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Sonntag, 29. Oktober 2023

Buchtipp: "Der Skandal" von T. S. Orgel

Das schreibende Brüderpaar, das hinter dem Pseudonym T. S. Orgel steckt, ist schon seit einigen Jahren fester und erfolgreicher Bestandteil der deutschsprachigen Phantastik. Bekannt sind sie für ihre epischen Fantasyromane, aber auch für historische Romane und Science Fiction. Sie sind gern gesehene Gäste beim BuCon und bereichern dessen Programm regelmäßig mit ihren launigen Lesungen - wirklich, die solltet ihr euch mal live gönnen, macht Spaß!

Nun habe ich aber tatsächlich noch kein einziges ihrer Bücher gelesen - bis heute, und was ich euch heute vorstellen möchte, fällt schon rein vom Thema total aus dem "typischen" Orgel-Schema. Es handelt sich nämlich um einen Thriller. Einen Biothriller, genauer gesagt.

"Der Skandal" fühlt sich an wie ein Kino-Blockbuster, in dem es um Weltkonzerne, raffinierte Biotechnologie, korrupte mächtige Menschen, clevere Aktivistinnen und eine Bedrohung für die gesamte Menschheit geht. Würde mich wirklich nicht wundern, wenn das demnächst bei Netflix & Co. angekündigt wird. Vor meinem inneren Auge lief jedenfalls die ganze Zeit der Film mit.

Worum geht es?

Da ist dieses supermoderne, coole Unternehmen namens Light Foods. Die haben es geschafft, Fleisch im Labor zu züchten. Für dieses Fleisch müssen keine Tiere sterben, und es unterscheidet sich in Geschmack, Optik und Struktur nicht von echtem Fleisch - im Gegenteil: es schmeckt noch besser. Zu schön, um wahr zu sein? Firmenchef Dan Light ist von seiner Vision und seiner Firma absolut überzeugt. Das Geschäft brummt, die ganze Welt ist verrückt nach seinen Produkten. Doch dann tauchen Gerüchte auf, dass Light Foods etwas mit den immer häufiger auftretenden Fällen einer tödlichen Krankheit namens TASE zu tun hat. Als eine Gruppe von Aktivisten, die ebenfalls diesem Verdacht nachgehen, mit einer Aktion für die nötige Aufmerksamkeit sorgen, eskaliert die Situation, und plötzlich stehen nicht nur die Aktivisten im Fokus, sondern Dan Light selbst gerät unter Verdacht und riskiert, alles zu verlieren.

Mein Eindruck

Ich bin ganz angetan von diesem Thriller. Er spielt in Deutschland - Berlin, Müritz, die Mecklenburger Seenplatte, das Brandenburger Havelland sind die Schauplätze. Die vielen technischen Details sind leicht verständlich in die Handlung eingebaut. Es werden immer mal falsche Fährten ausgelegt und mehr oder weniger überraschende Wendepunkte eingebaut. Ich mochte die kleinen Seitenhiebe hier und da auf gewisse in der realen Welt existierende Milliardäre, die zufällig auch im Brandenburger Land Standorte für ihre zukunftsorientierten Technologien betreiben. Mir hat es auch Spaß gemacht mitzuraten, welche Figur ein falsches Spiel spielt und wer sich am Ende als gar nicht so großes Arschloch herausstellt, wie ich das als Leserin zunächst annehmen sollte.

Wer Thriller mag, in denen es um die Tücken der Technologie geht, wird hier fündig. Rasant, unterhaltsam und hochaktuell verpackt erzählen uns die Orgels eine spannende Geschichte, deren reale Hintergründe gar nicht mehr so Science Fiction sind, sondern möglicherweise schon bald bestimmender Teil unserer Welt sein könnten.

Von mir gibt es 4, 5 von 5 kontaminierten Nährlösungstanks.


Ihr findet das Buch "Der Skandal" überall im Buchhandel und allen einschlägig bekannten Online-Shops.

Bilder: Offizielle Website von T. S. Orgel


Mittwoch, 26. Oktober 2022

Buchtipp: Stephen King - "Das Institut"

Ich habe endlich wieder ein Buch von Stephen King gelesen. Meine Leidenschaft für Bücher im Allgemeinen und für Horror im Speziellen hing schon immer eng mit diesem Autor zusammen. Eigentlich wollte ich bei King auch stets auf dem aktuellsten Stand bleiben, wollte jedes Buch quasi sofort nach Erscheinung lesen, aber das konnte ich irgendwann nicht mehr wuppen. Inzwischen stehen etliche Stephen-King-Titel noch auf meiner Muss-ich-unbedingt-noch-lesen-Liste. Bei "The Institute" kann ich endlich einen Erledigt-Haken setzen.

Worum geht's?

(Ich habe die englische Originalversion gelesen, möglicherweise verwende ich hier und da abweichende Begriffe, die ich mir selbst übersetzt habe, oder die originalen englischen Namen.)

Luke Ellis, ein zwölfjähriger Junge, führt ein ganz normales Leben in einem Vorort von Minneapolis. Er ist verdammt schlau für sein Alter, und manchmal gelingt es ihm, leere Pizzakartons vom Tisch zu schubsen - nur mit seinen Gedanken. Aber das ist an sich unspektakulär, glaubt zumindest Luke. Bis eines Nachts Fremde in das Haus der Familie Ellis eindringen, Lukes Eltern kaltblütig ermorden und den Jungen entführen. Als er zu sich kommt, befindet er sich in einer fast exakten Kopie seines echten Zimmers, aber dieser Raum liegt im Inneren eines unheimlichen, vor der Welt verheimlichten Ortes, der von seinen Betreibern nur das Institut genannt wird.

Hierher wurden andere Kinder auf ähnliche Weise verschleppt, und sie alle haben etwas gemeinsam: Sie besitzen paranormale Kräfte - Telekinese oder Telepathie, die einen nur schwach, die anderen etwas stärker. Die Menschen im Institut führen seltsame Untersuchungen an Luke durch, injizieren Substanzen, bedrohen und bestrafen ihn. Luke erkennt bald, dass es darum geht, seine übersinnlichen Fähigkeiten zu verstärken, auch wenn er keine Ahnung hat, zu welchem Zweck. Nach und nach verschwinden die Kinder, mit denen er sich im Institut angefreundet hat. Er erfährt, dass es hinter dem Teil, in dem er untergebracht ist, der Front Half, einen weiteren Bereich gibt, die Back Half. Dorthin werden die Kinder gebracht, und von dort ist noch niemals jemand zurückgekommen. Luke weiß, wenn er dran ist und in die Back Half umziehen muss, ist er verloren. Also schmiedet er einen waghalsigen Fluchtplan, aber noch nie konnte ein Kind entkommen. Doch Luke muss es versuchen - für sich selbst und für seine Freunde.

So. Mehr kann und sollte ich an dieser Stelle gar nicht verraten.

Wie hat es mir gefallen?

Der Roman ist - wie ich es von King gewohnt bin - wahnsinnig komplex und mit einem zahlreichen Cast ausgestattet. Tatsächlich dauert es eine Weile, bis die eigentliche Geschichte um Luke Ellis richtig losgeht. Am Anfang geht es nämlich erst einmal um eine andere Figur, der wir Lesenden folgen, bis wir sie plötzlich zurücklassen und uns Lukes Geschichte zuwenden. Das hat natürlich alles seine Gründe, und irgendwann werden die Schicksale aller Figuren an einem Ort zusammengeführt, aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Vermutlich war auch dieser verwirrende Anfang ein Grund, dass ich das Buch vor sicher zwei Jahren anfing zu lesen und dann erst einmal beiseite legte. Erst in diesem Jahr nahm ich es mir wieder vor und las weiter. Und als die Dinge im Institute ins Rollen kamen - sagen wir: spätestens, als Luke begann, die Punkte zu sehen -, war ich gefesselt und wollte unbedingt lesen und weiterlesen.

