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Montag, 30. Dezember 2019

Tschüss, 2019!

Alle Jahre wieder versuche ich mich an einem persönlichen Jahresrückblick. Dieses Jahr war vor allem eines: anstrengend, und ehrlich gesagt bin ich froh, wenn es vorbei ist. Immerhin habe ich den einzigen guten Vorsatz, den ich für 2019 gesetzt hatte (wie schon das Jahr zuvor übrigens), erfolgreich durchgezogen: Überleben. Ich bin noch da, ich bin eine Überlebende. Der 31. Dezember 2019 ist zum Greifen nah, und ich wage jetzt die kühne Behauptung, dass ich dieses letzte kleine Stück auch noch schaffen werde.





2019 kann weg


Was 2019 so anstrengend gemacht hat? In erster Linie lag es an privaten Tiefschlägen, Schicksalsschlägen und Problemen, auf die ich hier gar nicht näher eingehen möchte. Nur so viel: Mehrere liebe Familienmitglieder sind gestorben, allen voran traf unsere Familie besonders der Tod meines Schwiegervaters. Wir werden alle noch eine Weile brauchen, um darüber "hinwegzukommen", wie man in so einem Fall sagt. Das Leben ist zerbrechlich und verdammt kostbar. Das wurde mir in diesem Jahr wieder so bewusst wie seit meinem schlimmen Unfall 2011 nicht mehr, den ich damals im Grunde auch nur mit viel Glück im Unglück überlebt habe.

Aber auch in der Bücherwelt lief vieles bei mir nicht so wie gedacht. Ich habe viel zu wenig geschrieben, habe geplante Geschichten für mehrere Anthologieprojekte schweren Herzens abgesagt und schiebe größere Projekte auch nur noch vor mir her. Dafür hat meine Tätigkeit als Lektorin viel Zeit und noch viel mehr Kraft eingefordert. Es gab kaum einen Zeitraum, in dem ich nicht mindestens an vier von sieben möglichen Wochentagen abends vor dem Rechner saß und Manuskripte bearbeitete, lektorierte, korrigierte und kommentierte. Nicht falsch verstehen: Ich mache das alles ja auch, weil ich es sehr gerne mache. Es macht Spaß und mich glücklich und auch ein bisschen stolz, wenn Bücher, an deren Entstehung ich beteiligt war, das Licht der Buchwelt erblicken und im Idealfall auch noch positives Feedback von zufriedenen Lesern erhalten.

Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de
Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass ich durch nichts mehr über das Schreiben lerne als durch das Bearbeiten fremder Texte. Auf diese Tätigkeit möchte ich nicht verzichten, auch nicht im nächsten Jahr. Aber ich muss das anders strukturieren, meine Schwerpunkte anders setzen, mir wieder Zeit freischaufeln, Zeit fürs Privatleben, für die Familie, für mich und nicht zuletzt - Zeit fürs Schreiben. Gerade jetzt, wo das Jahr zu Ende geht, merke ich, wie erschöpft ich mich fühle. Ich muss einfach achtsamer mit mir selbst umgehen.

Also habe ich mir vorgenommen, öfter mal Nein zu sagen, eher Korrektorate als Lektorate zu machen, weil letztere die meiste Zeit und Energie kosten. Ich möchte und muss wieder mehr selbst schreiben. All die Ideen sind ja trotzdem da, und es werden stetig mehr. Die wollen raus, die wollen zu Geschichten verarbeitet werden. Und ich will das auch. Meine Stammautoren, mit denen ich schon länger zusammenarbeite, müssen sich jetzt aber keine Sorgen machen: Eure Projekte werde ich auch weiterhin sehr gern gemeinsam mit euch realisieren. Von ein paar geplanten neuen Büchern weiß ich ja schon, und ich freue mich schon sehr auf diese Manuskripte!


Es hatte auch sein Gutes


Bevor das hier zu sehr nach Mimimi und Selbstmitleid klingt: 2019 hatte auch ein paar echte Highlights zu bieten. Ich habe Schönes erlebt und konnte trotz allen Gejammers weiter oben auch ein paar großartige Erfolge verzeichnen, wofür ich dankbar und worüber ich glücklich bin.

Prinzessinnen-Moment mit Mette-Marit
Die Leipziger Buchmesse war wieder ein Erlebnis, und ich freue mich schon riesig auf die nächste LBM. Die Planung dafür läuft ja längst hinter den Kulissen, ich werde beizeiten mehr darüber erzählen. Die Frankfurter Buchmesse habe ich in abgespeckter Form erlebt. An den Messetagen war ich gar nicht vor Ort, am Samstag habe ich mir nur am späten Nachmittag ein paar Stunden BuCon in Dreieich gegönnt und die Zeit mit lieben Buchmenschen sehr genossen. Immerhin war ich dieses Jahr wieder bei der Eröffnungsfeier dabei und hatte da meinen magischen Prinzessinnenmoment, als Mette-Marit von Norwegen persönlich nur einen knappen Meter an mir vorbeischwebte. Norwegen war ja Gastland, und die norwegische Prinzessin vertrat ihr Land nebst Gatte Hakon äußerst würdevoll und elegant.

Auch Literaturpreisluft durfte ich in diesem Jahr schnuppern. Beim Skoutz Award schafften es meine "Dunklen Begegnungen" auf die Midlist, das sind immerhin die besten neun Kandidaten in der Kategorie "Anthologie/Kurzgeschichtensammlung" gewesen. Beim Vincent Preis schaffte ich es sogar bis aufs Siegertreppchen. Da erreichte mein Buch "Dunkle Begegnungen" den zweiten Platz. Ich bin so stolz auf dieses Ergebnis, schon weil der Vincent Preis für mich einen ganz besonderen Stellenwert hat und ich mir immer gewünscht habe, es dort mal in die Endrunde zu schaffen. Und einen Wettbewerb konnte ich sogar gewinnen: Im April wurde meine Microfiction "Schwanenpaar" beim Sweek-Microfiction-Wettbewerb zum besten Beitrag gekürt!

