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Mittwoch, 23. Dezember 2020

Schauen wir ein wenig zurück ...

Ende Dezember. Es wird Zeit zurückzuschauen. Auf das Jahr 2020. Was für ein Jahr. Die Frage danach, was denn so los war und was ich erlebt habe, würde ich aus dem ersten Impuls heraus wohl mit "Nicht viel" beantworten. Aber dann denke ich noch einmal nach und merke: Doch, da war einiges los, es war nur vieles ganz anders als in den Jahren zuvor.

So ziemlich alles in der Buchwelt lief anders, als wir es gewohnt waren. Die meisten Veranstaltungen fielen aus und viele von uns in ein kreatives Loch. Mir jedenfalls ging es so, dass das kreative Schreiben in diesem Jahr fast gar nicht präsent war. Ich habe immerhin zwei Kurzgeschichten fertiggestellt. Mein Output war also eher niedrig, lag aber immerhin über null. Ist ja auch schon mal was.

Also dachte ich mir, ich gestalte auch meinen alljährlichen Jahresrückblick mal etwas anders als sonst. Ich möchte diesmal ein paar der Bücher in den verdienten Fokus rücken, an deren Entstehung ich im Korrektorat oder Lektorat beteiligt war. Die Arbeit an jedem einzelnen Manuskript hat mir Spaß gemacht, und es war auch die eine oder andere Herausforderung dabei, um aus ungeschliffenen Diamanten zusammen mit den Autor:innen veröffentlichungsreife Bücher zu machen. Ich kann hier längst nicht alle nennen, deshalb habe ich mich für eine kleine bunte Auswahl entschieden, an der ihr sicher erkennt, wie vielfältig meine Nebentätigkeit als Lektorin ist. 

Der Kapuzenkönig - Historische Trilogie

Für Rosemarie Schatz durfte ich ihren Dreiteiler "Der Kapuzenkönig" korrigieren. Das Epos spielt im 13./14. Jahrhundert und erzählt vom Kampf Schottlands gegen die englische Krone. Im Mittelpunkt steht der Ritter Finlay, der an der Seite von Robert the Bruce kämpft. Gemeinsam mit einer Gefolgschaft aus treuen Schotten versuchen sie, die schottische Unabhänigkeit zurückzuerlangen. Dabei erleben wir nicht nur viele epische Schlachten, sondern auch eine packende Geschichte voller Intrigen, Ränkespiele, historischer Finessen und natürlich großer Gefühle. Wer den Film "Braveheart" kennt, hat eine gute Ausgangsposition, denn der Kapuzenkönig steigt zeitlich kurz nach William Wallaces Tod ein. Rosemarie Schatz erklärt am Ende jedes Bandes ein paar historische Fakten und erläutert auch, was sie hinzugedichtet hat und wie sie belegte historische Ereignisse mit ihrer fiktiven Geschichte verwoben hat.

Band 1 "Verbannung" findet ihr zum Beispiel hier.

Phobos - SciFi Abenteuer auf dem Mars

Mit dem Autor, der hinter dem Pseudonym Thor Ansell steckt, arbeite ich schon seit ein paar Jahren zusammen. Wir wohnen nicht weit voneinander entfernt und wenn nicht gerade eine Pandemie dazwischenfunkt, treffen wir uns nach jedem erledigten Auftrag zum Austausch auf einen Kaffee. Phobos erschien in zwei Teilen und erzählt die spannende Geschichte der ersten bemannten Mars-Mission. Die Ankunft auf dem Mars-Mond Phobos gerät jedoch mehr als holprig, und als sie endlich einen Fuß auf den roten Planeten setzen, merken sie, dass sie womöglich doch nicht die ersten Lebewesen dort sind. Ansell hat ein großartiges Team aus Techniker:innen und Wissenschaftler:innen zusammengesetzt. Besonders Pavel mit seinem russischen Akzent und seinen markigen Sprüchen hat es mir angetan. Die Bücher von Thor Ansell kann ich immer wieder nur empfehlen, so auch dieses hier. Übrigens steht das nächste Weltall-Abenteuer schon in den Startlöchern, ich arbeite gerade an Teil 1, und da geht es noch sehr viel weiter hinaus ins All.

Phobos bekommt ihr hier.