Also hat es mir gefallen? Ja, definitiv ja. Vermutlich lag es an mir selbst und dem Zeitpunkt, als ich mit der Lektüre begann, dass ich nicht so richtig reinfand. Was ich sehr mochte, waren die Kinder im Institut. Jedes hatte seine Geschichte, war besonders, merkwürdig auf eine Weise, aber liebenswert. Mit den Kids, allen voran Luke und Avery, bangte und litt ich am meisten. Es war schön, wieder eine Geschichte von Stephen King zu lesen, in der Kinder die Hauptrolle spielten. Er hat es immer noch drauf, ihre Gefühle, Ängste und kindliche Sicht auf die Welt einfühlsam und glaubhaft zu vermitteln. Aber auch die Bösewichte haben Spaß gemacht, allen voran Mrs. Sigsby. Eine wirklich durchtriebene Antagonistin! Hätte nur noch gefehlt, dass sie rosa Outfits trägt und lauter Katzenbilder in ihrem Büro hat.

Fazit

"The Institute" ist nach meinem Verständnis kein Horror-Roman, zumindest kein reiner. Es ist ein Thriller mit politischer Botschaft und - typisch King - klarer Kritik an Donald Trump und seiner Art, Politik zu betreiben. Das Buch ist Science Fiction, Mystery, und es bedient sich einiger klassischer Verschwörungstheorien, allen voran der, nach der hinter den Kulissen geheime Organisationen die Fäden der Macht in der Hand halten und die Geschicke der Menschheit lenken. Aber das Gefühl des Horrors, des Terrors, insbesondere immer dann, wenn Kinder in Gefahr geraten, ist nicht zu rar gesät und gipfelt in einem epischen Showdown. Überhaupt mochte ich das Ende, es fühlte sich richtig an und wirkte auf mich so, als hätte King es wirklich so geplant und gewusst, was er tat. (Tatsächlich wird King häufig für seine schwachen Enden kritisiert, aber das kann man ihm hier meiner Meinung nach wirklich nicht vorwerfen.)

Ich vergebe für "The Institute" 4,5 von 5 Kaugummi-Zigaretten.

P. S. Oben seht ihr übrigens das amerikanische Cover, weiter unten das deutsche, wie es bei Heyne erschien. Ich mag beide, finde das amerikanische aber ein wenig atmosphärischer.

P. P. S. Übrigens gibt es auch für "The Institute" Pläne, es zu verfilmen. Auf imdb.com existiert bereits ein Eintrag, der aber nicht viel mehr als die Kurzzusammenfassung sowie den Hinweis enthält, dass eine TV-Miniserie geplant sei. Dies wurde auch schon 2019 bei Filmstarts bestätigt. Wir werden es rechtzeitig erfahren, und ich setze es zumindest gedanklich schon einmal auf meine Watchlist.

Freitag, 19. Juli 2019

Buchtipps für eure Urlaubslektüre - Gänsehaut garantiert - Teil 2

Ich bin zurück aus meinem Sommerurlaub und habe mich nicht nur gut erholt, sondern auch endlich Zeit gehabt, um mal wieder in Ruhe zu lesen. Zwei Bücher habe ich während meines Urlaubs gelesen, zwei ganz unterschiedliche Bücher, beide verdammt gut und deshalb heute meine unbedingte Empfehlung wert.

Heute kommt Buchtipp Nr. 2:

"Alles über Frau Dohle" von Oliver Susami

Es war nicht mein erstes Buch von Oliver Susami, dennoch hat es mich wieder umgehauen, wie großartig dieser Autor schreibt, wie spannend er erzählt, wie er es schafft, mich weiterlesen zu lassen, ohne Rücksicht auf die Uhrzeit. Es ist mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich ein Buch so "inhaliert" habe wie dieses.

"Alles über Frau Dohle" erzählt die unglaubliche Geschichte von Maria Holtzmacher, die aber geradezu unerträglich spießig beginnt. Maria führt ein eher langweiliges, ereignisloses Leben als Ehefrau eines cholerischen, reichen Unternehmers mit Hang zum Alkoholismus und Mutter von Katharina und Tom. Eines Tages rettet sie eine junge Dohle vor einer Katze. Das verletzte Jungtier überlebt, doch es lernt nie zu fliegen, und so lebt Herr Klostermayer, wie sie den Vogel tauft, fortan bei ihr und verleiht ihr den Spitznamen Frau Dohle.

Alles ändert sich, als Marias exzentrischer Sohn Tom, ein begabter Künstler, bei einem Autounfall ums Leben kommt. Als sie in seinem Haus, das voll von Toms Kunstwerken ist, nach dem Rechten sehen will, entdeckt sie in einem versteckten Raum ein fast verhungertes Mädchen in einem Käfig. Soll Tom, ihr zwar eigensinniger, aber sensibler, ganz sicher harmloser Sohn, etwa ein psychopathischer Entführer und Vergewaltiger gewesen sein? Für Maria Holtzmacher und ihre Familie beginnt ein Albtraum aus Medienschlammschlacht, Shitstorm und Spießrutenlauf, doch trotz aller Widrigkeiten steht für Maria fest: Ihr Sohn war unschuldig, und sie wird es beweisen.

Es ist nicht nur die haarsträubend spannende Geschichte, die mich in ihren Bann geschlagen hat und die garantiert so manchen Leser bis zum Ende an der Nase herumführen wird (bei mir hat es funktioniert). Es liegt vor allem am wunderbaren Stil von Susami: auf eine Weise sehr schlicht, passend zu Maria Holtzmachers eher schlicht-naivem Gemüt, auf eine andere Weise aber auch sehr abgründig, direkt, brutal und dabei so bildhaft, dass mein Kopfkino die ganze Zeit mitlief - in Farbe und 3D!

Und übrigens: Ich habe schon lange nicht mehr eine Figur in einer Geschichte so verabscheut wie diese eine Figur in diesem Buch. Lest es selbst, dann werdet ihr wissen, was ich meine!

Eine wahre Perle im unüberschaubaren Meer der Selfpublisher. Wenn ihr Thriller und packende Familiengeschichten über düstere Geheimnisse und Abgründe mögt, werdet ihr dieses Buch lieben!

Auf jeden Fall findet ihr "Alles über Frau Dohle" auf Amazon, und zwar hier.

Von mir gibt es 5 von 5 sprechenden Dohlen!

Montag, 13. August 2018

Buchtipp - Thor Ansell: "Poseidon" und "Scry"

Nach längerer Abstinenz melde ich mich zurück. Ich war nicht untätig in den vergangenen Monaten, nur musste mein Blog einfach mal für eine Weile in den Dornröschenschlaf. Lasst uns direkt mit einem fantastischen Doppel-Buchtipp starten!

Auf ins Weltall - willkommen auf der "Poseidon"

Thor Ansells Weltallthriller "Poseidon" ist der geniale Auftakt einer neuen Reihe, in der es um Künstliche Intelligenz, die Eroberung des Weltalls und die Sorgen und Nöte der Menschen gegen Ende des 21. Jahrhunderts geht.
Der Roman bietet einen wirklich außergewöhnlichen Protagonisten, aus dessen Sicht in weiten Teilen die spannende Story, eine Mischung aus Weltall-Action und HiTech-Polit-Thriller aus der Zukunft, erzählt wird: Cat ist eine hochentwickelte künstliche Intelligenz - im Körper eines katzenartigen Roboters.
Ich durfte das Buch kennenlernen, weil ich das Korrektorat übernommen hatte. Selten hatte ich bei einem Auftrag so viel Spaß wie bei diesem Buch! Es hat mich richtig mitgerissen, da war es manchmal fast schwer, das Beseitigen der wenigen vorhandenen Fehler nicht aus den Augen zu verlieren.




