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Sonntag, 19. Juli 2020

Ankündigung: Die nächste Anthologie mit meiner Beteiligung

Auch wenn ich seit Anfang Mai hier nichts mehr veröffentlicht habe, war ich alles andere als untätig. Trotz der Coronakrise, vielleicht auch wegen ihr, hatte ich in den letzten Wochen und Monaten gefühlt noch mehr zu tun als sonst. Der Brotjob wurde fast vollständig ins Homeoffice verlagert bis auf ein paar sporadische Besuche im Büro, um mal nach der Post zu schauen. Daneben habe ich lektoriert und korrigiert wie eine Wilde, oft durchgehend von Montag bis Sonntag immer bis spät in die Nacht.

Das Schreiben eigener Texte blieb leider fast auf der Strecke - fast. Tatsächlich kann ich - zu meiner eigenen Freude und Erleichterung - doch eine neue Veröffentlichung ankündigen. Im Oktober 2020 wird eine Anthologie im Blitz-Verlag erscheinen. Sie trägt den vielsagenden Titel "Wenn die Welt klein wird und bedrohlich - Schreiben aus der Coronaisolation".

Der Herausgeber Felix Woitkowski hatte mich dazu eingeladen. Nach anfänglichem Zögern (Schaffe ich das zeitlich? Was soll ich zu dem Thema überhaupt schreiben?) studierte ich erst einmal die beeindruckende Liste der teilnehmenden Autor:innen. Das überzeugte mich. Ich sagte zu und fand zum Glück überraschend schnell etwas, worüber ich schreiben konnte. Wie eingangs erwähnt, fahre ich immer noch dann und wann ins Büro und empfand diese Besuche auf dem verlassen wirkenden Firmengelände anfangs immer etwas spooky. Tja, und genau dieses Gefühl und diese Situation habe ich in meiner Kurzgeschichte "Bürotag" verarbeitet.

Was erwartet euch in dieser Anthologie? Nun, auf jeden Fall eine Sammlung garantiert hervorragender Texte, das ist mal sicher. Es wird eine Mischung aus Kurzgeschichten, Gedichten und Essays sein, und ich bin selbst schon ganz gespannt, was meine Mitautor:innen dazu verfasst haben. Ich mag auch das Cover sehr und finde, es fängt dieses beklemmende Gefühl, das sicher nicht nur ich vor allem zu Beginn der Coronakrise empfand, sehr gut ein.

Das Buch wird 12,95 EUR kosten und kann bereits vorbestellt werden, und zwar hier. Da es sich um eine exklusive Sammlerausgabe handelt, solltet ihr vielleicht nicht zu lange zögern. ;-)

Den kurzen, aber knackigen Klappentext sowie die Liste der teilnehmenden Autor:innen kriegt ihr natürlich auch noch dazu:

30 Phantastik-Autorinnen und -Autoren begleiten den ersten Monat der Corona-Isolation.
30 Perspektiven auf eine Welt im Krisenzustand.
Ein literarisch-phantastisches Tagebuch zwischen realer Dystopie und erschreckender Wirklichkeit.

Mit Beiträgen von Vincent Voss, Michael Schmidt, Jörg Kleudgen, Arthur Gordon Wolf, Nele Sickel, Silke Brandt, Petra Hartmann, Marianne Labisch, Markus K. Korb, Sascha Dinse, Gerd Scherm, Tatjana Stöckler, Sebastian von Arndt, Christian Veit Eschenfelder, Nicole Rensmann, Tobias Bachmann, Günter Wirtz, Tobias Reckermann, Martina Sprenger, Julia Annina Jorges, Thorsten Küper, Torsten Scheib, Jana Oltersdorff, Nadine Muriel, Matthias Attig, Alessandra Reß, Isabella Benz, Frank Hebben, Carolin Zwergfeld und Michael Marrak. 


Sonntag, 9. April 2017

Buchtipp: Michaela Harich - LEA

"Lea" von Michaela Harich
Na? Woran denkt ihr, wenn ihr das Stichwort "Stuttgart 21" hört? Bestimmt nicht an das, worauf ich hinauswill. Denn nach der Lektüre des Buches, das ich heute empfehlen möchte, kann ich nicht mehr an Bahnhöfe, Wutbürger und fragwürdige Protestaktionen denken. Obwohl ...