Trümmerland - Rumänische Geschichte zum Verlieben

Ich arbeite schon eine Weile mit dem Plattini-Verlag zusammen und freue mich immer, wenn ich von dort wieder ein neues Manuskript auf den Tisch bekomme. "Trümmerland" von Silvia Hildebrandt war für mich eines der Highlights in diesem Jahr. Sie erzählt nicht nur fesselnd, sie hat mir auch die Geschichte ihrer rumänischen Heimat nähergebracht. Ich gebe zu, über Rumänien wusste ich so gut wie nichts. Aber nun habe ich das Gefühl, nicht nur das Land und seine Geschichte besser zu kennen, mir erscheinen auch die Figuren aus dem Buch, allen voran der innerlich zerrissene Nelu, wie gute Bekannte, mit denen ich angesichts ihrer großen Schicksale wirklich stark mitleiden musste. "Trümmerland" ist Teil einer Reihe. Auch den Folgeband "Haus ohne Volk" durfte ich korrigieren, der erscheint auch bald. Und der Vorgänger heißt "Die Stadt der Freiheit", den erwähne ich der Vollständigkeit halber auch mal.

Holt euch das Buch hier.

Die Cade-Brüder - Liebe, Romantik & Kitsch am Lake Tahoe

Ja, hin und wieder "lese" ich auch mal eine Schnulze - wenn sie von mir korrigiert werden soll. Die amerikanische Autorin Jules Barnard schreibt so richtig schön kitschig-romantische Liebesromane, in denen am Ende stets die Liebe gewinnt. Die Reihe über die Cade-Brüder spielt in der Stadt Lake Tahoe am gleichnamigen See. Tolle Gegend übrigens, ich war da schon mal, sehr zu empfehlen. Die Brüder führen gemeinsam ein Luxushotel, das sie von ihrem Vater geerbt haben. Jeder von ihnen hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, in jedem Band wird einer von ihnen die Liebe seines Lebens finden. Das ist jedesmal zwar doch vorhersehbar, dabei aber wirklich herzallerliebst und sympathisch erzählt. Ich kam zum Korrektorat, weil die Übersetzerin Claudia Rapp jemanden suchte. Wir kennen uns, sind befreundet, ich fragte mal nach, und - schwupps - las ich plötzlich Manuskripte über liebestolle Kerle am Lake Tahoe. 

Wer in die Reihe einsteigen will, tut das am besten mit Band 1, den gibt es hier.

Mars Ultor - und noch einmal auf den Mars

Der rote Planet scheint es einigen Science Fiction Autoren angetan zu haben, so auch David Reimer, der mit "Mars Ultor - Schattenwelten" einen Cyberpunk-Thriller geschrieben hat. Spätes 21. Jahrhundert. Nach einer kosmischen Katastrophe, bei der der Mond zertrümmert wurde, hat sich die Erde stark gewandelt. Die Konzerne beherrschen alles und zerreiben die Gesellschaft in ihrem Kampf um die Vorherrschaft. David Dener arbeitet als Söldner für den Wayaki Konzern. Er erhält einen vermeintlichen Routineauftrag: Mit seinem Team soll er einen Mann, der einst als Wissenschaftler für den Konzern arbeitete, in einer Megacity ausfindig machen und zu Wayaki bringen. Doch nachdem sie ihn gefasst haben, beginnt die eigentliche Mission: Es geht zum Mars, wo sie zusammen mit dem Wissenschaftler eine geheimnisvolle Höhle auskundschaften sollen. Inzwischen läuft die Arbeit zwischen David und mir an Band 2 auf Hochtouren, der soll Anfang 2021 erscheinen.

Lust auf noch mehr Mars-Abenteuer? Dann bitte hier entlang.

Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug gefallen, vielleicht waren ein paar Buchtipps dabei, die euer Interesse geweckt haben. Das würde mich freuen - und die Autor:innen sowieso. Solltet ihr eines der Bücher lesen, denkt dran, dass sich die Autor:innen ganz besonders über euer Feedback in Form einer Rezension oder zumindest Sternebewertung freuen.

Ich wünsche euch ein frohes, vor allem gesundes Weihnachtsfest. Genießt die Zeit der Ruhe - vielleicht mit einem guten Buch. Kommt alle gut ins neue Jahr, passt auf euch auf und bleibt gesund - und haltet euch stets einen Vorrat an Lesestoff bereit. #Bücherhamstern geht immer! 😉

Bild: BettinaF / pixelio.de




Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahresrückblick die zweite: Buchmesse, Schreiben & Co.

Als ich überlegte, dass ich ja eigentlich noch einen Jahresrückblick verfassen wollte, dachte ich zunächst, dass es da doch gar nicht so viel zu erzählen gäbe. Doch tatsächlich habe ich eine ganze Menge schöner, aufregender Dinge im Jahr 2015 erlebt, sowohl als Autorin als auch als Bloggerin, Leserin und Lektorin.