Auch der Folgeband "Scry", der ganz frisch erschienen ist, hat es in sich. Er ist eine Art Prequel und erzählt eine Episode aus dem Leben von Logan, einer der Hauptfiguren aus "Poseidon". Er spielt in der gar nicht allzu weit entfernten Zukunft Mitte des 21. Jahrhunderts in einem gespaltenen Amerika und enthält neben der spannend erzählten Story ein paar exzellent ausgearbeitete Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen, und wird wieder mit diesem angenehmen Humor und einer gewissen Leichtigkeit erzählt.
Ich empfehle, zuerst "Poseidon" und anschließend "Scry" zu lesen. Auch der nächste Band, der nahtlos an die Ereignisse in "Poseidon" anschließen wird, befindet sich bereits "in Produktion" und soll noch im Herbst 2018 erscheinen.
Ein Geheimtipp für alle, die Lust auf intelligente, hochspannende und zugleich äußerst unterhaltsame SciFi aus deutscher Feder haben.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Redrum kommt nach Hause

Das ist der Titel der ersten Geschichte in meinem neuen Kurzgeschichtenband "Dunkle Begegnungen". Mit dieser Geschichte beginne ich ab heute die Vorstellung der einzelnen Beiträge im Buch, werde ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wie diese Geschichten entstanden sind, und zeige euch den einen oder anderen Textschnipsel.

Worum geht es?

Frank sammelt seltene Bücher. Ein besonderes Exemplar will er bei Erwin Trabel abholen, der in einem heruntergekommenen Plattenbau in Frankfurt-Sossenheim wohnt. Den stinkenden Fahrstuhl teilt er sich mit einem Typen, dessen Gesicht unter seiner Kapuze verborgen bleibt. Als ein Stromausfall die Fahrt in den fünften Stock unterbricht und die zwei Männer im Dunkeln festsitzen, dauert es nicht lange, bis Frank es bitter bereut, nicht die Treppe genommen zu haben.

Wie die Geschichte entstand

Das war im Jahr 2013. Ich hatte einen Wettbewerb bei neobooks entdeckt. Der Titel lautete "Wenn es dunkel wird", gesucht wurden Kurzthriller. Was mich besonders reizte, war die Ansage, dass die Jury wirklich jeden Beitrag lesen würde. In dieser Jury saß auch ein gewisser Sebastian Fitzek, ein echter Bestsellerautor, der einen erfolgreichen Thriller nach dem anderen raushaute. Ich gebe zu, ich lese Fitzek nicht, bin kein Fan, aber ein Feedback von Fitzek persönlich zu meiner Schreibe - das hätte ich schon gern gehabt. Also fing ich an, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es schon etliche Beiträge zum Wettbewerb, und ich ging die der Reihe nach durch, um herauszufinden, worüber die anderen so schrieben und ob meine Idee von einer Szene, die nur in einem steckengebliebenen Fahrstuhl spielen sollte, in irgendeiner ähnlichen Form schon vorkam. Schnell merkte ich: Es kehrten bestimmte Szenen und Themen wieder. Oft wachten die Protagonisten irgendwo im Dunkeln auf, ohne zu wissen, wie sie da hingekommen waren. Oder sie träumten etwas Schreckliches, wurden wach und durchlebten das Geträumte real. Oder sie waren nachts allein unterwegs und wurden verfolgt. Also wusste ich, meine Geschichte würde sich zumindest thematisch abheben.

Ich schaffte es, an einem einzigen Abend aus der Idee einen Plot zu stricken und aus dem Plot einen fertigen Kurzthriller. Irgendwann nach Mitternacht war die Geschichte fertig, zwei Tage später fertig überarbeitet und hochgeladen. Und was soll ich sagen: Mein Beitrag wurde von der Jury zum besten gekürt - ich gewann den Wettbewerb! Belohnt wurde ich mit der Veröffentlichung in einer Anthologie zusammen mit neun weiteren Geschichten, mit einer Einladung zur großen Knaur-Messeparty und einem tollen Autorenseminar bei der Textmanufaktur in München. Und natürlich bekam ich das persönliche Feedback von Sebastian Fitzek, das ich gerne noch einmal zitiere:

Meisterhaft klaustrophobische Psycho-Spannung vom ersten Satz an. Mit feinem Sprachgefühl verwandelt Jana Oltersdorff eine alltägliche Situation in einen grauenhaften Albtraum und schafft einen ausgezeichneten Kurzthriller, den man einfach auszeichnen muss. Herzlichen Glückwunsch! Klaustrophobische Psycho-Spannung auf höchstem Niveau!

Geht runter wie Öl ...

Tja, die Anthologie mit dem Titel "Hüte Dich!" scheint sich selbst zum Ladenhüter entwickelt zu haben. Sie erschien lediglich als E-Book, und vom Verlag wurde so gut wie keine Werbung dafür gemacht. Deshalb haben diese Geschichte wahrscheinlich nur die Leute gelesen, die damals bei neobooks aktiv waren. Höchste Zeit also, meinem "Redrum" die Bühne zu bieten, die er verdient - als Eröffnungsgeschichte meines Kurzgeschichtenbands "Dunkle Begegnungen". Die Geschichte macht dem Titel meines Buches alle Ehre, denn eine solche dunkle Begegnung wie die in jenem Fahrstuhl wünscht man wohl nicht mal seinem ärgsten Feind.

Lesepröbchen

Hatte ich euch ja versprochen. Hier also die ersten Zeilen aus "Redrum kommt nach Hause" - viel Spaß!

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Aus der Nähe machte das Gebäude auch keinen besseren Eindruck. Kalt, grau, heruntergekommen. Es stank nach Altmännerpisse. Die Wände waren mit obszönen Graffitis und Sprüchen beschmiert. Wer sich über die unsäglichen Plattenbauten im Osten aufregte, der sollte mal einen Abstecher nach Frankfurt-Sossenheim machen. Auch westdeutsche Architekten wussten, wie man hässliche Wohnhäuser baute.
Frank wischte sich angewidert die Hand an seiner Jacke ab, nachdem er den Klingelknopf von Erwin Trabel gedrückt hatte. Eine krächzende Stimme meldete sich.
»Fünfter Stock. Die zweite Tür links«, war alles, was Frank zu hören bekam, bevor der Summer der Haustür ertönte. Trabel schien es eilig zu haben. Frank versuchte, die vor Dreck starrende Haustür aufzustoßen, indem er den Türgriff nur mit seinem Ellenbogen herunterdrückte.
Im Halbdunkel der spärlich beleuchteten Eingangshalle blieb er stehen und blickte sich um. Hier drinnen sah es auch nicht einladender aus. Der Uringestank war noch intensiver. An der Wand hingen Suchanzeigen für gestohlene Fahrräder und entlaufene Hauskatzen. Keine einzige der zum Mitnehmen vorbereiteten Telefonnummern war abgerissen worden. Nette Nachbarschaft, dachte Frank und suchte nach dem Fahrstuhl.
Sein Blick glitt über Unrat, der sich in den Ecken gesammelt hatte. Leere Pappbecher, Schokoriegel-papier, alte Zeitungen. Eine aktuelle Ausgabe der Offenbach-Post war auch dabei. Frank hatte sie in der S-Bahn gelesen und kannte bereits die Schlagzeile, die ihm in Großbuchstaben entgegensprang.
»Unheimlicher Redrum-Killer schlägt erneut zu«, stand da zu lesen.
Unheimlich war daran vor allem, wie sich die Sprache seiner Lieblingstageszeitung plötzlich an den reißerischen Schlagzeilen gewisser anderer Tagesblätter orientierte und deren Stil nacheiferte.
Dennoch. Redrum. Das hatte Frankfurt noch nicht erlebt. Ein Serienkiller, der an den Tatorten stets dieses Wort hinterließ. Wie eine geheime Botschaft. Frank kannte das Wort gut. Ein bizarrer Zufall wollte es, dass das Buch, aus dem dieses Wort stammte, der Grund war, weshalb er sich in diesem widerlichen Plattenbau befand. Er schüttelte die aufkommende Gänsehaut ab, die seine Arme überziehen wollte.
Der Fahrstuhl befand sich hinter einer Ecke. Frank drückte den Rufknopf und wartete. Eine Weile tat sich überhaupt nichts.
Plötzlich fiel die Haustür scheppernd ins Schloss. Das Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Eine alte Frau schlurfte an ihm vorbei zur Tür, die ins Treppenhaus führte. Sie warf ihm einen kurzen, prüfenden Blick zu. Frank versuchte ein freundliches Kopfnicken, das die Alte lediglich mit einem verächtlichen Schnauben erwiderte.
»Auf den können Sie lange warten«, sagte sie. »Kein Verlass auf die Dinger. Treppe geht schneller.«
Sie verschwand im Treppenhaus. Frank seufzte. Vielleicht hatte sie recht, und er sollte auch zu Fuß gehen. Fünf Stockwerke waren doch nicht viel. Allerdings hatte Franks Körper schon einmal bessere Zeiten erlebt. In den letzten Jahren hatte er so gut wie keinen Sport getrieben und sich von Dingen ernährt, die vor allem aus Fett und Zucker bestanden. Allein der Gedanke an die Anstrengung trieb ihm den Schweiß auf die Stirn.
Seine Zweifel wurden durch einen hellen kurzen Klingelton beseitigt, der den Fahrstuhl ankündigte. Die Türen öffneten sich unendlich langsam. Eine weitere unangenehme Duftwolke strömte Frank entgegen. Er betrat die schmale Kabine; dabei versuchte er, möglichst flach durch den Mund zu atmen. Hoffentlich lohnt sich der ganze Aufwand, dachte er genervt.
Gerade als er den Knopf für die fünfte Etage gedrückt hatte, tauchte ein weiterer Fahrgast auf und schob sich an ihm vorbei in die Kabine. Der Mann überragte Frank um fast einen Kopf. Sein Gesicht hatte er unter einer Kapuze verborgen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Frank sah den Mann fragend an. Der machte keine Anstalten, ein Stockwerk auszuwählen.
»Wollen Sie auch in den fünften?«, fragte Frank. Kapuze nickte stumm.
Die Türen schlossen sich fast noch langsamer, als sie sich geöffnet hatten. Ächzend setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung. Nach einer endlos scheinenden Zeit sprang die Stockwerkanzeige vom E auf die 1.
Frank lehnte sich an die Wand; plötzlich fiel ihm ein, wie dreckig hier alles war, und er stellte sich stattdessen in die Mitte der Kabine. Von dort starrte er auf die Anzeige, als könnte er die Fahrt dadurch beschleunigen. Er fragte sich, ob vielleicht irgendwo im Keller ein alter Mann auf einem aufgebockten Fahrrad saß, mit dem diese Konstruktion zum Laufen gebracht wurde. Das hätte die extreme Lahmarschigkeit des Fahrstuhls erklärt.
Kapuze stand hinter Frank und fixierte ihn. Frank spürte fast körperlich, wie Kapuze mit seinen Blicken Löcher in Franks Rücken bohrte. Komischer Typ. Wen der wohl besuchen wollte? Wahrscheinlich wohnte er hier. Die Hälfte der Bewohner musste aus solchen kaputten Typen wie Kapuze bestehen. Ob Erwin Trabel auch so ein Wrack war?

