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Freitag, 16. Oktober 2020

Zwei meiner Hörbücher erhielten ausführliche Rezensionen

Das hat mich ein wenig überrascht und sehr gefreut: Auf dem Blog The Librarian and her Books wurden kurz hintereinander zwei meiner Hörbücher vorgestellt und besprochen, die von der Hörbuchmanufaktur produziert und veröffentlicht worden sind.


Gestern entdeckte ich eher zufällig die erste Rezension zu "Dunkle Begegnungen", heute folgte die zu "Zwischenstopp - Dunkle Geschichten". Beide Hörbücher haben der Rezensentin insgesamt ziemlich gut gefallen und erhielten jeweils 4 Sterne. Volle 5 hätten sie wohl erhalten, wenn sie bei der Rezensentin mehr Grusel und Gänsehaut erzeugt hätten. Das schiebe ich mal auf persönlichen Geschmack - was den einen gruselt und Albträume beschert, entreißt dem anderen nur ein kurzes Zucken im Mundwinkel. Damit kann ich gut leben. Was mich freut, ist zum Einen, dass mein Schreibstil begeistern konnte und dass fast alle Geschichten aufgrund ihrer Ideen und Figuren zu überzeugen wussten, und zum Anderen, dass auch die Umsetzung als Hörbuch mit den ausgesuchten Sprecher*innen im Großen und Ganzen sehr gut ankam.

Ich gestehe, ich hoffe jetzt insgeheim, dass die Rezensentin auch mein drittes Hörbuch mit den Schauermärchen, "Des Nachts im finstren Wald", genauer unter die Lupe nehmen wird ... ;-)


Und hier findet ihr die Rezension zu "Dunkle Begegnungen".

Sonntag, 8. Dezember 2019

#WirLesenFrau Neujahrskalender - Ich bin auch dabei!

Unter diesem Link könnt ihr den Beitrag von mir zur wunderbaren Aktion unter dem Hashtag #WirLesenFrauen finden. Jeden Tag im Dezember sowie bis zum 06. Januar 2020 könnt ihr eine Autorin kennenlernen, erfahrt etwas über ihre Geschichten, ihre Art zu schreiben, wer ihre Vorbilder waren, wie sie sich selbst als schreibende Frau in der Buchwelt einordnen oder auch schlicht, welches ihr bevorzugtes Getränk in der Winterzeit ist.

Und heute, am 08. Dezember 2019, bin ich an der Reihe. Ihr erfahrt, von welchen Autoren und vor allem Autorinnen in meinem Bücherregal die meisten Bücher stehen, ob ich das Schreiben als Hobby oder mehr wahrnehme, woran ich gerade arbeite und was für außergewöhnliches Feedback ich zu meinen Geschichten schon erhalten habe.

Das Ganze ist übrigens mit einem Gewinnspiel verbunden. Einfach mal dem Link folgen, dann wisst ihr, was zu tun ist.

Ich wünsche euch allen einen frohen zweiten Advent und eine weiterhin friedliche, wundervolle Weihnachtszeit!

#WirLesenFrauen - Bitte hier entlang zum allerersten "Türchen" ..., und hier findet ihr mich: KLICK

Probiert den Hashtag #WirLesenFrauen einfach mal aus - auf Twitter, Facebook oder Google. Ihr werdet jede Menge spannender, lohnenswerter Artikel rund um Autorinnen und einige großartige Gewinnspiele finden!

Und hier exklusiv für alle, die an dieser Aktion teilnehmen, eine Leseprobe aus meinem Buch "Dunkle Begegnungen":

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Aus der Geschichte "Schwarzer Nebel"

Tim hatte ins Bett gemacht – zum ersten Mal seit über einem Jahr. Schuldbewusst sah er seiner Mutter dabei zu, wie sie die nasse Bettwäsche abzog und dabei die Nase rümpfte. Carolin merkte, was für ein betroffenes Gesicht ihr Sohn machte, und hielt inne.
»Schatz, nicht traurig sein, ja? Das kann doch mal passieren.« Sie lächelte ihm zu. Nachdem sie das Bettzeug in den Wäschekorb geworfen hatte, legte sie Tim einen Arm um die schmalen Schultern und führte ihn ins Bad.
»Jetzt duschst du erst einmal, und dann gibt es Frühstück«, erklärte sie mit sanfter Stimme. Tim ließ sich widerstandslos helfen. Als er sauber war und Carolin ihn mit seinem Lieblingsbadetuch trockenrubbelte, sagte er leise: »Bitte sag es keinem, Mama.«
Carolin sah ihn an. »Natürlich nicht, mein Schatz. Das bleibt unser Geheimnis.«
»Auch nicht Papa?«
»Auch nicht Papa.«
»Und Nina?«
Carolin sagte ernst: »Auch deine kleine Schwester wird es nicht erfahren. Versprochen.«
Erst beim Frühstück entspannte er sich.