Neue Geschichten und Veröffentlichungen

2015 war ich längst nicht so produktiv, wie ich es mir vorgenommen hatte. Mein Romanprojekt steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Ich bin, wann immer ich die Muße habe, damit beschäftigt, mir über den Plot, die Konflikte und Figuren Gedanken zu machen, aber vor mir liegt noch ganz viel Arbeit. Auch mehrere geplante Kurzgeschichten warten noch darauf, endlich in die Tat umgesetzt zu werden. Dennoch kann ich ein paar neue, fertige Geschichten und sogar Veröffentlichungen vorweisen.

Das Highlight war natürlich die Veröffentlichung meines zweiten Kurzgeschichtenbandes, der sich diesmal ganz meiner heimlichen Leidenschaft, den Schauermärchen, verschrieben hat. Das Buch "Des Nachts im finstren Wald" enthält sieben Märchen, wie sie noch nie zuvor erzählt worden sind - düster, gruselig, böse, fies. Es erschien rechtzeitig vor der Leipziger Buchmesse, wo ich es auch auf dem Gemeinschaftsstand von Qindie ausstellte - dazu später mehr. Erwartungsgemäß wurde daraus kein Bestseller, aber dennoch habe ich es etliche Male als eBook und Taschenbuch verkaufen und einige Leser begeistern können. Es gab viel Lob auf Blogs und in Amazon-Rezensionen, allerdings auch Tadel, noch dazu ausgerechnet von meinen Lieblingsbloggern. Aber so ist das manchmal. Krönchen richten und weitermachen. Mir selbst gefällt mein Buch außerordentlich gut, nicht zuletzt wegen des schönen Covers, das mir von derselben Designerin kreiert wurde, die schon das Cover für die Brezelfrau gefertigt hatte. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich wieder ein Märchenbuch verkauft habe. Übrigens ist es seit dem Sommer auch in allen Shops der Tolino-Media Allianz erhältlich.

Auch bei meinen Kurzgeschichten gab es neue und Wiederveröffentlichungen. "Die Gartenpforte", eine meiner Lieblingskurzgeschichten, erfuhr in diesem Frühjahr eine erneute Veröffentlichung. Bernd Walter nahm sie in seine Anthologie "XUN Taschenbuch der Fantastik Nr. 11" auf.

Zum ersten Mal veröffentlicht wurde meine düstere SciFi-Kurzgeschichte "Die letzte Reise" über einen todkranken Mann, der zum Sterben ans Ende der Welt reist. Sie erschien in der Anthologie "Hinter den Kulissen - Wenn Worte zu Geschichten werden". Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Autoren-Netzwerkes. Das Schöne daran ist, dass sämtliche Erlöse an die gemeinnützige Stiftung "Brot und Bücher" gespendet werden. Das war meine erste Beteiligung an einer Charity-Anthologie, ich hatte auch für zwei Beiträge das Lektorat übernommen. Es war (und ist) eine schöne Erfahrung, und ich hoffe, dass wir mit diesem Buch noch viel erreichen.

Eine weitere Kurzgeschichte von mir erschien Ende Oktober 2015 in der Anthologie "Bloody Qindie präsentiert: Dunkle Seelen". In "Der Waschkeller" lernt die resolute Hausfrau Rita ihren neuen Nachbarn kennen, einen komischen Kerl mit merkwürdigem Namen, sehr verdächtigen Flecken auf seinen Klamotten und offenbar keiner Ahnung, wie man richtig Wäsche wäscht. Die Geschichte ist nicht so wirklich ernst gemeint und weiß hoffentlich zu amüsieren. Sie zu schreiben, hat mir schon einmal viel Spaß gemacht.

Buchmesse-Gewusel

Ich wuselte in diesem Jahr gleich auf drei (!) Buchmessen herum: in Leipzig, Frankfurt und auf dem BuCon in Dreieich-Sprendlingen. Jede Messe für sich war wunderbar und voller intensiver Erlebnisse. In Leipzig war ich diesmal sogar als Ausstellerin dabei, denn Qindie hatte einen eigenen Stand, an dem ich mich beteiligt hatte. So viele liebe Menschen, die ich überall traf - wiedertraf, zum ersten Mal traf, zufällig über den Weg lief. So etwas kann schon ein bisschen süchtig machen, und ich möchte es auch im nächsten Jahr unbedingt wiederholen. Hoffentlich klappt wieder alles mit Urlaub, Unterkunft und Presseticket...