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Holt euch jetzt das E-Book oder das Taschenbuch!

Sonntag, 20. August 2017

Buchtipp: Winter People von Jennifer McMahon

Ich würde nicht sagen, dass "Winter People" groß gehypt wurde in den sozialen Netzwerken, wie es so schön neudeutsch heißt. Dennoch fiel es mir immer wieder mal auf, wenn andere es als Buchtipp posteten. Neulich entdeckte ich es auf dem Bücherwühltisch im Supermarkt, und ich nahm es spontan mit. Eine Entscheidung, die ich kein bisschen bereue. Ich habe das Buch sofort angelesen und hatte aber nicht viel Zeit, deshalb musste ich es beiseite legen und konnte es kaum erwarten, endlich weiterzulesen. Gestern wurde ich fertig, die letzten 100 Seiten flogen nur so dahin, und wenn ich darüber nachdenke, ist das zum ersten Mal seit langem so, dass mich ein Buch dermaßen gefesselt hat.

Worum geht es?

Der Untertitel deutet darauf hin: "Wer die Toten weckt". Genau das passiert in dieser Geschichte. In zwei Zeitebenen werden quasi parallel zwei Geschichten erzählt. Einmal geht es um Sara, die im Jahr 1908 in der kleinen amerikanischen Gemeinde West Hall ihre Tochter durch ein grausames Verbrechen verliert. Sie ist die einzige, die an Mord glaubt, alle anderen halten es für einen tragischen Unfall, denn das Mädchen wurde am Grund eines tiefen Brunnens gefunden. Sara erinnert sich an die Geschichten von den Schlafenden, wie die Toten genannt werden, die wieder zurück in die Welt der Lebenden geholt werden. Auntie, eine kluge, geheimnisvolle Frau aus Saras Kindheit, hatte ihr einst davon erzählt und ihr auch erklärt, wie man es anstellen muss. In ihrer Verzweiflung versucht sie es - und löst dramatische Ereignisse aus.
Im zweiten Erzählstrang, der in der nicht näher benannten Gegenwart spielt, geht es um Ruthie, die mit ihrer Schwester Fawn und ihrer Mutter in demselben Haus wohnt, in dem einst Sara lebte. Und es geht um die Künstlerin Katherine, die vor kurzem ihren Mann durch einen Autounfall verlor und nun nach West Hall gezogen ist, weil sie erfahren will, was ihr Mann kurz vor seinem Tod hier wollte.
Drei Schicksale, viele Geheimnisse, alle miteinander verknüpft, allen voran die dunklen Legenden um die Teufelshand, jene seltsame Felsformation, wo seit Jahren immer wieder Menschen verloren gehen und wo es spuken soll.

Was hat mir daran so gut gefallen?

Dass Menschen versuchen, ihre kürzlich dahingeschiedenen Lieben zurückzuholen, ist erst einmal keine so neue Idee. Das haben schon andere sehr spannend und gruselig erzählt, mir fällt da sofort Stephen Kings "Friedhof der Kuscheltiere" ein. Also warum hat mich dieses Buch so gepackt?
Das liegt vor allem an der Atmosphäre, die von der Autorin Jennifer McMahon erschaffen wird. Es gelingt ihr vorzüglich, ein Bild der unwirtlichen Gegend um die Teufelshand zu erzeugen, der Leser spürt die Kälte, die Kargheit und die Gänsehaut, die sich bildet, weil man glaubt, beobachtet zu werden.
Das liegt auch an den wunderbar gezeichneten Figuren: Die vom Schicksal gebeutelte Sara, die ihre einzige Tochter verloren hat, die mutige Ruthie, die versucht, ihre verschwundene Mutter zu finden und gleichzeitig ihre kleine Schwester zu beschützen, die trauernde Katherine, die wie ein Detektiv nach und nach die Puzzleteile zusammenführt und hinter das dunkle Geheimnis von West Hall kommt. Aber auch die Nebenfiguren wie Candace O'Rourke oder Saras Mann Martin kommen unglaublich plastisch rüber und treiben die Handlung voran.
Spannung und Drama halten sich wunderbar die Waage. Es geschehen grauenvolle Morde, es fließt Blut, es gebt jede Menge Gänsehautmomente, doch es geht auch um Liebe - zwischen Mutter und Kind, zwischen Mann und Frau und was manch einer dafür bereit ist zu tun - und zu opfern.
Alles greift ineinander, alle Fäden verbinden sich am Ende miteinander und wenn die letzten Geheimnisse gelüftet sind, ergeben sie ein schreckliches, ein schaurig-schönes, von einer gewissen Melancholie durchsetztes Bild.

Und noch etwas fiel mir auf: Winter People enthält ein paar starke Frauencharaktere. Alle Hauptfiguren sind Frauen, die Bösen wie die Guten. Männer spielen nur Nebenrollen. Ich finde das bemerkenswert, und vielleicht macht auch dieser Umstand dieses Buch zu so etwas Besonderem.

Ich bin sehr angetan und empfehle dieses Buch allen, die nicht nur Grusel mögen, sondern auch atmosphärisch dicht erzählte Geschichten, die über Generationen hinweg in ihren Bann zu ziehen vermögen.

Da vergebe ich doch direkt 5 von 5 frisch aus einem Hasen gerissenen Herzen! :-)

Sonntag, 4. Dezember 2016

2. Advent - Gewinnspiel mit Thor Ansell

Ich wünsche einen frohen 2. Advent allerseits! Schön, dass ihr wieder bei mir vorbeischaut. Ihr kommt genau richtig, denn soeben ist die zweite Runde meines Adventsgewinnspiels gestartet. Diesmal wird es sauspannend.

