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Freitag, 27. Oktober 2023

BuCon und Frankfurter Buchmesse 2023 - Kleiner Rückblick

Fast eine Woche ist es schon wieder her, dass ich mich kopfüber ins Buchmessegetümmel gestürzt habe. Da ich direkt danach die hessische Herbstferienwoche für einen Wellnessausflug mit der Familie genutzt habe, komme ich erst heute, gut erholt und ausgeschlafen, dazu zurückzublicken.

Frankfurter Buchmesse

Am Freitag ging es für mich zur FBM. Ich hatte das Glück, ein Fachbesucherticket zu bekommen (danke an den Alea Libris Verlag!), und konnte schon vormittags aufs Messegelände. Als ich nämlich gegen 14 Uhr in der Zwischenebene von Halle 3 runter in den Eingangsbereich blickte, entdeckte ich dort eine richtig große Menschentraube - ab 14:30 Uhr öffnete die Messe für Privatbesucher, und gefühlt waren die meisten schon dort und bereit, die Hallen zu stürmen. Am Nachmittag wurde es zumindest in Halle 3.0 auch extrem voll, wobei ich von genügend Berichten über den Messesamstag weiß, dass ich nur einen Vorgeschmack auf das Chaos erlebt hatte - der aber hatte mir bereits gereicht.

Was erlebte ich alles am Freitag auf der FBM? Nun, ich habe wieder einmal die meiste Zeit in Halle 3.0 verbracht. Ich traf meinen Qindie-Kollegen David Pawn, ein paar der Leute vom PAN-Team und meine liebe Freundin Michaela Harich, die diesmal mit eigenem Stand und ihrem eigenen Verlag Alea Libris am Start war. Dementsprechend gefragt war sie und hatte zwischen den Terminen auch leider gar nicht so viel Zeit. Aber die Freude über unser Wiedersehen war groß, und da auch ihr restliches Standteam zauberhaft und sehr lieb zu mir war (ich bekam jederzeit Kaffee!), verbrachte ich dennoch viel Zeit bei Alea Libris. Besonders groß war meine Freude, Vicky Lubomski nach etlichen Jahren wiederzusehen. Sie ist so eine begnadete Künstlerin, und ich hoffe, ich komme demnächst wieder in den Genuss ihrer Coverdesignskills.

Ich machte auch einen kurzen Abstecher zum Pavillon des diesjährigen Gastlandes Slowenien, lauschte eine Weile an der ARD-Bühne, wo Michel Friedman wieder sehr kluge Dinge sagte. Durch Halle 4.1 schlenderte ich auch, vor allem, weil ich mir diese groß angekündigte Meet-the-Author-Area anschauen wollte. Als ich da war, war alles leer und sah ernüchternd steril aus. Aber immerhin schien es wirklich viel Platz zu geben, falls da mal eine Autorin mit besonders großer Fanbase sitzen sollte, die da dann drängeln würden. Das Wetter spielte einigermaßen mit, sodass ich auf der Agora, also dem Außengelände, noch gemütlich einen Snack unter freiem Himmel genießen konnte.

Als ich gegen 17 Uhr das Messegelände verließ, war ich erleichtert, aus den Menschenmassen entkommen zu sein. Ich bin auch irgendwie ganz froh, den FBM-Zirkus nur als Gast und nur für einen Tag "ertragen" zu haben - Respekt an alle, die als Ausstellerinnen das Ganze die vollen fünf Tage mitgemacht haben!

Buchmesse Convent - die gar nicht mehr so kleine Messeschwester

Oder ist es der Bruder? Immerhin heißt es DER BuCon und nicht die BuCon. Dieser fand wieder am Samstag im Bürgerhaus Dreieich statt. Das Besondere für mich war in diesem Jahr der Umstand, dass ich selbst als Ausstellerin teilnehmen würde. Ich hatte mich für Qindie um einen Tisch beworben und diesen auch tatsächlich bekommen. So traf ich also gegen 9 Uhr im großen Saal ein, wo unser Tisch schräg gegenüber vom Catering stand. Mit schwarzen Tischdecken und passenden Kerzenständern war schnell die passende Rahmendeko geschaffen, um unsere Bloody Qindie Anthologien zu präsentieren. Auf diese wollte ich nämlich den Fokus richten und platzierte um die inzwischen 8 Bände nur wenige ausgewählte andere Titel. Mehr wäre auch gar nicht gegangen, denn so ein Tisch ist schnell voll.

