Da sprach uns eine ältere Dame an, wo wir denn die vollen Gläser herhätten, sie hätte hier noch keinen Ausschank entdeckt. Während ich es ihr erklärte, merkte ich, wie bekannt sie mir vorkam. Als sie weg war, wussten meine Begleitung und ich wieder, wer das war: Petra Roth, Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin!

Politisch-literarisch

Emmanuel Macron
Mir war klar, dass die Reden heute Abend nicht nur die schönen Dinge wie Literatur und Kunst thematisieren würden. Jeder Redner, von Messechef Jürgen Boos über Heinrich Riethmüller bis hin zu Emmanuel Macron und Angela Merkel, waren sehr politisch in ihren Vorträgen. Peter Feldmann, Frankfurts Oberbürgermeister, hielt noch die am wenigsten politische Rede. Alle anderen betonten Dinge wie Meinungsfreiheit, die Bedrohung der Demokratie durch Wut, Hass und Angst, die Bedeutung von Büchern als Waffen im Kampf für die Freiheit oder den Rechtsruck in Europa.

"Bücher sind Zündstoff
und werden von Despoten gefürchtet."
Heinrich Riethmüller

Die Rede von Macron war mir persönlich etwas zu lang und hatte mit einem weiteren Nachteil zu kämpfen: Da ich die französische Sprache nicht gut genug beherrsche, um eine ganze Rede eines französischen Politikers im Original anzuhören und zu verstehen, griff ich auf das Dolmetschergerät zurück, das auf jedem Platz auslag. Aber der Dolmetscher, der da versuchte, Macrons Rede zu übersetzen, wirkte auf mich hoffnungslos überfordert. Ich konnte dem Wirrwarr seiner Sätze kaum folgen, bin mir aber sicher: Das lag nicht an der Rede selbst, sondern an dem leider suboptimalen Dolmetscher. Aber Schwamm drüber! Merkel sprach dafür nicht nur in meiner Muttersprache (!), sondern auch noch ziemlich unterhaltsam und zum Glück nicht zu lang. Danach erklärten Merkel und Macron zusammen mit Riethmüller die Buchmesse für eröffnet.
Ruhe, jetzt redet Mutti!

Also, ihr lieben Buchmenschen,
auf nach Frankfurt, auf zur Buchmesse!
Ich wünsche euch allen ganz viel Spaß dabei!

Monsieur Macron badet in der Menge


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