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Freitag, 13. Oktober 2017

FBM2017 - Messebericht Tag 1

Ich habe den ersten von zwei geplanten Tagen auf der Frankfurter Buchmesse hinter mich gebracht. Termine hatte ich keine, hatte mir bewusst nicht notiert, wen ich wo finde. So konnte ich mich einfach treiben lassen und auf Entdeckungstour gehen.

Ich muss gestehen: Weit bin ich nicht gekommen. Immerhin habe ich mir heute Zeit für die Halle 3.1 genommen. Einen Besuch dort kann ich nur empfehlen, denn dort befindet sich die Food Gallery, wo es alles Mögliche zum Naschen und Probieren gibt und wo auf mehreren Showküchenbühnen die Profiköche ihr Können unter Beweis stellen - inklusive anschließender Verkostung im Publikum.

Fitzek im Gespräch mit Wolgang Tischer
Die meiste Zeit habe ich natürlich wieder einmal in Halle 3.0 verbracht, denn dort befinden sich die meisten Adressen, denen ich unbedingt einen Besuch abstatten wollte. Die Selbpublishing Area hat wieder einen großen Bereich eingenommen, umrahmt von den Messeständen der wichtigsten Dienstleister und Verbände rund ums Selfpublishing. Auf beiden Bühnen gaben sich Referenten und Experten die Klinke in die Hand, es gab einen Vortrag nach dem anderen, da war für jeden etwas Interessantes dabei. Ich hatte mir die Frage- und Antwortrunde mit Sebastian Fitzek vorgemerkt und war auch tatsächlich pünktlich da. Ich lese seine Bücher zwar nicht, mag aber den Menschen Fitzek. Er ist sympathisch, witzig, voller Energie und versteht es, sein Publikum zu begeistern und zu motivieren. Er plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen, erzählte über den zähen Start seiner Laufbahn und verriet ein bisschen was über den neuen Roman - da geht es um Flugangst.

Außerdem schaute ich immer wieder mal am Autorensofa vorbei, wo sich ständig mehrere Autoren und Autorinnen tummelten, Autogrammstunden abhielten, aus ihren Werken vorlasen oder einfach für einen netten Plausch mit den Standbesuchern zur Verfügung standen. Kann ich ebenfalls empfehlen.

Preisträger Toralf Sperschneider
mit Chefjuror Nils Straatmann
Highlight war wieder die Verleihung des Kindle Storyteller Awards. Diesmal wurden zwei Preis verliehen: zum dritten Mal der Storyteller Award und zum ersten Mal der Storyteller X Award für besondere, herausragende Werke aus dem Wettbewerb. Die 6-köpfige Jury kürte das Buch "Der Mitreiser und die Überfliegerin" von Mira Valentin zum Gewinner. Die in zum eigenen Roman passender Cosplay-Kostümierung angereiste Autorin war sichtlich überwältigt, aber glücklich. Den Storyteller X Award erhielt Toralf Sperschneider für sein Buch "Kleine Kreise: EGOismen". Der Mann ist hauptberuflich Pathologe und schreibt wohl auch in seinem Buch über den Tod. Klingt spannend. Anschließend gab es wieder Schnittchen und sehr leckeren Sekt. Da hat sich das Warten und Mitfiebern doch wieder gelohnt.

Das war es schon. Morgen wird ein langer Tag. Da werde ich die Messe zusammen mit einer Freundin besuchen. Sie ist Bloggerin und hat jede Menge Termine zusammengestellt, die sie abklappern will - ich hänge mich einfach an sie dran und hoffe, dass wir nicht Hermines Zeitumkehrer brauchen, um das alles zu schaffen. Nachmittags bin ich zu einem Meet & Greet mit dem Autor Rached Kaiser eingeladen. Mal schauen, was mich da so erwartet. Und abends geht es ins Walden zur Skoutz Leserparty. Meine Laudatio ist geschrieben, mein Outfit steht.

Ich melde mich morgen wieder und lasse jetzt noch ein paar Bilder sprechen.