Mit Martina Bauer, die extra für den BuCon angereist war, bekam ich hervorragende Unterstützung für unseren Tisch. Martina ist langjähriges Qindie-Mitglied und schreibt für die Bloody Qindie Anthologien auch fast immer passende Geschichten. So konnten wir uns abwechseln, eine konnte auch mal eine Runde drehen, Pause machen oder am vollgepackten BuCon-Programm teilnehmen, während die andere die Stellung hielt. Wir hätten am Ende des Tages zwar gerne viel mehr Bücher verkauft (wobei der Umsatz doch ganz ordentlich war), aber wichtiger war, dass wir eine Menge Spaß hatten und viele gute Gespräche mit Menschen führen konnten, die bei uns vorbeischauten.

Tatsächlich hatte ich auch einen eigenen Programmpunkt. Um 17 Uhr präsentierte Herausgeber Constantin Dupien die frisch erschienene Mängelexemplare Anthologie-Dilogie (ja, richtig gelesen: eine Anthologie, die aus zwei Bänden besteht). Ich hatte für den Band "Am Ende der Zeit" eine Geschichte  mit dem Titel "Steve und Gypsy" beigesteuert, die ich an anderer Stelle vorstellen werde, und durfte zusammen mit Constantin und einigen weiteren anwesenden Autorinnen die Bücher vorstellen und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

Riesig gefreut habe ich mich, Vincent Voss und Arthur Gordon Wolf wiederzusehen. Beide sind begnadete Autoren, besonders von Vincent bin ich ja schon seit etlichen Jahren Fan. Und es war ewig her, seit wir uns das letzte Mal begegnet waren. Und nun sind wir wieder vereint in den Mängelexemplaren von Constantin Dupien. Ein großartiges Gefühl! Neu kennengelernt habe ich die Autorin Sanjina Karma, die mit der neuen Anthologie zur Mängelexemplare-Familie dazugestoßen ist. Sie las eine kurze Passage aus ihrer Geschichte "Idas Augen", die mich total fasziniert hat. Auf dem Foto seht ihr von links: Verleger Jürgen Eglseer (Amrûn Verlag), die Mitautorinnen Lisanne Surborg, Sanjina Karma und mich sowie Herausgeber Constantin Dupien.

Der BuCon war auch sonst in jeder Hinsicht überwältigend. Noch nie gab es so viele Aussteller, nämlich 95 insgesamt, und auch einen Besucherrekord gab es zu feiern. Irgendwann am Nachmittag traf die 1000. Besucherin ein (tatsächlich mit Lena Falkenhagen ein ziemlich prominenter Gast). Irre. Dennoch konnte man durch alle Räumlichkeiten entspannt schlendern, kam an die Tische meist problemlos heran und leicht ins Gespräch mit den Verlegerinnen und Autorinnen, die natürlich wieder zahlreich vertreten waren. Auf die Gefahr hin, dass ich jemanden vergesse, möchte ich trotzdem ein paar liebgewonnene Buchmenschen nennen, mit denen ich wenigstens mal ein paar Worte wechseln konnte: Thomas Williams, Torsten Scheib, Marc Hamacher, Grit Richter, Janika Hofmann, Jeanette Lagall, Emma Marten (unsere charmante Tischnachbarin), Michaela Harich (ja, auch hier war Alea Libris mit eigenem Tisch vertreten), Melanie Lübker, Thomas Heidemann, Claudia Rapp, Thomas Karg, Carolin Gmyrek, Markus Heitkamp, Hanna Nolden und, und, und ...