Und neue Veröffentlichungen? Okay, ich habe kein ganzes eigenes Buch herausgebracht, aber das habe ich ja noch nie jedes Jahr hingekriegt. Aber ganz ohne Veröffentlichung geht 2019 auch nicht zu Ende. Für die Anthologie "Lückenfüller 2" aus dem Amrûn Verlag schrieb ich die Geschichte "Fütterungszeit", in der ich einen gigantischen Tintenfisch Amok im Frankfurter Zoo laufen lasse. Das Buch ist ein Träumchen, sowohl vom Inhalt (da vielleicht eher ein Albträumchen) als auch von der Gestaltung. Auf Sweek entstanden noch einige weitere Microfictions, die alle dort nachzulesen sind (ich warne vor, die Seite leidet seit Monaten unter technischen Macken, eventuell klappt der Zugriff nicht gleich beim ersten Versuch). Außerdem habe ich noch eine Geschichte für eine Ausschreibung verfasst, bei der ich aber noch nicht weiß, ob ich es in die Anthologie schaffe, da die finale Auswahl der Beiträge noch nicht bekanntgegeben wurde.





Ausblick 2020?


Den Ausblick halte ich mal bewusst verschwommen und nicht allzu konkret, denn 2019 hat mich gelehrt, wie schnell und heftig es anders kommen kann, als man denkt. Wie schon erwähnt, werde ich weiterhin Geschichten schreiben. Wenn alles klappt wie gedacht, wird 2020 wieder ein Buch nur mit Geschichten von mir erscheinen, diesmal bei einem Kleinverlag und in ganz besonderer Ausstattung. Qindie plant auch eine weitere Bloody-Qindie-Anthologie. Ich habe 2019 schon angefangen, an einer Geschichte dafür zu arbeiten, ich muss sie "nur noch" fertigstellen, aber das ist ja genau das Problem: die Fertigstellung. Ich werde mir Mühe geben! 

Für das neue Jahr nehme ich mir wie immer nur eines vor: Überleben. Aber ich wünsche mir zusätzlich noch ein paar Dinge: Zeit für Schönes, gute Ideen, Durchhaltevermögen und viel Kraft und ein vernünftiges Zeit- und Energiemanagement. Es liegt ja nur an mir selbst, das weiß ich.

2020, du bist willkommen, ich freue mich auf dich!



Donnerstag, 1. Februar 2018

Ich bin jetzt ein Sweekstar

Schon mal von Sweek gehört? Nein? Nun, das könnte sich ändern, zumindest wenn ihr regelmäßig mein Blog besucht. Denn seit ein paar Wochen gehöre ich der großen internationalen Community für Autoren und Leser an und mische da inzwischen kräftig mit.

Auf Sweek.com können Autoren ihre Texte kostenlos veröffentlichen, alle registrierten Mitglieder können diese Texte kostenlos lesen, ihnen ein "Gefällt mir" verleihen, sie kommentieren, ihnen folgen oder den Autoren folgen. Ich habe auch schon wieder angefangen, mich mit anderen Autoren zu vernetzen. Das geht da ganz einfach, bisher ist mein Eindruck ein wirklich positiver, sowohl von der Plattform selbst als auch von den Leuten, die sich dort tummeln.

Direkt durchgestartet

Wie ich auf Sweek aufmerksam wurde? Durch einen Wettbewerb, war doch klar. Ich entdeckte die #Sweekstars2017, bei denen man Geschichten einreichen konnte und die Chance auf einen Gewinn von 1.000 EUR hatte - plus einiger weiterer Preise und Extras. Da Sweek für diesen Wettbewerb auch schon anderweitig veröffentlichte Texte akzeptiert, zögerte ich nicht lang. Ich wollte es mal wieder wissen: Wie kommt meine Schreibe da draußen an? Wie finden Leute, die mich noch nicht großartig kennen, meine Geschichten? Ich entschied mich für "Die Gartenpforte". Die schaurige Geschichte gehört immer noch zu meinen Favoriten und hat ja schon einige Erfolge feiern können. Und siehe da: Die Geschichte kam sehr gut an. Schnell sammelten sich die Klicks, die bedeuteten, dass mein Text gelesen wurde, die ersten Likes folgten. Vor einigen Tagen wurden die Gewinner bekanntgegeben. Okay, für den 1. Platz und die 1.000 EUR hat es nicht gereicht, aber meine Geschichte steht jetzt in der Shortlist Horror & Thriller zusammen mit vier anderen Titeln. Sie wird von Sweek auch demnächst in Buchform herausgebracht. Ich bin jetzt also ein Sweekstar und darf dieses Banner hier rechts auf meinem Sweek-Buchcover präsentieren. Ich finde das fantastisch! Und es hat mir zu Beginn des neuen Jahres einen ordentlichen Motivationsschub gebracht.

Blut geleckt - Ich sweeke jetzt

Ich machte also direkt weiter. Auf Sweek werden im Monatsrhythmus kleine Wettbewerbe abgehalten, die immer als Thema einen Hashtag haben, der mit #Mikro... beginnt. Im Januar lautete der Hashtag #MikroFeuer. Mikro deshalb, weil die eingereichten Beiträge maximal 200 Wörter haben durften. Es hat mich einen Abend gekostet, mir eine Story zu überlegen und diese inklusive Spannungsbogen, authentischer Protagonistin, gruseliger Atmosphäre, zentralem Konflikt und auflösender Pointe am Schluss in exakt 200 Wörter zu "quetschen". Aber es hat Spaß gemacht. Und auch diese Geschichte kam irre gut an. Bei diesem Wettbewerb kamen wohl über 300 Beiträge zusammen. Über die Besten entschied nicht das Publikum, sondern eine Jury. Das finde ich schon mal prinzipiell gut. Ich habe es hier mit meiner kleinen, bösen Geschichte "Jetzt oder nie" erneut unter die 10 besten Geschichten geschafft! Dafür gab es von Sweek Glückwünsche und dieses hübsche Zertifikat:



Also für mich ist klar: Ich bleibe erstmal bei Sweek. Für mich ist das eine spannende Spielwiese, die mich unglaublich inspiriert und motiviert. Es fühlt sich fast ein bisschen wie damals an, als ich das gute alte Bookrix für mich entdeckte. Der nächste Wettbewerb wurde auch schon ausgerufen, diesmal mit leicht veränderten Bedingungen - es dürfen jetzt 250 Wörter sein - und unter dem Hashtag #MikroHerz. Ob mir dazu etwas einfällt? Wir werden sehen. Im Kopf plotte ich schon.

Schaut einfach mal rein bei Sweek. Es gibt dort einiges zu entdecken, und so manchen Text von mir werdet ihr dort als erste lesen können. Wenn das kein Ansporn ist!

Donnerstag, 21. September 2017

Happy Birthday, Mr. King!

Bild: stephenking.com
Amy Guip © 2006
Heute vor 70 Jahren erblickte ein Mann das Licht das Welt, dessen literarisches Werk mich wie kein zweites beeindruckt und beeinflusst hat.