Okay. Stuttgart ist der Schauplatz. Der Bahnhof ist eine der Locations, an denen die Geschichte spielt. Und Wutbürger? So könnte man die beißwütigen Infizierten, gegen die sich Titelheldin Lea zur Wehr setzen muss, auch nennen. Das Ganze findet im Jahr 2021 statt. In diesem Jahr geht es mit der Landeshauptstadt Baden-Württembergs steil bergab. Eine Art Zombievirus ist ausgebrochen und hat aus den Bewohnern fleischfressende Untote gemacht. Die Stadt wurde vollständig abgeriegelt, um die Seuche daran zu hindern, auch den Rest Deutschlands zu befallen. Lea ist eine der letzten Überlebenden. Sie will ihre Heimat nicht verlassen und hat sich stattdessen hinter einer Reihe raffinierter Zombiefallen in der Staatsgalerie verschanzt. Dort harrt sie aus, kämpft um ihr Überleben und das ihres einzigen Mitmenschen Andreas.

Der Leser wird mitten hineingeschleudert in diese kaputte Szenerie, erlebt, mit welchen äußeren, aber vor allem inneren Dämonen Lea zu kämpfen hat. Denn allmählich ahnt sie, dass sie anders ist als die anderen Überlebenden. Etwas stimmt nicht mit ihr, und sie muss herausfinden, was das ist, wenn sie weiter überleben will. Das ist rasant und spannend und lässt weder Lea noch dem Leser viel Raum zum Luftholen.

Bacon-Pflanze? Bitte was?
"Lea" ist ein Kurzroman mit knapp 130 Taschenbuchseiten und zugleich der Auftakt einer Reihe. Die weiteren Teile heißen ebenfalls wie ihre jeweiligen Protagonistinnen: "Sonja", "Isabelle" und "Jennie". In allen Büchern wird die Geschichte der Stuttgarter Zombieseuche weiter ausgeschmückt, erfährt man mehr und mehr Details über die Hintergründe, die Ursache und wer schuld an dem ganzen Schlamassel ist.

Ich kenne die Autorin Michaela Harich persönlich und schätze ihren Humor und ihren Hang zum Sarkasmus. Umso schöner ist es, ebenjene Wesenszüge in ihrer Geschichte und den Figuren zu entdecken. Lea ist wie ein dystopisches Alter ego seiner Schöpferin. Ich bin gespannt, ob sich diese Merkmale auch in den Folgebänden verstecken. Ich werde sie mir mit Sicherheit noch holen, denn eine Frage wurde im Auftaktband um Lea noch nicht beantwortet: Was hat es mit dieser verdammten Bacon-Pflanze auf sich???

Also, liebe Freunde der Zombies und Dystopien, ran an Stuttgart 21. Kurzweilig, knackig und spannend - so muss eine gute Zombiegeschichte sein.

Mit Michaela bei Skoutz (Foto: Peter T. Röder)
"Stuttgart 21 - Lea" ist im Papierverzierer Verlag erschienen und als E-Book und Taschenbuch erhältlich.

Montag, 11. August 2014

Buchtipp: Arthur Gordon Wolf - "Die weißen Männer"

Da gehe ich das erste Mal seit langem an einem Wochenende in eine "echte" Buchhandlung, eine richtig große noch dazu, und stöbere so durch die Regale in der Ecke "Fantasy", und was entdecke ich da? Das Büchlein eines lieben Autorenkollegen, von dem ich bisher erst eine ziemlich coole Kurzgeschichte gelesen habe und den ich schon länger auf meiner Liste "Autoren, von denen ich unbedingt was lesen muss" stehen hatte.

Die Geschichte ist nicht lang, eine Novelle, die sich keinem Genre so recht eindeutig zuordnen lassen möchte. Jedenfalls ist es eine Mischung aus meinen Lieblingsgenres Horror, SciFi, Dystopie und Fantasy, angesiedelt in einer düsteren Zukunftswelt, in der Technik und virtuelle Realitäten das Leben der Menschen dominieren.

Mittendrin steht Brandon, ein kleines Licht in einer Firma, die Buchungsanwendungen programmiert. Sein Leben verlief bisher eher unspektakulär bis enttäuschend, bis er eines Tages seiner liebenswerten, alten Nachbarin zu Hilfe eilt, die arge Probleme mit dem Replikanten Alexander hat, der sie eigentlich im Haushalt unterstützen sollte und stattdessen plötzlich durchdreht und die Bude auseinandernimmt. Da fängt der "Spaß" für Brandon an, und er stürzt tiefer und tiefer in den Kaninchenbau, den Arthur Gordon Wolf da für seine Figuren gegraben hat.

"Die weißen Männer" ist in Wolfs UMC-Universum angesiedelt. An dieser Welt epischen Ausmaßes schreibt und tüftelt er schon seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten! Schon die erste Kurzgeschichte, die ich von ihm las, "Sahnesperlinge", spielte dort. Was soll ich sagen? Ich bin jetzt angefixt und will verdammt noch mal wissen, wie es mit  Brandon, den ominösen weißen Männern und all den anderen Figuren aus dem UMC-Kosmos weitergeht.