Besondere Grüße und ein riesiges Dankeschön gehen raus an Katharina Gerlach (Foto rechts). Ohne sie wäre unser Tisch leer geblieben. Katharina ist quasi Qindie-Urgestein und Organisationstalent für unsere Messeauftritte. Sie lagert sämtliche Bücher ein, die wir auf den Messen präsentieren, und hat mich mit allen Exemplaren versorgt, die ich für unseren Tisch benötigte. Katharina war mit eigenem Tisch am Start. Sie schreibt übrigens Märchen, Fantasy und Science Fiction, noch dazu sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Sie ist ein richtiges Multitalent und hatte bei ihrer eigenen BuCon-Lesung am Nachmittag auch begeistern können. Wenn ihr noch nichts von ihr gelesen habt, schaut mal bei ihr vorbei!

Mir bleibt nur noch zu sagen: Danke an das BuCon-Team, danke an alle Besucherinnen, danke an alle, die uns am Stand besucht haben, besonderen Dank an alle, die auch ein Buch bei uns gekauft haben - ihr habt euch hoffentlich alle bei der Lektüre schön gegruselt!

Im nächsten Jahr wären wir mit Qindie gern wieder aktiv dabei, schauen wir mal, ob es wieder klappt. Und wer eigentlich am liebsten Phantastik liest und sich über das Ölsardinengefühl auf der Frankfurter Buchmesse am Samstag geärgert hat: Kommt besser nach Dreieich. Hier gibt es die richtigen Bücher, hier erlebt ihr die Autorinnen hautnah, hier habt ihr Platz und Luft!

Wir sehen uns wieder am Samstag, 19. Oktober 2024, in Dreieich!

Montag, 15. Oktober 2018

Viel zu schnell vorbei: BuCon und FBM 2018

Qindie-BuCon-Büchertisch
Der Oktober hat es in diesem Jahr in sich: Herbstferien in Hessen, Urlaub mit der Familie in Berlin und am Kyffhäuser, jede Menge Deadlines für Korrektorate und Lektorate und natürlich das Highlight - Buchmesse!

Wenn man wie ich so nah an Frankfurt und noch dazu in unmittelbarer Nachbarschaft zu Dreieich-Sprendlingen wohnt, ist klar, wo ich mich jeden Oktober herumtreibe.

Dieses Jahr musste mein Messebesuch ein wenig eingeschränkt werden, da ich erst am Messedonnerstag aus dem Urlaub zurückkam. Also Freitag FBM und Samstag BuCon.



Frankfurter Buchmesse

Mit Laura Gambrinus am Autorensofa
Obwohl ich nur einen Tag auf der diesjährigen FBM verbrachte, der auch noch wie im Flug verging, habe ich viele schöne Eindrücke mitgenommen und großartige Begegnungen und Gespräche mit lieben Buchmenschen genossen. Zusammen mit meiner Quasi-Nachbarin Melanie Lübker machte ich vor allem Halle 3 und dank des traumhaften Spätsommerwetters die Agora, die Freiluftarena der FBM, unsicher. Wir durchstreiften Gang für Gang und befanden schon nach wenigen Metern: Es gibt zu viele Bücher auf der Buchmesse. Wer soll die alle lesen? Geschweige denn anschauen? Zu schauen gab es viel, nicht nur schöne Cover, sondern auch liebevoll gestaltete Messestände und interessant herausgeputzte Messebesucher.



Volles Haus und volle Bühne bei der Ursula Lounge
Besonders freute ich mich, dass es wieder mit einem Treffen mit meinem derzeitigen Lieblings-SciFi-Autor Thor Ansell klappte. Ich korrigiere ja schon seit einer Weile seine Manuskripte und empfehle die Bücher jedem gerne, der mal etwas Neues aus der Welt der Science Fiction lesen möchte. Thor schloss sich unserem Streifzug durch Halle 3 an, und später gingen wir zusammen zu Ursula. Wer? Ja, genau. Ursula. Das in der Geschichte der FBM wohl erste SciFi-Panel überhaupt fand im Pavillon, einer Art futuristisch anmutendem überdimensionalem Muschelgehäuse auf der Agora, statt. Und der Laden war gerammelt voll. Hätte die Buchmesse wohl nicht gedacht, dass es so viele Fans und Interessierte für dieses Genre gibt. Auf der Bühne saßen spannende Größen der deutschsprachigen Literaturszene und führten ebenso spannende Gespräche über Weltenbau im All, Zukunftsvisionen und die politische Rolle der Science Fiction. Wir konnten leider nicht bis zum Ende bleiben, aber ich hatte längst den Eindruck gewonnen, dass es sich bei dieser Veranstaltung um einen vollen Erfolg handelte, der dringendst (!) wiederholt werden muss.