Carolin hielt einen Teil ihres Versprechens gegenüber Tim nicht ein. Sie erzählte es doch ihrem Mann. Die Sache mit dem Einnässen war nicht der einzige merkwürdige Zwischenfall mit dem Jungen. In letzter Zeit wachte Tim fast jede Nacht auf und weinte bitterlich. Manchmal schlafwandelte er auch.
Erst vorgestern Abend war er ins Wohnzimmer gekommen, wo Carolin und Stefan vor dem Fernseher gesessen hatten. Als sie ihn ansprachen, reagierte er nicht, ging zum geklappten Fenster und machte sich daran zu schaffen, als wollte er es schließen.
»Was tust du da?«, wollte Carolin wissen.
»Der schwarze Nebel muss draußen bleiben«, nuschelte Tim abwesend.
»Er spricht im Schlaf«, bemerkte Stefan leise. »Siehst du, seine Augen sind gar nicht richtig geöffnet.«
Carolin schüttelte die Gänsehaut ab, die ihr das, was ihr Sohn soeben gesagt hatte, bereitete. Sie führte ihn weg vom Fenster und begleitete ihn in sein Zimmer.
Als Tim wieder in seinem Bett lag, drehte er sich zur Seite, und schon wenige Augenblicke später ging sein Atem tief und ruhig, als wäre er nie wach gewesen. Er erinnerte sich später an nichts davon.
Als sie Stefan nun erzählte, dass Tim ins Bett gemacht hatte, runzelte dieser die Stirn, tat es aber mit einem lapidaren Kann ja mal passieren ab.
Carolin wollte es jedoch nicht auf sich beruhen lassen. »Das ist kein Zufall, Stefan. Das alles macht er erst seit …«
»Oh bitte«, unterbrach ihr Mann sie. »Fängst du schon wieder mit diesem Halloween-Quatsch an?«
»Das ist kein Quatsch«, erwiderte sie ungehalten. »Tim hatte vor dieser dämlichen Übernachtungsparty keine Albträume, hat nie geschlafwandelt und ist seit über einem Jahr sauber. Ich hatte von Anfang an kein gutes Gefühl, ihn da mitmachen zu lassen.«
»Aber es hat ihm doch gefallen. Er hätte uns bestimmt erzählt, wenn irgendetwas Seltsames vorgefallen wäre.«
»Ich weiß, aber was ist, wenn etwas passiert ist, was Tim vielleicht nicht als schlimm empfunden hat, was ihn aber unbewusst verstört hat?«, überlegte Carolin. Tim war vor allem eines gewesen, als sie ihn am Morgen nach Halloween aus der Kita abgeholt hatten: ungewöhnlich schweigsam. Von dem quirligen kleinen Jungen, der sonst übersprudelte vor Energie und am liebsten alles gleichzeitig erzählt hätte, was er erlebt hatte, fehlte jede Spur. Ihre Fragen nach der Übernachtungsparty hatte er einsilbig beantwortet, und als sie zu Hause angekommen waren, hatte er gefragt, ob er schlafen gehen dürfe.
Stefan seufzte. »Hast du es im Kindergarten denn angesprochen, wie du es vorhattest?«
Carolin nickte, winkte aber ab. »Die halten mich da sowieso für eine überdrehte, überfürsorgliche Glucke. Selbstverständlich hat die Kramer mich beruhigt und gemeint, das sei in dem Alter ganz normal und hätte nichts damit zu tun, dass unser Kind eine Nacht in der Kita verbracht hat.« Ihr schwoll jetzt noch der Kamm, wenn sie sich an das selbstgefällige Gesicht der Kita-Leiterin erinnerte, als sie ihr versichert hatte, die Kinder hätten alle wahnsinnig viel Spaß in der Halloween-Nacht im Kindergarten und dass es stets das Highlight eines jeden Kita-Abschlussjahres wäre. Frau Kramers Lächeln war nicht echt gewesen.
Stefan riss sie aus ihren Gedanken, als er nachhakte: »Und die anderen Kinder? Wie geht es denen seit der Übernachtungsparty? Hast du mit ihren Eltern gesprochen?«
»Ja, mit zwei Müttern, die ich immer treffe, wenn ich Tim und Nina abhole.«
»Und?« Stefan sah sie fragend an.
»Nichts und«, gab Carolin zu. »Keines der anderen Kinder verhält sich komisch, angeblich geht es allen gut.«
Bei Martina, der Mutter von Mike, war sie sich nicht sicher, ob wirklich alles gut war. Martina hatte den Kopf weggedreht, als sie ihr mit leicht schrill klingender Stimme erklärt hatte, dass Mike die Halloween-Nacht im Kindergarten gut verdaut hätte. Als dann noch Sylvia Mertens, die Erzieherin von Tim und Mike, in Hörweite kam, hatte Martina es plötzlich sehr eilig und verschwand, ihren Sohn an der Hand, fast im Laufschritt. Aber vielleicht entsprang das auch nur Carolins sensibilisierter Einbildung, also ließ sie es lieber unerwähnt, schließlich schien Stefan sowieso schon an ihrem Verstand zu zweifeln.
»Na also. Keine Verschwörung, keine Skandale, alles okay.« Stefan griff nach seinem Feierabendbier und nahm einen kräftigen Schluck. Für ihn schien das Thema beendet zu sein.
»Weißt du noch, was Frau Kramer zu uns Eltern sagte, als wir uns an dem Abend in der Kita von unseren Kindern verabschiedeten?«, fragte sie schließlich.
Stefan schien zu grübeln, kam aber nicht drauf.
»Sie sagte: 'Sehen Sie sich Ihre Kinder noch einmal genau an, denn morgen früh werden sie nicht mehr dieselben sein.'«
»Ach natürlich«, antwortete er, »ich erinnere mich. Du weißt aber auch noch, wie sie das gemeint hat, oder? Sie sprach von Reife und Entwicklung zur Selbstständigkeit. Abnabelung und so.«
Mittlerweile kam es Carolin so vor, als wäre es ganz anders gemeint gewesen.

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Ob Carolin wohl recht hat? Was ist wirklich in jener Nacht im Kindergarten passiert? Findet es heraus - in meinem Buch "Dunkle Begegnungen"!

Sonntag, 3. März 2019

"Dunkle Begegnungen" für den Vincent Preis nominiert!

Shortlist, Baby, yeah!
Am 28. Februar 2019 wurden die Shortlists des Vincent Preis bekanntgegeben. In insgesamt sieben Kategorien stehen jetzt die Top-Kandidaten fest. Und wisst ihr was? Mein Buch "Dunkle Begegnungen" hat es tatsächlich geschafft: Es steht auf der Shortlist für Beste Storysammlung.

Die Erfüllung eines Traums

Für mich erfüllt sich mit dieser Nominierung ein lange gehegter Wunsch. Ich wollte schon deshalb unbedingt mal auf die Shortlist des Vincent Preis, weil ich dann eine der begehrten Urkunden erhalte, die jedes Jahr von einem anderen Künstler gestaltet werden.

In diesem Jahr wurde sie von Viktoria Lubomski kreiert - ich verehre Viktorias Arbeit, seit sie für meinen "Zwischenstopp" das neue grüne Cover gestaltet hatte. Als das Team des Vincent Preis nach einer neuen Urkundendesignerin suchte, sprach ich meine Empfehlung für sie aus und freute mich riesig, als ich erfuhr, dass sie den Auftrag erhalten hat. Die Urkunde ist ein echter Hingucker geworden, nicht wahr?

Wie geht es jetzt weiter?

Ist sie nicht wunderschön? *.*
Zunächst einmal freue ich mich wie ein Schnitzel (keine Ahnung, warum man das so sagt, ich habe noch nie ein Schnitzel gesehen, das sich freut), dass ich nominiert bin. Ich bedanke mich jetzt schon bei allen, die für mich gestimmt haben. Dann darf ich verkünden, dass die Nominierungsrunde fürs Finale bereits gestartet ist. Wieder dürfen alle registrierten Mitglieder der Onlinecommunities von
horror-forum.com, horrorundthriller.de und Gruselroman-forum.de über ihre Favoriten abstimmen. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal auf das Regelwerk zu diesem Preis.

