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Montag, 3. August 2020

Buchtipp: "German Kaiju" - Eine wahrhaft monströse Anthologie

Jetzt erkläre mir bitte jemand, wie es passieren konnte, dass das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, seit seinem Erwerb auf der Leipziger Buchmesse 2019 auf meinem Stapel ungelesener Bücher vor sich hindümpelte, bevor ich es im Sommer 2020 - über ein Jahr später - endlich aufschlug und zu lesen begann. Da habe ich die ganze Zeit einen wahren Schatz Staub ansetzen lassen! Aber zum Glück haben Bücher kein Ablauf- oder Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses hier las sich jedenfalls ganz frisch und flott. Ihr merkt schon, das wird wieder eine Lobhudelei. Ich erhebe das Glas auf:

"German Kaiju"

Herausgeber Markus Heitkamp hat, wie er im Vorwort berichtet, schon immer ein Faible für riesige, Städte zertrampelnde Monster wie Godzilla gehabt - Fachbegriff "Kaiju" - und kam irgendwann auf die Idee, daraus eine Anthologie zu machen. Verleger Marc Hamacher vom Leseratten-Verlag war anscheinend bekloppt oder mutig genug, das Projekt gemeinsam mit ihm anzugehen. Heitkamp scharte eine wackere Truppe von Autoren  um sich, die in der Lage waren, aus der Idee, Kaijus in Deutschland wüten zu lassen, passende Stories zu machen. Mit Christian Günther stieß ein begnadeter Künstler zum Team, der für das Cover und zu jeder einzelnen Geschichte das passende Bild erschuf. Auf der Leipziger Buchmesse 2019 wurde das Buch präsentiert. Da wusste ich schon, dass ich es unbedingt haben wollte.

Ich sage euch, es ist ein richtiges Schmuckstück geworden. Nicht nur das geniale Cover, das perfekt auf die Geschichten einstimmt, auch der in rot gehaltene Buchschnitt macht richtig was her. Es gibt drei (in Zahlen: 3!) Vorworte, zu jeder Geschichte gibt es eine eigene Illustration des jeweiligen Monsters sowie ein Foto und eine Kurzvita.

Aber all das ist natürlich nur hübsche Dekoration, die wirkungslos verpuffen würde, wenn der Inhalt nicht gut wäre, doch darum muss sich niemand Sorgen machen. Der Inhalt ist mega und hat das Versprechen des Slogans "Deutschlands größte Anthologie", mit dem das Buch beworben wurde, absolut erfüllt. Kommen wir also zu den einzelnen Geschichten.

Thomas Heidemann: Nakama, der Schrecken vom Mond
Nazis, riesige Kampfroboter und eine hartgesottene Soldatin. Ein furioser Einstieg ins Buch mit Pauken und Trompeten. Es wurde auch direkt die Stadt plattgemacht, in der ich arbeite: Frankfurt am Main.

Wolfgang Schroeder: Chaodoru - Das Grauen aus der Tiefe
Wisst ihr noch, der Berliner Flughafen, der nie fertig wurde? Er wird hier zum Schauplatz, und ohne zu viel verraten zu wollen, aber nach den Ereignissen in dieser Geschichte könnte sich die Eröffnung noch einmal um ein paar Jahrzehnte verschieben.

Tom Daut: Der Keim
Es wird noch spektakulärer, denn hier gilt die Devise: Ein Kaiju kommt selten allein. Dem Ruhrgebiet bekommt dieses monströse Duell nicht besonders gut. Übrigens spielt die Story im Jahr 1977 - meinem Geburtsjahr.

Torsten Scheib: Symbiogenese
Diese Geschichte stinkt zum Himmel. Im wörtlichen Sinn, denn hier erwacht ein Müllberg zum Leben und verschlingt alles, was sich ihm in den Weg stellt. Eine Kaiju-Variante mit einem außergewöhnlichen Monster und erstaunlich kritischen Untertönen - das hätte ich so in dieser Anthologie gar nicht erwartet.

Thomas Williams: Frankensteins Raketenmonster im Blutrausch
Ist nicht schon der Titel herrlich bescheuert? Auf kompromisslose Weise und immer mit diesem für Williams typischen Augenzwinkern wird hier Bielefeld in Schutt und Asche gelegt. Also falls noch jemand sich fragt, was an der Bielefeld-Verschwörung dran ist: Nach dieser Geschichte existiert die Stadt definitiv nicht mehr.