BuCon

Mit Michaela Harich und Sören Prescher
Buchmesse Convent bei strahlend blauem Himmel und fast 30 Grad im Schatten - das hat's wohl auch noch nie gegeben. Dennoch war das Bürgerhaus wieder sehr gut besucht. Es war eine gute Entscheidung der Veranstalter, den Bereich für die Ausstellertische zu vergrößern und einen Teil der Sitzgelegenheiten auf die Bühne zu verlagern. So kam in diesem Jahr auch Qindie wieder in den Genuss, nicht nur mit eigenem Tisch auf dem BuCon vertreten zu sein, sondern auch die farbenfrohe Welt der Qindie-Fantasy in einer Lesung im Rahmen des BuCon-Programms zu präsentieren. Mit Michael Siedentopf aka David Pawn und Katharina Gerlach hatten wir wieder erfahrene Messeschlachtrösser am Start. Die zauberhafte Marlene von Hagen, Qindie-Autorin aus Österreich, vervollständigte unsere Runde. Mit ihr und Katharina bildete ich dieses Jahr das lesende Qindie-Trio. Das Publikum war klein, dafür sehr aufmerksam und begeistert.




Frau O. schreibt ins Poesie-Album
(Bild: Markus Lawo)
Erstmals hatte ich auch noch Standdienst bei PAN. Ich bin nämlich seit kurzem Mitglied des Phantastik-Autoren-Netzwerks e.V., die ebenfalls einen Tisch ergattern konnten. Zusammen mit der wunderbaren Jenny Woods, die es mir verzieh, dass ich zu spät kam (man wird halt ständig aufgehalten, weil wirklich überall Leute sind, die man kennt), durfte ich PAN für eineinhalb Stunden repräsentieren.

Melanie Lübker stattete dem BuCon auch wieder einen Besuch ab, leider nur kurz, weil sie noch einen anderen Termin hatte. Dafür stand plötzlich Michaela Harich vor mir - noch so ein Lieblingsmensch - da war das Gekreische der Wiedersehensfreude natürlich groß! Mit ihr und ihrem Kumpel Jan drehten wir Runde um  Runde durch das Bürgerhaus, leerten die eine oder andere Flasche Schlappeseppel am Ententeich und hatten so viel Gesprächsbedarf, dass wir auch problemlos bis Sonntag Nachmittag durchgequatscht hätten.





BuCon-Tradition: Likörchen!
Und dann traf ich noch auf so viele "Verrückte", wie ich sie liebevoll nenne, blödelte herum, philosophierte über Bücher und probierte das eine oder andere Likörchen (danke für den leckeren Pistazien-Creme-Likör, Torsten Scheib!). Ich muss hier wenigstens noch diese Herzensmenschen erwähnen, auch auf die Gefahr hin, jemanden zu vergessen: Thomas Williams, Jürgen Eglseer, Mario Steinmetz, Thomas Karg, Susanne Pavlovic, Stefanie Kempin, Markus Lawo, Sören Prescher, Grit Richter, Melanie Vogltanz und ... äh ... es waren einfach zu viele. Der BuCon ist irgendwie auch Familientreffen mit dem Unterschied, dass man sich hier ausnahmslos auf die Menschen freut, die man auf diesem Familientreffen trifft.

Um zu vermeiden, dass ich noch mehr liebe Buchmenschen vergesse, lasst mich nur dies sagen: Ich habe mich über ein Wiedersehen gefreut mit vielen liebgewonnenen Autorinnen und Autoren und sonstigen Buchmenschen und habe auch ganz neue kennengelernt, die mir sofort sympathisch waren.

Fazit

Selfie kann ich: Mario Steinmetz, ich, Michaela Harich
und Jan (ey, hast du auch einen Nachnamen?)
Was soll ich sagen?

Gute Gespräche geführt, Pläne geschmiedet, Plotideen auseinandergenommen, Likörchen getrunken, Spaß gehabt, ein paar Bücher verkauft und wahnsinnig viele Gleichgesinnte getroffen - da freue ich mich doch jetzt schon auf 2019, denn die nächste FBM und der nächste BuCon stehen schon längst in den Startlöchern.