Für die meisten von euch heißt das vermutlich, dass ihr nicht viel mehr tun könnt, als mir die Daumen zu drücken, dass ich es am Ende vielleicht sogar aufs Siegertreppchen schaffe. Solltet ihr aber bereits Mitglieder in einem der genannten Foren sein und mein Buch für gut genug befinden, so fühlt euch herzlich eingeladen, euch an der Abstimmung zu beteiligen. Schaut euch auf jeden Fall in Ruhe die Shortlists in den einzelnen Kategorien an, sei es, um noch weitere Favoriten zu finden, denen ihr eure Stimmen geben wollt, oder um neuen Lesestoff zu entdecken - da ist viel Schönes dabei!

Auch auf der Shortlist!
Und sonst so?

Ich gratuliere allen Mitnominierten und freue mich ganz besonders darüber, dass es die Anthologie "Ghost Stories of Flesh and Blood" ebenfalls auf die Shortlist geschafft hat - wir sind bei den Anthologien und Magazinen dabei. So gesehen darf ich mich also doppelt nominiert fühlen.

Die Gewinner werden traditionell auf dem Marburg Con verkündet, der immer im Mai stattfindet. Das wäre dieses Jahr doch wirklich mal ein Grund für mich, dort hinzufahren, oder?


Sonntag, 4. März 2018

Darf ich vorstellen: Herzblut

Kommen wir zum Abschluss von "Dunkle Begegnungen" - zur letzten Geschichte im Buch. Auch diese ist noch einmal verdammt kurz. Betrachtet sie als kleines Dessert nach einem opulenten Menü. Das geht doch immer noch rein.

Worum geht's?

Der Titel "Herzblut" darf wörtlich genommen werden. Wir begegnen einer jungen Frau namens Nina und ihrem Dozenten, mit dem sie sich offensichtlich zu einem Date trifft. Doch Nina verfolgt ganz andere Ziele.



Wie die Geschichte entstand

Erneut ist Sweek schuld an der Entstehung. Nach dem Wettbewerb #MikroFeuer folgte #MikroHerz, passend zum Monat Februar, in dem der Feiertag der Verliebten stattfindet, der Valentinstag. Zu meinem Glück wurde aber nicht erwartet, dass die Beiträge ausnahmslos romantisch und voller Verliebtheit und großer Gefühle sein mussten. Das Genre war wieder frei wählbar, so lange das Wort Herz vorkam und man maximal 250 Wörter verbrauchte - ja, das Limit ist ein bisschen raufgesetzt worden.

Ich durfte mich also austoben, und so schrieb ich statt einer Liebesgeschichte eine Rachegeschichte. Gestern wurden die Gewinner bekanntgegeben. Meine Geschichte ging diesmal leer aus, aber das war bei der wirklich großen Konkurrenz nicht weiter tragisch. Ich habe bei Sweek viel begeistertes Feedback erhalten. Vor allem das Ende, das mit ordentlich Schmackes daherkommt, kam wieder sehr gut an.

Lesepröbchen

Das sollt ihr natürlich auch wieder kriegen, es fällt nur naturgemäß knapp aus - 248 Wörter, mehr brauchte ich für diesen Extrakurzthriller nicht. Viel Spaß!

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»Herzblut. Damit musst du schreiben. Dann wird es gut.«
Nina hörte zu. Herzblut. Na klar.
»Sagte nicht schon der Fuchs zum Kleinen Prinz: Man sieht nur mit dem Herzen gut? Eben. Und mit Herzblut schreibt man gut.«
Der Dozent strich sich theatralisch eine Locke hinters Ohr und faselte weiterhin selbstverliebt von der Schönheit und Kraft leidenschaftlich niedergeschriebener Worte. Sie ließ ihn reden und schenkte schweigend Rotwein nach. Er versank völlig in seinem Lieblingsthema. Der leicht bittere Nachgeschmack fiel ihm nicht auf.

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Auch für diese Geschichte gilt: Sweeker können sie kostenlos hier lesen. Aber ihr wisst, ich freue mich über jeden, der sich das ganze Buch als E-Book oder Taschenbuch holt.

Feedback erwünscht

Ihr Lieben, es hat mir Spaß gemacht, euch meine Geschichten vorzustellen. Ich hoffe, ich konnte eure Neugier wecken. Worüber ich mich jetzt am meisten freuen würde, wäre euer Feedback. Schreibt mir einen Kommentar hier auf dem Blog, hinterlasst mir eine Rezension bei Amazon oder Lovelybooks oder Goodreads oder bei der Lesekanone (und wo ihr sonst noch gern eure Rezensionen veröffentlicht). Und wenn ihr ein Buchblog habt und an meinem Buch interessiert seid, meldet euch gern! Ich habe ein paar Rezensionsexemplare da.

Samstag, 3. März 2018

Darf ich vorstellen: Jetzt oder nie

Wenn ich jetzt nicht aufpasse, wird dieser Blogartikel länger als die Geschichte, die ich darin präsentieren möchte. Mal schauen, wie ich das hinkriege. Spoiler: Der Artikel ist länger als die Geschichte, die ich darin präsentiere.

Worum geht's?

Da haben wir Hanna. Sie ist mit einer besonderen Gabe ausgestattet. In dieser winzigen Szene, die in dieser Geschichte erzählt wird, erinnert sie sich an Zwischenfälle aus ihrer Vergangenheit, bevor wir zum Hier und Jetzt kommen, wo Hanna erneut mit ihrer Gabe konfrontiert wird, als sie dem Mann ihrer Träume begegnet. Aber mehr darf ich hier wirklich nicht erzählen!

Wie die Geschichte entstand

Überraschung: Ich nahm damit an einem Wettbewerb teil. Ja, wieder einmal. Irgendwie reizen mich solche Herausforderungen immer wieder und helfen mir auch, aus diffusen Ideen konkrete Plots zu erschaffen. Diesmal war es die Plattform Sweek mit ihrem monatlich stattfindenden Wettbewerb #Mikro. Jeder Mikro-Wettbewerb hat ein anderes Thema. Das, für das ich "Jetzt oder nie" schrieb, lautete "Feuer". Zwei Bedingungen musste ich erfüllen: Das Wort Feuer musste irgendwie enthalten und/oder verarbeitet sein. Die Geschichte durfte maximal 200 Wörter haben. Letzteres war tatsächlich die größere Hürde, denn ich hatte relativ schnell eine passende Story zusammen, aber die so zu kürzen, dass sie die geforderte Wortzahl einhält und gleichzeitig gut zu lesen und spannend ist, das war gar nicht so leicht. Ich bin zwar immer noch eine Kurzgeschichtenautorin, aber inzwischen werden meine Geschichten immer länger, was ich in "Dunkle Begegnungen" auch beweise.