Bühnenerfahrung

Gleich zweimal durfte ich in diesem Jahr vor Publikum vorlesen. Im März während der Leipziger Buchmesse hatte ich die große Ehre, mit meinem Lieblingsautor Vincent Voss gemeinsam aufzutreten. Stefanie Maucher, eine weitere liebe Kollegin, mit der ich schon in zwei Anthologien vertreten sein durfte, hatte den Abend in einer echten Leipziger Rockerkneipe organisiert. Es gab eine Bühne, ein Mikrophon, Freigetränke für die Künstler (also für uns!) und sogar musikalische Begleitung. Es war verdammt geil und verdammt lustig. Ich las mein Schauermärchen "Schwefelhölzchen" vor und war völlig verdattert, als ich dafür Applaus und anschließend lobende Worte von einigen Zuhörern erhielt. Im Oktober, wieder während der Buchmesse, diesmal die in Frankfurt, gab es die zweite Gelegenheit, mich live auf einer Lesebühne zu erleben. Diesmal war es ein Heimspiel, denn die Lesung fand in Dietzenbach im Theater Schöne Aussichten statt. Meine Mitstreiter waren die wunderbare Melisa Schwermer, eine extrem erfolgreiche Thrillerautorin, und der charmante Bernar LeSton, ein sympathischer Autor von bizarren, bisweilen makabren Kurz- und Kürzestgeschichten. Wir waren total aufgeregt, weil der Laden mit fast 50 Gästen so gut wie ausverkauft war - beachtlich für eine Lesung! Bilder und einen ausführlichen Bericht gibt es hier.

Literarische Geburtshilfe

In diesem Jahr hatte ich zeitweise so viel mit Lektorat und Korrektorat zu tun, dass meine eigene Schreiberei zurückstecken musste. Das war zwar manchmal etwas frustrierend, aber auf der anderen Seite macht diese Tätigkeit so viel Spaß, dass ich darauf nicht mehr verzichten möchte. Etliche Manuskripte von ganz unterschiedlichen Selfpublishern unterzogen sich in diesem Jahr meinem prüfenden Blick, um auch die letzten fehlenden Kommata einzusetzen und wirklich alle Buchstabendreher und Wortwiederholungen auszumerzen. Mit dabei waren Ratgeber und Kochbücher von Barbara Costa, Sinnliche Werwolf-Romantasy von Natalie Salkin, historische Vampir-Fantasy von Charlotte da Silva, romantische Liebesromane von Katherine Collins, Gay Romance von Adreano Castelano, handfeste SM-Erotik und Thriller von Bella Lamour oder Urban Vampire Fantasy von Melissa David. Es macht mich schon ein wenig stolz, wenn ich von Zeit zu Zeit den Verkaufsrang dieser Bücher bei Amazon nachschaue und feststelle, dass sie sich verdammt gut verkaufen und auch eine Menge positiver Rezensionen erhalten. Richtig stolz hat es mich auch gemacht, als ich auf dem BuCon von Schemajah Schuppmann, dem Chef vom Papierverzierer Verlag, mein persönliches Belegexemplar des Urban Fantasy Romans "Die Augen des Iriden" von Maja Loewe erhielt. Das Lektorat für dieses Buch hatte ich bereits 2014 begonnen und zuletzt Anfang 2015 finalisiert.

Da ist also doch eine ganze Menge zusammengekommen, nicht wahr? Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt gar nicht. Im Januar erhalte ich voraussichtlich das nächste Manuskript von Bella Lamour, auf dessen Veröffentlichung ihre Fans wahrscheinlich schon sehnsüchtig warten. Außerdem habe ich vor kurzem eine neue Geschichte in der Rohfassung an zwei liebe Bloggerinnen geschickt, die mir dazu erstes Feedback gegeben haben. Ich plane, diese Geschichte auszubauen und zu einer eigenständigen Horrorgeschichte zu machen, die im Lauf des nächsten Jahres das Licht der Buchwelt erblicken soll. Und dann ist da ja noch mein Romanprojekt, ich weiß, ich weiß. Mal sehen, wie es weitergeht und was ich 2016 erleben und vielleicht erreichen werde.

Ich hoffe, ihr begleitet mich auf diesem Weg weiterhin. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch, viel Erfolg, Freude und Gesundheit für das neue Jahr und natürlich stets ein gutes Buch!

Eure Jana Oltersdorff

Freitag, 18. September 2015

Blogtour - Maja Loewe - Die Augen des Iriden

Hallo liebe Blogtour-Teilnehmer,

herzlich willkommen bei Janas dunklen Geschichten, der letzten Station der Tour zu Maja Loewes großartigem Roman "Die Augen des Iriden", der im Frühjahr 2015 im Papierverzierer Verlag erschien. Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn dies ist meine allererste Blogtour, an der ich mich beteilige.