Carmen Weinand hat schon im letzten Jahr eine ausführliche, begeisterte Rezension auf ihrem Blog Horror & More veröffentlicht, auf die ich jetzt der Bequemlichkeit halber verweisen möchte, denn sie hat da schon alles genannt, was auch mir an diesem Buch so gut gefallen hat. Carmen hat jetzt auch ein schönes Autorenporträt über Wolf veröffentlicht, den sie zu ihren Lieblingsautoren zählt.

Wer mehr über Arthur Gordon Wolf und die UMC-Saga wissen möchte, der findet hier einiges an Informationen und weiterführenden Links.

"Die weißen Männer" gibt es nicht nur beim großen A oder, wenn man so wie ich Glück hat, im Buchhandel, sondern auch direkt beim Verlag Voodoo Press.

Montag, 12. Mai 2014

Buchtipp: G. Michael Hopf - "The End 2 - Der lange Weg"

Heute mal eine kurze, knackige Buchbesprechung für einen Roman, den ich vor wenigen Tagen zu Ende gelesen habe.

"The End" ist ein apokalyptischer Endzeitroman, der in einem Amerika spielt, das nach verheerenden Nuklearanschlägen am Boden liegt. Die Ostküste ist quasi komplett verloren, der US-Präsident wird vermisst, der Rest der Welt ist nicht bereit zu helfen und überlässt das Land sich selbst. Größenwahnsinnige Mafiabosse, psychopathische Sektenführer und desertierte Militärs versuchen, ihre Vorstellung einer neuen Weltordnung durchzusetzen. Mittendrin Familien auf der Flucht und auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sicher sind.

Erzählt wird aus Sicht verschiedener Hauptfiguren, die jeder für sich ums Überleben kämpfen müssen. Der durchgehend recht nüchtern gehaltene Erzählstil treibt die Handlung voran, hätte aber gern noch ein wenig emotionaler ausfallen dürfen. Mich packte das Buch trotzdem schon nach wenigen Kapiteln. Besonders eine Szene, in der eine der Hauptfiguren ihr Leben lassen muss, hat mich dermaßen mitgenommen, dass ich mich fühlte, als wäre es wirklich passiert. So heftig hat mich der Tod einer Romanfigur schon lange nicht mehr getroffen - eigentlich noch nie, wenn ich länger darüber nachdenke. Allein aus diesem Grund wird mir das Buch wohl ewig im Gedächtnis haften bleiben.

Natürlich hilft es, Teil 1 auch gelesen zu haben. Hab ich selbst allerdings nicht, und ich hatte trotzdem keine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden.

Wer Bock auf Apokalypse, Endzeit und Survival of the Fittest mal ganz ohne Zombies hat, der ist mit diesem erschreckend realistisch anmutenden Schmöker bestens bedient.
 
"The End 2 - Der lange Weg" ist im Luzifer-Verlag erschienen und sowohl als eBook und Printausgabe überall erhältlich.
 
Ich vergebe 4 von 5 Punkten.


Freitag, 2. Mai 2014

Gewinnspiel beendet - 3 x Lesefreude geht an ...

Auch auf meinem Blog ist die Entscheidung nun gefallen. Fortuna hat mitgeholfen und aus den 3 Lostöpfen für die 3 Bücher die 3 Gewinner gezogen.
Und das sind sie:

Das zauberhafte Märchenbuch "Andersens Märchen Update 1.1" geht an Claudia Junger.

Die wundervolle Anthologie "Mängelexemplare: Dystopia" hat Christine Frank gewonnen.

Über meine unheimliche Kurzgeschichtensammlung "Zwischenstopp" darf sich Martin Baier freuen.



Euch allen herzlichen Glückwunsch und ganz viel Lesefreude!

Ich kontaktiere euch noch persönlich wegen der Adresse.

Vielen Dank allen, die bei meinem kleinen Gewinnspiel mitgemacht haben. Wenn es die Aktion "Blogger schenken Lesefreude" im nächsten Jahr wieder gibt, bin ich mit Sicherheit auch dabei, denn sie hat viel Spaß gemacht.

P.S. Ihr lieben Buchgewinner, wir, die Autoren dieser drei Bücher, würden uns riesig über Feedback in Form von Rezensionen u. ä. bei Amazon & Co. freuen. Wenn ihr mögt (und die Bücher euch hoffentlich gefallen haben).


Mittwoch, 23. April 2014

Lesefreude 2014: Es geht los!

 

Märchenhaft: Gewinn Nr. 1
 
Liebe Bücherfreunde, hier seid ihr richtig! Heute ist der Welttag des Buches. Lasst uns "unseren" höchsten Feiertag ganz festlich begehen und unserer Liebe zu Büchern und den Geschichten, die in ihnen verborgen sind, ausgiebig frönen!