Nun musste ich mich also extrem kurz halten, aber ich denke, das ist mir gelungen. Der Sweek-Jury hat "Jetzt oder nie" auch gefallen, und so landete ich unter den Finalisten - den besten 10 Geschichten aus diesem Wettbewerb. Das motiviert unheimlich.

Lesepröbchen

Das ist dieses Mal tatsächlich nur ein Pröbchen, denn wie erwähnt - die gesamte Geschichte hat gerade mal 199 Wörter.

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Hanna sah Dinge. Erst passierten sie in ihren Träumen, dann in der Wirklichkeit. Das war schon immer so gewesen. So wie damals bei dem Mädchen mit den roten Schuhen auf der Schaukel. Das immer höher schaukelte, bis es herunterfiel und mit seinem Kopf auf einem Stein aufschlug. Das Geräusch, das ihr Schädel machte, als er brach, hatte Hanna schon einmal gehört – in dem Traum in der Nacht zuvor.


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So, das muss reichen. Die aktiven Sweeker unter euch können die ganze Geschichte kostenlos auf Sweek lesen. Alle anderen finden sie als vorletzten Beitrag im E-Book oder Taschenbuch auf Amazon.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Um Bewertung wird gebeten

Ab sofort stellt sich mein Cover für "Dunkle Begegnungen" dem knallharten Wettbewerb auf cover-bewerten.de. Ihr könnt dort auch anonym bewerten, nur Sterne in den jeweiligen Bewertungskategorien abgeben oder auch noch einen Kommentar hinterlassen. Sowohl meine Coverdesignerin Jacqueline Spieweg als auch ich würden uns über eure Meinung freuen.



Darf ich vorstellen: Rent a Body, Inc.

Es wird Zeit, euch Geschichte Nummer 6 aus meinem Buch "Dunkle Begegnungen" vorzustellen. Sie trägt den Titel "Rent a Body, Inc.". Frage an diejenigen, die sie noch nicht kennen: Schon eine Idee, worum es darin gehen könnte? Ich verrate es euch gleich. Vorweg: Die Story ist ziemlich böse, aber ich hatte einen Heidenspaß, sie zu schreiben - natürlich.

Worum geht's?

In einer nicht allzu fernen Zukunft bietet die Firma Rent a Body, Inc. ein ganz besonderes Erlebnis für ihre Kunden: Man wird in den Kopf einer anderen Person versetzt und erlebt einen Abend lang, was diese Person erlebt. Man fühlt, riecht, schmeckt und hört, was der Mietkörper empfindet. Kleinkrimineller, Boxer, Prostituierte – Rent a Body hat alles im Angebot. Harald Wolländer möchte ein Abenteuer erleben, für das er selbst zu feige ist. Er möchte dabei sein, wenn ein Lebemann einen One-Night-Stand mit einer fremden Frau hat. Zunächst läuft alles wie geplant, doch dann muss er feststellen, dass die Frau, mit der sich sein Vermieter trifft, seine eigene Ehefrau ist. Wo hört Treue auf, wo fängt Ehebruch an? Harald Wolländer durchlebt einen Albtraum der besonderen Art.

Wie die Geschichte entstand

Die Idee kam mir, als ich auf der Suche nach einer passenden Geschichte für die Bloody-Qindie-Anthologie "Besessen" war, die im Oktober 2016 erschien. Für diese Anthologie sollte jeder eine Geschichte beisteuern, in der das Thema "Besessen" auf irgendeine Weise aufgegriffen wird. Nun ist das in der Welt des Horrors kein neues Thema, sondern eher ein Klassiker. Also musste ich schon ziemlich weit und um die Ecke denken, um etwas zu finden. Von Dämonen und bösen Geistern besessen - kennen wir schon. Besessene Gegenstände - alles schon gesehen. Exorzismus, Telepathie, Geisterbeschwörung - ja ja, erzählt mal was Neues.

Und so kam ich auf die Idee, dass der Geist, der einen Menschen befällt, da ganz gezielt und mit Erlaubnis reingelasssen worden ist, und zwar zum reinen Unterhaltungszweck. Mir fielen Filme wie "Total Recall" oder "Surrogates" ein, und schnell wurde klar, dass die Science Fiction das passendere Genre für meine Geschichte war. Mein Protagonist Harald Wolländer war schnell gefunden, ich mag den Typen irgendwie. Seinen "Gegenspieler" Bergmann musste ich mir länger zurechtbasteln, aber auch mit ihm bin ich am Ende sehr zufrieden gewesen. Am meisten mag ich Lucy, insbesondere weil sie schließlich ... Ach, ich kann ja nicht schon alles verraten! Lest es einfach selbst.

Lesepröbchen

Zufällig gibt es von genau dieser Geschichte bereits eine ausführliche Leseprobe auf meinem Blog, die ich damals postete, um für unsere Anthologie zu werben. Da verlinke ich jetzt einfach aus Bequemlichkeit dorthin.


Und wenn ihr wissen wollt, wie es weitergeht, könnt ihr euch entweder die Anthologie holen und auch gleich herausfinden, was meinen Qindie-Kollegen zum Thema "Besessen" eingefallen ist. Oder ihr wollt lieber noch weitere Geschichten aus meiner Feder lesen - dann holt ihr euch "Dunkle Begegnungen" als E-Book oder Taschenbuch.

In jedem Fall wünsche ich euch viel Spaß!

Sonntag, 25. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Nachts im Waschkeller

Die vierte Geschichte in "Dunkle Begegnungen" ist nach der doch sehr düsteren letzten Geschichte hoffentlich eine Erfrischung für meine Leser.

Worum geht's?

Natürlich handelt es sich vorrangig wieder um eine Horrorgeschichte. Es fließt Blut, es gibt ein Monster. Aber es gibt eine ... sagen wir: ungewöhnliche Protagonistin: Rita Meierbach, eine resolute Hausfrau, die es immer genießt, sich am späten Abend im Waschkeller ihres Mehrfamilienwohnhauses noch in aller Ruhe mit der Wäschepflege zu beschäftigen. Doch an diesem Abend ist schon jemand im Waschkeller - ihr neuer Nachbar, der weder Manieren noch Ahnung vom Wäschewaschen zu haben scheint. Und komisch riechen tut er auch ...

