Pünktlich zur herbstlichen Buchmessezeit haben wir es geschafft und können voller Stolz unsere neueste Bloody Qindie Anthologie präsentieren. Der Titel verrät: Diesmal dreht sich alles um Bücher. Gefährliche Bücher. Unheimliche Bücher. Bücher mit einem Eigenleben. Bücher mit geheimnisvollen Botschaften. Bücher, die mehr als nur die Geschichte erzählen, die in sie gedruckt wurde.
Ich bin diesmal mit zwei Geschichten vertreten. Da wäre zum Einen meine Kurzgeschichte "Das leere Buch". Diese war die allererste Geschichte aus meiner Feder, die jemals veröffentlicht wurde, und zwar im Jahr 2009. Mit dieser Geschichte fing alles an. Umso mehr freue ich mich, sie in leicht überarbeiteter Fassung in unserer Bloody Qindie Reihe präsentieren zu dürfen.
Die zweite Geschichte habe ich erst dieses Jahr extra für unsere Anthologie geschrieben. Sie trägt den Titel "Die Lektüre der alten Dame". Natürlich ist es eine eher unheimliche Geschichte, immerhin kommt ein Geist vor, es kommt sogar ein kompletter Geister-Bücherschrank vor! Doch diesmal wird bei mir kein Blut vergossen, und das Ende ist für meine Verhältnisse doch ziemlich versöhnlich, ja fast schon happy. Aber mehr verrate ich nicht - außer einer kurzen Leseprobe am Ende dieses Artikels.
Bloody Qindie präsentiert: Gefährliche Bücher: Halloween Special
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| Cover: Katharina Gerlach |
Klappentext
Ein geerbtes Buch, das einen eigenen Willen entwickelt …
Ein Tagebuch, das über sehr spezielle Experimente berichtet …
Und ein Buch, das Leben gibt und Nichts verspricht …
Sie denken, Bücher sind einfach nur zum Lesen da? Doch was, wenn ein Buch Wünsche erfüllen kann? Und nicht nur die Guten … Was, wenn das schlichte Öffnen eines Buches einen Dämon entfesselt? Oder jeder Wetteinsatz, den Sie in ein Notizbuch schreiben, gnadenlos eingefordert wird?
Nicht jedes Buch unterhält Sie. In manchen lauert bittere Rache oder der Korrektor des Grauens. Passen Sie also auf, wenn Sie das nächste Mal auf dem Flohmarkt ein Buch erstehen oder ein achtlos liegengebliebenes mitnehmen. Und eines noch: Egal, was ein Buch verspricht, gehen Sie sorgsam mit Ihren Wünschen um.
Bloody Qindie präsentiert zum achten Mal düstere Kurzgeschichten mit und ohne Fantasy. Mit diesen zwölf Geschichten von elf Qindie-Autoren laden wir sie herzlich ein in die Untiefen der gebundenen Seiten. Doch wissen Sie folgendes: „Gefährliche Bücher“ lesen Sie auf eigene Gefahr!
Folgende Geschichten sind enthalten:
Pitch Black Jack – Selma J. Spieweg
Die Welt steht still, wenn die Königin es will – Regina Mengel
Das Tagebuch – Rainer Ruppersberg
Bocore – Martina Bauer
Die Lektüre der alten Dame – Jana Oltersdorff
Lebe dein Buch – Florian Tietgen
Das leere Buch – Jana Oltersdorff
Die Gier nach Macht – Divina Michaelis
Such dich selbst – Lotte R. Wöss
Zeit für ein gutes Buch – Katharina Gerlach
Wünsch’ dir was! – Patricia Strunk
Auf dem Buchmesse Convent am 21. Oktober 2023 in Dreieich werde ich das Buch an unserem Qindie-Tisch präsentieren. Kommt vorbei und holt euch eines der allerersten druckfrischen Exemplare!
Ansonsten könnt ihr das Buch schon bei Amazon käuflich erwerben (eBook und Taschenbuch) und außerdem als eBook in allen Online Shops der Tolino-Gruppe, z. B. bei Thalia.
In Kürze wird auf Lovelybooks dazu auch eine Leserunde starten. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!