Ich präsentiere euch:

"Pandemie" von Thor Ansell

Stellt euch eine mysteriöse Krankheit vor, die langsam, aber sicher um sich greift. Stellt euch vor, diese Krankheit bewirkt bei Männern außergewöhnlich aggressives, brutales Verhalten, sie greifen andere Menschen an, vergewaltigen Frauen und übertragen den Krankheitserreger auf noch mehr Menschen. Stellt euch vor, eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern und ein paar Militärs, in aller Eile zusammengestellt, wird in einem riesigen unterirdischen Bunker eingesperrt, um dort nach der Ursache für die Krankheit und einem Heilmittel zu forschen. Sie kämpfen gegen die Zeit und gegen Gefahr aus den eigenen Reihen, während draußen die Seuche weiter unbarmherzig um sich greift.

Klingt nach einem hollywoodreifen Thriller? Gut. Dann stellt euch jetzt vor, dass all dies in Deutschland geschieht. Mitten unter uns. Die ersten Opfer gibt es in Berlin, weshalb die Krankheit auch den Beinamen "Berlin-Syndrom" erhält. Deutsche Wissenschaftler, Bundeswehrsoldaten, ein zum Hightech-Forschungslabor umgebauter ehemaliger Bundeswehrbunker irgendwo in der Sächsischen Oberlausitz, unheimliche Vorkommnisse mitten in Berlin. Und die Krankheit scheint sich durch nichts aufhalten zu lassen. Nicht umsonst trägt der Roman den Titel "Pandemie".

Horror auf deutschem Boden - Warum eigentlich nicht?

Erst vor ein paar Tagen kam in einer Facebookgruppe die Diskussion auf, ob Fantasyromane in Deutschland überhaupt funktionieren können, und erstaunlich viele Teilnehmer beantworteten die Frage mit Nein. Viele waren sogar davon überzeugt, dass Genres wie Fantasy, Horror und selbst der gute alte Thriller auf deutschem Boden nicht oder nur bedingt funktionieren. Sie greifen bewusst lieber zu Geschichten, die in England oder gleich den USA spielen. Sie empfinden Deutschland als Schauplatz als lahm, langweilig, öde. Kennt man ja alles schon.

Ich kann diese Einstellung nicht nachvollziehen. Sprechen wir wirklich vom selben Land? Ich finde es gerade reizvoll, eine solche Geschichte zu lesen, die in meinem Land, meiner Gegend, vielleicht sogar meiner Stadt spielt. Der Horror wohnt gleich nebenan - Tür an Tür mit Fantasy und all ihren verwandten Genres. Ich schreibe selbst auch am liebsten unheimliche Geschichten, die oftmals gleich um die Ecke passieren. Alltägliches, vermeintlich Bekanntes wird plötzlich demaskiert, mutiert zur Gefahr, verwandelt sich in tödliche Bedrohung. Ganz normale Menschen, bei Ansell zwar Wissenschaftler oder Soldaten, aber mit Schwächen und Macken, stehen im Mittelpunkt - Leute, die auch meine Nachbarn sein könnten. Ich finde das toll, und ich finde es toll, dass der Autor Thor Ansell sich für Deutschland als Ort des Geschehens entschieden hat. Dies und Ansells bildhafter, mitreißender Erzählstil, der das Kopfkino permanent befeuert, sorgen dafür, dass "Pandemie" ein gelungener Pageturner geworden ist.

Zombies, die keine sind

Thor Ansell macht das wirklich geschickt: Er hat seinen Roman als Science Thriller eingeordnet. Der Thrill kommt auch auf fast keiner Seite zu kurz. Der Science-Aspekt wird bestens bedient - Fans von Michael Crichton oder Frank Schätzing werden ihre helle Freude an den gut recherchierten Fakten haben, auf denen die Geschichte fußt. Und kombiniert wird das Ganze mit ziemlich typischen Horrorelementen. Jeder Horrorfan kennt Zombiegeschichten, ob als Buch oder Film. Zombies, ob nun schlurfend oder rennend, ähneln sich in allen Geschichten ziemlich. Bei Thor Ansell gibt es eigentlich keinen einzigen Zombie im klassischen Sinne, aber die Kranken verhalten sich ähnlich wie die Untoten, und viele Aspekte, die das Thema Zombie so reizvoll machen - Isolation, die schnelle Verbreitung, der Zusammenbruch ganzer Strukturen und der Verfall von Moral und Anstand - werden hier verarbeitet. Darüberhinaus kommt der Splatterfaktor nicht zu kurz.

Der Autor

Thor Ansell kam Mitte des Jahres auf mich zu. Er suchte jemanden fürs Korrektorat von "Pandemie". Ich biss an, weil ich bei dem Thema einfach nicht Nein sagen konnte. Der Roman ist Ansells Debüt. Er kommt aus einem ganz anderen Bereich, obwohl es da durchaus Parallelen gibt: Er ist Filmemacher und Drehbuchautor. "Pandemie" ist übrigens aus einem Drehbuchmanuskript entstanden, das sogar für einen Preis nominiert war. Ich durfte Thor Ansell auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen und kann euch sagen: In dem Mann stecken noch ganz viele Geschichten, die er nun nach und nach aufschreiben will. Der nächste Roman steht quasi in den Startlöchern, und ich bin vor Spannung schon ganz hibbelig. Wir werden nämlich wieder zusammenarbeiten!

Aber erst einmal ...

So, bevor diese Lobhudelei noch völlig ausartet, kommen wir zum Gewinnspiel. Es ist ganz einfach:
Wenn ihr das Buch gewinnen möchtet, hinterlasst euren Kommentar unter diesem Artikel.
Ihr habt dafür Zeit bis Mittwoch, 07. Dezember 2016, 22 Uhr.
Danach lose ich aus und gebe den Gewinner hier und auf meiner Facebookseite bekannt.
Das Buch wird der- oder demjenigen dann von Thor Ansell persönlich mit Widmung zugeschickt.

Die Wartezeit bis zur Auslosung könnt ihr ja überbrücken, indem ihr dieses tolle Interview mit Thor Ansell auf der Leserkanone lest. Oder ihr werft schon einen ersten Blick ins Buch, zum Beispiel hier. Oder ihr guckt euch diese schöne Booktuber-Rezension von creepy creatures reviews an. Und wenn ihr mögt, besucht noch die Facebookseite und hinterlasst ein herzliches "Gefällt mir".

Bis bald, habt noch einen schönen zweiten Advent!
Bild: angelina.s...k....  / pixelio.de

Sonntag, 15. November 2015

Buchtipp: "Du darfst mich nicht finden" von Vincent Voss

Ich hab es wieder getan: Ich habe wieder einen Voss gelesen! Diesmal einen Thriller, der aber mit Horror-Elementen nicht geizt. Darüber muss ich euch berichten, nicht nur, weil ich das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen habe, sondern weil es eine Empfehlung auf meinem Blog verdient hat.

"Du darfst mich nicht finden" erschien in der Reihe Hochspannung von Bastei Entertainment, und da passt der Titel auch absolut rein: Er erzählt eine rasante, hochspannende, brutale Geschichte im Geocacher-Milieu. Geo-was? Zufällig kannte ich mich schon vor der Lektüre mit diesem Thema aus, hatte ich doch sogar schon selbst mit meiner Familie Geocaching betrieben. Das ist, um es kurz zu machen, eine Art moderne Schnitzeljagd mit GPS-Navigation. Man sucht nach sogenannten Caches, die mal aus kleinen Döschen, mal aus richtigen Schatzkisten bestehen, deren ungefähre Lage zuvor zum Beispiel in einer App herausgesucht wird. Dann fängt man an zu suchen, und wenn man den Cache dann gefunden hat, darf man sich in ein Logbuch eintragen, das sich im Cache befindet und versteckt ihn wieder genauso sorgfältig für die nächsten Geocacher.

