Meine persönliche Best-of-Zombie-Books-Liste hat einen Neuzugang zu vermelden. Das Buch erschien bereits 2010 erstmals auf Deutsch und dümpelte eine ganze Weile auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Im Sommer dieses Jahres beschloss ich, dass es endlich wieder Zeit für eine Zombiegeschichte war. Also griff ich zu "Totes Meer" und war ziemlich begeistert.
Zombies überall
Die Zombie-Apokalypse beginnt hier fast schon traditionell: Rattenbisse verwandeln Menschen in fleischfressende, wandelnde Leichen. Erst nur vereinzelt, dann werden es immer mehr. Weil es mit Ratten anfängt, bekommt die Seuche den klangvollen Namen Hamelns Rache. Es dauert nicht lange, und die Ereignisse überschlagen sich: Überall werden aus Menschen lebende Tote, die alles jagen, was noch ein schlagendes Herz hat. Vor nichts und niemand macht es halt, kein Ort scheint mehr sicher. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe Überlebender schafft es, sich auf einem alten, aber immer noch funktionierenden Museumsschiff aus dem brennden Baltimore aufs offene Wasser zu retten, doch wohin sollen sie sich wenden? Und was, wenn es Hamelns Rache ebenfalls an Bord geschafft hat?
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Lamar, der sich plötzlich als einer der letzten Überlebenden Baltimores mit einer wahren Flut Untoter konfrontiert sieht. Gleich in der ersten Szene des Buches steckt er so tief im Schlamassel, dass es eigentlich nicht mehr viel tiefer gehen kann. Aber natürlich kommt es schlimmer. Viel schlimmer. Richtig schlimm.
Mein Eindruck
Brian Keene hat für seinen Roman das Genre nicht neu erfunden, er hat jedoch ein paar unschöne, aber äußerst spannende Spielregeln hinzugefügt. Ich möchte nicht spoilern, aber so ein Zombievirus findet nicht nur Gefallen an Menschen und Ratten, und so kommt es immer wieder zu drastischen, actiongeladenen Szenen, in denen die Überlebenden nicht nur gegen menschliche Zombies kämpfen müssen.
Außerdem hat Keene mit Lamar einen wirklich sympathischen Protagonisten erschaffen, dessen Schicksal mich mitnahm und mitleiden ließ, und das auch ohne den Zombie-Bonus. Denn Lamar hat schon, bevor Hamelns Rache über das Land kam, am Rand der Gesellschaft dahinvegetiert und sowieso jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen. Arm, arbeitslos, friedfertig, schwarz und schwul, all das lässt Lamar zunächst wie das garantiert nächste Opfer eines hungrigen Zombies wirken - oder eines homophoben Rassisten, dem Lamars freundliche Visage nicht passt. Aber er beißt (beißt ... hihi) sich ein ums andere Mal durch, hilft anderen und wächst immer wieder über sich und seine eigenen inneren Dämonen hinaus.
Abzüglich aller Gesellschaftskritik und sonstiger äußerst aktueller Thematiken ist "Totes Meer" in erster Linie aber immer noch ein spannender, deftiger und angemessen blutiger Zombie-Roman in einer klaren, einfach gehaltenen Sprache, die diese Art von Geschichte genau richtig vorantreibt.
Und weil ja viele besonderen Wert auf den ersten Satz legen - mich eingeschlossen - präsentiere ich hier mal den ersten Satz aus "Totes Meer" - der sitzt auf jeden Fall, würde ich sagen:
"Ich erschoss die Schlampe erst, als sie anfing, Alans Gesicht zu fressen."
Ich jedenfalls vergebe sehr gern 5 von 5 beißwütigen Zombieratten!