Aber nun wie versprochen die Leseprobe aus meiner Geschichte "Die Lektüre der alten Dame":
Den Bücherschrank auf dem kleinen
Platz bemerkte Emma in der zweiten Nacht nach ihrem Einzug. Sie konnte nicht
schlafen, weil sich alles noch fremd anfühlte. Also stand sie in der Küche mit
einem Glas Wasser und starrte gedankenversunken nach draußen. Von hier oben im
zweiten Stock hatte sie einen guten Blick. Die Straße lag verlassen da. Das
gelbliche Licht der Straßenlaterne beleuchtete die großen Kastanienbäume.
Zwischen ihnen stand er. Ein schmaler Quader, ungefähr so groß wie eine
Telefonzelle. Und er schien randvoll mit Büchern zu sein, so viel konnte Emma
erkennen.
Sie seufzte. Wie lange war es her,
dass sie ein Buch gelesen hatte? Ein angefangener Roman lag auf dem Tischchen
neben ihrem Bett. Ein Geschenk ihrer Mutter zu Weihnachten – vor drei Jahren. Seitdem
hatte sie darin vielleicht fünfzig Seiten gelesen und es dann … ja, was?
Vergessen? Abgebrochen? Die Lust am Lesen war ihr irgendwie verlorengegangen.
Aber das Lesezeichen steckte noch an der Stelle, bis zu der sie gekommen war. Sie
hatte das Buch gestern erst aus dem Umzugskarton genommen und sorgfältig auf
dem Tischchen platziert, als sei es ein Dekogegenstand. Emma wusste noch, dass
es ein Thriller von Cody McFadyen war, aber an den Titel oder die Handlung
erinnerte sie sich nicht mehr. Sollte sie dieses Buch irgendwann weiterlesen
wollen, würde sie wohl noch einmal von vorn beginnen müssen.
Oder sie könnte sich stattdessen
etwas Anderes aus diesem Bücherschrank dort drüben holen. Womöglich beherbergte
er den einen oder anderen Schatz. Aber nicht mehr heute Nacht. Sie gähnte
herzhaft. Endlich spürte sie ein Gefühl der Bettschwere. Sie stellte das Glas
neben die Spüle und warf einen letzten Blick nach draußen. Da bemerkte sie eine
Bewegung bei einem der Bäume. Neugierig schaute Emma nach draußen. Kurz
verschwand eine Gestalt hinter dem massiven Stamm, um gleich darauf wiederaufzutauchen.
Es handelte sich um eine ältere Frau, wie Emma im Licht der Straßenbeleuchtung
erkannte. Das weiße Haar zu einem Knoten gebunden, die Kleidung dunkel,
wahrscheinlich ein Mantel über einem Kleid oder Rock. Die Frau ging nicht
besonders schnell. Ihr Rücken war gekrümmt, bei jedem Schritt stützte sie sich
auf einen Gehstock.
Vor dem Bücherschrank machte sie
halt, öffnete die Tür und bückte sich. Als sie sich wieder aufrichtete, hielt
sie ein Buch in der Hand. Sie ging damit zu der Parkbank, die gleich neben dem
Bücherschrank stand, nahm darauf Platz und schlug das Buch auf.
Emma stieß mit der Nase an die
Fensterscheibe und hinterließ einen kleinen Fettfleck auf dem Glas bei dem
Versuch zu erkennen, um was für ein Buch es sich handelte. Welche Art Buch las
eine alte Dame mitten in der Nacht im Schein einer Straßenlaterne? Es wollte Emma
nicht gelingen, zumal sie inzwischen zu müde warum der Frau weiter zuzusehen.
Bevor sie hier noch im Stehen einschlief, ginge sie besser wieder ins Bett. In
diesem Augenblick klappte die Alte das Buch zu, stand auf, stellte es zurück in
den Bücherschrank und verließ den Platz unter den Kastanien genauso langsam und
bedächtig, wie sie gekommen war.
Emma schüttelte den Kopf und konnte
sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. Etwas an dem soeben Erlebten
berührte sie im Inneren und bekräftigte ihren Entschluss, sich diesen
Bücherschrank bei nächster Gelegenheit aus der Nähe anzuschauen.
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