Hanna Nolden & Markus Heitkamp: Hansebiker gegen Mutant X
Der Herausgeber hat zusammen mit seiner Partnerin meine Lieblingsstadt Hamburg zerstört. Erzählt wird das Ganze aus Sicht einer Gruppe von kleinkriminellen Bikern, die sich unterhalb der Köhlbrandbrücke an ihrem Clubhaus treffen. Ich habe mich köstlich über die hanseatische Gelassenheit amüsiert, mit der sie die Geschehnisse wahrnehmen und kommentieren. Und zum Glück hat der Kasten mit dem Astra überlebt, da waren erst drei Flaschen raus, und Pfand war ja auch noch drauf.

Simona Turini: Flammen über Karlsruhe
Nun geht es nach Karlsruhe. Und irgendwie hat es Simona geschafft, die Legende um den Heiligen Gral, die Zerstörung der Stadt und ein gigantisches Insektenmonster unter einen Hut zu bringen. Eine düstere Liebeserklärung an die Stadt Karlsruhe.

Finley "Gun" McKinley: Saibotoru greift an
Nicht alle Monster kamen einfach so aus dem Nichts. Dieses hier wurde von Menschen geschaffen und nimmt die Bodensee-Region auseinander. Mir gefiel der knackig-militärische Stil dieser actiongeladenen Geschichte.

Markus Kastenholz: Die Großen Alten
Wer hier jetzt Horror à la Lovecraft mit Cthulhu-Kult und dunklen Beschwörungen erwartet, der ist auf dem falschen Dampfer. Staufen erlebt einen epischen Kampf der wohl außergewöhnlichsten Kaijus der ganzen Anthologie: Plitsch-Platsch vs. Kunigunde. Spoiler: Staufen war nur der Anfang. Kastenholz geht hier an die Grenzen der Zerstörung - und dann einfach weiter und immer weiter. Ein würdiger Abschluss für Deutschlands größte Anthologie.

Moment, Abschluss? Was ist das dann am Ende des Buches für ein komischer eingeklebter Umschlag? Drauf steht "Nur im Notfall öffnen!" Na super, was soll das dann jetzt? Ich finde ja, spontane Neugier und die Sicherheit, nie wieder einschlafen zu können, wenn ich nicht weiß, was in dem Umschlag steht, ist Notfall genug. Natürlich habe ich nachgeschaut. Drin steckten zwei dicht mit Schreibmaschine bedruckte, mit Kaffeeflecken verzierte Blätter, die die Lebensbeichte eines Hausmeisters enthalten, der ... ach nein, ich kann euch jetzt doch nicht alles verraten! Außer vielleicht, dass Christian von Aster diesen kleinen Bonus für euch aufgeschrieben hat, nur damit ihr schon mal ahnt, was da auf euch wartet. Ich fand das echt genial - wie die versteckte Bonusszene am Ende eines Marvel-Films.

"German Kaiju" ist eine großartige Anthologie, ich hatte richtig Spaß mit diesem Buch und empfehle es sehr gerne weiter.

Von mir gibt es 5 von 5 plattgemachten deutschen Großstädten!

Wo ihr das Buch herbekommt? Am besten direkt im Online-Shop des Leseratten Verlags

Sonntag, 26. Juli 2020

Buchtipp: "Hinter den Winkeln" von Fred Ink

Ich habe im diesjährigen Sommerurlaub wieder etwas mehr Zeit zum Lesen gehabt. Drei Bücher sind es geworden, und alle drei haben mir so gut gefallen, dass ich sie euch nacheinander vorstellen und ans Herz legen möchte. Hier kommt Buchtipp Nr. 1:

"Hinter den Winkeln" von Fred Ink

Ich bin schon seit längerem ein Fan von Fred Ink und seinen unglaublich guten Horrorgeschichten. Als er in diesem Jahr ein neues Buch ankündigte, war klar, dass ich es unbedingt haben muss. Und dann ergab es sich sogar, dass Fred mir das Buch mit persönlicher Widmung schenkte - wie konnte ich da Nein sagen? 