Stephen King hat Geburtstag - und ich gratuliere ihm von Herzen!

Wenn man Horrorautoren nach ihren Vorbildern und Einflüssen fragt, nennen viele erst einmal die Klassiker, erwähnen Lovecraft und Poe. Doch gleich danach - und in meinem Fall sogar an erster Stelle - wird Stephen King genannt. Er hat das Genre geprägt, er hat es dank etlicher Bestseller aus seiner Feder salonfähig gemacht. Ganz viele meiner Lieblingsbücher wurden von ihm geschrieben. Ich bin außerdem ein großer Fan seiner Kurzgeschichten, besonders da ist er mein Vorbild: Er schafft es immer wieder, aus alltäglich wirkenden Situationen etwas durch und durch Unheimliches zu machen. Genau das versuche ich auch immer wieder in meinen eigenen Kurzgeschichten.

Ich verlinke an dieser Stelle zur Lobhudelei vom Rolling Stone. Ein schöner Artikel, der auch ganz viel über die beschwerlichen Anfänge des Großmeisters erzählt.

Hoch lebe der King - möge er uns noch viele weitere dunkle Lesestunden bereiten!

Dienstag, 22. August 2017

Die Offenbach Post war zu Besuch bei mir

Solltet ihr zufällig Abonnenten der Offenbach Post sein und den Lokalteil von Dietzenbach dabei haben, schaut heute mal genauer hin. Denn da werdet ihr einen Artikel finden über ... mich!

Letzte Woche hat mich der Mitarbeiter besucht und über eine Stunde mit mir gesprochen. Herausgekommen ist dieser schöne Bericht, in welchem ihr etwas über meine Geschichten erfahrt und wie ich dazu kam, sie zu schreiben, wie alles anfing und was ich am Horrorgenre so faszinierend finde. Ich erzähle auch viel über Qindie und meine Erfahrung mit der Zusammenarbeit mit anderen Autoren. Und ein Foto von mir vor meinem chaotischen Bücherregal gibt es auch noch.

Eine halbe Seite! Krass. Also zumindest in Dietzenbach darf ich mich jetzt zu den lokalen Promis zählen. *kicher*

Ich verlinke mal zum Artikel bei der OP Online, und hier füge ich auch noch den Artikel als Bild ein.

Offenbach Post vom 22.08.2017































Eine weitere gute Nachricht habe ich übrigens heute auch noch erfahren. Sie betrifft meine Schauermärchen, und ich freue mich darüber wahnsinnig. Ich halte euch auf dem Laufenden und erzähle mehr, wenn alles unter Dach und Fach ist.


Donnerstag, 11. Mai 2017

Danke für 40.000 Besucher

Am 01. Februar 2008 ging mein kleines Blog online. Damals schrieb ich über meine Erlebnisse in der virtuellen Welt Second Life und verzeichnete im Monat, wenn es hochkam, 50 Besucher. Erst als ich mein Blog mehr und mehr zum Autorenblog umwandelte, als Second Life keinen Platz mehr hatte, dafür aber Bücher, das Schreiben und alles, was damit zusammenhing, stiegen die Besucherzahlen langsam, aber kontinuierlich. Mehr als 1000 Besucher pro Monat erreichte ich zum allerersten Mal im März 2014, der besucherstärkste Monat aller Zeiten war übrigens der Dezember 2016 mit über 1.600 Besuchern.

Ich weiß, für viele gestandene Blogger sind das lächerliche Zahlen. Aber für mich ist das etwas Besonderes. Ich blogge nicht so häufig wie andere, veranstalte nur ganz wenige Gewinnspiele und veröffentliche nicht ständig neue Bücher, über die ich dann bloggen könnte. Noch dazu bediene ich thematisch eine Nische in der Nische: Ich konzentriere mich auf phantastische Kurzgeschichten, vorzugsweise solche, die gruseln (wenngleich ich auch andere Genres und Literaturgattungen lese, so engstirnig geht es bei mir auch nicht zu).

Jedenfalls hat mein Blog heute endlich wieder eine magische Grenze erreicht - und überschritten:

Ich hatte irgendwann im Lauf des Tages den 40.000sten Besucher!

!!!40.000!!!

Klingt das nicht genial?

Ich bin damit sehr zufrieden und fühle mich motiviert weiterzumachen. Es ist schön zu wissen, dass ich nicht nur für mich selber blogge, sondern dass es wirklich Leute gibt, die gerne lesen, was ich schreibe, die mein Blog sogar regelmäßig besuchen.

Ich bedanke mich bei jedem Einzelnen!


Montag, 10. April 2017

Neues Interview mit mir auf Bettinas Welt

Bild von Bettinas Welt entliehen
Bettina Lippenberger von "Bettinas Welt" pflegt seit einiger Zeit eine Interviewreihe, bei der sie Autoren und Buchmenschen befragt. Ganz frisch erschien dort nun das Interview mit mir.

Ich erzähle darin von meinen Inspirationsquellen, erkläre die Bedeutung von Kaffee, plaudere über meine bevorzugten Genres und nutze die Gelegenheit, um ausgiebig das Lesen von Kurzgeschichten zu belobhudeln.


Aber lest einfach selbst:


Freitag, 17. Februar 2017

Skoutziges Interview mit mir

Kay Noa vom Skoutz Award Team hat mich erneut interviewt, nachdem ich im letzten Jahr als Nominierte Frage und Antwort stehen durfte. In diesem Jahr habe ich ja die Ehre, die Jury in der Kategorie Anthologie zu bereichern. Im aktuellen Interview verrate ich ein paar Dinge darüber, wie ich schreibe und welche Eisen ich noch im Feuer habe, plaudere über mein Verhältnis zu Rankings und Bestsellerlisten, über Stolpersteine und Schreibblockaden.

Viel Spaß dabei - bitte hier entlang!



Und nicht vergessen: Ihr könnt noch eure Lieblinge für die Longlist nominieren - macht das bitte, schließlich möchte ich dann eine gute Auswahl haben, aus der ich die Kandidaten für die Midlist zusammenstellen darf! (Nicht verwirren lassen - das Voting-Formular hat zwei Seiten, die Anthologien werden auf Seite 2 eingetragen.)