Ich werde definitiv dabei sein. Und ihr?

Dienstag, 10. Oktober 2017

Frankfurter Buchmesse 2017 ist eröffnet!

Ich bin gerade heimgekommen von einer wirklich schönen Eröffnungsfeier der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Was ich schon einmal verkünden kann: Die Buchmesse ist eröffnet. Ab morgen früh können Buchmenschen aus aller Welt sich wieder die Füße platt laufen. Das Gastland Frankreich hat einen echt schönen Pavillon gestaltet, in dem man sich zwischen endlosen Reihen aus hölzernen Buchregalen gerne mal verläuft und die Zeit beim Durchblättern der ausgestellten Bücher und Bildbände vergisst.

M & M

Neben den "üblichen Verdächtigen" wie Heinrich Riethmüller vom Börsenverein des deutschen Buchhandels und diversen prominenten Persönlichkeiten aus der Welt der Medien hatten sich zwei besondere Gäste für den Abend angekündigt: Emmanuel Macron, französischer Präsident, und Dr. Angela Merkel, unsere Bundeskanzlerin.

Selfie mit Le Président
Beide Politiker stehen für die historisch gewachsene Freundschaft zwischen beiden Ländern und wurden in ihren jeweiligen Reden nicht müde zu betonen, welch gute Beziehungen Deutschland und Frankreich verbinden und welche große Rolle beide Länder in Europa spielen. Vorbilder und Vorreiter wollen sie sein.

"Ohne Kultur kein Europa."
Emmanuel Macron

Frau Dr. Merkel habe ich bei der anschließenden Einweihung des Pavillons nicht mehr zu Gesicht bekommen, die muss schnell durchgerauscht und wieder abgereist sein. Monsieur Macron hielt zum Glück länger durch, und ich bekam Gelegenheit, bis auf wenige Meter an ihn heranzukommen. Sogar ein Selfie hab ich mit ihm gemacht - na ja, irgendwie ist es mehr ein Suchbild geworden, aber egal. Es ist ein Selfie von mir, und Macron ist auch drauf. So.

Französisch leicht und luftig

Hier wird durch's Rohr gesprochen.
Wie das jeweilige Gastland seinen Pavillon schließlich gestaltet, ist jedes Jahr wieder eine Überraschung. Ich war nicht jedes Mal begeistert. Mein Favorit ist immer noch der Pavillon von Neuseeland, der ganz im Dunkeln lag und in der Mitte einen See hatte. Aber die Franzosen haben es sehr schön und sehr ... buchlastig gelöst, was ja ganz im Sinne einer Buchmesse ist. Die gesamte Fläche wurde labyrinthartig mit hellen Holzregalen bestückt, teilweise mehrere Meter hoch. In den Regalen finden sich - thematisch sortiert - Unmengen von Büchern zum Anschauen und Hineinlesen. Eine Guttenbergpresse steht auch mittendrin, auf der man sich die Menschenrechte zum Mitnehmen ausdrucken lassen kann.

Es dauerte zwar, bis endlich die Schnittchen, Häppchen und Getränke gereicht wurden, aber was dann alles aufgefahren wurde, das war sensationell. Lauter leckere Kleinigkeiten! Ich war noch nie so satt aus einer Buchmesseeröffnungsfeier rausgegangen wie aus dieser.

Französische Scheibenjongleure
Das Rahmenprogramm bestand übrigens aus einem DJ-Duo, das französisch-lässige Klänge auflegte, und einer Truppe von ... ich würde sie Performancekünstler nennen. Die schwarz gekleidete Truppe lief mit Regenschirmen und Rohren zwischen den Leuten umher, blieb immer mal stehen und hielt ihre Rohre an die Ohren der Gäste und flüsterte ihnen auf diese Weise etwas zu. Was immer sie ihnen erzählten, die Leute lauschten andächtig und lächelten verzückt. Ich selbst kam leider nicht in den Genuss, fand es aber irgendwie faszinierend.