Wie auf vielen anderen Blogs quer durchs Internet verschenke auch ich heute Bücher.

Ich habe für euch drei Bücher ausgesucht:

ein märchenhaftes Buch, ein dystopisches Buch
und ein gruseliges Buch.

Alle von mir signiert und
mit persönlicher Widmung versehen.

Besonderer Dank geht an dieser Stelle an Charlotte Erpenbeck vom Machandel-Verlag, die mir freundlicherweise ein Exemplar des Andersen-Märchenbuches für diese Aktion zur Verfügung gestellt hat!

Dystopisch: Gewinn Nr. 2

Was ihr dafür tun müsst, damit ihr eines davon geschenkt bekommt? Ich will es euch nicht allzu schwer machen, aber ganz ohne Hürde geht es auch nicht :-).


Schreibt mir per Kommentar hier unter den Beitrag oder per E-Mail oder bei Facebook, wo ich diesen Beitrag auch teilen werde, welches der drei Bücher ihr euch am meisten wünscht. Ihr dürft euch aber nur eines der drei Bücher wünschen! Jeder, der mitmacht, landet im Lostopf des Buches seiner Wahl.

Am 30. April 2014 endet die Einsendefrist.

Kurz darauf werde ich die drei Gewinner ziehen (lassen) und hier bekanntgeben.

Bitte achtet darauf, dass ihr nicht komplett anonym kommentiert, denn dann könnt ihr an der Verlosung leider nicht teilnehmen. Die Adressdaten der Gewinner werden lediglich zum Versand des Gewinns verwendet und danach wieder gelöscht.

Schaut auch auf den anderen Blogs vorbei! Die komplette Teilnehmerliste findet ihr hier. Ist der Wahnsinn, was manche so verschenken. Ich glaube, ich werde auch gleich mal stöbern gehen und meinen Namen in den einen oder anderen Lostopf schmeißen...

Euch allen viel Spaß, Glück und Lesefreude!


Gruselig: Gewinn Nr. 3
  


Montag, 14. April 2014

Buchtipp - "Mängelexemplare: Dystopia"

Schon die erste Anthologie "Mängelexemplare und andere makabre Geschichten", die 2013 erschien, hat einiges Aufsehen erregt und konnte unter anderem eine Nominierung für den Vincent Preis als beste Kurzgeschichtensammlung abstauben. Nun endlich wurden die neuen Mängelexemplare veröffentlicht:

"Mängelexemplare: Dystopia"

Dieses Mal steht der Amrûn-Verlag dahinter. Der Herausgeber ist abermals Constantin Dupien, der erneut ein sehr gutes Händchen bewiesen hat. Er lud die 19 Autoren persönlich ein, eine Geschichte zum Thema Dystopia beizusteuern. Allerdings hatte die Sache einen Haken: in keinem Beitrag sollten Zombies oder gar Vampire vorkommen, dabei bieten sich diese unkaputtbaren Viecher doch geradezu an, wenn es um Dystopie, Apokalypse und den Untergang der Menschheit geht. Letzten Endes stellten sich alle Autoren der Herausforderung und meisterten sie gekonnt.

Herausgekommen ist eine Sammlung von qualitativ hochwertigen, spannenden, originellen Geschichten. Jeder Autor hat das Thema anders interpretiert. Mal sind es ganz konkrete Monster, denen sich die Menschen stellen müssen, mal ist es die Natur, die dem Ganzen ein böses Ende bereitet. Mal sind es die Menschen selbst, die ihre Welt mit dem giftigen Schleim einer von Dekadenz und Ungerechtigkeit gezeichneten Gesellschaft überzogen und dem Untergang geweiht haben. Motive aus Mad Max, Blade Runner oder 1984 kommen einem bei der Lektüre in den Sinn. Düster geht es zu, melancholisch, ergreifend, bedrückend, eben genauso, wie es von einer Anthologie erwartet wird, die sich "Dystopia" auf die Fahnen geschrieben hat.

Bevor ich auf die einzelnen Beiträge eingehe, muss ich unbedingt noch die Gestaltung des Buches erwähnen. Nicht nur das starke Cover von Timo Kümmel, in welchem sich wie schon in den ersten "Mängelexemplaren" die Initialen der Autoren wiederfinden, beeindruckt. Auch die Illustrationen von Julia Takagi sind erste Sahne. Takagi hat zu jeder einzelnen Geschichte ein Bild kreiert, in welchem sie genau den Geist beziehungsweise die Kernaussage der Story einfängt, ohne zuviel zu verraten. Die von Dupien handverlesenen Zitate aus jeder Geschichte, die zusammen mit den Illustrationen jeder Story vorangestellt sind, stimmen wunderbar auf die Lektüre ein. Doch damit nicht genug: das Buch bietet nicht nur ein Vorwort des Herausgebers und ein Nachwort der bekannten Bloggerin Claudia Junger. Der Leser findet außerdem nach jedem Beitrag noch eine vom jeweiligen Autor verfasste Entstehungsgeschichte, die einen interessanten Einblick hinter die Kulissen vermittelt.