Wir haben bisher nur nach sogenannten Tradi-Caches gesucht, traditionelle Caches, die in der Regel an leicht zugänglichen Orten nicht zu schwierig versteckt waren, quasi die familienfreundliche Variante. Die Figuren aus Vincent Voss' Roman können darüber nur müde lächeln. Lloyd will mehr. Der erfahrene Geocacher hat schon die abenteuerlichsten Caches geborgen und ist stets auf der Suche nach dem nächsten Kick. Den glaubt er gefunden zu haben, als er auf eine mysteriöse Website namens Cazimi-Caching stößt, wo er seine Handynummer hinterlässt, um auf den Trip eingeladen zu werden. Zwei befreundete Geocacher, Stars der Szene, warnen ihn eindringlich davor, sich auf Cazimi-Caching einzulassen, doch Lloyd hat sich da innerlich längst entschieden. Der geheimnisvolle Anruf folgt schon bald, und der Cache trägt den Namen einer Geocacherin, die vor einigen Monaten spurlos verschwand. Lloyd überredet seine drei Freunde, sich mit ihm auf den Trip zu begeben und nach "Jennifer" zu suchen, von der sie hoffen, dass sie noch lebt und sie sie retten können.

Sie landen in einer fast unbewohnten Waldgegend, die direkt aus dem nächsten Hollywood-Schlitzer-Horrorfilm stammen könnte, und der Horror lässt auch nicht lange auf sich warten, kaum dass sie den Wald betreten haben. Geheimnisvolle Hütten im Wald, kryptische Botschaften von anderen Geocachern, die vor ihnen hier gewesen zu sein scheinen, unheimliche Geräusche und Schemen mit Hörnern, die durchs Unterholz schleichen - dazu ständig dieser Nebel und das schlechte Wetter! Als sich ein paar aus der Gruppe durch merkwürdige Umstände schwer verletzen, hat der Spaß längst aufgehört, und allen ist klar: Nicht sie sind die Jäger, sie sind diejenigen, die gejagt werden. Doch wer oder was steckt hinter diesem bösartigen Katz-und-Maus-Spiel?

Mein Eindruck:
Ich mag den Einstieg sehr - direkt, ohne große Vorrede und irgendwelche blumigen Beschreibungen. Ein paar Teilnehmer der Leserunde störten sich daran, dass Voss seine Figuren nur sehr spärlich beschreibt. Ich kenne von niemandem die Haar- oder Augenfarbe, weiß nicht, ob Hope hübsch ist und ob die Herren in der Runde Waschbrettbäuche haben oder sich widerspenstige Haarsträhnen aus dem kantigen Gesicht streichen. Zum Glück! Das Äußere ist für die gesamte Geschichte komplett unwichtig. Was ich über die vier Freunde wissen muss, weiß ich. Mehr braucht es nicht.
Voss spart stattdessen nicht an Hinweisen, Spuren, falschen (?) Fährten und dekoriert alles mit diesem unwirtlichen, unheimlichen Wald, in dem sich unsere vier Abenteurer verirren. Über allem liegt das Gefühl der Bedrohung wie eine schwere Käseglocke, so dass von Anfang klar ist, dass das für die Gruppe kein gutes Ende nehmen kann. Ich mag das sehr.

Mir gefällt die horrormäßige Atmosphäre irre gut. Plastisch und filmreif dargestellt, lässt mich vieles an Gänsehautklassiker aus dem Kino wie das Blairwitch Project denken. Aber auch Genreperlen wie "Evil Dead", "Cabin in the Woods", selbst "Hostel" und so ziemlich jeder Backwood-Slasher scheinen den Autoren inspiriert zu haben. Selbst der typische widerwärtige, zwielichtige Hinterwäldler darf nicht fehlen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts dagegen, wenn bekannte Motive aus anderen Büchern und Filmen neu "verhackstückt" werden, wenn, ja wenn sie denn auf gekonnte Weise neu kombiniert und mit eigenen Ideen angereichert werden. Und das hat Herr Voss hier meisterlich gemacht!

Voss bürdet seinen Romanfiguren eine Menge Leid auf und lässt das Ganze in einem bösen, blutigen Showdown enden, der mir vielleicht ein Fitzelchen zu schnell "abgespult" wird, wenn ich dann noch kurz "meckern" darf. Mehr will ich aber nun wirklich nicht verraten, ihr sollt das doch selbst noch lesen!

Ich hatte viel Spaß mit diesem Buch und wünsche ihm noch viele weitere begeisterte Leser!

Ich vergebe viereinhalb von fünf blutbeschmierten Caches!

"Du darfst mich nicht finden" ist übrigens schon Vincent Voss' zweiter Auftritt in der Hochspannung-Reihe. Alle Titel findet ihr hier.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Heute seit einem Jahr auf dem Markt: Hüte Dich!

Happy Birthday, Redrum!

Okay, meine Kurzgeschichte ist schon um einige Monate älter, aber genau heute vor einem Jahr erschien die Anthologie "Hüte Dich!" als Knaur eRiginal, die aus dem neobooks-Wettbewerb hervorging, bei dem meine Kurzgeschichte "Redrum kommt nach Hause" den 1. Preis gewonnen hatte.

10 mal Gänsehaut, 10 mal Spannung, 10 unterschiedliche Interpretationen des Wettbewerbsthemas "Wenn es dunkel wird".


Das sind meine AutorenkollegInnen und ihre Beiträge:

- "Der schwarze Mann" von Jonas Kissel

- "Maskenzeit" von Elisabeth Marienhagen

- "Im Keller" von M.P. Anderfeldt

- "Herz-Los" von Verena Oster

- "Nachtaufnahme" von Torsten Exter

- "Der Schattenjäger" von Katja Hermann

- "Somnium" von Eric Boss

- "Kälteidiotie" von Maria M. Lacroix

- "Leben für den Tod" von Carolin Lockstein

Sebastian Fitzek, Bestseller-Autor und Jurymitglied, fand nur lobende Worte für "Redrum kommt nach Hause", die mir runtergingen wie Öl:
"Klaustrophische Psycho-Spannung auf höchstem Niveau."

Mit Sicherheit haben ihn auch die anderen Geschichten überzeugt. Ich kann das Büchlein nur empfehlen. Holt es euch doch heute zu seinem Buchgeburtstag:

Mobi/Kindle
Epub


Freitag, 6. Juni 2014

Mein erstes Autorenseminar - Und wie war es?

Das vergangene Wochenende habe ich in München verbracht. Schön da. Allerdings war ich nicht wegen der Sehenswürdigkeiten dort, deshalb beschränkt sich mein Eindruck auf die Messestadt, wo mein Hotel stand, den Hauptbahnhof und den Weg mit der Straßenbahn bis zur Albrechtstraße. München als Urlaubsziel für einen Städtetrip hole ich bestimmt mal nach. Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich von etwas ganz Anderem berichten:

In München nahm ich an meinem ersten Autorenseminar teil. Es wurde von der Textmanufaktur in den Räumen des Knaur Verlags veranstaltet. Wir saßen in einem der Meetingräume, in denen die Lektorenrunden stattfinden, bei denen darüber entschieden wird, welche Bücher ins Programm aufgenommen werden. Erhebendes Gefühl. Das Thema war „Spannung, Krimi, Thriller“. Dieses Motto passte in jeder Weise. Das Seminar war unglaublich spannend, interessant, überraschend und äußerst lehrreich. Das traf auf die bunte Runde der Teilnehmer ebenso zu wie auf deren sehr unterschiedliche Manuskripte und auf die zwei Dozenten André Hille von der Textmanufaktur und Peter Hammans, der Lektor bei Knaur ist.

Nach einer Vorstellungsrunde gab Peter Hammans einen unterhaltsam-informativen Einblick in die Verlagswelt und in die Arbeitsweise eines Lektorats. Insbesondere seine Anekdoten über den steinigen Weg, den manch ein Buch durch zig Lektoratsrunden nehmen musste, bevor es tatsächlich verlegt und sogar zum Bestseller wurde, haben mir gefallen. Es hat mir auch wieder gezeigt, dass der Erfolg eines Buches nicht nur von der Qualität und dem Inhalt selbst abhängt, sondern auch von der doch sehr subjektiv geprägten Meinung des Lektors, von Trends im Buchmarkt, von der Tageslaune des Verlegers, vom Glück und vom Wetter sowie der Anzahl der Reissäcke, die am Tag der Entscheidung in China umgefallen sind. Das mag ernüchternd klingen. Mich hat es aber eher beruhigt, dass das so ist.

