Sonntag, 25. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Nachts im Waschkeller

Die vierte Geschichte in "Dunkle Begegnungen" ist nach der doch sehr düsteren letzten Geschichte hoffentlich eine Erfrischung für meine Leser.

Worum geht's?

Natürlich handelt es sich vorrangig wieder um eine Horrorgeschichte. Es fließt Blut, es gibt ein Monster. Aber es gibt eine ... sagen wir: ungewöhnliche Protagonistin: Rita Meierbach, eine resolute Hausfrau, die es immer genießt, sich am späten Abend im Waschkeller ihres Mehrfamilienwohnhauses noch in aller Ruhe mit der Wäschepflege zu beschäftigen. Doch an diesem Abend ist schon jemand im Waschkeller - ihr neuer Nachbar, der weder Manieren noch Ahnung vom Wäschewaschen zu haben scheint. Und komisch riechen tut er auch ...

Wie die Geschichte entstand

Die Idee, dass sich nachts im Waschkeller etwas Gruseliges ereignet, trug ich schon länger mit mir herum. Inspiriert hatte mich der Waschkeller unseres eigenen Wohnhauses, in dem die Waschmaschinen aller Mieter standen und wo ich selbst oft genug spätabends noch die Wäsche aufhängte.

Als wir bei Qindie Anfang 2015 beschlossen, eine Horror-Anthologie zu veröffentlichen, die pünktlich zu Halloween 2015 erscheinen sollte, entschied ich, dass es diese Geschichte sein sollte. Also machte ich aus der groben Idee endlich einen konkreten Plot und schrieb die Kurzgeschichte von Rita und ihrem Abenteuer im Waschkeller. Schnell wurde mir klar, dass ich daraus keine wirklich unheimliche Story machen würde, sondern eher eine Art Horrorkomödie. Ja, der Humor kommt "Nachts im Waschkeller" nicht zu kurz, und dennoch fließt Blut und durchlebt Rita einen wahren Albtraum und muss um ihr nacktes Überleben kämpfen.

Ich habe diese Geschichte nun schon drei Mal vor Publikum vorlesen dürfen und konnte jedes Mal den Zuhörern ein Schmunzeln oder gar ein Lachen abgewinnen, also scheint das mit der Kombination aus Horror und Komik recht gut zu funktionieren. Dadurch unterscheidet sich diese Geschichte auch von allen anderen im Buch - sie ist nämlich die einzige, die ich in voller Absicht mit Humor gewürzt habe (was nicht bedeutet, dass ihr nicht auch in der einen oder anderen Story mal über eine absurde, irgendwie komische Stelle stolpern könntet).

Lesepröbchen

Achso, ihr wollt ja bestimmt noch reinlesen. Sehr gern, dann mache ich euch mal mit der guten alten Rita Meierbach bekannt ...