Freitag, 30. Dezember 2016

Das war mein Jahr 2016


Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de
Was war das für ein Jahr! 2016 war schon ganz schön anstrengend, privat und beruflich und ganz allgemein in der Welt, und ich glaube, das geht vielen so, wenn ich mich umhöre - aus den verschiedensten Gründen. Es ist eine Menge Unschönes, Trauriges, Entsetzliches, Ärgerliches und Bescheuertes passiert, aber darüber haben schon so viele andere geschrieben, da will ich mich mal auf das konzentrieren, was ich gut fand in diesem Jahr, und erzähle euch in meinem Jahresrückblick, was mir persönlich Gutes widerfahren ist.



Das Schreiben

Cover von Jacqueline Spieweg
Das ist so ein Knackpunkt in meinem Jahresrückblick. Richtig viel habe ich nämlich leider nicht geschrieben. Fertig geschrieben und veröffentlicht habe ich überhaupt nur eine einzige Kurzgeschichte, aber mit der bin ich sehr zufrieden. Es handelt sich um eine bösartige SciFi-Story mit dem schönen Titel "Rent a Body, Inc.". Sie erschien im Oktober in der Anthologie "Bloody Qindie: Besessen". Hier hatte ich seinerzeit eine Leseprobe veröffentlicht. Ich habe mittlerweile einige der Geschichten aus diesem hübschen Buch gelesen und finde sie richtig gut. Besonders "Der Jenseitsapparat" von matì hat es mir angetan. Wer neugierig geworden ist - hier gibt es das eBook und hier das Taschenbuch. Ich bedanke mich im Namen von Qindie.

Ansonsten haben sich Anfänge, überarbeitungsbedürftige Rohfassungen und Plotideen auf meiner Festplatte angesammelt, und ich habe mir fest vorgenommen, einige davon im kommenden Jahr erfolgreich abzuschließen.

Buchmessen 2016

Am Qindie-Stand auf der LBM
Auch in diesem Jahr hatte ich wieder das Vergnügen, die zwei großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt zu besuchen. Jede Messe hat ihren Reiz, und jede erlebe ich anders.

In Leipzig verbrachte ich mehrere Tage, wohnte in der Qindie-Autoren-WG, machte Standdienst am Qindie-Stand in Halle 5 und war eine der Autoren, die die wohl coolste Lesung der LBM in der wohl gemütlichsten Location Leipzigs, der Soupbar Summarum, bestritten. Constantin Dupien, Herausgeber der Kult-Anthologie-Reihe "Mängelexemplare", hatte gerufen, und sie kamen alle. Mein persönliches Highlight war Michael Marrak, den ich seit der Lektüre von "Lord Gamma" verehre und der im vierten Band der Reihe vertreten ist. Ich als Mitautorin von Band 1 und 2 darf mich nun also als Kollegin von Michael Marrak bezeichnen und konnte mir bei der Gelegenheit meinen "Lord Gamma" signieren lassen und nahm mir gleich noch eine signierte Ausgabe von "Morphogenesis" mit.

Eröffnungsfeier FBM 2016 - Für das Wort & die Freiheit
Frankfurt beginnt für mich seit Jahren immer mit der Eröffnungsfeier am Dienstag, bei der von hohen Vertretern aus Kultur und Politik Deutschlands und des jeweiligen Gastlandes Reden gehalten werden und anschließend der Gastpavillon eingeweiht wird. Dieses Jahr waren die Niederlande mit Flandern dran. Den Pavillon fand ich nicht so spannend, aber es hatte was, die Royals beider Königreiche in natura zu sehen! Donnerstag und Freitag verbrachte ich auf dem Messegelände und traf ganz viele liebe Buchmenschen: Autoren, Verleger, Lektoren und viele mehr. Es wird von Jahr zu Jahr familiärer und schöner, und ich nahm zum ersten Mal bewusst wahr, wie gut ich doch mittlerweile vernetzt bin in der Buchwelt.

Ein besonderes Highlight war aber der BuCon am Samstag, den ich in diesem Jahr erstmals als Mitausstellerin erlebte - gemeinsam mit Qindie hatten wir einen eigenen Tisch und freuten uns über so viel positives Feedback und offenes Interesse an unseren Büchern und unseren Aktivitäten als Autorenkorrektiv. Auf dem BuCon trat auch das Qindianische Quartett erstmalig auf: David Pawn, Katharina Gerlach, matì und meinereiner lasen abwechselnd aus unseren Werken vor und erstaunten und begeisterten ein kleines, feines Publikum mit der Vielfalt unserer Geschichten.

Ein Platz auf der Shortlist

Hab mich gerade auf der Midlist entdeckt!
Das war wirklich eine unglaubliche Erfahrung. Insgeheim träumt wohl jeder Autor davon, mal für einen Preis nominiert zu sein. Ich erlebte das 2016. Ausgerechnet mit meinen Schauermärchen schaffte ich es bis auf die Shortlist des Skoutz Award - unter die besten drei in der Kategorie Horror. Dass ich es auf die Midlist geschafft hatte, erfuhr ich bereits im März auf der Leipziger Buchmesse. Meine Shortlist-Nominierung wurde bekanntgegeben, als ich gerade im Sommerurlaub war. Und die Gala mit Verkündung der Gewinner fand in Frankfurt zur Buchmesse statt. Am Ende gewann Simon Geraedts mit seinem Roman "Das Opfermesser". Aber das ist okay. Ich hätte nie gedacht, dass ich es mit einer Kurzgeschichtensammlung überhaupt so weit schaffen würde. Dritter Finalist war übrigens Vincent Voss mit "Wasser" - was ist das für eine Ehre, mit einem Autoren, den man selbst total bewundert, für denselben Preis nominiert zu sein! Skoutz bleibt für mich auch 2016 ein Thema, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Menschen 2016

Genau, Menschen. Ich habe die Zusammenarbeit mit "meinen" Autoren wieder sehr genossen. Und ich verfolge die Entwicklung ihrer Bücher sehr aufmerksam. Es macht mich stolz zu sehen, wie viele tolle Rezensionen Melissa David für ihre Vampirromane "Kruento" erhält oder wie begeistert die Fans von Bella Lamour/Annabelle Schiller sind, wenn sie wieder ein neues Buch herausbringt. Aber auch Sachbuchautorinnen wie Barbara Costa oder Autorinnen romantischer Romane wie Kathrin Fuhrmann verblüfften mich immer wieder aufs Neue mit ihrer Produktivität und ihrer Kreativität. Meine persönliche Entdeckung 2016 war übrigens das Debüt von Thor Ansell. "Pandemie" ist ein richtig spannender, apokalyptischer Pageturner, der das Kopfkino ständig befeuert. Das hat mich begeistert und verdammt viel Spaß gemacht!