Nun aber zu den Geschichten:

Tim Svart - No. 2/209/197/613

Ein ungewöhnlicher Titel und ein starker Einstieg ins Buch. Zwei Freunde machen sich in einer im Sterben liegenden Welt auf den Weg zu dem Ort, an dem sie die glücklichste Zeit ihrer Kindheit verbracht haben. Es geht um Liebe, bedingungslose Freundschaft und Opferbereitschaft. Welchen Weg geht man, wenn es keinen Ausweg mehr gibt? Übrigens wird auch das Rätsel um den kryptischen Titel am Ende aufgelöst. Die Lektüre ließ mich mit einem Kloß im Hals zurück.

Jennifer Jäger - Clara - Wissen ist Macht

Clara ist ein Klon, eine Unterste in einer düsteren Zukunft, in der aus dem bekannten Spruch "Wissen ist Macht" mehr als bittere Realität geworden ist. Denn Wissen ist zum Zahlungsmittel geworden. Die Geschichte bietet einen Einblick in ein Romanprojekt der Autorin, das sich derzeit im Werden befindet. Wir werden wohl von Clara und dieser erschreckenden, doch zugleich faszinierenden Welt, noch einiges mehr erfahren.

Uwe Voehl - Kreationen in Samt und Tod

Ein geheimnisvoller Designer kleidet nur die allererbärmlichsten Individuen einer dekadenten Gesellschaft in seine spektakulären Kreationen, was den Protagonisten, ein selbstverliebtes Mitglied der Oberschicht, schier um den Verstand bringt. Schon die Idee der "menschlichen Müllhaufen" hat mich zugleich angewidert und fasziniert. Opulent und abgefahren. Eine wirklich extraordinäre Geschichte!

D.J. Franzen - Der Nomade

Ein einsamer Reisender in einer leeren, am Boden liegenden Welt. Eine zur Festung aus Wrackteilen aufgerüstete Siedlung voller zwielichtiger Gestalten. Mad Max trifft die Borg-Königin. Da steckt ordentlich Power drin. Sehr geile Umsetzung und ein Held mit einer määächtigen Waffe!

Lisanne Surborg - Rosa Schaum

Wieder so ein ungewöhnlicher Titel, der gleich neugierig macht. Und hinter dem sich eine krasse Geschichte verbirgt. In einer nur noch rudimentär erkennbaren Gesellschaft vegetiert die junge Joker dahin, immer auf der Suche nach Wegen, an ihre Pillen zu kommen, ohne die sie nicht mehr existieren kann. Da taucht eine neue Droge auf - mit verheerender Wirkung. Dystopie und Drogen - eine fatale Mischung, die es in sich hat.

Andreas Zwengel - Souljacker

Jetzt wird es teuflisch! Cayce arbeitet für ein Inkassounternehmen der besonderen Art. Denn sie treibt nicht etwa Geld ein, sondern die Seelen der säumigen Schuldner. Ihr Auftraggeber ist nämlich niemand Geringeres als Satan persönlich, und mit dem legt man sich nicht an, oder? Eine actiongeladene, temporeiche Story, die den Leser um den ganzen Erdball führt. Filmreif!

Vincent Voss - Wellen

Alter Schwede, der Mann kann Kurzgeschichten! Wieder einmal hat mich Vincent Voss total begeistert. "Wellen" fängt verdammt krass an und steigert sich dann. Gerade der regionale Bezug (ich habe Freunde in Henstedt-Ulzburg!) macht die Story so authentisch. Nicht auszumalen, wenn so etwas wirklich passiert. Die Grundidee hat mich an den Stephen-King-Roman "Puls" erinnert, aber das ist gar nicht schlimm. Erstens ist es nie verkehrt, wenn ein Horror-Autor mit King verglichen wird. Zweitens hat Vincent seine Geschichte ganz Voss-typisch erzählt. Also ich bin längst Voss-Fan.

Regina Müller - Larventräume

Noch einer der echt abgedrehten Beiträge in diesem Buch. Menschen übertragen ihr Bewusstsein in die Körper von Ameisen, um von ihnen zu lernen, so wie die Protagonistin Lar, die eine der Probanden ist. Eine ganz außergewöhnliche Geschichte, phantastisch umgesetzt.