Der Hauptteil des Seminars bestand darin, dass jeder Teilnehmer seine Story vorstellte und daraus einen kleinen Teil vorlas, damit wir „die Stimme des Autoren“ hören konnten. Anschließend wurde das Manuskript in der Runde besprochen, bewertet, kritisiert, gelobt. Das Marktpotential wurde beurteilt, Unklarheiten wurden hinterfragt. Das Feedback in dieser geballten Form – sowohl von den Dozenten als auch von den Teilnehmern – brachte uns allen enorm viel. Ich selbst kam übrigens als allerletzte Teilnehmerin am Sonntagnachmittag dran. Als ich vorlas, hatte ich längst anhand der Fehler, die wir bei den anderen aufgedeckt hatten, meine eigenen Fehler und Schwächen erkannt. Genau die wurden mir dann auch um die Ohren gehauen – und noch ein paar mehr. So eine offene, zwar absolut sachliche, aber dennoch harte Kritik muss man erst einmal abkönnen. Aber ich merkte schon während der Besprechung meines „Falles“, wie viel mir dieses Seminar brachte. Ich entwickelte bereits erste neue Ideen und knipselte im Inneren an der Lösung einiger verzwickter Fragen, die den anderen bei meinem Manuskript aufgefallen waren.

Am Ende fühlte ich mich richtig erschöpft und brauchte im Zug nach Hause erst einmal eine gewisse Zeit, um mich zu erholen und meine aufgewirbelten Gedanken zu sortieren, bevor ich mich dazu aufraffte, Notizen zu machen und mir selbst kritische Fragen zu meiner Geschichte zu stellen.

Das ist es auch, was für mich unterm Strich dabei herausgekommen ist: Ich muss mir erst selbst darüber klar werden, was für eine Geschichte ich eigentlich erzählen will. Ich muss die konkrete Richtung festlegen und mir insbesondere über den Antagonisten noch sehr genaue Gedanken machen, damit am Ende alles stimmig ist und die Leser mitnimmt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Ja, ich habe durch das Seminar, durch die Arbeit mit den Texten der anderen Teilnehmer und durch die vielen hilfreichen Anmerkungen von allen Beteiligten überhaupt erst erkannt, wo bei mir die Schwächen liegen, aber auch die Stärken. Atmosphäre kann ich, wurde mir dort gesagt. Schwafeln und schwurbeln kann ich aber auch, und das muss alles rausfliegen! Von Stilblüten und überflüssigem Ballast wie Infodump und Wiederholungen fange ich gar nicht erst an.

Es liegt also nach diesem Seminarwochenende noch eine Menge Arbeit vor mir. Den anderen Teilnehmern ging es übrigens ganz ähnlich. Mancher von uns verabschiedete sich mit dem metaphorischen Rucksack voller Hausaufgaben auf dem Buckel, einige hatten hinterher zwei Geschichten im Gepäck, weil ihnen geraten wurde, bestimmte Elemente aus dem einen Manuskript zu entfernen und separat in einer zweiten Geschichte zu verarbeiten.

Ich selbst werde also meine Erkenntnisse aus dem Seminar dazu verwenden, mein Romandebüt voranzutreiben, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Darüber hinaus aber konnte auch ich den Schwung an Motivation schon sehr gut nutzen: Ich habe das komplette Konzept für ein neues Schauermärchen erstellt und eine wirklich coole Idee für einen weiteren Thriller entwickelt, an der ich gern weiterfeilen möchte, weil sie mir jetzt schon saugut gefällt.

Aber eins nach dem anderen. Die Idee ist notiert und muss warten, bis ich die anderen Projekte abgeschlossen habe. Denn wie schon Neil Gaiman gesagt haben soll, lautet die wichtigste Regel für Autoren: Schreib dein Buch fertig!

An dieser Stelle bedanke ich  mich noch einmal ganz herzlich bei André Hille und Peter Hammans und ganz besonders bei neobooks, die mir dieses Seminar für meinen Sieg beim Kurzthriller-Wettbewerb "Wenn es dunkel wird" im vergangenen Jahr geschenkt haben. Eine großartige Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann und die ich bestimmt wiederholen werde.

Samstag, 8. Februar 2014

Lesetipp: "Der Pakt des Seelensammlers" von Martin Krüger

Ich stieß auf diesen Roman im Forum von lesen.net, wo Martin Krüger am 01. Januar 2014 sein Debüt vorstellte. Er wurde ziemlich schnell von aufmerksamen Forenmitgliedern auf die vielen Tipp- und Grammatikfehler hingewiesen, und auch am Cover gab es einiges zu mäkeln. Aber Krüger ließ sich davon nicht einschüchtern, nahm die Verbesserungsvorschläge an, arbeitete am Manuskript und gestaltete ein komplett neues Cover. Da ich das Buch in genau diesem Zeitraum las, habe ich noch eine Version gelesen, die es so längst nicht mehr gibt, weil sie durch eine verbesserte ersetzt wurde. Und das ist auch gut so. Denn Martin Krügers Horror-Thriller ist es allemal wert. Die Rundum-Kur hat dem Buch gut getan, das neue Cover passt viel besser und deutet schon ganz vage auf die Bedrohung hin, mit der die Protagonisten in Krügers Geschichte konfrontiert werden.

Worum geht es hier überhaupt? Das sagt der Klappentext:

„Diesen Ort werden Sie nie mehr verlassen. Ein Hotel in den Bergen Washingtons. Für Jack Carver, Schriftsteller und Lieferwagenfahrer, endet eine gewöhnliche Dienstfahrt im Chaos. Als ein Wintersturm heraufzieht und das Hotel mitsamt allen Gästen inmitten von Schneemassen einschließt, wird aus Urlaubsvergnügen ein tödlicher Kampf ums Überleben. Es wird kalt, eisig kalt. Stimmen flüstern im Sturmwind. Bald begreift Carver, dass dies kein gewöhnlicher Blizzard ist, der sie von der Außenwelt abgeschnitten hat. Etwas regt sich im dichten Schneegestöber. Und was auch immer dort draußen lauert, wird nicht ruhen, ehe sein Hunger gestillt ist …“

Macht schon mal neugierig, nicht wahr? Im Grunde haben wir hier einen Klassiker des Suspense Genres: Eine Gruppe von Menschen wird in einem Raum, in diesem Fall in einem Hotel, eingeschlossen, etwas bedroht sie von außen, einen nach dem anderen erwischt es, und jeder könnte das nächste Opfer sein. Klingt nach „10 kleine Negerlein“. Aber nur auf den ersten Blick. Der Schneesturm, der draußen tobt und Jack Carver und die anderen zwingt, im Hotel zu bleiben, ist nur eine Begleiterscheinung, in deren Windschatten sich die wahre Gefahr anschleicht. Im Schnee lauern Schrecken, die den Eingeschlossenen im wahrsten Sinne des Wortes das Blut in den Adern gefrieren lassen. Der Schnee dient in Krügers Geschichte nicht nur dem Zweck, das Blut der Opfer noch dekorativer spritzen zu lassen. Er erfüllt hier eine Funktion, die ihn zu einer lebensbedrohlichen Substanz werden lässt. Und mit den Monstern, die im Sturm lauern – so viel darf ich verraten – hat der Autor sich etwas Feines ausgedacht: sie sind hässlich, sie sind bösartig, sie sind echt gruselig, und nichts scheint sie aufhalten zu können.

Krüger versteht es, die Spannung aufrecht zu halten. In kurzen Kapiteln wird die Geschichte in knackigen Sätzen erzählt. Dabei wechselt die Perspektive zwischen Jack und einigen Nebencharakteren. Zwischendurch werden Anmerkungen von einem alles überschauenden auktorialen Erzähler eingestreut, doch wirkt das ganz passend und sorgt für die richtige Erwartungshaltung beim Leser. Eine meiner Lieblingsszenen ist die mit den Indianern am zugefrorenen See, aber mehr will ich darüber nicht verraten.

