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Montag, 3. August 2020

Buchtipp: "German Kaiju" - Eine wahrhaft monströse Anthologie

Jetzt erkläre mir bitte jemand, wie es passieren konnte, dass das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, seit seinem Erwerb auf der Leipziger Buchmesse 2019 auf meinem Stapel ungelesener Bücher vor sich hindümpelte, bevor ich es im Sommer 2020 - über ein Jahr später - endlich aufschlug und zu lesen begann. Da habe ich die ganze Zeit einen wahren Schatz Staub ansetzen lassen! Aber zum Glück haben Bücher kein Ablauf- oder Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses hier las sich jedenfalls ganz frisch und flott. Ihr merkt schon, das wird wieder eine Lobhudelei. Ich erhebe das Glas auf:

"German Kaiju"

Herausgeber Markus Heitkamp hat, wie er im Vorwort berichtet, schon immer ein Faible für riesige, Städte zertrampelnde Monster wie Godzilla gehabt - Fachbegriff "Kaiju" - und kam irgendwann auf die Idee, daraus eine Anthologie zu machen. Verleger Marc Hamacher vom Leseratten-Verlag war anscheinend bekloppt oder mutig genug, das Projekt gemeinsam mit ihm anzugehen. Heitkamp scharte eine wackere Truppe von Autoren  um sich, die in der Lage waren, aus der Idee, Kaijus in Deutschland wüten zu lassen, passende Stories zu machen. Mit Christian Günther stieß ein begnadeter Künstler zum Team, der für das Cover und zu jeder einzelnen Geschichte das passende Bild erschuf. Auf der Leipziger Buchmesse 2019 wurde das Buch präsentiert. Da wusste ich schon, dass ich es unbedingt haben wollte.

Ich sage euch, es ist ein richtiges Schmuckstück geworden. Nicht nur das geniale Cover, das perfekt auf die Geschichten einstimmt, auch der in rot gehaltene Buchschnitt macht richtig was her. Es gibt drei (in Zahlen: 3!) Vorworte, zu jeder Geschichte gibt es eine eigene Illustration des jeweiligen Monsters sowie ein Foto und eine Kurzvita.

Aber all das ist natürlich nur hübsche Dekoration, die wirkungslos verpuffen würde, wenn der Inhalt nicht gut wäre, doch darum muss sich niemand Sorgen machen. Der Inhalt ist mega und hat das Versprechen des Slogans "Deutschlands größte Anthologie", mit dem das Buch beworben wurde, absolut erfüllt. Kommen wir also zu den einzelnen Geschichten.

Thomas Heidemann: Nakama, der Schrecken vom Mond
Nazis, riesige Kampfroboter und eine hartgesottene Soldatin. Ein furioser Einstieg ins Buch mit Pauken und Trompeten. Es wurde auch direkt die Stadt plattgemacht, in der ich arbeite: Frankfurt am Main.

Wolfgang Schroeder: Chaodoru - Das Grauen aus der Tiefe
Wisst ihr noch, der Berliner Flughafen, der nie fertig wurde? Er wird hier zum Schauplatz, und ohne zu viel verraten zu wollen, aber nach den Ereignissen in dieser Geschichte könnte sich die Eröffnung noch einmal um ein paar Jahrzehnte verschieben.

Tom Daut: Der Keim
Es wird noch spektakulärer, denn hier gilt die Devise: Ein Kaiju kommt selten allein. Dem Ruhrgebiet bekommt dieses monströse Duell nicht besonders gut. Übrigens spielt die Story im Jahr 1977 - meinem Geburtsjahr.

Torsten Scheib: Symbiogenese
Diese Geschichte stinkt zum Himmel. Im wörtlichen Sinn, denn hier erwacht ein Müllberg zum Leben und verschlingt alles, was sich ihm in den Weg stellt. Eine Kaiju-Variante mit einem außergewöhnlichen Monster und erstaunlich kritischen Untertönen - das hätte ich so in dieser Anthologie gar nicht erwartet.