Arthur Gordon Wolf - Sahnesperlinge

Der Titel im Buch, der mich mit Abstand am neugierigsten gemacht hat. Selbst wenn ich jetzt verrate, dass er wortwörtlich zu verstehen ist, sagt das nichts über den Inhalt und so lange man diese Geschichte nicht selbst gelesen hat, wird man sich bei dem Titel einfach fragen: Häh? "Sahnesperlinge" ist eine unglaublich böse Geschichte über virtuelle Realität und die Psyche von Kindern, die nicht mehr in der Lage sind, Realität von Phantasie zu unterscheiden.

Michael Dissieux - Dagnin

Es ist einfach so: Dissieux kann Apokalypse. Das beweist er auch hier wieder auf eindrucksvolle Weise. Dagnin, die Titelfigur, erkrankte einst an einer Seuche, wie viele andere auch. Jahre später kann ihr Bruder, der Protagonist der Geschichte, sie nicht vergessen und glaubt daran, dass Dagnin noch am Leben ist. Eine ergreifende, sehr gefühlvoll präsentierte Endzeitgeschichte über die Liebe, die niemals erlischt. Dissieux, du alter Romantiker!^^

Xander Morus - Der Vollstrecker

Wow, was für eine geile Geschichte! Die postapokalytische Welt, die hier gezeichnet wird, ist absolut atemberaubend. Die abenteuerliche Reise von Henri und Hazard, dem Vollstrecker, auf dem Grund des ausgetrockneten Ozeans (!), vorbei an gigantischen Schiffswracks und Abgründen, die direkt in die Hölle zu führen scheinen, ist für mich eines der Highlights der gesamten Anthologie. Das mal als Graphic Novel oder gleich auf großer Leinwand, das wäre was.

Thomas Backus - Schicksal

Die definitiv kürzeste Geschichte im Buch. Sie hat wohl mehr als 100 Wörter, sodass sie doch nicht als Drabble durchgeht. Das pointierte Ende macht sie aber zu einer erfrischenden Pause für zwischendurch. Das Champagner-Sorbet in einem 7-Gänge-Deluxe-Menu.

Constantin Dupien - Das Ende

Ah, der Herausgeber ist jetzt selber dran! Trotz des Titels ist mit dieser Geschichte noch lange nicht Schluss in der Anthologie. Allerdings ist der Protagonist in Dupiens bedrückendem Beitrag mit seiner Weisheit und seinem Lebensmut so ziemlich am Ende. Schauplatz ist ein entvölkertes, im Sterben liegendes Leipzig. Ehrlich, ich war vor kurzem mal dort. Da gibt es Ecken, die ähneln sehr dem Leipzig in dieser Geschichte. Traurig, hoffnungslos und äußerst stimmig in Szene gesetzt.

Moe Teratos - Die Schrecken

Also echt mal: Wer braucht schon Zombies, wenn er es genauso gut mit den "Schrecken" von Moe Teratos aufnehmen kann? Sie tauchen plötzlich auf und überrennen die Menschheit wie eine gewaltige Heuschreckenplage. Sehr spannend, sehr brutal und actiongeladen. Noch dazu mit einer geschickt untergebrachten gesellschaftskritischen Note.

Stefanie Maucher - Ella

Wieder eine richtig toll gestaltete dystopische Welt, in die uns Maucher eintauchen lässt. Eine Seuche hat die Menschheit fest im Griff. Der wohlhabenden Elite geht es gut. Wer reich genug ist, kann sich das Heilmittel leisten. Die Betroffenen in den unter Quarantäne stehenden Bezirken haben es sehr viel schwerer. Einem Mitarbeiter der Seuchenkontrolle werden die Augen geöffnet, als er auf die ebenso hübsche wie geheimnisvolle Ella trifft.

Manfred Schnitzler - Der rote Tod

Auch hier ist eine Seuche auf dem besten Wege, die Menschheit auszurotten. Schnitzler beschreibt die Stadien der Erkrankung detailliert in all ihrer Grässlichkeit. Er hat auch einen der geilsten Sätze der ganzen Anthologie geschrieben: er beschreibt den Schauplatz, das Städtchen Jüchen als "Kaff, das schon vor der Apokalypse im Sterben lag." Eine blutige, kompromisslose Story, die mich vor allem durch den herrlich schnodderigen Erzählstil der Ich-Erzählerin Sophie mitgerissen hat. Respekt!