Ob es mir gefallen hat? Aber sowas von! "Hinter den Winkeln" ist ein rundum gelungener Horror-Roman, der Liebhabern der unheimlichen Phantastik wie mir alles bietet, was man sich wünschen kann. Noch dazu bietet das Buch sogar vier Geschichten in einer. Denn der Autor stellt uns anfangs vier Personen vor, die von Grund auf nicht unterschiedlicher sein könnten und die alle ihren ganz eigenen Horror erleben, als das Böse versucht, in unsere Welt einzudringen.

Da ist Walter, ein mehr oder weniger erfolgloser Privatdetektiv, der das Unglück anzuziehen scheint wie das Licht die Motten. Bei einem Auftrag stößt er auf ein geheimnisvolles Buch, dessen Spur ihn bis in die seltsame Stadt Arkham (!) führt. Da ist Agnes, die schüchterne Bestsellerautorin, deren letztes Manuskript ein beunruhigendes Eigenleben entwickeln zu scheint - und dabei kann sie sich nicht einmal erinnern, dieses überhaupt geschrieben zu haben. Die Söldnerin Florence gerät im tiefsten südamerikanischen Dschungel mit einer Kreatur aneinander, mit der sie eine Rechnung offen hat, doch auf der Jagd nach dem Wesen stößt sie auf das unvorstellbare Grauen. Zu Guter Letzt wäre da Mark, der auf den ersten Blick ein armer Irrer ist - auf den zweiten Blick bildet er sich jedoch nicht nur ein, dass alles, was er berührt, stirbt - es passiert tatsächlich. Gemeinsam mit seinem dämonischen Freund Menelaos, den natürlich niemand außer ihm wahrnehmen kann, muss er sich auf den Weg in die Welt "hinter den Winkeln" machen, um den Kampf gegen das Böse aufzunehmen.

Alle vier Schicksale werden im Wechsel erzählt, und nach und nach enthüllt sich das große Ganze. Auf dem Weg ins Finale erlebt man eine wahre Achterbahnfahrt -  oder eher die rasante Fahrt durch eine Geisterbahn? Action, Grusel, Abgründe, Blut und Gedärme, düstere Geheimnisse, Dämonen, Monster und die sprichwörtlichen Großen Alten, die uns faszinieren, seit H.P. Lovecraft uns zum ersten Mal von ihnen erzählte - alles ist in knapp 260 Taschenbuchseiten enthalten.

Die Lektüre bescherte mir jede Menge Gänsehaut, einen kurzen Moment der Wiedersehensfreude, auf den ich an dieser Stelle nicht näher eingehen werde, und entlockte mir hier und da ein amüsiertes Grinsen, besonders, wenn Mark es plötzlich mit einer Armee sprechender Katzen zu tun bekommt. Erwähnte ich, dass dieses Buch eine richtige Wundertüte ist?

Fred Inks neuester Roman hat mich wieder auf ganzer Linie begeistert, ich kann ihn nur wärmstens empfehlen. Wenn ihr auf monströsen Horror steht, Crossover zu Genres wie der Science Fiction mögt und Spaß an Lovecraftscher Gruselatmosphäre habt, dann taucht doch auch mal in die düster-phantastische Welt von "Hinter den Winkeln" ein.

Ich verleihe feierlich fünf von fünf blutbesudelten, faustgroßen Rubinen!

Ach ja, ihr wollt das Buch jetzt bestimmt alle sofort haben, nicht wahr? Hier gibt es das Taschenbuch, hier das E-Book. Also ran da!


Sonntag, 15. März 2020

Vincent Preis 2019 - Das ist die Shortlist

Die Urkunde VP 2019
Anfang März wurden die Shortlists für den Vincent Preis, einen weiteren meiner Lieblingsliteraturpreise, bekanntgegeben. Alle Kandidaten inklusive Informationen über die abgegebenen Stimmen findet ihr hier.

Ich gebe zu, viele der nominierten Bücher und Geschichten habe ich noch gar nicht gelesen. Ich kenne "Infiltriert" von Vincent Voss und seit kurzem "Im Garten Numen" von Erik R. Andara, beide stehen auf der Shortlist für Bester Roman National. Beiden drücke ich schon einmal die Daumen.

