Samstag, 24. Februar 2018

Darf ich vorstellen: Die letzte Reise

Die dritte Geschichte in meinem Sammelband "Dunkle Begegnungen" trägt den Titel "Die letzte Reise" und hat dabei selbst eine ziemlich lange Reise hinter sich.

Worum geht's?

Zu viel möchte ich nicht verraten, denn es handelt sich hier um ein Kammerspiel mit nur einem einzigen Protagonisten: Ein Mann begibt sich auf die letzte Reise seines Lebens ans Ende der Welt - ans sprichwörtliche Ende der Welt. In tagebuchartigen Sequenzen erzählt er uns, was er dort erlebt und wie es ihm dabei ergeht.



Wie die Geschichte entstand

Es ist die wohl mit Abstand düsterste, ernsteste und deprimierendste Geschichte im Buch, aber ich mag sie sehr. Wie schon erwähnt, liegt ein langer Weg hinter diesem Text. Alles begann vor ein paar Jahren in einer kleinen Autorengruppe, deren Mitglieder ich über Bookrix kennengelernt hatte. Wir hatten dort regelmäßig einen Wettbewerb, ein Duell, bei dem zwei Autoren zu einem Thema gegeneinander antraten und alle anderen Mitglieder anschließend die zwei entstandenen Texte bewerteten und darüber entschieden, wer das Duell gewonnen hat. Aus so einem Duell entstand diese Geschichte. Ich meine mich zu erinnern, dass die Vorgabe lautete, es sollte wie ein Tagebuch verfasst sein und dürfte nur eine Person enthalten, nämlich den Protagonisten, und es sollte ins Genre Fantasy hineinpassen - weitestgehend. Bei mir entstand diese düstere Science-Fiction-Story, die ich zunächst unter dem Titel "Endstation" laufen ließ, und ich gewann damit das Duell.

Irgendwann kam ich auf die Idee, mit genau dieser Geschichte am MDR Literaturpreis teilzunehmen. Da die dort eingereichten Texte aber maximal 10.000 Wörter enthalten durften, musste ich knallhart kürzen. Dabei flog unter anderem der typische Tagebuchstil raus, und ich änderte den Titel in "Die letzte Reise". Ich nahm am Wettbewerb teil, kam aber keine einzige Runde weit. Man kann eben nicht jeden Wettbewerb gewinnen. 2015 kam ich mit einer größeren Autorenrunde auf Facebook in Kontakt, dem Autorennetzwerk. Dort entstand die Anthologie "Hinter den Kulissen", deren Erlös einem guten Zweck zugehen sollte. Ich beteiligte mich mit meiner Geschichte, weil ich die Idee, die hinter dieser Anthologie stand, gut fand, aber wie das oft mit solchen Projekten ist - sie erhielt nicht allzu viel Aufmerksamkeit da draußen. Ich vermute, dass kaum jemand meine Geschichte bisher gelesen hat.

Nun also ist meine Geschichte hoffentlich am Ende ihrer Reise angekommen und hat ihren Platz in meiner eigenen Kurzgeschichtensammlung gefunden. Ich hoffe, ihr mögt sie genauso wie ich.

Lesepröbchen

...gibt es natürlich auch hier wieder. Ich habe den Anfang gewählt, denn der kommt schon mal ziemlich gewaltig daher. Viel Spaß!

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Die Welt liegt im Sterben und lässt mich dabei zusehen. Sie veranstaltet ein gewaltiges Spektakel, bietet alles auf, was sie hat, als wolle sie mich beeindrucken. Mich, ihren einzigen Zuschauer. Ich bin der letzte Mensch auf Erden.
Man hatte mir vor meiner Reise nicht viel darüber verraten, wie es am Ende der Welt aussieht. Was hätten sie mir auch erzählen sollen? Exakte Berechnungen anstellen ist das eine, aber etwas völlig anderes zu sehen, zu fühlen, wie es wirklich ist.
Direkt nach meiner Ankunft war ich so geschockt, dass ich mehrere Male in Ohnmacht fiel. Eine Beule am Kopf und ein verblasstes blaues Auge zeugen davon. Niemand kann etwas dafür, dass es so endet. Ich wusste das ja schon: Dass die Welt eines Tages untergehen wird. Nur ist es trotzdem schwer zu ertragen, wenn man zum ersten Mal so unmittelbar damit konfrontiert wird. Mittlerweile kann ich aus dem Fenster meiner Kapsel blicken, ohne die Fassung zu verlieren.
Als ich mich für den Trip in die ultimative Hölle entschied, hatte ich keine Ahnung, worauf ich mich einließ. Das ist mir jetzt klar. Obwohl ich nicht der erste Zeitreisende bin, hat es bisher keinen Augenzeugenbericht gegeben, nur die Bestätigung von Final Trip Inc., dass ihre Berechnungen stimmten und sie alle Reisenden stets wohlbehalten und in einem Stück an ihrem Ziel abgegeben hätten. Nie kam einer zurück. Sie hatten alle die Wahl: Bleiben und sterben oder heimkehren und trotzdem sterben.
Ich befinde mich im Auge eines gigantischen Sturms und wandere mit ihm um die Erde. Dieser Sturm war schon da, als ich ankam, und wird sich bis zum Ende halten. Oft zucken Blitze durch die kilometerhohen Wolkenwände, die sich in einem perfekten Kreis um mich drehen, und lassen sie in atemberaubender Schönheit aufleuchten. Die Luft steht unter Spannung und ist erfüllt von stetem Donnergrollen.
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Es ist laut am Ende der Welt, ohrenbetäubend laut. Aber ich bin hier drinnen in Sicherheit. Meine Kapsel hält das alles bestens aus. Sie reduziert den Lärm der Apokalypse auf ein erträgliches Maß. Sie ist eine perfekte Kugel mit dicken Wänden und winzigen Fenstern aus stabilem Glas. Eine Steuerkonsole regelt alles automatisch. Es gibt sonst nicht viel zu tun. Nur warten, schlafen, aus dem Fenster schauen und die Monitore beobachten.
Ich habe genug Lebensmittel, Treibstoff und Sauerstoff, um es hier noch gut drei Monate auszuhalten. Ich hoffe aber, dass es keine drei Monate mehr sind. Noch geht es mir einigermaßen gut. Doch was, wenn die Wirkung meiner Medikamente nachlässt? Oder wenn sich ganz andere Probleme auftun, mit denen ich gar nicht gerechnet habe?
Okay. Ich bin hergekommen, um zu sterben, aber bitteschön nicht an Hunger oder Durst oder meiner verdammten Krankheit. Wenn es soweit ist, soll es die Erde selbst sein, die mich in ihren brennenden Schoß aufnimmt.
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Wenn ihr bis hierher gelesen habt, möchtet ihr vielleicht weiterlesen? Das könnt ihr gerne tun - als E-Book oder als Taschenbuch.
Über euer Feedback würde ich mich wie immer sehr freuen!

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