Vorschau - was kommt 2017?

Tja, geplant habe ich einiges. Ob und wieviel ich davon am Ende umsetze - wir werden sehen. Drückt mir die Daumen, dass ich ein paar meiner Schreibprojekte zum Abschluss bringe und euch endlich mit neuen dunklen Geschichten und Schauermärchen Gänsehaut bereiten kann. Es mangelt nicht an Ideen, nur an Zeit, und die muss ich mir unbedingt nehmen! Außerdem steht ein spannendes Projekt an, über das ich bestimmt bald Einzelheiten verraten werde. Und bei Skoutz wartet eventuell noch eine weitere Herausforderung auf mich - auch dazu demnächst mehr!

Es bleibt spannend, und ich würde mich sehr freuen,
wenn ihr mich auch im nächsten Jahr auf meinem Weg begleitet!

Bild: momosu  / pixelio.de


Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch
und für das neue Jahr viel Erfolg, Gesundheit und Glück
und stets ein gutes Buch zur Hand!

Donnerstag, 9. Juni 2016

Mit Herzblut geschrieben


Ich hoffe ja immer, dass ihr alle auch regelmäßig auf Qindie.de vorbeischaut. Dann kennt ihr bestimmt auch schon längst die Kolumne, die ich unlängst für Qindie geschrieben habe. Für alle anderen habe ich die Kolumne unten verlinkt. Diesmal habe ich mich mit dem gern verwendeten Argument "Herzblut" auseinandergesetzt. Bisher habe ich einiges an positivem Feedback erhalten - dabei hatte ich mit Gegenwind und Wie-kannst-du-nur-Kommentaren gerechnet.

Doch irgendwie scheine ich mit meinen Worten genau ins Schwarze getroffen zu haben:
Ich lerne doch nicht aus Lobhudeleien, so gern ich die auch für meine Texte bekomme. Ich lerne aus Kritik, aus Verbesserungsvorschlägen, aus Erklärungsversuchen, warum mein Text nicht so funktioniert, nicht so wirkt, wie ich mir das vorgestellt habe. Da kann ich doch nicht die beleidigte Leberwurst spielen, mich auf die Hinterbeine stellen und „Herzblut!“ schreien. 
Wie haltet ihr das mit dem Herzblut? Entschuldigt ihr damit auch gern alles? ;-)

Ihr könnt mir ja mal eure Meinung dalassen - hier oder direkt unter der Kolumne.



Sonntag, 21. Februar 2016

Die Verrückte mit dem 3-Tage-Roman - Jenny Karpe im Interview

Bild: Peter A  / pixelio.de
Vor wenigen Tagen ging ein literarisches Experiment zu Ende, das schon im Vorfeld für Wirbel, Aufregung und Empörung unter den Autoren und Buchmenschen gesorgt hat. Da wollte eine Jungautorin doch tatsächlich einen Roman mit einem Umfang von 60.000 Wörtern in nur drei Tagen schreiben, und neobooks und der dahinter stehende Verlag Droemer Knaur unterstützen und promoten das auch noch! Viele waren überzeugt, ohne mehr als die - zugegeben recht reißerisch formulierte - Überschrift zum Artikel gelesen zu haben: Das kann gar nicht gehen, das ist anmaßend, größenwahnsinnig und überhaupt, jetzt ist es soweit - das ist der Untergang des literarischen Abendlandes!

Ich verfolgte die Artikel, entrüsteten Blogartikel und die vielen Kommentare dazu mit amüsiertem Interesse. Ich bin ehrlich: Auch mir kam die Idee vor allem wahnsinnig vor. Auch ich konnte mir nicht vorstellen, wie so etwas zu schaffen sein soll. Aber ich reagierte, wie es zum Glück auch einige andere taten: Mit gesunder Skepsis und einer ordentlichen Portion Neugier beschloss ich, der Autorin viel Erfolg bei ihrem Vorhaben zu wünschen und das Ganze zu verfolgen - und mir ein eigenes Urteil erst im Anschluss zu erlauben. Dass man neuartige, unkonventionelle, wahnsinnig anmutende Ideen und Projekte schon im Vorfeld mit dem Daumen nach unten markiert, gefällt mir nicht.

Möglicherweise konnte ich auch deshalb die Angelegenheit entspannter betrachten, weil ich die Autorin schon eine Weile persönlich kenne. Jenny Karpe ist besessen vom Schreiben und Geschichtenerzählen, gleichzeitig verrückt und diszipliniert genug, um ein solches Vorhaben durchzuziehen - so mein subjektiver Eindruck.

Nachdem das Schreibexperiment nun zu Ende gegangen ist, fand Jenny auch noch die Kraft, mir meine neugierigen Interviewfragen zu beantworten. Was soll ich sagen: von Wahnsinn keine Spur! Aber lest selbst.

Jetzt mal ehrlich: Einen ganzen Roman in drei Tagen schreiben – wie soll das gehen? Und vor allem: Wie bist du auf so eine irre Idee gekommen?

Jenny: Im Schreibnacht-Forum haben wir über diese sogenannten „Schnelldreher“ diskutiert. Ich war immer skeptisch gegenüber den Leuten, die den NaNoWriMo am ersten Tag gewinnen. Darum – und weil ich gerade Semesterferien habe – dachte ich: Warum nicht mal selbst ausprobieren? Dann kannst du in Zukunft selbst sagen, welche Qualität so ein Schnelldreher hat. Ich war natürlich nicht die Erste, die so ein Projekt angegangen ist, Stichwort Michael Moorcock. Es gibt sogar einen jährlichen Schreibwettbewerb, bei dem man in den drei Tagen nicht nur schreibt, sondern auch plottet und überarbeitet. Das finde ich viel wahnsinniger als mein Vorhaben! :D

Worum genau geht es in deinem Roman? Erzähle doch mal in – sagen wir – drei prägnanten Sätzen darüber.

Jenny: Zwei verfeindete Völker müssen sich nach einer verheerenden Katastrophe ein kleines Stück Land teilen, eine instabile Insel. Die Streitigkeiten könnten die Insel kippen lassen, darum beschließen die Erwachsenen, die Kinder der Insel voneinander zu trennen – angeblich, um das Gleichgewicht zu wahren. Aaron und Kira – jeweils von unterschiedlichen Seiten – finden jedoch heraus, dass das nicht der wahre Grund für die Grenze ist.
Ich muss dazu anmerken, dass ich mich sehr schlecht kurzfassen kann. ;)

Was war zuerst da: die Idee zur Geschichte selbst oder die Idee zum Roman in drei Tagen?