Lustige Anekdote am Rande: Wir kamen mit halbvollen Sektgläsern im Pavillon an, die wir von der Sektbar vor dem Congress Centrum mitgenommen hatten. Da sprach uns eine ältere Dame an, wo wir denn die vollen Gläser herhätten, sie hätte hier noch keinen Ausschank entdeckt. Während ich es ihr erklärte, merkte ich, wie bekannt sie mir vorkam. Als sie weg war, wussten meine Begleitung und ich wieder, wer das war: Petra Roth, Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin!

Politisch-literarisch

Emmanuel Macron
Mir war klar, dass die Reden heute Abend nicht nur die schönen Dinge wie Literatur und Kunst thematisieren würden. Jeder Redner, von Messechef Jürgen Boos über Heinrich Riethmüller bis hin zu Emmanuel Macron und Angela Merkel, waren sehr politisch in ihren Vorträgen. Peter Feldmann, Frankfurts Oberbürgermeister, hielt noch die am wenigsten politische Rede. Alle anderen betonten Dinge wie Meinungsfreiheit, die Bedrohung der Demokratie durch Wut, Hass und Angst, die Bedeutung von Büchern als Waffen im Kampf für die Freiheit oder den Rechtsruck in Europa.

"Bücher sind Zündstoff
und werden von Despoten gefürchtet."
Heinrich Riethmüller

Die Rede von Macron war mir persönlich etwas zu lang und hatte mit einem weiteren Nachteil zu kämpfen: Da ich die französische Sprache nicht gut genug beherrsche, um eine ganze Rede eines französischen Politikers im Original anzuhören und zu verstehen, griff ich auf das Dolmetschergerät zurück, das auf jedem Platz auslag. Aber der Dolmetscher, der da versuchte, Macrons Rede zu übersetzen, wirkte auf mich hoffnungslos überfordert. Ich konnte dem Wirrwarr seiner Sätze kaum folgen, bin mir aber sicher: Das lag nicht an der Rede selbst, sondern an dem leider suboptimalen Dolmetscher. Aber Schwamm drüber! Merkel sprach dafür nicht nur in meiner Muttersprache (!), sondern auch noch ziemlich unterhaltsam und zum Glück nicht zu lang. Danach erklärten Merkel und Macron zusammen mit Riethmüller die Buchmesse für eröffnet.
Ruhe, jetzt redet Mutti!

Also, ihr lieben Buchmenschen,
auf nach Frankfurt, auf zur Buchmesse!
Ich wünsche euch allen ganz viel Spaß dabei!

Monsieur Macron badet in der Menge


Dienstag, 28. März 2017

Leipziger Buchmesse - Rückblick Teil 1

Mängelexemplare-Familie: Carlo, Jürgen, Torsten, Constantin,
Vincent, Arthur, Michaela & moi
War das schön, oder war das schön? Es war mehr als das: überwältigend, aufregend, bunt, quirlig, interessant, unglaublich lustig und zum Niederknien schön. Wovon ich spreche? Natürlich von der Leipziger Buchmesse 2017, die ich wieder miterleben durfte. Von vier Messetagen verbrachte ich nur zwei wirklich auf der Messe, dafür aber so pickepackevoll mit Eindrücken, dass ich mich erst einmal sortieren musste, um nun davon zu berichten.

Tentakel, Skoutze und überall Bücher

Am Donnerstag reiste ich an, und wie das Schicksal es wollte, saß Qindie-Kollegin und WG-Mitbewohnerin Birgit Böckli bereits im Fernbus, als ich in Frankfurt zustieg. Da ging das anregende Fachsimpeln schon auf der Hinfahrt los. Abends gab es das erste große Wiedersehen bei Wein, Alsterwasser und lecker Leipziger Hausmannskost in Reuschels Weineck.