Als Maja mich einlud, bei diesem Event mitzumachen, sagte ich schnell zu, ohne zu wissen, was genau ich eigentlich machen muss. Aber ich freue mich und sehe es als große Ehre an, zumal ich auch zu einem gewissen Teil an der Entstehung dieses Buches beteiligt war - womit wir schon beim Thema meines Beitrags in dieser Blogtour wären.

Ich bin nämlich die Lektorin des Iriden ^^ und möchte heute ein wenig aus dem Lektoren-Nähkästchen plaudern. Hier hatte ich das Buch schon vorgestellt, als es gerade frisch erschienen war. Meine Begeisterung für diese Geschichte und die Idee dahinter hat seitdem nicht abgenommen. Ich darf mich selbst zitieren:
Als ich die Arbeit an diesem Manuskript aufnahm, dachte ich zunächst, es handle sich einfach um einen Jugendroman mit Mystery-Elementen, doch weit gefehlt. Die Geschichte zog mich schon bald in ihren Bann. Maja Loewe offenbarte mir eine ganz neue Welt, verborgen hinter geheimnisvollen Bildern, sie erzählt von uralten Bruderschaften und von unmenschlichen Verbrechen, die bis in die dunkle Nazi-Zeit zurückreichen. Man merkt, wie intensiv sich die Autorin mit den einzelnen Faktoren auseindergesetzt hat, die eine Rolle in ihrer Geschichte spielen - obendrein schickt sie ihre Figuren auf eine wahre Weltreise. Nicht nur Berlin, auch Jerusalem und das exotische Brasilien werden zu Schauplätzen.
 "Die Augen des Iriden" war einer meiner ersten Lektoratsaufträge und gleich eine mächtige Herausforderung für mich. Zum Einen wollte ich natürlich dem Verlag, der Autorin und nicht zuletzt mir selbst beweisen, dass ich das hinkriege, das mit dem Lektorieren. Zum Anderen aber merkte ich schon bald, nachdem ich mich in die Arbeit an den Iriden vertieft hatte, wie komplex, wie vielschichtig diese Geschichte war.

Es ging gar nicht so sehr darum, stilistische Schnitzer und Wortwiederholungen auszumerzen - die gab es natürlich auch, die gibt es allerdings in jedem Manuskript in der Entstehungsphase. Auch Logik und Nachvollziehbarkeit machten mir keine Kopfschmerzen, die stimmten von Anfang schon ziemlich gut. Wichtiger erschien mir, in diese Vielschichtigkeit ein wenig mehr Struktur hineinzubringen. Am Anfang gab es nämlich wesentlich mehr Figuren, aus deren Perspektive die verschiedenen Kapitel erzählt wurden, teilweise passierten selbst innerhalb einzelner Szenen Perspektivwechsel. Ich merkte, wie schnell mir bei der Lektüre der Kopf schwirrte - ich wurde nicht nur von einem Ort zum nächsten katapultiert, ich musste mich auch noch ständig in die vielen verschiedenen Köpfe hineinfinden, die es in der Story gab. Das war dann auch die wichtigste Baustelle, und zu meiner Erleichterung war Maja sofort einverstanden, als ich ihr vorschlug, sich auf vielleicht vier Figurenperspektiven zu beschränken.

Im nächsten Lektoratsschritt merkte ich, wie gut diese Änderungen der Geschichte getan hatten. Jetzt ging es darum, die Dialoge runder zu machen, die besagten stilistischen Ausrutscher auszubügeln und ähnliche kleine Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Maja übernahm meine Änderungsvorschläge (oder auch nicht^^), änderte teilweise die Kapitelfolge, ließ hier weg, fügte da hinzu. Es wuchs, und es wurde besser und besser.

Zum Abschluss korrigierte ich alles noch einmal durch. Dieser ganze Prozess hatte am Ende mehrere Monate gedauert, was natürlich nicht am Manuskript selbst lag - sowohl Maja als auch ich mussten die Arbeit daran irgendwie mit unserem Alltag in Einklang bringen, der ja nicht einfach pausierte, so lange wir mit den Iriden beschäftigt waren.

Aber diese Arbeit hat sich definitiv gelohnt. Als ich ein letztes Mal über das Manuskript flog, um noch die letzten Kommafehler auszumerzen, die ich oft so wie ein Adler entdecke, der über einem Feld kreist und nach der Maus sucht, wuchs in mir die Aufregung. Das war nicht nur eine gute Geschichte. Das war ... eine famose, sauspannende, supergeniale Geschichte geworden. Ich fieberte dem Veröffentlichungstermin schließlich genauso aufgeregt entgegen wie die Autorin - naja, fast. Es war ja Majas Baby - ich war nur eine der Hebammen, die Geburtshilfe geleistet hatten.