Thomas Williams: Frankensteins Raketenmonster im Blutrausch
Ist nicht schon der Titel herrlich bescheuert? Auf kompromisslose Weise und immer mit diesem für Williams typischen Augenzwinkern wird hier Bielefeld in Schutt und Asche gelegt. Also falls noch jemand sich fragt, was an der Bielefeld-Verschwörung dran ist: Nach dieser Geschichte existiert die Stadt definitiv nicht mehr.

Hanna Nolden & Markus Heitkamp: Hansebiker gegen Mutant X
Der Herausgeber hat zusammen mit seiner Partnerin meine Lieblingsstadt Hamburg zerstört. Erzählt wird das Ganze aus Sicht einer Gruppe von kleinkriminellen Bikern, die sich unterhalb der Köhlbrandbrücke an ihrem Clubhaus treffen. Ich habe mich köstlich über die hanseatische Gelassenheit amüsiert, mit der sie die Geschehnisse wahrnehmen und kommentieren. Und zum Glück hat der Kasten mit dem Astra überlebt, da waren erst drei Flaschen raus, und Pfand war ja auch noch drauf.

Simona Turini: Flammen über Karlsruhe
Nun geht es nach Karlsruhe. Und irgendwie hat es Simona geschafft, die Legende um den Heiligen Gral, die Zerstörung der Stadt und ein gigantisches Insektenmonster unter einen Hut zu bringen. Eine düstere Liebeserklärung an die Stadt Karlsruhe.

Finley "Gun" McKinley: Saibotoru greift an
Nicht alle Monster kamen einfach so aus dem Nichts. Dieses hier wurde von Menschen geschaffen und nimmt die Bodensee-Region auseinander. Mir gefiel der knackig-militärische Stil dieser actiongeladenen Geschichte.

Markus Kastenholz: Die Großen Alten
Wer hier jetzt Horror à la Lovecraft mit Cthulhu-Kult und dunklen Beschwörungen erwartet, der ist auf dem falschen Dampfer. Staufen erlebt einen epischen Kampf der wohl außergewöhnlichsten Kaijus der ganzen Anthologie: Plitsch-Platsch vs. Kunigunde. Spoiler: Staufen war nur der Anfang. Kastenholz geht hier an die Grenzen der Zerstörung - und dann einfach weiter und immer weiter. Ein würdiger Abschluss für Deutschlands größte Anthologie.

Moment, Abschluss? Was ist das dann am Ende des Buches für ein komischer eingeklebter Umschlag? Drauf steht "Nur im Notfall öffnen!" Na super, was soll das dann jetzt? Ich finde ja, spontane Neugier und die Sicherheit, nie wieder einschlafen zu können, wenn ich nicht weiß, was in dem Umschlag steht, ist Notfall genug. Natürlich habe ich nachgeschaut. Drin steckten zwei dicht mit Schreibmaschine bedruckte, mit Kaffeeflecken verzierte Blätter, die die Lebensbeichte eines Hausmeisters enthalten, der ... ach nein, ich kann euch jetzt doch nicht alles verraten! Außer vielleicht, dass Christian von Aster diesen kleinen Bonus für euch aufgeschrieben hat, nur damit ihr schon mal ahnt, was da auf euch wartet. Ich fand das echt genial - wie die versteckte Bonusszene am Ende eines Marvel-Films.

"German Kaiju" ist eine großartige Anthologie, ich hatte richtig Spaß mit diesem Buch und empfehle es sehr gerne weiter.

Von mir gibt es 5 von 5 plattgemachten deutschen Großstädten!

Wo ihr das Buch herbekommt? Am besten direkt im Online-Shop des Leseratten Verlags

Montag, 30. Dezember 2019

Tschüss, 2019!

Alle Jahre wieder versuche ich mich an einem persönlichen Jahresrückblick. Dieses Jahr war vor allem eines: anstrengend, und ehrlich gesagt bin ich froh, wenn es vorbei ist. Immerhin habe ich den einzigen guten Vorsatz, den ich für 2019 gesetzt hatte (wie schon das Jahr zuvor übrigens), erfolgreich durchgezogen: Überleben. Ich bin noch da, ich bin eine Überlebende. Der 31. Dezember 2019 ist zum Greifen nah, und ich wage jetzt die kühne Behauptung, dass ich dieses letzte kleine Stück auch noch schaffen werde.