Von den nominierten Anthologien liegt zumindest "German Kaiju" von Herausgeber Markus Heitkamp auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Bei den nominierten Grafiken ist ja das Cover zu "Undinenblut" von Christian Pick mein Favorit - das könnte ich mir stundenlang anschauen, dabei besitze ich das Buch (leider) noch gar nicht.

Bis zum 30.04.2020 können jetzt die Stimmen für die Endrunde abgegeben werden. Traditionell werden die Gewinner auf dem Marburg Con verkündet - so er denn stattfindet, was ja in der aktuellen Situation und zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemand sagen kann. Ob auch ihr abstimmungsberechtigt seid und wie die Abstimmung funktioniert, könnt ihr hier nachlesen.

Wie auch immer, ich finde, diese Shortlists ebenso wie die Longlists aller im Jahr 2019 erschienenen Werke der dunklen Phantastik bieten jede Menge Input für alle, die derzeit bei der Aktion #buecherhamstern mitmachen und durch ihren Kauf neuen Lesestoffs die vielen Kleinverlage und Selfpublisher unterstützen, die jetzt nicht nur aufgrund der abgesagten Leipziger Buchmesse eine harte Zeit durchmachen.

Vergesst also bitte bei euren Hamsterkäufen nicht, dass ihr für die Shutdown-Phase auch noch Bücher braucht! ;-)

Dienstag, 3. März 2020

Aus der Traum - die LBM 2020 wurde abgesagt

Ich hatte es befürchtet und seit Beginn dieser Woche stündlich mit einer solchen Nachricht gerechnet: Die Leipziger Buchmesse 2020 findet nicht statt. Zuerst erfuhr ich es aus einer Meldung in der Leipziger Volkszeitung. Kurz darauf bestätigte es die LBM zuerst via Twitter und danach schließlich auch auf der Website und per Pressemitteilung, die ich hier mit euch teilen möchte.


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Die Leipziger Buchmesse, die Frühjahrsschau der deutschen Buchbranche, findet nicht wie geplant vom 12. bis 15. März statt. Gleiches gilt für das im Verbund stattfindende Lesefest Leipzig liest und die Manga-Comic-Con.

Das Gesundheitsamt Leipzig ist der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums gefolgt, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Es empfahl dringend, dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen muss, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben. Das ist angesichts von rund 2.500 Ausstellern und rund 280.000 erwarteter Besucher nicht sicherzustellen. Die Stadt Leipzig und die Leipziger Messe beschlossen daher die Absage.
 
„Die Gesundheit unserer Bürger und der Stadt steht für uns an erster Stelle“, betont Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. „Die Entscheidung über die Absage der Leipziger Buchmesse wurde auf Grundlage der Empfehlung der zuständigen Fachbehörden getroffen. Sie allein verfügen über die notwendigen Fachkenntnisse und Kompetenz zur Lagebeurteilung.“
 
„Sicherheit geht vor“, sagte Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Die Leipziger Buchmesse ist ein Fixpunkt der deutschsprachigen Literatur, ein Höhepunkt im Messekalender der Buchbranche. Vor diesem Hintergrund haben wir seit Ausbruch von Covid-19 laufend unsere Sicherheitsvorkehrungen auf dem Messegelände erhöht, um die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Doch angesichts der aktuellen Situation schätzen wir im Einklang mit der Stadt Leipzig das Risiko für die Gesundheit unserer Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter bei der Leipziger Buchmesse als zu groß ein.“
 
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse: „Wir bedauern zutiefst, dass wir diesen Schritt gehen und die beiden Messen absagen müssen. Solch eine schwere Entscheidung mussten wir in den letzten sieben Jahrzehnten der Leipziger Buchmesse noch nie treffen. Sie ist bitter für uns und für die gesamte Buchbranche. Ich danke allen Ausstellern, Partnern und Besuchern, die uns die Treue halten. Wir bitten sie jetzt um Verständnis und wir freuen uns, wenn wir uns zur nächsten Leipziger Buchmesse vom 18. bis 21. März 2021 wiedersehen.“
Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte: „Unser Ziel ist es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen. Dafür gilt es, konsequent, präventiv und verantwortungsbewusst zu handeln. Die Leipziger Buchmesse ist Treffpunkt für hunderttausende Menschen aus der ganzen Welt. Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor.“
 