LBM Guerillas Gruppenfoto mit Tentakel
Der Freitag startete in der Leipziger Innenstadt, wo sich unter dem Hashtag #LBMGuerillas auf den Aufruf der Autorin Faye Hell eine kleine, aber feine Truppe tapferer Autoren und Autorinnen zusammenfand, um gemeinsam an vier vorher festgelegten Stationen von Augustusplatz bis Hauptbahnhof aus ihren dunklen Geschichten vorzulesen. Obwohl es sich stets um Horror und Dark Fantasy handelte, hatten wir einen Heidenspaß und amüsierten uns köstlich über die dargebotenen literarischen Häppchen, in denen es zum Beispiel um verfluchte Orte, Tentakel, unheimliche Puppenspieler, notgeile Vampirgirls und mordsgefährliche Einhörner ging. Es handelte sich ja um die erste Guerilla-Aktion dieser Art, deshalb fiel unser spontanes Publikum aus vorbeikommenden Fußgängern eher bescheiden aus, aber wir wissen, dass wir Aufmerksamkeit erregt haben. Ich selbst wurde von etlichen interessierten Autoren und Lesern darauf angesprochen, die es über Facebook und Twitter verfolgt hatten. Es wird definitiv eine Wiederholung im nächsten Jahr geben, das hat Faye Hell schon versprochen.

Ab Mittag war ich dann auch endlich auf dem Messegelände angekommen und machte die Hallen zusammen mit Michaela Harich unsicher - liebe Michaela, es war mir ein allergrößtes Vergnügen, dich zu begleiten beziehungsweise von dir begleitet zu werden! Wir "fangirlten" immer im Wechsel und je nachdem, an welchem Stand und bei welchem Verlag wir uns gerade befanden. Ich wusste ja vorher schon, dass wir zumindest im Humor die gleiche Wellenlänge haben, aber wir zwei scheinen auch sonst so etwas wie Seelenschwestern zu sein. Sollte es mich jemals nach Tübingen verschlagen - bitte nur unter deinen Fittichen! Und ich freue mich auf die gemeinsamen Projekte mit dir!

Skoutzige Party & Tradition mit Eintopf

Mit Elke Aybar bei Skoutz
Am Freitagabend wartete das nächste Highlight - nein, da warteten sogar zwei Highlights: Erst einmal hatte ich einen wichtigen Termin mit Skoutz, denn schließlich wurden am Abend auf der Skoutz Leserparty die Midlists für den Skoutz Award verkündet. Weil ich eine der persönlich anwesenden Jurorinnen war, durfte ich meine Anthologie-Midlist auch höchstselbst verkünden, was ich auch in aller Ausführlichkeit tat - sorry fürs Überziehen, liebe Kay Noa!

Schnell mit Elke Aybar Selfies schießen und über die weitere Zusammenarbeit plaudern, dann wurde es Zeit, mich auf den Weg in die Soupbar Summarum zu begeben, denn die war - wie schon die Jahre zuvor - wieder Treffpunkt für die Mängelexemplare-Familie, zu der ich mich ja auch zählen darf. An diesem Abend lasen Arthur Gordon Wolf (leider verpasst), Constantin Dupien und Vincent Voss. Besonders Vincents Lesung aus "Frischfleisch Nullpersonen" war genial - er ist ein großartiger Vorleser, den jeder Horror-Fan mal live erlebt haben sollte.

Was ich dabei übrigens gelernt habe: Komme nie zu spät und ausgehungert zu einer Horrorlesung. Wenn du dann nämlich als Einzige am Tisch gern den hausgemachten, superleckeren Eintopf essen möchtest, während Constantin Dupien vorne auf der Lesebühne von eingeschlagenen Gesichtshälften, berstenden Knochen und Erbrochenem erzählt, dann haben alle am Tisch Spaß - nur du nicht so richtig ... Nicht wahr, Herr Eglseer?

Ehrlich: Die Suppe war megalecker!
Dennoch war es ein fantastischer Abend mit ganz vielen lieben Buchmenschen. Es fühlte sich ein bisschen wie Heimkommen an - so gemütlich und familiär. Auch wenn es wohl in nächster Zeit keine neue Mängelexemplare-Anthologie geben wird, hoffe ich, dass wir den Freitagabend in der Suppenbar beibehalten, denn der hat doch inzwischen schon Tradition!