Jenny: Während der Arbeiten an einem anderen Roman kam mir die Idee zu der instabilen Insel. Ich wusste nicht, wohin sich die Geschichte entwickelt, aber das Setting hat mir sehr gefallen. Einzelne Charaktere standen auch schon fest, bevor die Idee zu der Aktion kam.

Dein Schreibprojekt „Ein Roman in drei Tagen“ hat nach der offiziellen Ankündigung für einiges Aufsehen, ja fast schon einen Shitstorm gesorgt. Die Reaktionen reichten von „Tolle Sache!“ und „Verrückt, aber warum nicht?“ über „Was soll der Quatsch?“ bis hin zu „Sie zerstört den Buchmarkt!“ Wie viel davon hast du mitgekriegt, und wie hast du das Ganze aufgenommen?

Jenny Karpe (Bild: Victoria Birgel)
Jenny: Puh, das war teilweise wirklich hart. Leute, die mich nicht kannten und auch die Beweggründe hinter dem Experiment nicht verstanden haben, haben mich kritisiert. Ich habe die Gespräche in einigen Gruppen verfolgt und auch die Kommentare auf Facebookseiten gelesen, mich aber nirgends wirklich geäußert. Neobooks hat mir mitgeteilt, was für eine Reichweite der erste Post hatte, das hat mich völlig aus den Socken gehauen und auch sehr verunsichert. Eine Zeit lang wollte ich das Projekt gar nicht erst angehen. Andererseits gab es für diese Zweifel gar keinen Grund – es war immerhin ein Experiment. Die Leute von Neobooks und ich wollen einfach mal ausprobieren, was möglich ist. Ich bin sehr dankbar, dass Neobooks und viele meiner Freunde hinter mir standen, sonst wären diese Worte immer noch nicht geschrieben worden.

Du wurdest mit der Aktion auf gewisse Weise berühmt, und das noch, bevor du die erste Zeile geschrieben hast. Erhältst du persönliche Nachrichten? Wirst du auf der Straße oder an deiner Hochschule darauf angesprochen?

Jenny: Ohje, zum Glück ist letzteres nicht der Fall! Das wäre mir sehr unangenehm, vor allem in der Hochschule. Einige dort wissen ohnehin schon, dass ich schreibe; aber da ich ein kreatives Fach studiere, ist das da ganz normal. Man muss auch nicht alles über mich wissen – auf meiner privaten Facebookseite habe ich kein Sterbenswörtchen von der Aktion verraten. Persönliche Nachrichten habe ich hingegen extrem viele erhalten – Nachfragen, Motivationsschübe, Glückwünsche. Darüber habe ich mich sehr gefreut! Kritik ist bei mir hingegen nie persönlich eingeflattert, die musste ich immer erst in den Gruppen und auf Facebookseiten lesen.

Neobooks und der Knaur Verlag unterstützen dich bei deinem wahnsinnigen Schreibprojekt. Was genau tun sie denn für dich?

Jenny: Ich weiß gar nicht, wie viel ich davon verraten darf. ;) Ich hatte schon längere Zeit vor, bei Neobooks zu veröffentlichen. Umso überraschter war ich, als die Plattform auf mich zugekommen ist. Die Unterstützung gibt es vor allem in Sachen Marketing und Lektorat. Auch persönlich wurde immer nachgefragt, wie es mir geht, wie man helfen kann. Außerdem planen wir eine gemeinsame Aktion für die Leipziger Buchmesse, der ich schon aufgeregt entgegenfiebere!

Und wie ist es nun gelaufen - hast du geschafft, was du dir vorgenommen hast? Worauf hast du verzichtet, um die 60.000 Wörter in 72 Stunden zu wuppen? Wer oder was hat dir dabei geholfen?

Jenny: 50.001 Worte sind es insgesamt geworden, knapp 200 DinA5-Seiten. Ich habe bis auf eine Ausnahme normal geschlafen, normal gegessen – aber ansonsten eben nichts wirklich getan. Auf meinen Spanischkurs hätte ich auch verzichtet, wenn er nicht ausgefallen wäre. Mir hat es geholfen, nicht auf Facebook zu gehen, Mate zu trinken, Musik zu hören und von Freunden Drohungen zu bekommen, dass sie mir die Finger abschneiden, wenn ich nicht 600 Worte in 15 Minuten schaffe. Die Tage waren bis auf die Schreiberei recht unspektakulär, was gerade am zweiten Tag ziemlich demotivierend war. Es gab schließlich nichts, womit ich mich ablenken durfte.

Wie geht es mit deinem Roman nach der Rohfassung weiter? Gibt es schon konkrete Pläne und Deadlines? Wird neobooks dabei wieder eine Rolle spielen?

Jenny: Eine konkrete Deadline gibt es nicht, ich werde mich einfach so bald wie möglich (= sobald die Finger wieder wollen) an die Beendung des Romanes setzen. Anschließend wird mich Neobooks beim Lektorat unterstützen, damit ich noch in der ersten Jahreshälfte mein Debüt feiern kann. Ich kann gar nicht glauben, wie schnell das alles geht – immerhin liegen hier noch zwei andere Romane, die genau darauf warten. Im Grunde habe ich »Zwei Kontinente auf Reisen« zwischen drei andere Projekte geschoben, in die ich mich später wieder einarbeiten darf. Aber auch darauf freue ich mich!

Nach deiner Erfahrung, wie wirst du zukünftig an Romanprojekte herangehen? Hat sich etwas an deiner Arbeitsweise und/oder Einstellung grundlegend geändert?

Jenny: Ich weiß jetzt, welche Qualität 50.000 Worte haben, die an drei Tagen geschrieben wurden, also glaube ich auch zu wissen, welche Qualität 50.000 Worte an einem Tag haben – um auf die Autoren zurückzukommen, die den NaNoWriMo am ersten Tag stemmen. Natürlich weiß ich, dass das nur der erste Draft ist, trotzdem gefällt mir diese Arbeitsweise nicht unbedingt. In Zukunft wird es an meiner Tastatur wieder entspannter zugehen – dann spare ich mir vielleicht auch einige Überarbeitungszeit. Aber das wird sich alles erst in den kommenden Wochen ergeben.
Was sich hingegen verändert hat: Ich werde ab sofort immer so ausführlich plotten. Es hat mir gut getan, einen seitenlangen Plot neben mir liegen zu haben, bei dem ich einzelne Stationen abhaken konnte. Bei spontanen Einfällen wusste ich, woran ich etwas verändern darf und woran nicht – oder ob eine Szene gerade passt oder zu viel vorausnimmt. Das hat mich vor Schreibblockaden bewahrt, mir aber trotz allem viele Freiheiten gelassen.
Und zu guter letzt: Ich weiß jetzt, wie viel ich schaffen kann. Sollte ich einmal eine wirklich schlimme Deadline haben – zum Beispiel in der Uni – weiß ich, wie viele Worte an einem Tag entstehen können. Und das ist schon ein gutes Gefühl.