Auch die Auflösung hat mir gefallen. Ein wenig indianische Mythologie, ein bisschen Satan und jede Menge Schnee, der nicht schmelzen will. Krügers Stil sagt mir sehr zu. Irgendwie fühlte ich mich stellenweise an meine großen Vorbilder erinnert. Unterhaltungen mit dem Autor zeigten mir übrigens, dass ich richtig lag. Wir verehren dieselben namhaften Autoren (Stephen King!).

Wenn ich etwas zu bemängeln habe, dann vielleicht die Tatsache, dass es ruhig weniger Personen hätten sein können, auf die der Fokus gelegt wird. Manchmal musste ich zurückblättern, um mich zu erinnern, wer Lange, Steffen oder Henry waren. Jack, Miranda und Jim, den Hotelchef, hatte ich dagegen klar vor Augen. Und die eine oder andere „ruhigere“ Szene hätte man bestimmt noch etwas straffen können – da waren schon noch ein paar Längen drin, für die aber die actionlastigen Szenen auf ganzer Linie entschädigten.

Mein Fazit: Gut geschriebener Horror-Thriller, der es versteht, den Leser bei der Stange zu halten und der mit einigen interessanten Protagonisten sowie wirklich gruseligen Monstern aufwartet. Trotz einiger immer noch vorhandener Tipp- und Kommafehler (die aber sicher auch bald ausgemerzt werden - der Autor arbeitet permanent am Manuskript) spreche ich eine klare Kaufempfehlung aus. Und denkt dran: Es sind die Weißen. Die Weißen, Jack!

Von mir gibt es vier von fünf blutigen Eiszapfen.

Neugierig geworden? Holt euch hier das eBook oder das Taschenbuch.

Dienstag, 14. Januar 2014

Hüte dich!: Zehn Nachtthriller - Startschuss für die neue Anthologie

 Ihr Lieben, es ist endlich soweit, das Warten hat ein Ende:

Die Anthologie "Hüte Dich!" aus dem Hause Knaur geht an den Start. Es erwarten euch 10 spannende Kurzthriller von den zehn Gewinnern des neobooks-Wettbewerbs "Wenn es dunkel wird".

Ich habe die große Ehre, die Eröffnungsgeschichte zu diesem Buch beizusteuern, denn mein Kurzthriller "Redrum kommt nach Hause" gewann den Wettbewerb seinerzeit.

Mitjuror und Bestsellerautor Sebastian Fitzek zeigte sich jedenfalls schwer begeistert von meiner fiesen kleinen Geschichte über zwei Männer in einem steckengebliebenen Fahrstuhl und meinte dazu:

"Klaustrophische Psycho-Spannung auf höchstem Niveau."

Die weiteren Geschichten sind:

- "Der schwarze Mann" von Jonas Kissel
- "Maskenzeit" von Elisabeth Marienhagen
- "Im Keller" von M.P. Anderfeldt
- "Herz-Los" von Verena Oster
- "Nachtaufnahme" von Torsten Exter
- "Der Schattenjäger" von Katja Hermann
- "Somnium" von Eric Boss
- "Kälteidiotie" von Maria M. Lacroix
- "Leben für den Tod" von Carolin Lockstein

Vorbestellen konnte man das eBook bereits, nun aber ist es offiziell erhältlich. Amazon-Kunden können es hier kaufen, die ePub-Version gibt es unter anderem im Online-Shop von Droemer Knaur.
 
Ich wünsche euch ein besonderes Lesevergnügen mit viel Gänsehaut!

Mittwoch, 20. November 2013

Buchtipp: Folgt der blutigen Spur des Bourbon Kid


Alles fing an mit dem Buch ohne Namen. Das fiel mir wegen des Titels und des tollen Covers auf. Und angeblich verbirgt sich der Autor hinter dem Pseudonym „Anonymous“. So heißt er aber nur in Deutschland. Sonst nennt er sich Bourbon Kid. Angeblich steckt ein britischer Schriftsteller dahinter.

Interessant für mich ist, dass der Bourbon Kid seine Bücher zuerst als Self-Publisher herausgebracht hat, weil sich damals kein Verlag für den Stoff erwärmen ließ. Er sei keinem Genre eindeutig zuzuordnen, und der Held sei kein richtiger Held, sondern ein gnadenloser, psychopathischer Antiheld – so was wolle doch keiner lesen. Tja, falsch gedacht. Passiert der Verlagsbranche ja nicht zum ersten Mal. Das namenlose Buch wurde ein Bestseller, letzten Endes doch von einem Verlag übernommen und in diverse Sprachen übersetzt.

Das Buch ohne Namen war geil. Schon die erste Szene in der Tapioca-Bar im „beschaulichen“ Ort Santa Mondega rockte. Das Buch ist eine aberwitzige Mischung aus Pulp Western, Splatter, Horror und bösartig schwarzem Humor. In meinem Kopf lief beim Lesen ein Film ab, der Quentin Tarantino als Regisseur hatte.

Es folgten das direkte Sequel Buch ohne Staben und das Buch ohne Gnade, das zu einem Zeitpunkt vor den Ereignissen aus dem Buch ohne Namen spielt. Das stabenlose Buch war erneut großartig. Sauspannend, brutal und mit etlichen unerwarteten Wendungen und skurrilen Charakteren. Insofern schloss es qualitativ und handlungstechnisch nahtlos an das erste Buch an.

Das gnadenlose Buch war ebenfalls unterhaltsam (es nahm die allseits beliebten Castingshows derbe auf den Arm), jedoch nicht ganz so packend wie die ersten beiden Bücher. Es enthielt aber viele liebgewonnene Charaktere aus den anderen Büchern wie Sanchez, den Barkeeper des "Tapioca", der unliebsamen Gästen gern seine eigene Pisse als Whiskey ausschenkt. Ja. Nur beim Bourbon Kid sollte man sich keine Scherze erlauben. Immer wenn der echten Bourbon trinkt, läuft er Amok und knallt alle ab. Er ist übrigens der Held dieser Buchreihe und mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen.

Vor kurzem habe ich das vierte Buch der Reihe ausgelesen. Es heißt Das Buch des Todes und knüpft direkt an das Buch ohne Staben an. Man trifft einige schon bekannte Charaktere wieder: den eitlen Vampir Vanity, die einfach nicht tot  zu kriegende fiese Jessica, das naiv-süße Liebespaar Dante und Kacy, Psycho-Beth, Bourbon Kids große Liebe, und den trotteligen Barkeeper Sanchez, der mittlerweile Polizist geworden ist (die Polizei von Santa Mondega hat ein echtes Personalproblem, seit der Bourbon Kid in der Halloween-Nacht sämtliche Bullen niedergemetzelt hat - aber das waren ja eh alles Vampire, die hatten das also verdient).

Es ist jedes Mal wieder ein saugeiles, diebisches Vergnügen, dem Bourbon Kid auf seiner blutigen Spur durch das vampirverseuchte Santa Mondega zu folgen...

Wer jetzt neugierig geworden ist, befolge bitte diesen Rat: Unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen! Der Autor setzt Vorwissen beim Leser voraus und erklärt am Anfang eines neuen Buches nicht allzu viel. Bereits etablierte Charaktere werden nicht mehr großartig eingeführt.

Die richtige Reihenfolge wäre also:

"Das Buch ohne Namen"

"Das Buch ohne Staben"

"Das Buch ohne Gnade"

"Das Buch des Todes"

Ich hoffe, Mr. Tarantino arbeitet bereits an der Verfilmung.

Hier habe ich noch ein interessantes Interview mit dem Autor der Bücher ohne Namen/Staben/Gnade/des Todes entdeckt. Dort findet ihr auch das Trailervideo für das „Buch des Todes“.

Trinken wir auf den Bourbon Kid!

Für Nebenwirkungen übernehme ich keine Haftung.