2019 kann weg


Was 2019 so anstrengend gemacht hat? In erster Linie lag es an privaten Tiefschlägen, Schicksalsschlägen und Problemen, auf die ich hier gar nicht näher eingehen möchte. Nur so viel: Mehrere liebe Familienmitglieder sind gestorben, allen voran traf unsere Familie besonders der Tod meines Schwiegervaters. Wir werden alle noch eine Weile brauchen, um darüber "hinwegzukommen", wie man in so einem Fall sagt. Das Leben ist zerbrechlich und verdammt kostbar. Das wurde mir in diesem Jahr wieder so bewusst wie seit meinem schlimmen Unfall 2011 nicht mehr, den ich damals im Grunde auch nur mit viel Glück im Unglück überlebt habe.

Aber auch in der Bücherwelt lief vieles bei mir nicht so wie gedacht. Ich habe viel zu wenig geschrieben, habe geplante Geschichten für mehrere Anthologieprojekte schweren Herzens abgesagt und schiebe größere Projekte auch nur noch vor mir her. Dafür hat meine Tätigkeit als Lektorin viel Zeit und noch viel mehr Kraft eingefordert. Es gab kaum einen Zeitraum, in dem ich nicht mindestens an vier von sieben möglichen Wochentagen abends vor dem Rechner saß und Manuskripte bearbeitete, lektorierte, korrigierte und kommentierte. Nicht falsch verstehen: Ich mache das alles ja auch, weil ich es sehr gerne mache. Es macht Spaß und mich glücklich und auch ein bisschen stolz, wenn Bücher, an deren Entstehung ich beteiligt war, das Licht der Buchwelt erblicken und im Idealfall auch noch positives Feedback von zufriedenen Lesern erhalten.

Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de
Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass ich durch nichts mehr über das Schreiben lerne als durch das Bearbeiten fremder Texte. Auf diese Tätigkeit möchte ich nicht verzichten, auch nicht im nächsten Jahr. Aber ich muss das anders strukturieren, meine Schwerpunkte anders setzen, mir wieder Zeit freischaufeln, Zeit fürs Privatleben, für die Familie, für mich und nicht zuletzt - Zeit fürs Schreiben. Gerade jetzt, wo das Jahr zu Ende geht, merke ich, wie erschöpft ich mich fühle. Ich muss einfach achtsamer mit mir selbst umgehen.

Also habe ich mir vorgenommen, öfter mal Nein zu sagen, eher Korrektorate als Lektorate zu machen, weil letztere die meiste Zeit und Energie kosten. Ich möchte und muss wieder mehr selbst schreiben. All die Ideen sind ja trotzdem da, und es werden stetig mehr. Die wollen raus, die wollen zu Geschichten verarbeitet werden. Und ich will das auch. Meine Stammautoren, mit denen ich schon länger zusammenarbeite, müssen sich jetzt aber keine Sorgen machen: Eure Projekte werde ich auch weiterhin sehr gern gemeinsam mit euch realisieren. Von ein paar geplanten neuen Büchern weiß ich ja schon, und ich freue mich schon sehr auf diese Manuskripte!


Es hatte auch sein Gutes


Bevor das hier zu sehr nach Mimimi und Selbstmitleid klingt: 2019 hatte auch ein paar echte Highlights zu bieten. Ich habe Schönes erlebt und konnte trotz allen Gejammers weiter oben auch ein paar großartige Erfolge verzeichnen, wofür ich dankbar und worüber ich glücklich bin.