Das war’s auch schon. Ich wünsche dir noch viel Erfolg für deinen Roman!

Jenny: Es war mir ein Fest, liebe Jana! Vielen Dank für deine Fragen! 


 

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Geschafft. Ein Jahresrückblick.


Bild: Rudolpho Duba / pixelio.de

Was hatte ich mir alles vorgenommen in diesem Jahr. Schreiben, zu Ende bringen, veröffentlichen. Wirklich viel ist nicht herausgekommen. Obwohl. Ich bin mehr als zufrieden. 2014 habe ich als intensives, erlebnisreiches Jahr empfunden, das mich ein enormes Stück weitergebracht hat. Umwege und Sackgassen führen eben auch vorwärts.

Top 2014

Zu meinen persönlichen Highlights zählen mit Sicherheit die Leipziger und Frankfurter Buchmesse, über die ich ausführlich und begeistert berichtete. Dazu gehört auch mein erstes Autorenseminar Ende Mai in München bei André Hille und "Bloody Peter" von Droemer Knaur. Und die Mängelexemplare! Ja, die heißen so, obwohl sie makellos sind: "Mängelexemplare: Dystopia". Die Anthologie war bereits der zweite Band der Mängelexemplare-Reihe, und ich durfte zum zweiten Mal eine Geschichte beisteuern. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, in diesem Buch dabei sein zu dürfen, schon weil um mich herum einige echte Schwergewichte der deutschen Horrorliteratur vertreten sind. Oh und nicht zu vergessen: die Anthologie "Hüte Dich!", in der meine Gewinnergeschichte "Redrum kommt nach Hause" enthalten ist. Die Anthologie erschien im Januar als eRiginal im Droemer Knaur Verlag - das ist also meine erste echte Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag (auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass dieser Band ein großes Publikum erreicht hat, was aber auf einem anderen Blatt steht).

Flop 2014

Ich wollte an einem Wettbewerb für gruselige Halloween-Kurzgeschichten bei neobooks teilnehmen und hatte eine feine Story um eine Mutter, ihren Sohn und eine Übernachtungsparty im Kindergarten gestrickt. Dafür hatte ich eine Idee verarbeitet, die mir schon länger im Kopf herumspukte (seit der Kita-Übernachtungsparty meiner eigenen Kinder im letzten Jahr). Ich hatte alles wunderbar vorbereitet, nochmal korrigiert und gekürzt, ein passendes Cover gebastelt und ging an einem Abend im November pünktlich - wie ich meinte - online, um die Geschichte hochzuladen. Und stellte fest: Ich hatte mir das falsche Datum gemerkt - die Deadline war zwei Tage zuvor abgelaufen. Ich hätte Amok laufen können! Nun ja, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, ohne Blut zu vergießen, merkte ich, dass es doch sein Gutes hatte: Ich habe eine weitere neue Kurzgeschichte, die ich für meinen nächsten Kurzgeschichtenband vorbereiten kann. Ich plane sogar, sie weiter auszubauen, weil mir noch einige Dinge eingefallen sind, die ich einbauen kann, um das Ganze noch runder, noch gruseliger zu machen.

Neu 2014

Nicht geplant, aber willkommen geheißen habe ich meine neue Beschäftigung als Lektorin und Korrektorin. Alles fing damit an, dass ich immer mal finale Korrektur-Lesungen für einen kleinen deutschen Horror-Verlag machte, bis der Verleger auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir auch mal etwas Größeres zutrauen würde, ein Lektorat eines ganzen Romans zum Beispiel. Neugierig und mit frisch gewecktem Ehrgeiz sagte ich Ja und - Bähm! - hatte ich gleich zwei Romanmanuskripte zur Bearbeitung bekommen. Mittlerweile kamen noch ein paar andere Romane hinzu, außerdem traute ich mich, meine Dienste über den selfpublisher-markt.de anzubieten. Korrektorat mache ich übrigens genreunabhängig. Einer meiner größeren Aufträge war der Liebesroman "Begegnungen mit Folgen" von Hellen May. Der stand kurz nach seiner Veröffentlichung auf Platz 1 der Kindle-Charts. Platz 1! Er rangiert immer noch unter den Top 500. Und ich hatte daran einen Anteil, irgendwie. Mich macht sowas sprachlos und auch ein bisschen stolz, auch wenn das so gar nicht mein Genre ist. :-)

Und 2015?

Ach wisst ihr was? Ich plane besser nicht allzu viel. Es kommt ja doch wieder alles anders. Stattdessen zähle ich mal auf, was ich gern tun würde beziehungsweise, was ich mir wünsche:

Ich würde sehr gern wieder zur Buchmesse nach Leipzig fahren, Frankfurt steht eh fest, weil das ja vor meiner Haustür liegt. Ich würde sehr gern mein Schauermärchenbuch noch vor der Leipziger Buchmesse veröffentlichen. Ich würde wahnsinnig gern endlich mein Romandebüt ins Rollen bringen, auch wenn ich die ursprüngliche Idee dafür noch einmal komplett neu aufrollen muss. Ein, zwei Ausschreibungen und Schreibwettbewerbe möchte ich auch mitnehmen - egal, wie sie ausgehen, am Ende habe ich neue Geschichten für euch parat, ob die nun von einem Verlag oder später durch mich veröffentlicht werden.

Mit Sicherheit werde ich wieder Korrektorat und Lektorat für Autoren und Verlage machen. In der Zeit, die ich nicht mit Brotjob, Alltag, Familie oder Lektorat beschäftigt bin, werde ich schreiben, plotten, überarbeiten - und hoffentlich endlich wieder veröffentlichen.

Ach, fast vergessen: Lesen will ich natürlich auch wieder - und drüber bloggen, wenn ich was Feines gefunden habe. Zum Beispiel liegt mein erstes Neil-Gaiman-Buch auf meinem SuB. Es wird also auch im nächsten Jahr Buchtipps von mir geben. Ich bin gespannt - ihr hoffentlich auch.