Nachdem ich so offen über die Entstehung von Majas Romans geplaudert habe (keine Sorge, das Thema war vorher mit ihr abgestimmt), bleiben mir nur noch drei Dinge zu sagen:

1. Nehmt am Gewinnspiel teil - es lohnt sich!

2. Besucht die anderen Blogs, auf denen sich Majas Iriden bereits herumgetrieben haben:
Pias Bücherparadies - Pia stellt das Buch ausführlich vor
Lovelyliciousme - Maren hat die Autorin interviewt
Piranhapudel - Cindy befragte den Illustrator Timo Kümmel
Zebrabutter - Jan präsentiert "Eve's Kiss". Ein Prosa-Remix

3. Lest dieses Buch! Meine uneingeschränkte Empfehlung habt ihr.

Ich wünsche Maja Loewe für ihr großartiges Buch noch ganz viele begeisterte Leser und bin sehr gespannt auf die Fortsetzung!

P. S. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch in Zukunft immer mal auf meinem Blog vorbeischaut! :-)


Mittwoch, 31. Dezember 2014

Geschafft. Ein Jahresrückblick.


Bild: Rudolpho Duba / pixelio.de

Was hatte ich mir alles vorgenommen in diesem Jahr. Schreiben, zu Ende bringen, veröffentlichen. Wirklich viel ist nicht herausgekommen. Obwohl. Ich bin mehr als zufrieden. 2014 habe ich als intensives, erlebnisreiches Jahr empfunden, das mich ein enormes Stück weitergebracht hat. Umwege und Sackgassen führen eben auch vorwärts.

Top 2014

Zu meinen persönlichen Highlights zählen mit Sicherheit die Leipziger und Frankfurter Buchmesse, über die ich ausführlich und begeistert berichtete. Dazu gehört auch mein erstes Autorenseminar Ende Mai in München bei André Hille und "Bloody Peter" von Droemer Knaur. Und die Mängelexemplare! Ja, die heißen so, obwohl sie makellos sind: "Mängelexemplare: Dystopia". Die Anthologie war bereits der zweite Band der Mängelexemplare-Reihe, und ich durfte zum zweiten Mal eine Geschichte beisteuern. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, in diesem Buch dabei sein zu dürfen, schon weil um mich herum einige echte Schwergewichte der deutschen Horrorliteratur vertreten sind. Oh und nicht zu vergessen: die Anthologie "Hüte Dich!", in der meine Gewinnergeschichte "Redrum kommt nach Hause" enthalten ist. Die Anthologie erschien im Januar als eRiginal im Droemer Knaur Verlag - das ist also meine erste echte Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag (auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass dieser Band ein großes Publikum erreicht hat, was aber auf einem anderen Blatt steht).

Flop 2014

Ich wollte an einem Wettbewerb für gruselige Halloween-Kurzgeschichten bei neobooks teilnehmen und hatte eine feine Story um eine Mutter, ihren Sohn und eine Übernachtungsparty im Kindergarten gestrickt. Dafür hatte ich eine Idee verarbeitet, die mir schon länger im Kopf herumspukte (seit der Kita-Übernachtungsparty meiner eigenen Kinder im letzten Jahr). Ich hatte alles wunderbar vorbereitet, nochmal korrigiert und gekürzt, ein passendes Cover gebastelt und ging an einem Abend im November pünktlich - wie ich meinte - online, um die Geschichte hochzuladen. Und stellte fest: Ich hatte mir das falsche Datum gemerkt - die Deadline war zwei Tage zuvor abgelaufen. Ich hätte Amok laufen können! Nun ja, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, ohne Blut zu vergießen, merkte ich, dass es doch sein Gutes hatte: Ich habe eine weitere neue Kurzgeschichte, die ich für meinen nächsten Kurzgeschichtenband vorbereiten kann. Ich plane sogar, sie weiter auszubauen, weil mir noch einige Dinge eingefallen sind, die ich einbauen kann, um das Ganze noch runder, noch gruseliger zu machen.