Prinzessinnen-Moment mit Mette-Marit
Die Leipziger Buchmesse war wieder ein Erlebnis, und ich freue mich schon riesig auf die nächste LBM. Die Planung dafür läuft ja längst hinter den Kulissen, ich werde beizeiten mehr darüber erzählen. Die Frankfurter Buchmesse habe ich in abgespeckter Form erlebt. An den Messetagen war ich gar nicht vor Ort, am Samstag habe ich mir nur am späten Nachmittag ein paar Stunden BuCon in Dreieich gegönnt und die Zeit mit lieben Buchmenschen sehr genossen. Immerhin war ich dieses Jahr wieder bei der Eröffnungsfeier dabei und hatte da meinen magischen Prinzessinnenmoment, als Mette-Marit von Norwegen persönlich nur einen knappen Meter an mir vorbeischwebte. Norwegen war ja Gastland, und die norwegische Prinzessin vertrat ihr Land nebst Gatte Hakon äußerst würdevoll und elegant.

Auch Literaturpreisluft durfte ich in diesem Jahr schnuppern. Beim Skoutz Award schafften es meine "Dunklen Begegnungen" auf die Midlist, das sind immerhin die besten neun Kandidaten in der Kategorie "Anthologie/Kurzgeschichtensammlung" gewesen. Beim Vincent Preis schaffte ich es sogar bis aufs Siegertreppchen. Da erreichte mein Buch "Dunkle Begegnungen" den zweiten Platz. Ich bin so stolz auf dieses Ergebnis, schon weil der Vincent Preis für mich einen ganz besonderen Stellenwert hat und ich mir immer gewünscht habe, es dort mal in die Endrunde zu schaffen. Und einen Wettbewerb konnte ich sogar gewinnen: Im April wurde meine Microfiction "Schwanenpaar" beim Sweek-Microfiction-Wettbewerb zum besten Beitrag gekürt!

Und neue Veröffentlichungen? Okay, ich habe kein ganzes eigenes Buch herausgebracht, aber das habe ich ja noch nie jedes Jahr hingekriegt. Aber ganz ohne Veröffentlichung geht 2019 auch nicht zu Ende. Für die Anthologie "Lückenfüller 2" aus dem Amrûn Verlag schrieb ich die Geschichte "Fütterungszeit", in der ich einen gigantischen Tintenfisch Amok im Frankfurter Zoo laufen lasse. Das Buch ist ein Träumchen, sowohl vom Inhalt (da vielleicht eher ein Albträumchen) als auch von der Gestaltung. Auf Sweek entstanden noch einige weitere Microfictions, die alle dort nachzulesen sind (ich warne vor, die Seite leidet seit Monaten unter technischen Macken, eventuell klappt der Zugriff nicht gleich beim ersten Versuch). Außerdem habe ich noch eine Geschichte für eine Ausschreibung verfasst, bei der ich aber noch nicht weiß, ob ich es in die Anthologie schaffe, da die finale Auswahl der Beiträge noch nicht bekanntgegeben wurde.





Ausblick 2020?


Den Ausblick halte ich mal bewusst verschwommen und nicht allzu konkret, denn 2019 hat mich gelehrt, wie schnell und heftig es anders kommen kann, als man denkt. Wie schon erwähnt, werde ich weiterhin Geschichten schreiben. Wenn alles klappt wie gedacht, wird 2020 wieder ein Buch nur mit Geschichten von mir erscheinen, diesmal bei einem Kleinverlag und in ganz besonderer Ausstattung. Qindie plant auch eine weitere Bloody-Qindie-Anthologie. Ich habe 2019 schon angefangen, an einer Geschichte dafür zu arbeiten, ich muss sie "nur noch" fertigstellen, aber das ist ja genau das Problem: die Fertigstellung. Ich werde mir Mühe geben! 

Für das neue Jahr nehme ich mir wie immer nur eines vor: Überleben. Aber ich wünsche mir zusätzlich noch ein paar Dinge: Zeit für Schönes, gute Ideen, Durchhaltevermögen und viel Kraft und ein vernünftiges Zeit- und Energiemanagement. Es liegt ja nur an mir selbst, das weiß ich.

2020, du bist willkommen, ich freue mich auf dich!