Wie die Geschichte entstand

Die Idee, dass sich nachts im Waschkeller etwas Gruseliges ereignet, trug ich schon länger mit mir herum. Inspiriert hatte mich der Waschkeller unseres eigenen Wohnhauses, in dem die Waschmaschinen aller Mieter standen und wo ich selbst oft genug spätabends noch die Wäsche aufhängte.

Als wir bei Qindie Anfang 2015 beschlossen, eine Horror-Anthologie zu veröffentlichen, die pünktlich zu Halloween 2015 erscheinen sollte, entschied ich, dass es diese Geschichte sein sollte. Also machte ich aus der groben Idee endlich einen konkreten Plot und schrieb die Kurzgeschichte von Rita und ihrem Abenteuer im Waschkeller. Schnell wurde mir klar, dass ich daraus keine wirklich unheimliche Story machen würde, sondern eher eine Art Horrorkomödie. Ja, der Humor kommt "Nachts im Waschkeller" nicht zu kurz, und dennoch fließt Blut und durchlebt Rita einen wahren Albtraum und muss um ihr nacktes Überleben kämpfen.

Ich habe diese Geschichte nun schon drei Mal vor Publikum vorlesen dürfen und konnte jedes Mal den Zuhörern ein Schmunzeln oder gar ein Lachen abgewinnen, also scheint das mit der Kombination aus Horror und Komik recht gut zu funktionieren. Dadurch unterscheidet sich diese Geschichte auch von allen anderen im Buch - sie ist nämlich die einzige, die ich in voller Absicht mit Humor gewürzt habe (was nicht bedeutet, dass ihr nicht auch in der einen oder anderen Story mal über eine absurde, irgendwie komische Stelle stolpern könntet).

Lesepröbchen

Achso, ihr wollt ja bestimmt noch reinlesen. Sehr gern, dann mache ich euch mal mit der guten alten Rita Meierbach bekannt ...

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Rita Meierbach nahm die Fernbedienung in die Hand und stellte den Ton des Fernsehers lauter, um ihren Mann Herbert zu übertönen. Er war auf dem Sofa eingeschlafen und gab Schnarchlaute von sich, die es Rita unmöglich machten zu verstehen, was der Nachrichtensprecher sagte, da half die höhere Lautstärke auch nicht mehr.
Sie verfolgte noch den Wetterbericht, dessen bunte Grafiken sie auch ohne die erklärenden Worte der blonden Moderatorin im viel zu kurzen Rock verstand. Danach schaltete sie den Fernseher aus und stieß Herbert so lange an, bis er endlich mit lautem Schnaufen aufwachte. Er habe ja gar nicht geschlafen, behauptete er nuschelnd, er habe nur ein bisschen die Augen zugemacht. Doch er ließ sich von Rita überzeugen, nun endlich ins Bett zu gehen. Grantelnd und ohne Gute-Nacht-Gruß schlurfte er aus dem Wohnzimmer.
Rita räumte noch ein wenig auf und wartete darauf, dass die vertrauten Schnarchgeräusche aus dem Schlafzimmer ertönten. Anschließend schnappte sie ihren Wäschekorb und stieg die Treppen vom vierten Stockwerk bis in den Waschkeller hinab.
Es war schon nach zehn Uhr. Auf dem Weg nach unten begegnete ihr keine Menschenseele, aber das machte ihr überhaupt nichts aus. Im Gegenteil: Endlich herrschte Ruhe im Haus. Um ungestört Wäsche aufzuhängen, war das die beste Zeit, fand Rita. In der zweiten und dritten Etage wohnten Familien mit Kindern im Grundschulalter, die nun fest schliefen. Der Hund von Herrn Stockhaus war auch so ein Ärgernis. Manchmal wusste Rita nicht, was schlimmer war: das Geschrei der tobenden Gören, denen anscheinend niemand beigebracht hatte, dass man im Treppenhaus leise sein musste, oder dieser elende Köter, der jedes Mal bellte wie irre, wenn jemand an der Wohnungstür vorbeiging. Stockhaus wohnte im Erdgeschoss – jeder, der nach oben wollte, musste an seiner Tür vorbei, und wirklich jedes Mal schlug sein Hund Alarm.
Rita betrat den Treppenabsatz vor Stockhaus' Wohnung und machte sich auf das unvermeidliche Kläffen gefasst. Doch alles blieb ruhig. Nein, nicht ganz ruhig. Sie blieb stehen und lauschte mit angehaltenem Atem an der Tür. War das ein Winseln? Rita hatte ein solches Geräusch noch nie bei diesem Tier gehört. Dann erklang die gedämpfte Stimme von Herrn Stockhaus, der beruhigend auf seinen Hund einzureden schien. Vielleicht war der Köter krank, überlegte sie. Sie tat es mit einem Achselzucken ab und stieg die letzten Stufen ins Untergeschoss hinab.
Als ihr der zarte Duft nach Weichspüler und frisch gewaschener Wäsche vom anderen Ende des Ganges entgegenwehte, beschleunigte sie ihre Schritte und betrat den grau gefliesten Waschkeller mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. Das Geräusch des Schleudergangs ihrer treuen alten Siemens, die sich in den letzten Zügen ihres abendlichen Waschgangs befand, hieß sie willkommen. Das war ihr Reich. Hier war es immer sauber, alles an seinem Platz, alles, wie es sein musste. Das war es, was Rita am Waschkeller so schätzte.
Doch schon im nächsten Augenblick erstarb ihr Lächeln, denn heute Abend waren mehrere Dinge nicht so, wie sie sein sollten. Das Licht in dem Raum leuchtete bereits, und das lag nicht daran, dass die letzte Person, die hier gewesen war, vergessen hatte, es auszumachen. Es war von dem Mann eingeschaltet worden, der sich in der gegenüberliegenden Ecke an einer heruntergekommen wirkenden Waschmaschine zu schaffen machte.
Ritas Mundwinkel wanderten nach unten, als ihr klar wurde, dass ihre Pläne, den Tag mit einer Runde gemütlicher Wäschepflege ausklingen zu lassen, soeben von diesem Mann zunichtegemacht worden waren. Sie hatte weder ihn noch diese hässliche Waschmaschine, einen schmalen Toplader, dessen ehemals weiße Verkleidung gelbstichig und an den Rändern rostig aussah, jemals zuvor gesehen.
Er stand mit dem Rücken zu ihr über seine Maschine gebeugt und hatte sie noch nicht bemerkt.
Sie hüstelte. Sein Gesichtsausdruck, als er herumfuhr und sie anstarrte, ließ sie zusammenzucken. Er war blass, seine Wangen wirkten eingefallen, um seine stechenden, geröteten Augen hatten sich tiefe Schatten gelegt. Er sah aus, als wäre er ernsthaft krank. Außerdem schien er alles andere als erfreut zu sein, plötzlich Gesellschaft bekommen zu haben.

