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| Auch das Cover ist ein Träumchen! |
Ich habe hier einen Geheimtipp, der eigentlich kein Geheimtipp mehr sein sollte. Zumindest in den Dunstkreisen, in denen ich mich bewege, erfreuen sich die Geschichten aus der Feder des österreichischen Autors Erik R. Andara stetig wachsender Beliebtheit. Sein Roman "Im Garten Numen" hat es sogar jüngst auf die Shortlist des Vincent Preises geschafft als einer der fünf besten Romane national (okay, national umfasst hier den gesamten deutschsprachigen Raum). Und genau dieses Buch habe ich gestern zu Ende gelesen und möchte es euch heute wärmstens empfehlen.
Horror im österreichischen Hinterland
Darum geht's: Simon, ein Ex-Junkie, reist nach Fugenschlag, ein verlassen wirkendes Dorf im österreichischen Waldviertel, wo er nach seiner vermissten Tochter Katharina sucht. Das Mädchen war in den benachbarten Bruchhof, eine Entziehungseinrichtung für drogenabhängige Jugendliche, zur Therapie eingewiesen worden und von dort spurlos verschwunden. Alle, der zuständige Kaplan Horak, die Gastwirtin Frau Huber, der schweigsame Hans oder die anderen Jugendlichen vom Bruchhof, stellen Simon vor ein Rätsel nach dem anderen. Sie scheinen sehr genau zu wissen, was mit Katharina passiert ist, das ist Simon schon bald klar. Wie sehr von Gott verlassen diese Gegend ist, soll Simon bald herausfinden, als er beginnt, Nachforschungen anzustellen und versucht, hinter die Kulissen zu schauen. Denn dort lauern die nachtschwarzen Pfade auf ihn, und Simon weiß, dass er sie betreten muss, um Katharina zu finden, er weiß aber auch, welchen Preis das fordert, denn auf jenen Wegen in der Finsternis ist er bereits gewandelt und schon einmal fast verlorengegangen ...
Kommt langsam, aber gewaltig
Ich habe tatsächlich eine Weile gebraucht, um mit der Geschichte selbst als auch mit dem Stil von Andara warmzuwerden (letzteres liegt vielleicht daran, dass ich noch nicht viel von österreichischen Autoren gelesen habe und hier einfach ein paar Wörter so nicht kannte). Zwar werden von Anfang an Andeutungen gemacht, erlebt Simon schon ein paar merkwürdige Dinge, aber der echte Grusel beginnt für mich gefühlt erst relativ spät, nämlich mit der Szene in der unterirdischen Kirche und der dort abgehaltenen Messe. Dennoch liest sich das Buch von Anfang an angenehm flüssig und lädt Seite für Seite ein, weiterzublättern und tiefer in dieses Fugenschlag und seine seltsame Geschichte einzutauchen. Auf geschickte Weise hat der Autor hier sehr moderne, aktuelle Themen wie Drogensucht und Beziehungsprobleme mit uralten Mythen und einer Art von Horror verwoben, die sicher nicht unbeabsichtigt an den kosmischen Horror von Lovecraft erinnert. "Im Garten Numen" ist für mich das erste wirklich gruselige Leseerlebnis seit langem, weil hier die Atmosphäre, die mir Gänsehaut auf die Arme treibt, perfekt in Szene gesetzt worden ist.
Ich drücke Erik R. Andara für sein Buch beide Daumen für den Einzug aufs Siegertreppchen beim Vincent Preis. Von mir bekommt es jetzt schon einmal 4,5 von 5 Tassen lecker Nachtkerzentee.

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