Sonntag, 31. März 2019

Leipziger Buchmesse 2019 - Nachlese

Eine Woche ist es her, dass ich randvoll mit Eindrücken und etwas erschlagen aus Leipzig zurückkam. Buchmesse ist genial und hat wieder wahnsinnig viel Spaß gemacht. Buchmesse ist aber auch ein bisschen Ausnahmezustand. Wie ein mehrtägiges Festival: viel Lärm, viele Menschen, viel Spaß, viel Alles irgendwie, wenig Schlaf und alles so intensiv. Es überwältigt jedes Mal aufs Neue und hinterlässt bei mir in den darauffolgenden Tagen immer so ein merkwürdig leeres Gefühl. Einerseits fühle ich mich vor lauter Inspiration und Motivation bis zum Zerreißen gespannt, andererseits fällt es mir schwer, mich zu fokussieren, wieder in meinen normalen Alltag hineinzufinden und gleichzeitig all die Ideen und Gedanken zu sortieren und etwas Konstruktives daraus zu machen. Ein bisschen wie Jetlag.
LBM Impressionen 2019

Festival der Bücher

Qindie auf der LBM 2019
"Buchmesse, aha. Und was gibt es da so? Also außer Büchern?"

Meine Begeisterung für die LBM können in meinem persönlichen Umkreis viele nicht nachvollziehen. Wie oft habe ich schon die Frage gestellt bekommen, was das Besondere an einer Buchmesse sei, wo man doch auch ganz normal in einen Buchladen gehen oder seinen Lesestoff online kaufen könne.

Fragt doch mal einen Autofan, was so toll an der IAA sein soll, wo er doch täglich auf der Straße von Autos umgeben ist. Seht ihr. Es ist mehr als das. Es geht um so viel mehr als Bücher. Es geht bei der Leipziger Buchmesse vor allem um die Menschen. Wo sonst treffe ich so viele Gleichgesinnte auf einem Haufen? Wo sonst kann ich fachsimpeln über alles, was mit dem Schreiben, dem Lesen und Geschichten an sich zu tun hat?

Nicht alle, aber die meisten Autoren der Anthologie
"Ghost Stories of Flesh and Blood" bei der Signierstunde
Die LBM ist inzwischen für mich so viel mehr als eine simple Messe. Sie ist ein großes Fest, eine Art Familienfeier, auf der ich ganz viele liebgewonnene Buchmenschen wiedersehe, die ich sonst nirgends persönlich treffe. Auf der LBM finden wir zueinander, kommen ins Gespräch, gehen gemeinsam zu Lesungen. Ich kann dort natürlich auch Bücher kaufen, aber dann sind das Bücher, in die der Autor gleich noch eine persönliche Widmung schreibt und auf Wunsch ein Foto mit mir macht. Denn die LBM ist zugleich ein wahrer Hotspot für Vertreter der schreibenden Zunft, vom Debütanten über den unabhängig veröffentlichenden Selfpublisher bis zum Bestsellerschwergeschwicht à la Sebastian Fitzek (der da war, den ich aber nicht gesehen habe - Prioritäten und so).



Ich kam, ich las, ich hörte zu

Die LBM Guerillas 2019

In diesem Jahr fuhr ich mit vier Lesungsterminen im Gepäck nach Leipzig. Leider erfuhr ich direkt nach der Ankunft, dass einer der Termine ausfiel, weil der Inhaber der geplanten Location absagen musste. Es betraf die Gemeinschaftslesung von Qindie. Es gab zwar einen Ausweichtermin, aber der war zu kurz für alle geplanten Lesenden, so dass ich da raus war und mich auf die immerhin verbliebenen drei Lesungen konzentrierte. Nummer 1 fand vormittags zusammen mit den LBM-Guerillas statt.

Mein Auftritt bei den LBM Guerillas
Eine Art literarischer Spaziergang durch Leipzigs Innenstadt vom Mendebrunnen am  Augustusplatz bis zum Hauptbahnhof mit vielen coolen AutorInnen, die alle ihre extra für dieses Event verfassten 500-Wort-Geschichten vortrugen. Zum Glück war uns das Wetter diesmal hold. Bei bestem Frühlingsfeeling mit Sonnenschein und Temperaturen bis 20 Grad machte es wesentlich mehr Spaß - Apokaleipzig fiel Gott sei Dank aus. Unsere Aktion kam gut an - die Geek Germany berichtete sogar über uns in ihrem Messebericht.