Dieser freundliche Kalligrafie-Künstler...
...schenkte mir diese Zeichen: "Melon, Fruit, Vegetable"

Drüber gestolpert: Johann Lafer
Im Vorbeigehen: Ulrich Wickert
Die 6-köpfige Jury des Kindle Storyteller Award 2017

Glückliche Gewinnerin: Mira Valentin
nimmt den Storyteller Award entgegen

Dienstag, 16. August 2016

Buchtipp: Phillip P. Peterson - Paradox

Heute habe ich endlich wieder einen Buchtipp für euch, und zwar mal etwas ganz Anderes:

Science Fiction, aber so richtig mit Weltall, Raumschiffen, haufenweise Technik, Astrophysik und philosophischen, tiefen Gedankengängen.

Ich habe den Roman von Philipp P. Peterson schon seit letztem Jahr auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegen, als er damit den erstmals ausgerufenen Kindle Storyteller Award gewann. Für mich war dieser Sieg eine echte Überraschung, schließlich fristet Science Fiction Literatur in Deutschland ein ziemliches Nischendasein, und auf der Shortlist standen neben "Paradox" Werke aus weitaus populäreren Genres wie Fantasy oder Thriller.

Schon nachdem Malte Bremer vom Literaturcafé die Shortlist 2015 kräftig auseinander genommen und eigentlich nur an "Paradox" noch ein paar gute Haare gelassen hatte (der einzige Kandidat im Wettbewerb, der ohne Prolog auskam!), war mein Interesse geweckt, und nach der Frankfurter Buchmesse, auf der ich zufällig live dabei war, als Peterson den Preis entgegennehmen durfte, besorgte ich mir das Buch und freute mich darauf, nach langem mal wieder so richtige Science Fiction zu lesen. Es dauerte dann noch bis zu meinem diesjährigen Sommerurlaub, bis ich endlich die Zeit und Ruhe fand, um dieses Buch zu lesen.

Zeit und Ruhe brauchte ich dafür auch. Bitte nicht falsch verstehen: Der Roman hat mir ziemlich gut gefallen, aber er hatte seine Längen, wenn auch nicht allzu viele oder allzu lange. Und es gab - natürlich völlig normal für ein Werk dieses Genres - jede Menge Technikgeschwafel, das ich nur periphär verstand. Aber zumindest dieser Punkt war nicht entscheidend für den Lesegenuss. Letzten Endes wurden alle technischen Probleme und astrophysikalischen Phänomene so erklärt, dass auch ein unwissender Bücherwurm ohne Doktortitel wie ich damit klarkam und die zentralen Konflikte verstand, ohne dass die Geschichte an Spannung einbüßte.

Worum geht es überhaupt? Ich fasse kurz zusammen: Die Erde in nicht näher benannter, aber nicht allzu ferner Zukunft. Der Wissenschaftler David stößt auf ein rätselhaftes Phänomen am Rande unseres Sonnensystems. Um herauszufinden, warum einige Raumsonden seit Jahren an exakt derselben Stelle spurlos verschwinden, wird er gemeinsam mit einem Team, angeführt von dem raubeinigen Astronauten Ed Walker, der zuvor noch die ISS in einem spektakulären Einsatz schrottet, in einem hochmodernen Raumschiff mit Superantrieb an ebenjene Stelle geschickt, wo die Sonden verschwanden, um das Geheimnis vor Ort aufzuklären. Dabei finden sie etwas über unser Sonnensystem, ach was - über unsere Galaxis heraus, das alles auf den Kopf stellt, was sie bisher über die Entstehung des Universums und des Lebens auf der Erde zu wissen glaubten.

Ich kann verstehen, warum dieses Buch den Wettbewerb gewann. Es ist wirklich gut geschrieben, man merkt, wie sorgfältig dafür recherchiert wurde und dass der Autor bereits einen entsprechenden beruflichen Hintergrund mitbrachte (er ist Ingenieur und arbeitete an der Entwicklung von Trägerraketen und Satellitenprogrammen). Peterson beschreibt die technischen Aspekte schlüssig und nachvollziehbar, präsentiert eine Theorie mit Kinnlade-Runterklapp-Potential, die es so wohl auch noch nicht gegeben hat, weder in der Literatur noch im Film, und er geht zwar einfühlsam, aber nicht gerade zimperlich mit seinen Romanfiguren um, und das konsequent bis zum beeindruckenden Ende. Besonders die letzten 150 Seiten waren dermaßen spannend, dass ich dafür gern auf Schlaf verzichtete und lieber weiter und weiter las.