David Pawn aka Michael Siedentopf
Am Samstag verbrachte ich den ganzen Tag auf der Messe. Am schönsten war es, Melanie Lübker zu treffen, die ja genau wie ich in Dietzenbach wohnt, und ihre Freundin Ivonne Lembeck kennenzulernen. Wir liefen uns immer wieder über den Weg und hatten eine Menge Spaß. Gefreut habe ich mich auch über die Begegnung mit Daniela Heger, die extra noch einmal zum Stand gekommen war, um mich auch endlich mal persönlich zu treffen. Sie hatte nämlich meine Schauermärchen gekauft und wollte gern noch ein Autogramm und ein Foto. Das fühlt sich immer so lustig und ein bisschen surreal an, wenn man um solche Dinge gebeten wird, aber es ist cool!

Nicht ohne meine Qindies

Die LBM wäre nur halb so schön ohne das großartige Qindie-Team. Dank Qindie durfte ich die Buchmesse in Leipzig schon zum dritten Mal als Ausstellerin erleben, wohnte in der großen Qindie-WG in Leipzig-Plagwitz und erlebte eine der besten Lesungen überhaupt, über die ich noch separat berichten werde.

Immer was los bei Qindie!
Regina, Michael, Katharina, Jacqueline, Patricia, Martina, Kathleen, Divina, Kerstin, Birgit - es war so schön, ich fühlte mich pudelwohl in euren Reihen. Überhaupt war die Messe für Qindie ein unglaublicher Erfolg: Unser Stand war stets sehr gut besucht, viele Leute kamen ganz gezielt, es wurden so viele Bücher verkauft wie auf keiner Messe zuvor. Wir mussten auch nicht mehr so oft erklären, was Qindie eigentlich ist, wofür wir stehen - die Leute kannten uns bereits! Das motiviert ungemein. Wir alle können es kaum erwarten, uns auf der nächsten Messe wiederzutreffen.

Unter Paradiesvögeln

Sogar in die berüchtigte Halle 1 traute ich mich dieses Mal. Dort residiert ja die Manga-Convention und zieht buntes Volk in abgefahrenen Verkleidungen an. Cosplay nennt es sich, die Fans stellen ihre Lieblingscharaktere aus den Comics dar. Muss man nicht mögen - ich tue mich damit auch manchmal etwas schwer, aber es macht aus der Buchmesse immer ein farbenfrohes, lebensbejahendes Fest. Warum ich da rein bin? Mir war zu Ohren gekommen, dass eine liebe Freundin, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, dort einen eigenen Stand bei den Künstlern hatte. Und was zeichnet sie für süße Viecher! Herzallerliebst! Es war so schön, sie mal wiederzusehen und ein bisschen zu schwätzen. Dafür hat es sich gelohnt, mich todesmutig und mit angehaltenem Atem mitten ins Getümmel der Manga-Con zu schmeißen!

Die Menschen hinter den Büchern

Foto von Susanne Pavlovic
Ich habe bestimmt etliche Leute verpasst, die auch auf der LBM waren, aber das ist bei dem Gewusel fast kein Wunder. Umso schöner war es, doch so viele liebe Buchmenschen zu sehen, denn genau dafür ist die Leipziger Buchmesse da aus meiner Sicht: Die Menschen hinter den Geschichten live zu treffen, persönliche Gespräche, gemeinsames Gelächter und hier und da einen Likör oder anderes ominöses Zeugs drauf zu trinken.

Mit Michaela Harich über vegane Zombies und alternative Liebesgeschichten philosophieren. Mit Michael Siedentopf die Whiskey-Aversion bekämpfen und Writer's Tears trinken. Mit Jürgen Eglseer knuddeln und Likör trinken, mit Torsten Scheib und Arthur Gordon Wolf fachsimpeln, sich mit Constantin Dupien über die Nominierung zum Skoutz Award freuen, mit Elke Aybar gemeinsame Pläne schmieden. Juliane Schiesel und Katharina Groth wiedersehen, mit den Guerillas spontane Lesungen abhalten, alberne Einhornfachgespräche mit Thomas Williams führen, Besucher einer Lesung in einem Autohaus  mit Gruselgeschichten schocken - all das und noch viel mehr gehörte zu meinem diesjährigen LBM-Erlebnis.

Die Einhorn-Gang: Andreas März, meinereiner,
Candy Hecht und Thomas Williams
Ich freue mich auf nächstes Jahr. Egal, wie voll mein Terminkalender sein mag - die LBM muss unbedingt wieder sein!