Am späten Nachmittag dann hatte ich meine eigene Gänsehautpralinen-Lesung in Halle 5 auf dem Messegelände. Wie befürchtet hielt sich die Zuhörerzahl in überschaubaren Grenzen, denn da die Messe um 18 Uhr schloss, waren viele schon auf dem Rückweg. Aber die, die gekommen waren, lauschten gebannt, grinsten, verzogen das Gesicht und applaudierten nach jeder Mikrogeschichte. Auch die Pralinen, die von meiner Autorenfreundin Michaela Harich in Handarbeit gefertigt worden waren, fanden begeisterte Abnehmer. Und Bücher verkaufte ich anschließend auch. So gesehen war es ein Erfolg, und wer weiß, wie gut die Lesung angekommen wäre, hätte man mir einen früheren Slot eingeräumt.

Lesung in der Soupbar
Abends trafen sich die Autoren der Anthologie "Ghost Stories of Flesh and Blood" in der wunderbaren Soupbar Summarum, in der ich nicht zum ersten Mal vor Publikum las. Leider waren beide Herausgeber, die wunderbare Faye Hell und der geniale Mario Steinmetz, verhindert, aber es waren genügend Antho-Autoren da und gaben Auszüge aus ihren Geschichten zum Besten. Ich hatte viel Spaß dabei, meinen KollegInnen zu lauschen, sie schafften es teilweise sogar, mir Gänsehaut zu bereiten. Und auch mein Auszug aus "Das Haus am Friedhof" konnte begeistern.

Samstagabend waren wir dann "nur" Gäste. Zusammen mit Michaela Harich und Thomas Williams schaffte ich es nach einer mehr als abenteuerlichen Odyssee von der Messe inklusive brennender Tram noch rechtzeitig in die Getränkefeinkost Leipzig, wo der erste Teil der Veranstaltung "Phantastische Bierwesen und wo sie zu finden sind" stattfand.

Das Bier hatte es in sich ...

Überlebende Apokaleipzig 2.0
Nicht einmal die brennende Tram konnte uns stoppen!
(Michaela Harich, Thomas Williams et moi)
Organisatorin Carolin Grzymek gab tiefgründige Gedichte zum Besten, anschließend lasen Torsten Scheib und Simona Turini vor. Bei Bier (mit wahnsinnigen 9,1 % Alkohol!!!) und Nüsschen, die uns die leeren Mägen vor dem Hungertod retteten, lauschten wir den dreien. Mit einem weiteren Bier (mit etwas weniger Umdrehungen) in der Hand machte sich die ganze Truppe dann auf zur nächsten Location - das Dr. Hops, eine Craftbeer-Manufaktur. Ein richtig cooler Laden, in dem es dann endlich auch etwas zu essen gab. Zwar waren es "nur" Schnittchen, aber Leute: Noch nie hat mir ein Schmalzbrot mit Gewürzgurke so gut geschmeckt! Im Dr. Hops erlebte ich den ersten Live Poetry Slam meines Lebens, und das war so genial. Besonders die Slammerin Caro aus Hamburg mit ihrer Liebesode an Luigi (ja, den Bruder von Super Mario!) war der Hammer. Auch Vincent Voss war da und mogelte sich mit eigenem Text auf die Bühne - nicht umsonst wird er die "Helene Fischer des deutschen Horrors" genannt. Es wurde verdammt spät, aber wir hatten so viel Spaß - ich bereue nichts!

Sonntag stand dann nur noch die Heimfahrt an. Michaela Harich war ja meine Fahrerin. Sie holte mich auf der Hinreise an der Haustür ab und brachte mich auch wieder sicher heim, und während der zwei Fahrten plauderten wir stundenlang - natürlich - über Bücher und Geschichten, Autoren, Verlage, schmiedeten Pläne zur Welterob... äh ... zu gemeinsamen Buchprojekten, und es könnte sein, dass wir auch ein bisschen über die eine oder andere Buchmessesache lästerten - wie Mädchen das nun mal so machen. Man möge es uns nachsehen.