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So, und an dieser Stelle überlassen wir die beiden mal sich selbst. Wie, ihr wollt jetzt aber wissen, wie es weitergeht? Na gut, aber das macht ihr dann am besten im E-Book oder im Taschenbuch. Ihr wisst ja, die Dinge brauchen Ordnung.

Freitag, 23. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Blind Date

Die zweite Geschichte in "Dunkle Begegnungen" entführt euch in die virtuelle Welt, in der alles möglich ist, wo aber der Schein trügt und so manche Bedrohung zur ganz realen Gefahr wird.

Worum geht's?

Meine Protagonistin Marie ist unzufrieden mit ihrem Leben und projiziert ihren Frust am liebsten auf die attraktive, arrogante Nachbarin Sibylle. Um dem grauen Alltag zu entfliehen, führt sie ein virtuelles Leben in der Onlinewelt Beyond Reality, in der sie alles sein kann, was sie will, nämlich wunderschön, beliebt und cool. Bei einer Party in dieser Welt trifft sie auf einen außergewöhnlichen Spieler, der von sich behauptet, ein Dämon zu sein. Marie lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit fatalen Folgen ein.

Wie die Geschichte entstand

Die erste Fassung von "Blind Date" entstand 2012 für einen Wettbewerb auf Bookrix. Ich glaube, das Motto dieses Wettbewerbs lautete "Der Tod wartet im Netz" oder etwas in der Art. Da ich zu jener Zeit noch recht intensiv in der tatsächlich existierenden virtuellen Welt von Second Life unterwegs war, wusste ich schnell, dass meine Geschichte auch in so einer Welt spielen würde. Nur konnte ich sie aus markenrechtlichen Gründen nicht so nennen, weshalb ich mir den Namen Beyond Reality ausdachte. Wer Second Life kennt, wird allerdings bei der Lektüre meiner Geschichte problemlos Parallelen und Ähnlichkeiten entdecken.

Kurz zuvor hatte ich eine andere Geschichte, nämlich "Willkommen in Crystal Creek", bei einer Ausschreibung unterbringen können. Noch bevor die Anthologie erschien, trennten sich der Herausgeber und Verlag. Der Herausgeber, niemand Geringeres als Constantin Dupien, Schöpfer der Kultreihe "Mängelexemplare", wollte die Anthologie nun allein bzw. mit einem anderen Verlag herausbringen. Um rechtlichen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, schlug Constantin mir vor, die Crystal-Creek-Geschichte gegen "Blind Date" auszutauschen, denn auch diese Geschichte fand er Klasse und passend für seine Anthologie. So kam also "Blind Date" zur Veröffentlichung im allerersten Band der "Mängelexemplare", und "Willkommen in Crystal Creek" erschien stattdessen in meiner eigenen Kurzgeschichtensammlung "Zwischenstopp - Dunkle Geschichten".

Lesepröbchen

Natürlich könnt ihr an dieser Stelle auch in "Blind Date" schon einmal reinlesen. Ich habe die Szene ausgewählt, in der Marie den Dämon zum ersten Mal trifft. Viel Spaß dabei!

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Die Location entpuppte sich als geschmackvoller Club, der mit seinen Neonverzierungen an den Film Tron erinnerte. Maries Avatar war nicht der erste Gast auf der Party. Über den auf der Tanzfläche herumwackelnden Figuren leuchteten die Namen, welche die anderen User ihren Avataren gegeben hatten. Die meisten von ihnen kannte Marie, und ein paar begrüßten sie gutgelaunt im öffentlichen Chat, den jeder Anwesende mitverfolgen konnte. Sie genoss die Aufmerksamkeit und die Komplimente für ihr heutiges Aussehen. Mit dem Mauszeiger klickte sie auf den Discoball, der unter der Decke schwebte. Er enthielt Animationen – kleine Programme, die dafür sorgten, dass ihr Avatar sich zu den anderen auf der Tanzfläche gesellte und akrobatisch-rhythmische Verrenkungen vollführte, die im wahren Leben wohl kein einziger der hier eingeloggten User zustande bringen würde.
Marie ließ Sibylle Fairyland das Tanzbein schwingen, lehnte sich zufrieden zurück und nahm einen Schluck Cola. Ja, hier fühlte sie sich zu Hause. Ein Geräusch aus dem Treppenhaus holte sie jäh zurück in die Wirklichkeit. Die Kemper stöckelte gerade wieder auf ihren High Heels nach unten. Kurz darauf hörte Marie das Aufheulen eines Motors und quietschende Reifen, als wahrscheinlich Sibylle Kempers Begleiter besonders schwungvoll in die Partynacht startete, um bei ihr Eindruck zu schinden.
Marie verdrehte unwillig die Augen. Sie beugte sich vor und konzentrierte sich wieder ganz auf ihre eigene Party drüben im virtuellen ‚Lalaland‘. Da fiel er ihr auf. Am Eingang stand ein sonderbar aussehender Avatar, der seinen Körper ständig hin und her drehte, als würde sein Besitzer sich aufmerksam umschauen. Marie zoomte näher heran und betrachtete ihn von oben bis unten. Ziemlich beeindruckende Erscheinung. In Beyond Reality war es nicht unüblich, dass die User sich lieber als Tier, Elfe, Drache oder sonstiges Fabelwesen präsentierten. Sie trugen spitze Ohren, Flügel oder Hörner zur Schau, hatten Vampirzähne oder blaue Haut wie die außerirdischen Naturvölker aus diesem Science-Fiction-Film. An solchen Verrückten verdienten viele 3D-Designer eine Menge Geld, indem sie immer neue Fantasy-Charaktere gestalteten und diese auf Online-Marktplätzen für Beyond Reality verkauften.
Aber einen Typen wie diesen hier hatte Marie noch nie zuvor gesehen. Er sah einfach unglaublich aus. Seine Haut war von Kopf bis Fuß rot. Er trug keine Kleidung, abgesehen von einer Art Lendenschurz. Sein muskelbepackter Körper stand auf Hufen mit nach hinten geknickten Beinen. Seine Hände waren krallenbewehrte Klauen. Auf seinem kahlen Schädel thronten zwei gedrehte Hörner, die in metallbeschlagenen Dornen endeten. Seine kleinen Ohren liefen spitz zu und standen etwas ab. Aus seinem Maul ragten zwei Hauer, und zwischen den messerscharf aussehenden Zähnen blitzte immer wieder eine gespaltene schwarze Zunge hervor.
Marie steuerte die Ansicht um den Fremden herum, so dass sie auch die Doppelreihe von scharfkantigen Knochenplatten sehen konnte, die entlang seiner Wirbelsäule aus seinem Rücken stachen. Am Steißbein saß außerdem ein Schwanz mit einem skorpionartigen Stachel am Ende, der permanent hin und her peitschte. Völlig hingerissen, bestaunte Marie minutenlang jedes Detail der geheimnisvollen fremden Gestalt.
Sie klickte auf eines der Hörner, um den Hersteller dieses außergewöhnlichen Avatars festzustellen, doch das Menü mit den gewünschten Infos ließ sich nicht öffnen.
Auch der Name des Unbekannten – dargestellt in fremdartigen Symbolen, die Marie an eine Mischung aus ägyptischen Hieroglyphen und arabischen Schriftzeichen denken ließen – war so eine merkwürdige Sache. Dass man seinen Avatarnamen in einer anderen Schriftart darstellen konnte, wusste Marie bisher nicht, und es weckte ihre Neugier. Heute Abend würde sie mit einem Dämon flirten. Marie schickte eine kurze Nachricht an Marcel, den Gastgeber der Veranstaltung. Sie wollte von ihm wissen, ob er den Neuankömmling kannte, denn eigentlich sollte die Einweihungs-party nur für geladene Gäste sein. Doch Marcel war anscheinend zu beschäftigt, um zu antworten. Sie beschloss, in die Offensive zu gehen, klickte den Dämonenavatar an, und das Fenster für den privaten Chat öffnete sich.
»Was bist du denn für einer?«, schrieb sie und fügte ein Smiley-Symbol hinzu. Der Fremde schien sofort zu wissen, von wem diese Nachricht kam, denn er richtete seine rot glühenden Augen auf die immer noch tanzende Sibylle Fairyland.
»Ich bin der, den du siehst«, kam als Antwort.
Na wundervoll, dachte Marie sarkastisch. Einer, der sich in dieser Welt komplett verloren hat. Solche Süchtigen traf man immer wieder, und meist machte Marie einen großen Bogen um sie. Sie erinnerten sie viel zu sehr an ihr eigenes zwanghaftes Verhalten. Doch heute war sie in der richtigen Stimmung für so einen Typen.
»Ich sehe eine Art Dämon«, tippte sie und wartete.
Die Antwort kam prompt: »Dann siehst du das, was ich bin.«
Das versprach, noch lustig zu werden.
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Donnerstag, 22. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Redrum kommt nach Hause