Bei diesem besonderen Leseerlebnis sah ich auch großzügig darüber hinweg, dass das Manuskript durchaus noch seine stilistischen Schwächen aufwies, die mir jedes Mal ins Gesicht sprangen (Lektorenberufskrankheit, sorry). Da fragt man sich zum Beispiel, wie es sein kann, dass dermaßen oft "hinüber" und "herüber" verwechselt werden, wenn es doch laut Aussage des Autors gründlich lektoriert worden sein soll. Diese Wörter wurden beinahe konsequent falsch verwendet. Aber gut, ich besitze die Ausgabe, die direkt auf der Buchmesse verteilt wurde. Möglicherweise wurde das Buch nach dem Gewinn ja noch ein weiteres Mal überarbeitet, ich weiß es nicht.

Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau. Ich empfehle das Buch allen, die Lust haben auf feinsinnige und zugleich sauspannende Science Fiction, die sich übrigens vor einem hochexplosiven politischen Hintergrund abspielt, der, wenn man sich die derzeitigen Nachrichten vor Augen ruft, gar nicht so weit hergeholt ist - leider.

Von mir gibt es verdiente 4 von 5 durchs Weltall trudelnden Raumsonden.


Donnerstag, 15. Oktober 2015

Frankfurter Buchmesse - Tag 1

  
Durchatmen auf dem Autorensofa
Ich habe in diesem Jahr zwei Tage für die Buchmesse eingeplant. Den ersten davon habe ich heute hinter mich gebracht. Okay, das klingt schlimmer, als es ist, aber dennoch fühle ich mich ganz schön müde und bereits ein bisschen fußlahm. Wenn ich daran denke, dass ich auch morgen einen ganzen Tag auf dem Messegelände und den Abend auf der Leserparty der Facebook-Gruppe der Bücherwürmchen verbringen werde - oh je ...

Autoren, Autoren, Autoren

Mächtig was los am Autorensofa
Ich habe mir für heute im Prinzip nur die Halle 3.0 mit kurzem Abstecher zum Orbanismspace in Halle 4.1 vorgenommen. So hatte ich Zeit, alle Gänge in der Halle 3.0 abzulaufen und in einer großen Tüte von Wir-machen-Druck einiges an Leseproben und Lesezeichen für mein Messesouvenir-Gewinnspiel sowie Süßigkeiten für meine Kinder einzusammeln.

Zwischendurch schaute ich aber immer wieder an meinem diesjährigen Lieblingsstand vorbei. Nein, es waren weder Amazon noch neobooks, auch nicht Knaur, Piper oder Bastei-Lübbe. Die Show stahl ihnen allen ein vergleichsweise kleiner, liebevoll ausgestatteter Stand am Rand der Halle, wo sich zu jeder Tageszeit mehr Leute aufhielten als an allen benachbarten Ständen zusammen: Das Autorensofa ist ein richtiger Publikumsmagnet und beweist, dass die Initiatoren, 42 Autoren aus ganz Deutschland (und von noch weiter weg), alles richtig gemacht und die Nominierung zum Virenschleuderpreis 2015 in der Kategorie "Team des Jahres" absolut verdient haben.