Markus K. Korb - Rattenjagd

Zwei sogenannte Hunter in einer Welt, die von dem Kultfilm Blade Runner inspiriert wurde. Diese Hunter sind auf der Jagd - nach Ratten, die in stillgelegten U-Bahn-Schächten tief unter der Stadt ihr Unwesen treiben. Aber sind es wirklich Ratten? Hunter Robertson, der noch neu im Geschäft ist, wirft einen genaueren Blick und macht eine erschreckende Entdeckung. Großartiges Setting, tolle Charaktere und ein schönes Ende. Da möchte man gern mehr erfahren.

Torsten Scheib - Göttersturz (Leseprobe)

Scheibs Geschichte nahm während der Entstehungsphase solche Ausmaße an, dass man sich entschied, das fertige Manuskript zu einem späteren Zeitpunkt separat zu veröffentlichen. Also wenn das Ding in voller Länge erscheint, dann muss ich es unbedingt lesen. Was für ein grandioser Auftakt. Es geht um nichts Geringeres als das Ende der Welt. Ragnarök. Ein wirklich feiner Appetithappen!

Das waren sie also, die achtzehn Geschichten. Die neunzehnte Geschichte, Nummer 5 im Buch, ist meine eigene, das dystopisch angehauchte Schauermärchen Das Schlafende Schloss. Die zu bewerten, überlasse ich anderen. Immerhin: Vincent Voss hat im Horror-Forum als kurzes Fazit zu meinem Beitrag geschrieben: "Dornröschen goes Pflanzenhorror. Ich mag sowas." Das freut mich sehr, und ich hoffe, dass ich auch andere Leser überzeugen kann.

Wer sich nun fragt: Was ist mit den Minuspunkten? Irgendwo muss doch mal Kritik kommen? Nun ja, ich wüsste nicht, wo ich die finden könnte. Bei dieser Anthologie stimmt einfach alles: toll gestaltet, Klasse illustriert, spannende, mitreißende Geschichten von einer großartigen Auswahl deutschsprachiger Autoren. Ich habe jede Geschichte mit großem Vergnügen gelesen. Also kann ich gar nicht anders als die volle Punktzahl zu vergeben!

"Mängelexemplare: Dystopia" kriegt von mir fünf von fünf Apokalypse-Survival-Packs mit Sternchen und ner Extra-Ration!

Holt es euch jetzt als eBook, Taschenbuch oder Hardcover!



Donnerstag, 27. Februar 2014

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Unglaublich: Der Januar ist längst Geschichte, den Februar können wir auch schon abhaken, denn in wenigen Tagen beginnt bereits der März 2014. Kinder, die Zeit rennt aber auch neuerdings.

Auch wenn es auf den ersten Blick ruhig um mich geworden ist, war ich alles andere als untätig im neuen Jahr. Ich will euch hier einen kleinen Überblick geben, damit ihr wisst, was euch demnächst von mir alles so erwartet.

Leipziger Buchmesse

Endlich ist es soweit: Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben zur Leipziger Buchmesse fahren. Unterkunft ist organisiert, Presseticket liegt bereit, Anreise muss noch, und ich werde mir für die eineinhalb Messetage wahrscheinlich so viel vornehmen, dass ich nicht einmal ein Viertel davon wirklich schaffe. Was die LBM für mich so reizvoll macht, sind die Menschen, die ich dort treffen werde. Zunächst einmal die Leute von der "Burg", einem kleinen, feinen Autorengrüppchen, mit dem ich mir in Leipzig eine Ferienwohnung teilen werde. Ich kenne sie bisher alle nur "virtuell" und bin ganz gespannt darauf, sie in natura zu treffen. Dann plane ich, neobooks an ihrem Stand zu besuchen. Auch der Luzifer-Verlag wird mit eigenem Stand vertreten sein. Auf den Luzifer-Boss Steffen Janssen bin ich besonders neugierig. Bisher hatten wir "nur" übers Internet und die sozialen Medien miteinander zu tun, nun aber werde ich mal persönlich bei ihm vorbeischauen. Nicht zuletzt freue ich mich auf Constantin Dupien und die Autorenkollegen und -kolleginnen der neuen Anthologie, an der ich mitschreiben durfte und die auf der LBM präsentiert werden soll.