********************************
Rita Meierbach nahm die Fernbedienung in die Hand und stellte den Ton des Fernsehers lauter, um ihren Mann Herbert zu übertönen. Er war auf dem Sofa eingeschlafen und gab Schnarchlaute von sich, die es Rita unmöglich machten zu verstehen, was der Nachrichtensprecher sagte, da half die höhere Lautstärke auch nicht mehr.
Sie verfolgte noch den Wetterbericht, dessen bunte Grafiken sie auch ohne die erklärenden Worte der blonden Moderatorin im viel zu kurzen Rock verstand. Danach schaltete sie den Fernseher aus und stieß Herbert so lange an, bis er endlich mit lautem Schnaufen aufwachte. Er habe ja gar nicht geschlafen, behauptete er nuschelnd, er habe nur ein bisschen die Augen zugemacht. Doch er ließ sich von Rita überzeugen, nun endlich ins Bett zu gehen. Grantelnd und ohne Gute-Nacht-Gruß schlurfte er aus dem Wohnzimmer.
Rita räumte noch ein wenig auf und wartete darauf, dass die vertrauten Schnarchgeräusche aus dem Schlafzimmer ertönten. Anschließend schnappte sie ihren Wäschekorb und stieg die Treppen vom vierten Stockwerk bis in den Waschkeller hinab.
Es war schon nach zehn Uhr. Auf dem Weg nach unten begegnete ihr keine Menschenseele, aber das machte ihr überhaupt nichts aus. Im Gegenteil: Endlich herrschte Ruhe im Haus. Um ungestört Wäsche aufzuhängen, war das die beste Zeit, fand Rita. In der zweiten und dritten Etage wohnten Familien mit Kindern im Grundschulalter, die nun fest schliefen. Der Hund von Herrn Stockhaus war auch so ein Ärgernis. Manchmal wusste Rita nicht, was schlimmer war: das Geschrei der tobenden Gören, denen anscheinend niemand beigebracht hatte, dass man im Treppenhaus leise sein musste, oder dieser elende Köter, der jedes Mal bellte wie irre, wenn jemand an der Wohnungstür vorbeiging. Stockhaus wohnte im Erdgeschoss – jeder, der nach oben wollte, musste an seiner Tür vorbei, und wirklich jedes Mal schlug sein Hund Alarm.
Rita betrat den Treppenabsatz vor Stockhaus' Wohnung und machte sich auf das unvermeidliche Kläffen gefasst. Doch alles blieb ruhig. Nein, nicht ganz ruhig. Sie blieb stehen und lauschte mit angehaltenem Atem an der Tür. War das ein Winseln? Rita hatte ein solches Geräusch noch nie bei diesem Tier gehört. Dann erklang die gedämpfte Stimme von Herrn Stockhaus, der beruhigend auf seinen Hund einzureden schien. Vielleicht war der Köter krank, überlegte sie. Sie tat es mit einem Achselzucken ab und stieg die letzten Stufen ins Untergeschoss hinab.
Als ihr der zarte Duft nach Weichspüler und frisch gewaschener Wäsche vom anderen Ende des Ganges entgegenwehte, beschleunigte sie ihre Schritte und betrat den grau gefliesten Waschkeller mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. Das Geräusch des Schleudergangs ihrer treuen alten Siemens, die sich in den letzten Zügen ihres abendlichen Waschgangs befand, hieß sie willkommen. Das war ihr Reich. Hier war es immer sauber, alles an seinem Platz, alles, wie es sein musste. Das war es, was Rita am Waschkeller so schätzte.
Doch schon im nächsten Augenblick erstarb ihr Lächeln, denn heute Abend waren mehrere Dinge nicht so, wie sie sein sollten. Das Licht in dem Raum leuchtete bereits, und das lag nicht daran, dass die letzte Person, die hier gewesen war, vergessen hatte, es auszumachen. Es war von dem Mann eingeschaltet worden, der sich in der gegenüberliegenden Ecke an einer heruntergekommen wirkenden Waschmaschine zu schaffen machte.
Ritas Mundwinkel wanderten nach unten, als ihr klar wurde, dass ihre Pläne, den Tag mit einer Runde gemütlicher Wäschepflege ausklingen zu lassen, soeben von diesem Mann zunichtegemacht worden waren. Sie hatte weder ihn noch diese hässliche Waschmaschine, einen schmalen Toplader, dessen ehemals weiße Verkleidung gelbstichig und an den Rändern rostig aussah, jemals zuvor gesehen.
Er stand mit dem Rücken zu ihr über seine Maschine gebeugt und hatte sie noch nicht bemerkt.
Sie hüstelte. Sein Gesichtsausdruck, als er herumfuhr und sie anstarrte, ließ sie zusammenzucken. Er war blass, seine Wangen wirkten eingefallen, um seine stechenden, geröteten Augen hatten sich tiefe Schatten gelegt. Er sah aus, als wäre er ernsthaft krank. Außerdem schien er alles andere als erfreut zu sein, plötzlich Gesellschaft bekommen zu haben.

***********************************
So, und an dieser Stelle überlassen wir die beiden mal sich selbst. Wie, ihr wollt jetzt aber wissen, wie es weitergeht? Na gut, aber das macht ihr dann am besten im E-Book oder im Taschenbuch. Ihr wisst ja, die Dinge brauchen Ordnung.

Keine Kommentare: