Es ist Oktober, die Lieblingsjahreszeit aller Fans von Horror und Gänsehaut. Denn am 31. Oktober ist wieder Halloween, für unsereins das schönste Fest des Jahres! Mit anderen Worten: Die perfekte Zeit für Gruselgeschichten. Und da ihr bestimmt schon alles gelesen habt, was es da draußen an schaurigen Geschichten gibt, wird es Zeit für neuen Lesestoff, nicht wahr? Wie gut, dass auch in diesem Jahr die Qindie-Autor*innen in die Tasten gehauen haben, um für Nachschub zu sorgen. Pünktlich zum Fest der Geister und Dämonen präsentieren wir euch die niegelnagelneue Bloody Qindie Anthologie:
Waldesdunkel ... klingt schon mal gut, nicht wahr? Was erwartet euch? Natürlich jede Menge schaurige, makabre, böse Geschichten, die aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sind, denn wir nehmen euch mit in den Wald.
Kommen wir direkt zum Klappentext:
Eine Autopanne, die Erinnerungen kostet …
Eine verfluchte Lichtung …
Und ein Holzfäller, der nicht tot zu kriegen ist …
Nichts ist erholsamer, als bei einem Waldspaziergang tief durchzuatmen. Aber Achtung. Eines Morgens steht der Wald vor Ihrer Tür. Und der böse Wolf wohnt nebenan. Dann hält die Dunkelheit Einzug.
Was ist, wenn Sagengestalten Besitz von Ihnen ergreifen oder Blut im Mondlicht glitzert? Auf keinen Fall möchten Sie dem Jungen begegnen, dessen Wunden alles Leben im Wald vernichten, oder als ungebetener Gast in die Feier einer Waldhexe platzen.
Zum sechsten Mal präsentiert Bloody Qindie düstere Kurzgeschichten mit Gänsehautfeeling. Lassen Sie sich von 14 Qindie-Autor:innen an fantastische Orte im „Waldesdunkel“ locken!
Wie schnell können Bäume wachsen?, fragte sich Helga, als sie an diesem Morgen aus dem Fenster blickte. Sie hielt die nur noch lauwarme Tasse mit dem starken Kaffee mit beiden Händen fest und starrte seit bestimmt zwanzig Minuten nach draußen. Wo gestern das Rapsfeld gelb geleuchtet hatte, stand nun ein Wald, und was für einer: eine dunkelgrüne Mauer aus Stämmen, Blättern, Ästen, Zweigen und wild wucherndem Unterholz. Sie begann direkt hinter ihrem Grundstück und verlief in beide Richtungen, ohne dass ein Ende zu erkennen war. So dicht standen die hohen Bäume beieinander, dass Helga von ihrem Standort am Küchenfenster nur die erste Reihe ausmachen konnte. Gleich dahinter verlor sich alles im Dunkel. Dort drinnen musste es stockfinster sein.Ein Geräusch an der Küchentür ließ Helga aufschrecken, sodass sie etwas von ihrem Kaffee verschüttete, als sie sich umdrehte. Peter schlurfte mit halbgeöffneten Augen herein, seine ausgetretenen Pantoffeln schleiften über den Boden. Die wenigen Haare standen wie ein Heiligenschein von seinem Schädel ab. Der blaue Bademantel schlackerte lose um seinen Körper, als wäre er zwei Nummern zu groß. Hager war er geworden, fand Helga. Sein Gesicht wirkte irgendwie grau. Seit sie die Diagnose erfahren hatten, war er jeden Tag ein wenig grauer geworden.Helga verfolgte ihren Mann, wie er sich an die Kaffeemaschine stellte, scheinbar blind seinen Getränkewunsch eingab und den Startknopf drückte. Er stützte sich mit beiden Händen auf der Arbeitsfläche ab, während er auf sein Getränk wartete. Café Americano, schwarz, wie immer. Für Helgas Geschmack zu dünn, aber Peter behauptete, das bekäme seinem Magen besser. Wenn es danach gegangen wäre, was gut für Peters Magen war, hätte er besser komplett auf Kaffee verzichtet. Aber die Diskussion hatte Helga längst aufgegeben. Er trank keinen Alkohol, rauchte nicht, naschte kaum, da musste sie ihm doch nicht auch noch dieses letzte kleine Laster ausreden.Mit der Tasse in der Hand trat Peter zu seiner Frau.„Guten Morgen, Schlafmütze“, begrüßte sie ihn.Peter lächelte schief und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Sein Atem roch säuerlich. Als er sich von ihr abwandte, blieb sein Blick am Fenster hängen. Seine Augen verengten sich erst skeptisch, dann wurden sie groß.„Was ist das denn?“, fragte er verblüfft.Helga blinzelte irritiert. Fast hatte sie es vergessen.„Du siehst es also auch. Das beruhigt mich dann doch“, sagte sie trocken, machte eine ausholende Geste und ergänzte: „Schatz, wir wohnen jetzt nicht mehr am Feld, sondern am Wald.“ Sie schickte ein Lachen hinterher, doch es klang gekünstelt und sie würgte es rasch ab.Peter stellte seine Tasse, von der er nur genippt hatte, langsam neben der Spüle ab.„Seit wann entstehen denn Wälder über Nacht?“, murmelte er mehr zu sich selbst. Dann öffnete er das Fenster. Kühle Morgenluft strömte herein, doch sie brachte noch etwas mit sich: den Geruch nach altem, feuchtem Holz, nach Moos und Pilzen. Es roch intensiv nach Wald. Peter atmete tief ein und stieß die Luft mit einem langgezogenen „Aaah“ wieder aus.Als er zu Helga schaute, umspielte ein spitzbübisches Lächeln seine Lippen. Wie lange war es her, dass er sie so angeschaut hatte? Abenteuerlust hatte er seit Jahren nicht mehr versprüht. Helga ahnte, was das bedeutete, und war sich nicht sicher, ob ihr das gefiel.„Lust auf einen Spaziergang?“, fragte er.
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