LBM nicht ohne Qindie

Die Qindie-Truppe im Reuschels Weineck
Dank meiner Mitgliedschaft bei Qindie konnte ich mich ja auch wieder als Mitausstellerin präsentieren. Unser Stand befand sich wie gewohnt in Halle 5, in bester Nachbarschaft zu Amazon und BoD. Wir konnten uns nicht über Leerlauf beklagen. Es waren immer Besucher am Stand, mit denen wir ins Plaudern kamen. Auch Bücher wurden ordentlich verkauft. Nach ersten Zählungen haben wir wohl diesmal so viele Bücher in Leipzig verkauft wie noch nie. Das zeigt uns auch, dass Qindie angekommen ist und angenommen wird. Es waren jedenfalls auch einige "Wiederholungstäter" bei uns am Stand. Mit den Qindies wohnte ich auch wieder in unserer Autoren-WG, und am Donnerstagabend gingen wir - auch schon Tradition - in Reuschels Weineck essen. Den Laden kann ich nur empfehlen: ein sehr lieber Wirt, guter Wein und - das Wichtigste - superleckeres Essen, denn hier steht die Mutti in der Küche und so schmeckt es tatsächlich wie bei Muttern. Mein Tipp: Kohlroulade und der Gurkensalat vorneweg!

Qindie hat schon entschieden, dass es auch 2020 wieder eine Messebeteiligung geben wird. Und auch ich persönlich habe den Termin schon in meinen Kalender eingetragen. LBM 2020 - darauf freue ich mich jetzt schon!


Montag, 25. Februar 2019

Leipzig liest - und noch mehr Lesungen!

Bild: http://www.leipziger-buchmesse.de/ll
Ich weiß ja nicht, ob ihr das alle mitbekommen habt, deshalb verkünde ich es hier sicherheitshalber mal für euch:

Das Programm von Leipzig Liest ist jetzt online! Ihr findet es HIER.

Surft mal durch, es ist prall gefüllt. Für jeden Geschmack, jedes Publikum, quasi jede Art von Buchmensch lässt sich da etwas finden.

Auch meine Lesung wird dort ganz offiziell aufgeführt, und zwar genau hier. Wer es sich einfach in seinen Papierkalender notieren will: Freitag, 22. März 2019, 17:30 Uhr, Halle 5 Stand D302 Leseinsel der Autorengemeinschaftspräsentation. Es gibt Gänsehautpralinen - übrigens wird es auch richtige Pralinen geben, die könnt ihr dann genüsslich im Mund schmelzen lassen, während ich euch mit meinen Geschichten Gänsehaut bereite. :-)

Qindie liest auf der LBM 2019:

David Pawn

Katharina Gerlach

Und last, but not least: unsere Gemeinschaftslesung "Bloody Qindie - Gruselstunde im Blumenladen"


Flash Fiction, Baby!

Wo wir gerade bei Lesungen sind ... Ich werde an diesem Tag noch an einer weiteren Gemeinschaftslesung teilnehmen, also eigentlich sogar an zweien, die beide nicht im offiziellen Programm geführt werden. Die eine deshalb nicht, weil es 'ne Guerilla-Lesung ist. Und Guerillas kommen unangekündigt, ist klar, oder? (Psst, Interessierte und Mutige kommen am 22.03.2019 um 10 Uhr zum Mendebrunnen in der Leipziger Innenstadt, okay?) Ist übrigens schon die dritte Guerilla-Lesung, und diesmal haben alle AutorInnen extra dafür Geschichten mit maximal 500 Wörtern Länge geschrieben.

Die Geister, die ich rief

Die andere Lesung hat sich erst vor wenigen Tagen ergeben, da stand das offizielle Programm von Leipzig liest schon: Die Autoren der Horror-Anthologie "Ghost Stories of Flesh and Blood" laden am 22.03.2019 um 21 Uhr in die Soupbar Summarum, wo sie euch bei lecker Cocktails und vielleicht noch einem späten Süppchen das Fürchten lehren wollen.

Kommt zahlreich und pünktlich - der Laden ist nicht riesig, aber gemütlich. Das wird super.