Neu 2014

Nicht geplant, aber willkommen geheißen habe ich meine neue Beschäftigung als Lektorin und Korrektorin. Alles fing damit an, dass ich immer mal finale Korrektur-Lesungen für einen kleinen deutschen Horror-Verlag machte, bis der Verleger auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir auch mal etwas Größeres zutrauen würde, ein Lektorat eines ganzen Romans zum Beispiel. Neugierig und mit frisch gewecktem Ehrgeiz sagte ich Ja und - Bähm! - hatte ich gleich zwei Romanmanuskripte zur Bearbeitung bekommen. Mittlerweile kamen noch ein paar andere Romane hinzu, außerdem traute ich mich, meine Dienste über den selfpublisher-markt.de anzubieten. Korrektorat mache ich übrigens genreunabhängig. Einer meiner größeren Aufträge war der Liebesroman "Begegnungen mit Folgen" von Hellen May. Der stand kurz nach seiner Veröffentlichung auf Platz 1 der Kindle-Charts. Platz 1! Er rangiert immer noch unter den Top 500. Und ich hatte daran einen Anteil, irgendwie. Mich macht sowas sprachlos und auch ein bisschen stolz, auch wenn das so gar nicht mein Genre ist. :-)

Und 2015?

Ach wisst ihr was? Ich plane besser nicht allzu viel. Es kommt ja doch wieder alles anders. Stattdessen zähle ich mal auf, was ich gern tun würde beziehungsweise, was ich mir wünsche:

Ich würde sehr gern wieder zur Buchmesse nach Leipzig fahren, Frankfurt steht eh fest, weil das ja vor meiner Haustür liegt. Ich würde sehr gern mein Schauermärchenbuch noch vor der Leipziger Buchmesse veröffentlichen. Ich würde wahnsinnig gern endlich mein Romandebüt ins Rollen bringen, auch wenn ich die ursprüngliche Idee dafür noch einmal komplett neu aufrollen muss. Ein, zwei Ausschreibungen und Schreibwettbewerbe möchte ich auch mitnehmen - egal, wie sie ausgehen, am Ende habe ich neue Geschichten für euch parat, ob die nun von einem Verlag oder später durch mich veröffentlicht werden.

Mit Sicherheit werde ich wieder Korrektorat und Lektorat für Autoren und Verlage machen. In der Zeit, die ich nicht mit Brotjob, Alltag, Familie oder Lektorat beschäftigt bin, werde ich schreiben, plotten, überarbeiten - und hoffentlich endlich wieder veröffentlichen.

Ach, fast vergessen: Lesen will ich natürlich auch wieder - und drüber bloggen, wenn ich was Feines gefunden habe. Zum Beispiel liegt mein erstes Neil-Gaiman-Buch auf meinem SuB. Es wird also auch im nächsten Jahr Buchtipps von mir geben. Ich bin gespannt - ihr hoffentlich auch.

In diesem Sinne: Rutscht gesund und munter ins neue Jahr - möge euch der Lesestoff niemals ausgehen!

Eure Jana


Bild: Bärbel Jobst / pixelio.de


Freitag, 6. Juni 2014

Mein erstes Autorenseminar - Und wie war es?

Das vergangene Wochenende habe ich in München verbracht. Schön da. Allerdings war ich nicht wegen der Sehenswürdigkeiten dort, deshalb beschränkt sich mein Eindruck auf die Messestadt, wo mein Hotel stand, den Hauptbahnhof und den Weg mit der Straßenbahn bis zur Albrechtstraße. München als Urlaubsziel für einen Städtetrip hole ich bestimmt mal nach. Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich von etwas ganz Anderem berichten:

In München nahm ich an meinem ersten Autorenseminar teil. Es wurde von der Textmanufaktur in den Räumen des Knaur Verlags veranstaltet. Wir saßen in einem der Meetingräume, in denen die Lektorenrunden stattfinden, bei denen darüber entschieden wird, welche Bücher ins Programm aufgenommen werden. Erhebendes Gefühl. Das Thema war „Spannung, Krimi, Thriller“. Dieses Motto passte in jeder Weise. Das Seminar war unglaublich spannend, interessant, überraschend und äußerst lehrreich. Das traf auf die bunte Runde der Teilnehmer ebenso zu wie auf deren sehr unterschiedliche Manuskripte und auf die zwei Dozenten André Hille von der Textmanufaktur und Peter Hammans, der Lektor bei Knaur ist.

Nach einer Vorstellungsrunde gab Peter Hammans einen unterhaltsam-informativen Einblick in die Verlagswelt und in die Arbeitsweise eines Lektorats. Insbesondere seine Anekdoten über den steinigen Weg, den manch ein Buch durch zig Lektoratsrunden nehmen musste, bevor es tatsächlich verlegt und sogar zum Bestseller wurde, haben mir gefallen. Es hat mir auch wieder gezeigt, dass der Erfolg eines Buches nicht nur von der Qualität und dem Inhalt selbst abhängt, sondern auch von der doch sehr subjektiv geprägten Meinung des Lektors, von Trends im Buchmarkt, von der Tageslaune des Verlegers, vom Glück und vom Wetter sowie der Anzahl der Reissäcke, die am Tag der Entscheidung in China umgefallen sind. Das mag ernüchternd klingen. Mich hat es aber eher beruhigt, dass das so ist.