Das ist der Titel der ersten Geschichte in meinem neuen Kurzgeschichtenband "Dunkle Begegnungen". Mit dieser Geschichte beginne ich ab heute die Vorstellung der einzelnen Beiträge im Buch, werde ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wie diese Geschichten entstanden sind, und zeige euch den einen oder anderen Textschnipsel.

Worum geht es?

Frank sammelt seltene Bücher. Ein besonderes Exemplar will er bei Erwin Trabel abholen, der in einem heruntergekommenen Plattenbau in Frankfurt-Sossenheim wohnt. Den stinkenden Fahrstuhl teilt er sich mit einem Typen, dessen Gesicht unter seiner Kapuze verborgen bleibt. Als ein Stromausfall die Fahrt in den fünften Stock unterbricht und die zwei Männer im Dunkeln festsitzen, dauert es nicht lange, bis Frank es bitter bereut, nicht die Treppe genommen zu haben.

Wie die Geschichte entstand

Das war im Jahr 2013. Ich hatte einen Wettbewerb bei neobooks entdeckt. Der Titel lautete "Wenn es dunkel wird", gesucht wurden Kurzthriller. Was mich besonders reizte, war die Ansage, dass die Jury wirklich jeden Beitrag lesen würde. In dieser Jury saß auch ein gewisser Sebastian Fitzek, ein echter Bestsellerautor, der einen erfolgreichen Thriller nach dem anderen raushaute. Ich gebe zu, ich lese Fitzek nicht, bin kein Fan, aber ein Feedback von Fitzek persönlich zu meiner Schreibe - das hätte ich schon gern gehabt. Also fing ich an, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es schon etliche Beiträge zum Wettbewerb, und ich ging die der Reihe nach durch, um herauszufinden, worüber die anderen so schrieben und ob meine Idee von einer Szene, die nur in einem steckengebliebenen Fahrstuhl spielen sollte, in irgendeiner ähnlichen Form schon vorkam. Schnell merkte ich: Es kehrten bestimmte Szenen und Themen wieder. Oft wachten die Protagonisten irgendwo im Dunkeln auf, ohne zu wissen, wie sie da hingekommen waren. Oder sie träumten etwas Schreckliches, wurden wach und durchlebten das Geträumte real. Oder sie waren nachts allein unterwegs und wurden verfolgt. Also wusste ich, meine Geschichte würde sich zumindest thematisch abheben.

Ich schaffte es, an einem einzigen Abend aus der Idee einen Plot zu stricken und aus dem Plot einen fertigen Kurzthriller. Irgendwann nach Mitternacht war die Geschichte fertig, zwei Tage später fertig überarbeitet und hochgeladen. Und was soll ich sagen: Mein Beitrag wurde von der Jury zum besten gekürt - ich gewann den Wettbewerb! Belohnt wurde ich mit der Veröffentlichung in einer Anthologie zusammen mit neun weiteren Geschichten, mit einer Einladung zur großen Knaur-Messeparty und einem tollen Autorenseminar bei der Textmanufaktur in München. Und natürlich bekam ich das persönliche Feedback von Sebastian Fitzek, das ich gerne noch einmal zitiere:

Meisterhaft klaustrophobische Psycho-Spannung vom ersten Satz an. Mit feinem Sprachgefühl verwandelt Jana Oltersdorff eine alltägliche Situation in einen grauenhaften Albtraum und schafft einen ausgezeichneten Kurzthriller, den man einfach auszeichnen muss. Herzlichen Glückwunsch! Klaustrophobische Psycho-Spannung auf höchstem Niveau!

Geht runter wie Öl ...