In diesem Sinne: Rutscht gesund und munter ins neue Jahr - möge euch der Lesestoff niemals ausgehen!

Eure Jana


Bild: Bärbel Jobst / pixelio.de


Donnerstag, 24. Juli 2014

Sommerpause ... nicht so ganz


Bild: l-vista / pixelio.de

Morgen gibt es in Hessen Zeugnisse, dann beginnen endlich die Sommerferien. Auch bei mir heißt es dann für zwei Wochen: Urlaub! Aber so richtig Sommerpause mache ich wohl nicht. Auch wenn es seit der Anthologie "Mängelexemplare: Dystopia" keine neuen Veröffentlichungen von mir gegeben hat, heißt das nicht, dass ich untätig herumgesessen oder mich mit anderen Dingen beschäftigt hätte.

Also gebe ich mal einen kleinen Überblick über laufende und kommende Projekte, bevor ich mich hier sommerlich rar mache.

Geplante Veröffentlichungen

Nach wie vor habe ich fest vor, meinen Debütroman, derzeitiger Arbeitstitel "Vincents Treppe" (nein, Vincent Voss, damit bist nicht du gemeint ;-) ), fertigzuschreiben. Dafür war ich ja Ende Mai auch auf einem Autorenseminar in München. Nach jenem Seminar war mir klar geworden, dass ich die komplette Geschichte neu aufziehen und meinen Schwerpunkt anders legen muss, um sie rund zu machen. Ich freue mich darauf, aber ich benötige mehr Zeit und Ruhe, um auch mal am Stück was zu schaffen. Zeit und Ruhe sind leider gerade Mangelware, zumindest für ein Romanprojekt. Also schiebe ich das (mal wieder) vor mich her, ich Meisterin der Prokrastination, ich.

Was besser läuft, weil leichter in Häppchen einzuteilen, ist mein zweites Buchprojekt: Das Märchenbuch für Hartgesottene, eine Sammlung meiner Schauermärchen. Komplett fertig sind fünf Märchen, ein weiteres ist geschrieben, muss aber noch überarbeitet werden. Außerdem entsteht gerade ein ganz neues, dystopisch angehauchtes Schauermärchen. Und es existiert bereits die grobe Idee für ein achtes Märchen, bei dem es sich um eine sehr gruselige Variante von Rumpelstilzchen handeln wird. Wenn es gut läuft, kriege ich auch noch eine Schauermärchen-Version vom Froschkönig hin. Aber eins nach dem anderen. Ich hoffe, für dieses Buch dieselbe Coverdesignerin gewinnen zu können wie für "Die Brezelfrau", denn das Cover hat nicht nur mir selbst unglaublich gut gefallen, es kam auch bei den Lesern extrem gut an.

Inflagrantibooks über die "Mängelexemplare: Dystopia"

Vor wenigen Tagen erschien auf dem Blog der umtriebigen Inflagranti-Blogger eine ausführliche und äußerst begeisterte Rezension der Anthologie, zu der ich das Schauermärchen "Das schlafende Schloss" beigesteuert hatte. Jack & Tilly machen das immer toll: Sie besprechen nicht nur das Buch an sich, sondern geben zu jeder einzelnen Geschichte ein wortreiches Feedback ab. Das sagten sie zu meinem Beitrag:

Eine der besten Geschichten neben „Die Gartenpforte“, die ich von der Autorin kenne. Ihre kleine Gruselmärchen-Obsession kennen wir ja nun schon, aber diesmal hat sie sich selbst übertroffen! Scheinbar kinderleicht verknüpft sie den Horror mit dem Märchen, altbekanntes mit Neuem und erzeugt so eine ganz eigene Atmosphäre, die die Geschichte durchweg innehat. Eine Horrorgeschichte auf hohem Niveau! Denkt man am Anfang noch, dass eine neue Gruselmärchen-Interpretation kommt, irrt man sich gewaltig! 

Zwar erkennt man glasklar, welches Märchen sich hier dem Horror beugen muss, dennoch greift Jana Oltersdorff diesmal ganz tief in die Horrorgrusel-Kiste und überzeugt mit mehr Spannung, mehr Horror und dezentem Ekel. Habgier ersetzt an dieser Stelle einen Großteil des Antriebs der Protagonisten. Es geht nicht, wie in den anderen Geschichten, um das Überleben in der zerstörten Welt. Die beängstigende Horrorwelt ist hier begrenzt/eingegrenzt und wirkt dadurch noch gefährlicher, als wenn es die ganze Welt betreffen würde. Wie auch immer Jana das macht, aus harmlosen, liebenswürdigen, Happy-End habenden Märchen solche Geschichten zu erschaffen, die voll Düsternis und Dunkelheit sind, sie soll damit nicht aufhören!!
Ich bin hin und weg. <3>

Und sonst so?

Ich weiß gar nicht, wie es überhaupt dazu kam, aber mittlerweile bin ich ziemlich aktiv in Sachen Korrektorat und neuerdings auch Lektorat unterwegs. Mir persönlich macht es sehr viel Spaß, und mir gefällt, dass ich aus der Arbeit an Manuskripten anderer Autoren auch viel für mich selbst und mein eigenes Schreiben lernen kann. Ihr kennt das vielleicht: Fehler in fremden Texten zu entdecken, ist wesentlich einfacher, als die gleichen Fehler im eigenen Manuskript zu finden. Vor kurzem jedenfalls beendete ich mein erstes Lektorat und befinde mich derzeit mitten im zweiten. Der dritte Lektoratsauftrag wartet bereits auf mich.

Zwischendurch gibt es immer mal das eine oder andere Manuskript zum Korrekturlesen. Das Schöne ist, dass diese Bücher sich thematisch alle in meinem Interessenfeld bewegen: Horror, Dystopie, Dark Fantasy, SciFi. Ein weiterer Vorteil: Ich komme so dazu, überhaupt mal Bücher zu lesen, denn mein eigener Stapel ungelesener Bücher wächst und wächst, sowohl auf meinem Nachttisch als auch in der Reader-App meines Tablets. Ich möchte gar nicht daran denken, wer alles noch auf eine Rezension von mir wartet ... Aber das wird schon noch, ganz sicher!

Insofern wird meine Sommerpause keine faule Auszeit. Dafür gibt es einfach viel zu viel zu tun. Aber ich habe Spaß daran, und das allein zählt.

So. Das wär's von mir.
Ich wünsche euch einen wundervollen Sommer mit jeder Menge spannender Urlaubslektüre!