Mängelexemplare 2: Dystopia

Das ist der Titel der neuen Anthologie. Schon in den ersten Mängelexemplaren war ich dabei. Nun habe ich auf Constantins Einladung ein dystopisches Schauermärchen verfasst, das in dem neuen Buch erstmals veröffentlicht wird. Für mich ist es eine riesige Ehre, dabei sein zu dürfen. Denn meine Anthologie-Nachbarn sind richtige Hochkaräter der deutschen Phantastik- und Horror-Szene: Michael Dissieux, Jennifer Jäger, Vincent Voss, D. J. Franzen, Moe Teratos, Stefanie Maucher, Arthur Gordon Wolf und so weiter. Ein paar von ihnen haben angekündigt, bei dem von Herausgeber Constantin geplanten Signierabendessen in Leipzig dabei zu sein. Dann sitzen wir alle irgendwo in einem netten Lokal, essen hoffentlich was Feines und schreiben unsere Autogramme in die streng limitierte Sonder-Hardcover-Spezialausgabe, die vor der regulären Veröffentlichung gedruckt wird. Das wird bestimmt ein echtes Highlight an meinem LBM-Wochenende!
Das Buch kann übrigens bereits vorbestellt werden, und zwar in der regulären Hardcover-Ausgabe und enthält 19 dystopische Geschichten, die einen äußerst düsteren Blick in die Zukunft oder - wie in meinem Fall - in eine erschreckend bedrückende Fantasiewelt werfen. Und das Cover vom begnadeten Illustrator Timo Kümmel ist der Hammer, nicht wahr?

Ich lerne was

Am Wochenende 31. Mai / 01. Juni 2014 werde ich mich in München aufhalten und an einem Autorenseminar der Textmanufaktur teilnehmen. Dozent Peter Hammans wird uns dann alles zum Thema "Spannung, Krimi, Thriller" beibringen. Hammans selbst arbeitet seit vielen Jahren als Lektor für Droemer Knaur und betreut unter anderem die Bestsellerautoren Val McDermid oder John Katzenbach.

Ich bin sehr gespannt auf dieses Seminar, das ich im vergangenen Jahr durch meinen Sieg beim neobooks-Thrillerwettbewerb gewonnen hatte. Es wird mein allererstes Autorenseminar sein, und ich bin neugierig auf die Inhalte, auf das, was ich daraus mitnehme, und auch auf die anderen Teilnehmer. Allerdings muss ich dafür auch noch einiges vorbereiten. Einfach hingehen, sich berieseln lassen und wieder abhauen ist nicht. Stattdessen wird von jedem Teilnehmer ein Textauszug sowie ein Exposé des jeweiligen Projektes erwartet, an dem er arbeitet. Zwei Wochen vor Seminarbeginn. Holla! Wenn das nicht die Gelegenheit ist, endlich meinen Mysterythriller "Vincents Treppe" vorwärtszubringen, dann weiß ich auch nicht. Auch schön: Das Seminar wird in den Räumen der Droemer Knaur Verlagsgruppe stattfinden, zu denen neobooks ja gehört.

Und sonst so?
Cover: DIABOLOS MMXIV


Ich habe in letzter Zeit viel, wirklich sehr viel gelesen. Und es stapeln sich schon die nächsten Bücher und Geschichten, dass ich mittlerweile echt Prioritäten setzen muss, was zuerst kommt. Es waren auch wieder ein paar Perlen dabei, die ich demnächst hier im Blog vorstellen möchte. Und ich weiß jetzt schon, dass eines meiner Lieblingsbücher 2014 die neue Diabolos-Anthologie aus dem Luzifer-Verlag sein wird. Ich durfte nämlich schon die ersten Geschichten daraus lesen und war schwer begeistert. Es passiert nicht sehr oft, dass mich eine Horrorgeschichte wirklich so gruselt, dass ich davon eine Gänsehaut kriege. Diabolos hat das mehrmals geschafft. Auch dieses Buch werde ich vorstellen, wenn ich es vollständig gelesen habe. Auf die Printversion müssen wir übrigens noch etwas warten, aber das eBook gibt es seit dieser Woche schon.

Dann habe ich ein paar Aufträge in Sachen Korrektorat angenommen. Kleinere Sachen, meist nur Freundschaftsdienste, aber auch die - besonders die - erledige ich mit großer Gewissenhaftigkeit. Ich darf bei so viel Engagement für andere, befreundete Autoren nur nicht meine eigenen Schreibprojekte aus den Augen verlieren. Wie schon erwähnt: Vincents Treppe wird definitiv zu Ende geschrieben - da hoffe ich, den nötigen Schwung und die richtigen Inspirationen und Tipps aus dem Seminar mitzunehmen. Eine Idee für einen weiteren Roman ist schon am Gären und wird nach und nach notiert - am Ende könnte eine Art Horror-Mystery-Chicklit-Crossover herauskommen, so zumindest fühlt es sich derzeit an.

Und dann könnte da noch demnächst ein Gemeinschaftsprojekt mit einem Autoren zu einer dystopisch angehauchten Dark SciFi Story anlaufen. Die ersten Seiten des Manuskriptes liegen mir jetzt zur Sichtung und Meinungsbildung vor. Es liest sich schon einmal gut an und macht mich neugierig.

Also, langweilig wird es mir jedenfalls nicht so schnell.