Tja, die Anthologie mit dem Titel "Hüte Dich!" scheint sich selbst zum Ladenhüter entwickelt zu haben. Sie erschien lediglich als E-Book, und vom Verlag wurde so gut wie keine Werbung dafür gemacht. Deshalb haben diese Geschichte wahrscheinlich nur die Leute gelesen, die damals bei neobooks aktiv waren. Höchste Zeit also, meinem "Redrum" die Bühne zu bieten, die er verdient - als Eröffnungsgeschichte meines Kurzgeschichtenbands "Dunkle Begegnungen". Die Geschichte macht dem Titel meines Buches alle Ehre, denn eine solche dunkle Begegnung wie die in jenem Fahrstuhl wünscht man wohl nicht mal seinem ärgsten Feind.

Lesepröbchen

Hatte ich euch ja versprochen. Hier also die ersten Zeilen aus "Redrum kommt nach Hause" - viel Spaß!

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Aus der Nähe machte das Gebäude auch keinen besseren Eindruck. Kalt, grau, heruntergekommen. Es stank nach Altmännerpisse. Die Wände waren mit obszönen Graffitis und Sprüchen beschmiert. Wer sich über die unsäglichen Plattenbauten im Osten aufregte, der sollte mal einen Abstecher nach Frankfurt-Sossenheim machen. Auch westdeutsche Architekten wussten, wie man hässliche Wohnhäuser baute.
Frank wischte sich angewidert die Hand an seiner Jacke ab, nachdem er den Klingelknopf von Erwin Trabel gedrückt hatte. Eine krächzende Stimme meldete sich.
»Fünfter Stock. Die zweite Tür links«, war alles, was Frank zu hören bekam, bevor der Summer der Haustür ertönte. Trabel schien es eilig zu haben. Frank versuchte, die vor Dreck starrende Haustür aufzustoßen, indem er den Türgriff nur mit seinem Ellenbogen herunterdrückte.
Im Halbdunkel der spärlich beleuchteten Eingangshalle blieb er stehen und blickte sich um. Hier drinnen sah es auch nicht einladender aus. Der Uringestank war noch intensiver. An der Wand hingen Suchanzeigen für gestohlene Fahrräder und entlaufene Hauskatzen. Keine einzige der zum Mitnehmen vorbereiteten Telefonnummern war abgerissen worden. Nette Nachbarschaft, dachte Frank und suchte nach dem Fahrstuhl.
Sein Blick glitt über Unrat, der sich in den Ecken gesammelt hatte. Leere Pappbecher, Schokoriegel-papier, alte Zeitungen. Eine aktuelle Ausgabe der Offenbach-Post war auch dabei. Frank hatte sie in der S-Bahn gelesen und kannte bereits die Schlagzeile, die ihm in Großbuchstaben entgegensprang.
»Unheimlicher Redrum-Killer schlägt erneut zu«, stand da zu lesen.
Unheimlich war daran vor allem, wie sich die Sprache seiner Lieblingstageszeitung plötzlich an den reißerischen Schlagzeilen gewisser anderer Tagesblätter orientierte und deren Stil nacheiferte.
Dennoch. Redrum. Das hatte Frankfurt noch nicht erlebt. Ein Serienkiller, der an den Tatorten stets dieses Wort hinterließ. Wie eine geheime Botschaft. Frank kannte das Wort gut. Ein bizarrer Zufall wollte es, dass das Buch, aus dem dieses Wort stammte, der Grund war, weshalb er sich in diesem widerlichen Plattenbau befand. Er schüttelte die aufkommende Gänsehaut ab, die seine Arme überziehen wollte.
Der Fahrstuhl befand sich hinter einer Ecke. Frank drückte den Rufknopf und wartete. Eine Weile tat sich überhaupt nichts.
Plötzlich fiel die Haustür scheppernd ins Schloss. Das Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Eine alte Frau schlurfte an ihm vorbei zur Tür, die ins Treppenhaus führte. Sie warf ihm einen kurzen, prüfenden Blick zu. Frank versuchte ein freundliches Kopfnicken, das die Alte lediglich mit einem verächtlichen Schnauben erwiderte.
»Auf den können Sie lange warten«, sagte sie. »Kein Verlass auf die Dinger. Treppe geht schneller.«
Sie verschwand im Treppenhaus. Frank seufzte. Vielleicht hatte sie recht, und er sollte auch zu Fuß gehen. Fünf Stockwerke waren doch nicht viel. Allerdings hatte Franks Körper schon einmal bessere Zeiten erlebt. In den letzten Jahren hatte er so gut wie keinen Sport getrieben und sich von Dingen ernährt, die vor allem aus Fett und Zucker bestanden. Allein der Gedanke an die Anstrengung trieb ihm den Schweiß auf die Stirn.
Seine Zweifel wurden durch einen hellen kurzen Klingelton beseitigt, der den Fahrstuhl ankündigte. Die Türen öffneten sich unendlich langsam. Eine weitere unangenehme Duftwolke strömte Frank entgegen. Er betrat die schmale Kabine; dabei versuchte er, möglichst flach durch den Mund zu atmen. Hoffentlich lohnt sich der ganze Aufwand, dachte er genervt.
Gerade als er den Knopf für die fünfte Etage gedrückt hatte, tauchte ein weiterer Fahrgast auf und schob sich an ihm vorbei in die Kabine. Der Mann überragte Frank um fast einen Kopf. Sein Gesicht hatte er unter einer Kapuze verborgen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Frank sah den Mann fragend an. Der machte keine Anstalten, ein Stockwerk auszuwählen.
»Wollen Sie auch in den fünften?«, fragte Frank. Kapuze nickte stumm.
Die Türen schlossen sich fast noch langsamer, als sie sich geöffnet hatten. Ächzend setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung. Nach einer endlos scheinenden Zeit sprang die Stockwerkanzeige vom E auf die 1.
Frank lehnte sich an die Wand; plötzlich fiel ihm ein, wie dreckig hier alles war, und er stellte sich stattdessen in die Mitte der Kabine. Von dort starrte er auf die Anzeige, als könnte er die Fahrt dadurch beschleunigen. Er fragte sich, ob vielleicht irgendwo im Keller ein alter Mann auf einem aufgebockten Fahrrad saß, mit dem diese Konstruktion zum Laufen gebracht wurde. Das hätte die extreme Lahmarschigkeit des Fahrstuhls erklärt.
Kapuze stand hinter Frank und fixierte ihn. Frank spürte fast körperlich, wie Kapuze mit seinen Blicken Löcher in Franks Rücken bohrte. Komischer Typ. Wen der wohl besuchen wollte? Wahrscheinlich wohnte er hier. Die Hälfte der Bewohner musste aus solchen kaputten Typen wie Kapuze bestehen. Ob Erwin Trabel auch so ein Wrack war?

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