Mit Carin Müller auf dem knallroten Autorensofa
Besonders am Nachmittag war da die Hölle los, denn die Autoren luden zum großen Bloggertreffen ein, und die Blogger erschienen zahlreich. Jeder Gast erhielt ein bunt gepacktes Goodiebag mit allem, was das Buchbloggerherz begehrt: Von der Leseprobe über das Lesezeichen bis hin zur Schokolade, Pflasterdöschen und Lippenpflegestift gab es eine Menge in der prall gefüllten Tüte zu entdecken. Ich freute mich, bekannte Gesichter wie Mel Döring, Katja Piel oder Susanne Pavlovic wiederzutreffen, hatte aber genauso viel Spaß daran, persönliche Bekanntschaft mit so sympathischen Autorinnen wie Laura Gambrinus (danke für den Tipp mit der Garderobe!), Carin Müller, Miranda J. Fox (zusammen mit ihrer superlieben Freundin Jasmin) oder Elke Becker zu machen. Mit Melisa Schwermer konnte ich dann auch noch unsere gemeinsame aufkeimende Aufgeregtheit wegen Samstagabend ein wenig anheizen.

Außenseiter ganz weit vorn

Die Jury des Kindle Storyteller Awards
Ein weiteres Highlight war für mich eine ziemliche Überraschung. Per Zufall befand ich mich genau dann im Bereich der Selfpublishing-Area, als die Preisverleihung des Kindle Storyteller Awards stattfand. Ich hatte eigentlich zu einer Veranstaltung am benachbarten neobooks-Stand gehen wollen, aber das interessierte mich dann doch. Auf der Shortlist standen fünf sehr unterschiedliche Bücher. Vom Liebesroman über Fantasy und Krimi bis zum Science Fiction Thriller war alles vertreten. In der Jury saßen unter anderem Nika Lubitsch, Andrea Sawatzki und das Autorenteam der Kluftinger-Krimireihe.

Der stolze Gewinner: Philip P. Peterson
Ich hatte nach Bekanntgabe der Finalisten und einem ziemlich böse, aber leider doch sehr treffend formulierten Verriss im Literaturcafé keine allzu großen Erwartungen mehr an diesen "Literaturpreis". Am Ende wurde ich wirklich überrascht, denn die Jury hatte sich nicht für den Liebesroman und auch nicht für den Thriller entschieden, ebensowenig lag der Zeitreise-Romantasy-Schmöker vorne und auch nicht der biografische Roman. Nein, das Rennen machte der Science Fiction Roman "Paradox" von Philip P. Peterson.

Ich habe mich darüber riesig und auch ein bisschen diebisch gefreut, denn zum Einen entspricht sein Roman über den Astronauten Ed Walker nicht dem, was sich bei Amazon am besten verkauft, nämlich Love & Crime, und zum Anderen ist es das einzige Buch auf der Shortlist, das ohne Prolog daherkam. Was hat die Kritik von Malte Bremer, insbesondere am Vorhandensein der seiner Meinung nach völlig überflüssigen Prologe, an shitstormartigen Diskussionen ausgelöst! "Paradox" kam in Bremers Augen noch am besten weg, es war das einzige Buch, das in dem strengen Herrn Kritiker Interesse am Weiterlesen geweckt hat.

Ich gratuliere dem Autoren, einem Ingenieur und Experten für Trägerraketen und Satellitenprogramme und obendrein frisch gebackenen Vater, von ganzem Herzen und hoffe, dass sich diese Auszeichnung positiv auf ihn und vielleicht sogar das ganze Genre der Science Fiction und fantastischen Literatur auswirkt. Das Buch steht jedenfalls ziemlich weit oben auf meiner Must-Read-Liste.

Ausblick auf Tag 2

Morgen habe ich mir ein paar spannend klingende Programmpunkte notiert. Unter anderem will ich am Treffen der Selfpublisher im Orbanismspace und an einem Tischgespräch mit dem Thema Lektorat teilnehmen. Wenn ich es zeitlich schaffe, höre ich mir noch eine Veranstaltung von CreateSpace zum Thema Selfpublishing an. Außerdem will ich mich noch mit ein paar Autorenkolleginnen treffen, die sich derzeit ebenfalls auf der Frankfurter Buchmesse herumtreiben. Abends steht als großes Highlight die Leserparty der Bücherwürmchen-Gruppe auf dem Programm. Ich bin gespannt, was sich die Initiatorinnen da alles einfallen lassen haben.

Ich werde berichten!