Für beide Lesungen gibt es aber immerhin Facebook-Veranstaltungen, so entgeht euch nichts!

Ghost Stories of Flesh and Blood - Führung durchs Geisterhaus
LBM Guerillas Lesung

Bald, schon bald ist Buchmesse - und ich freue mich drauf!

Dienstag, 22. Januar 2019

Die LBM 2019 wird ein (Vor-)Lesemarathon

Es geht langsam wieder los, das Hibbeln und die Vorfreude auf eines der schönsten Feste zu Ehren des geschriebenen Wortes: die Leipziger Buchmesse. Auch in diesem Jahr werde ich hinfahren und fange allmählich an, meine Vorbereitungen zu treffen.

Save the date: 22. März 2019

Eines kann ich jetzt schon feststellen: Die LBM 2019 wird ein Vorlesemarathon für mich. Ich habe drei (!) Lesungen, aber der Haken ist: Alle drei Lesungen finden an einem Tag statt. Also, liebe Freunde der unheimlichen Kurzgeschichte, notiert euch schon mal Freitag, den 22. März 2019, den Tag meines LBM-Vorlesemarathons.

Los geht es mit den LBM-Guerillas. Zum dritten Mal treffen sich mutige Vorleserebellen am Freitagvormittag in der Leipziger Innenstadt, um zufälligen Passanten und extra angereisten Groupies unsere exklusiv für dieses Event verfassten Kürzestgeschichten vorzutragen. Bleibt an mir dran, damit ihr rechtzeitig Startpunkt und Uhrzeit erfahrt, um die Guerillas bei ihrem literarischen Frühlingsspaziergang durch Leipzig zu begleiten!

Um 17.30 Uhr seid ihr dann bitte alle pünktlich auf dem Messegelände, und zwar in Halle 5, Stand D302, an der Leseinsel der Autorengemeinschaftspräsentation. Ich weiß, das ist schon kurz vor Feierabend, aber die Veranstalter von Leipzig liest nahmen wohl an, dass meine Gruselstories besser in den späten Nachmittag passen als in den Vormittag. Und es ist der Messefreitag, da werdet ihr doch bestimmt anschließend direkt vom Messegelände aus zu den Abendterminen strömen, die nicht vor 19 Uhr beginnen. Na also, da ist doch genügend Zeit für ein bisschen Gänsehaut, wenn ich unter dem Motto "Gänsehautpralinen" meine dunklen Kurz- und Kürzestgeschichten präsentiere.

Apropos Abendtermine. Ich hätte da gleich einen Tipp. Nachdem ich euch schon einmal in die richtige Schauerstimmung gebracht habe, könnt ihr mir direkt folgen - in den Blumenladen "Rosenkavalier", der am Freitagabend ab 20 Uhr Schauplatz der diesjährigen Bloody-Qindie-Gemeinschaftslesung sein wird. David Pawn, Katharina Gerlach, Regina Mengel und ich werden euch dann feinsten Grusel aus unseren inzwischen vier Bloody-Qindie-Anthologien und einiges mehr präsentieren. Die letzte unter dem Titel "Zimmerservice" habe ich gerade erst gelesen, die ist richtig gut geworden.

Ich bin auf diese Location schon sehr gespannt und hoffe, dass die Besitzer alles passend dekoriert haben werden. Vor zwei Jahren waren wir ja in einem Autohaus, und das war einfach genial gewesen. Dieses Jahr also ein Blumengeschäft, warum nicht?

Übrigens, Fun Fact am Rande: Die Stühle, auf denen ihr an diesem Abend sitzen werdet, leihen die Blumenhändler beim benachbarten Beerdigungsinstitut aus. Das kann nur gut werden!



Die Termine im Überblick:

Freitag, 22.03.2019

Vormittags - Leipziger Innenstadt - LBM-Guerilla Lesung (stay tuned for more information)

17.30 Uhr - Halle 5, D302 - Ich präsentiere meine Gänsehautpralinen

20.00 Uhr - Rosenkavalier, Prager Straße 189 04299 Leipzig Süd - Bloody Qindie liest

Ich freue mich auf Leipzig - und auf euch!