Gesundheitsministerin Petra Köpping sagte: „Die Absage der Buchmesse ist eine sehr traurige, aber richtige Entscheidung. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht vor. Die Entscheidung zeugt von großer Verantwortung für die Besucher, Autoren und Verleger, um vor der Ausbreitung des Coronavirus zu schützen. Auch wenn die Absage der Buchmesse sehr schmerzt, Leipzig ist und bleibt eine international bedeutsame Buchstadt. Ich hoffe sehr auf das Verständnis der Lesefreunde, die sich auf die Messe gefreut haben.“
 
Das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig verweist auf die aktuelle Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, das die Risikobewertung für die Weiterverbreitung des Coronavirus am Montag von „gering bis mäßig“ auf „mäßig“ angehoben hat. Es handele sich um ein neuartiges Virus, dessen Eigenschaften noch erforscht werden müssen. Bisher ist bekannt, dass auch Menschen ohne Krankheitszeichen das Virus übertragen können. Das mache Präventionsmaßnahmen bei Großveranstaltungen sehr schwierig.

 
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Tja. Ich bin hin- und hergerissen. Tatsächlich fing ich inzwischen auch an, mit mir zu hadern und mich zu fragen, ob es wirklich so klug wäre, trotz der sich immer weiter ausbreitenden Coronavirusepidemie nach Leipzig zu fahren. Die Buchmesse war schon immer eine Brutstätte. Ich erinnere mich noch, wie vor zwei Jahren neben der ärgerlichen Wettersituation (Leipzig wurde von Schneemassen begraben) ein Magen-Darm-Infekt umging und allein in unserem Qindie-Messe-Team zeitweise mehr als die Hälfte deswegen ausfiel. Ich blieb jedoch bisher immer verschont und habe nie auch nur einen Schnupfen von einem meiner Messebesuche mitgebracht. Dennoch stand und steht das Risiko der Ansteckung und vor allem der Übertragung auf andere, weniger gesunde und deshalb leichter anfällige Mitmenschen im Raum. Und so mischt sich in meine Enttäuschung auch ein wenig Erleichterung darüber, dass mir die Entscheidung abgenommen worden ist.

Buchmesse-Blues ohne Buchmesse - das ist neu.


Nun ist es also, wie es ist. Und die Buchszene zeigt sich nach dem ersten Schock von ihrer liebenswertesten Seite: Gemeinsam wird nach Alternativen gesucht. Eine Online-LBM soll organisiert werden, Plattformen wie Skoutz oder Schreibnacht.de wollen Aktionen am Messewochenende anbieten, und eine besondere Aktion ist bereits in vollem Gange: Unter dem Hashtag #buecherhamstern vernetzen sich Verleger*innen, Autor*innen und Selfpublisher*innen seit den Nachmittagsstunden, um Bücher zu empfehlen. Interessierte finden unter diesem Hashtag auf Twitter, Instagram, Facebook & Co. jede Menge Tipps vor allem rund um ebenjene Neuerscheinungen, die nun ohne den besonderen Marketingpush der Buchmesse das Licht der Buchwelt erblicken und es damit wesentlich schwerer haben, Aufmerksamkeit und Käufer*innen zu finden. Der Hashtag ging schon ordentlich viral und schaffte es zwischenzeitlich in die Top 10 der Trendthemen auf Twitter.

Also ihr wisst Bescheid: Wenn ihr (vor allem) die Kleinverlage und Selfpublisher*innen, für die die Absage der LBM einen riesigen finanziellen Einschnitt bedeutet, unterstützen wollt, dann kauft doch ein, zwei oder gerne mehr Bücher direkt in deren eigenen Online-Shops oder bei ihnen persönlich. Ihr hättet diese Bücher bestimmt sowieso auf der LBM gekauft, oder?

Ich werde jetzt auch gleich noch #buecherhamstern und euch später berichten, welche Schätze ich so gefunden habe.

Die Leipziger Buchmesse findet nicht statt, aber das Lesen, die Bücher, die Freude an Geschichten, die bleiben weiterhin bei uns. Lasst sie uns feiern!