Der Hauptteil des Seminars bestand darin, dass jeder Teilnehmer seine Story vorstellte und daraus einen kleinen Teil vorlas, damit wir „die Stimme des Autoren“ hören konnten. Anschließend wurde das Manuskript in der Runde besprochen, bewertet, kritisiert, gelobt. Das Marktpotential wurde beurteilt, Unklarheiten wurden hinterfragt. Das Feedback in dieser geballten Form – sowohl von den Dozenten als auch von den Teilnehmern – brachte uns allen enorm viel. Ich selbst kam übrigens als allerletzte Teilnehmerin am Sonntagnachmittag dran. Als ich vorlas, hatte ich längst anhand der Fehler, die wir bei den anderen aufgedeckt hatten, meine eigenen Fehler und Schwächen erkannt. Genau die wurden mir dann auch um die Ohren gehauen – und noch ein paar mehr. So eine offene, zwar absolut sachliche, aber dennoch harte Kritik muss man erst einmal abkönnen. Aber ich merkte schon während der Besprechung meines „Falles“, wie viel mir dieses Seminar brachte. Ich entwickelte bereits erste neue Ideen und knipselte im Inneren an der Lösung einiger verzwickter Fragen, die den anderen bei meinem Manuskript aufgefallen waren.

Am Ende fühlte ich mich richtig erschöpft und brauchte im Zug nach Hause erst einmal eine gewisse Zeit, um mich zu erholen und meine aufgewirbelten Gedanken zu sortieren, bevor ich mich dazu aufraffte, Notizen zu machen und mir selbst kritische Fragen zu meiner Geschichte zu stellen.

Das ist es auch, was für mich unterm Strich dabei herausgekommen ist: Ich muss mir erst selbst darüber klar werden, was für eine Geschichte ich eigentlich erzählen will. Ich muss die konkrete Richtung festlegen und mir insbesondere über den Antagonisten noch sehr genaue Gedanken machen, damit am Ende alles stimmig ist und die Leser mitnimmt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Ja, ich habe durch das Seminar, durch die Arbeit mit den Texten der anderen Teilnehmer und durch die vielen hilfreichen Anmerkungen von allen Beteiligten überhaupt erst erkannt, wo bei mir die Schwächen liegen, aber auch die Stärken. Atmosphäre kann ich, wurde mir dort gesagt. Schwafeln und schwurbeln kann ich aber auch, und das muss alles rausfliegen! Von Stilblüten und überflüssigem Ballast wie Infodump und Wiederholungen fange ich gar nicht erst an.

Es liegt also nach diesem Seminarwochenende noch eine Menge Arbeit vor mir. Den anderen Teilnehmern ging es übrigens ganz ähnlich. Mancher von uns verabschiedete sich mit dem metaphorischen Rucksack voller Hausaufgaben auf dem Buckel, einige hatten hinterher zwei Geschichten im Gepäck, weil ihnen geraten wurde, bestimmte Elemente aus dem einen Manuskript zu entfernen und separat in einer zweiten Geschichte zu verarbeiten.

Ich selbst werde also meine Erkenntnisse aus dem Seminar dazu verwenden, mein Romandebüt voranzutreiben, wie ich es ursprünglich geplant hatte. Darüber hinaus aber konnte auch ich den Schwung an Motivation schon sehr gut nutzen: Ich habe das komplette Konzept für ein neues Schauermärchen erstellt und eine wirklich coole Idee für einen weiteren Thriller entwickelt, an der ich gern weiterfeilen möchte, weil sie mir jetzt schon saugut gefällt.

Aber eins nach dem anderen. Die Idee ist notiert und muss warten, bis ich die anderen Projekte abgeschlossen habe. Denn wie schon Neil Gaiman gesagt haben soll, lautet die wichtigste Regel für Autoren: Schreib dein Buch fertig!

An dieser Stelle bedanke ich  mich noch einmal ganz herzlich bei André Hille und Peter Hammans und ganz besonders bei neobooks, die mir dieses Seminar für meinen Sieg beim Kurzthriller-Wettbewerb "Wenn es dunkel wird" im vergangenen Jahr geschenkt haben. Eine großartige Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann und die ich bestimmt wiederholen werde.