Mittwoch, 28. Februar 2024

Qindie auf der Leipziger Buchmesse - Mit den Bloody Qindie Anthologien

Vor kurzem habe ich die Lektüre von "Bloody Qindie präsentiert: Gefährliche Bücher" beendet, und zwar mit einem Grinsen. Was für eine großartige Anthologie das wieder geworden ist! Ja, ich weiß, ich bin befangen und kann ja gar nicht anders als zu sagen: Super Buch! Müsst ihr lesen! Schließlich bin ich an dieser Anthologie mit zwei eigenen Geschichten beteiligt. Aber glaubt mir: Es ist wirklich ein super Buch, und ihr müsst das unbedingt alle lesen!

Ich hätte selbst nicht erwartet, dass wir aus dem vermeintlich harmlosen Thema alle so viel herausgeholt und hier den wahren Horror, da die eiskalte Gänsehaut hervorgerufen haben. Jede Autorin, jeder Autor hat das Thema auf seine ganz eigene Weise angepackt und lässt die Leserschaft zukünftig sicher behutsamer, vielleicht sogar misstrauischer mit Büchern umgehen, die plötzlich auftauchen, die einen komisch riechenden Einband haben oder deren Seiten sich erst füllen, wenn man sie durchblättert.

Wenn ihr im März einen Besuch auf der Leipziger Buchmesse plant, lade ich euch herzlich ein, unseren Qindie-Stand in Halle 3 C406 besuchen. Wir werden auch unsere neueste Bloody Qindie Anthologie "Gefährliche Bücher" dabei haben, und ein paar der beteiligten Autorinnen werden persönlich anwesend sein und sehr gern die bei uns erworbenen Exemplare signieren. Auch die bereits erschienenen sieben weiteren Bände unserer Bloody-Qindie-Reihe werdet ihr bei uns finden.

Ein Highlight wird außerdem unsere gemeinsame Bloody-Qindie-Lesung am Samstagabend sein. Wer sich traut, wird von einigen unserer Autorinnen, mich eingeschlossen, Leseproben einiger ausgewählter Geschichten aus unseren Horror-Anthologien zu hören bekommen. Die Kulisse wird wieder atmosphärisch passend, da wird Gänsehaut garantiert! Traut euch, ihr werdet mit Sicherheit eine phantastische Zeit mit uns erleben.



Wir freuen uns auf euch!

Dienstag, 27. Februar 2024

Leipzig liest: Willkommen zum größten Lesefest Europas!

Mehr als 2.500 Veranstaltungen an 300 verschiedenen Orten in der Stadt und auf der Messe – das ist ein Lesefest, das seines Gleichen sucht. Rund 2.900 Mitwirkende tragen dazu bei, Leipzig auch in diesem Frühjahr wieder zur Lesestadt Nr. 1 zu machen. „Literatur dient uns als Brücke durch schwierige Zeiten und öffnet Türen zu Hoffnung und neuen Horizonten. In einer herausfordernden Zeit ist und bleibt die Leipziger Buchmesse das vertraute Zuhause des Wortes. Sie und all die vielen Veranstaltungen von Leipzig liest sind wichtige Orte des Austauschs zu den Themen, die unsere Welt bewegen“, so Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse. Neben klassischen Leseräumen wie Bibliotheken, Buchhandlungen oder Cafés wird das geschriebene Wort auch auf Friedhöfen, in Kirchen oder Galerien gefeiert. Zum ersten Mal sind auch Veranstaltungen der Manga-Comic-Con Teil des Abendprogramms. 



Leipzig freut sich auf prominente Gäste aus aller Welt

Literatur, Übersetzungen, Mangas und Comics erlebbar machen – das ist das Ziel von Leipzig liest. Dazu tragen vor allem die Autor:innen, Übersetzer:innen und Zeichner:innen bei. Sie reisen von überall an, um aus ihren Werken zu lesen, über wichtige Themen unserer Zeit zu diskutieren und natürlich auch Autogramme zu geben. Dabei scheuen sie auch weite Wege nicht. Angekündigt haben sich unter anderem:

Christopher Clark (England, gebürt. Australien): „Frühling der Revolution: Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt“, übersetzt von Norbert Juraschitz, Klaus-Dieter Schmidt und Andreas Wirthensohn DVA, 27.09.2023 

Didier Eribon (Frankreich): „Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben“, übersetzt von Sonja Finck, Suhrkamp, 11.03.2024

Ali Hazelwood (USA): „BRIDE“, übersetzt von Anna Julia Strüh, 06.02.2024

Elena Malisowa, Katerina Silwanowa (Russland, Ukraine): „Du und ich und der Sommer“, übersetzt von Olga Tomyuk, Blanvalet, 28.02.2024

John Niven (England): „O Brother”, übersetzt von Stephan Glietsch, btb, 13.03.2024

Alana S. Portero (Spanien): „Die schlechte Gewohnheit“, übersetzt von Christiane Quandt, Ullstein, 27.03.2024


„Alles außer flach“: Buchmesse-Gastland 2024 Niederlande & Flandern

In vielen europäischen Ländern sind rechtsextreme Kräfte im Aufwind – so auch in den Niederlanden. Wie lässt sich dem begegnen? Die Antwort der Niederlande & Flandern darauf sind ihre jungen und etablierten Schriftsteller:innen, die sich mit ihren Romanen, Gedichten und Essays im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit auch politisch engagieren:

Anna Enquist: „Die Seilspringerin“, übersetzt von Hanni Ehlers, Luchterhand, 20.03.2024

Stefan Hertmans: „Die Suche nach der Gegenwart. Essays für eine Zeit der Übergänge“, übersetzt von Ira Wilhelm, Diogenes, 20.03.2024

Raoul de Jong: „Jaguarmann“, übersetzt von Lotte Hammond, Edition Amikejo, 01.01.2024

Eva Meijer: „Vorwärts“, übersetzt von Hanni Ehlers, btb, 16.08.2023

Connie Palmen: „Vor allem Frauen“, übersetzt von Lisa Mensing, Diogenes, 20.03.2024

Astrid Roemer: „Vom Wahnsinn einer Frau“, übersetzt von Bettina Bach, Residenz, 04.03.2024

Gaea Schoeters: Trophäe, übersetzt von Lisa Mensing, Zsolnay, 19.02.24

Lize Spit: „Der ehrliche Finder“, übersetzt von Helga van Beuningen, S. Fischer, 13.03.2024

Angelo Tijssens: „An Rändern“, übersetzt von Stefanie Ochel, Rowohlt, 13.02.2024

Lisa Weeda: „Tanz, tanz, Revolution“, übersetzt von Birgit Erdmann, Kanon, 13.03.2024

Gijs Wilbrink: „Tiere“, übersetzt von Ruth Löbner, Ullstein, 29.02.2024


Eine Poesie der Unzugehörigkeit – Autor:innen aus Südosteuropa 

Das umfangreiche Programm des Literaturnetzwerks TRADUKI widmet sich 2024 dem Gefühl der Unzugehörigkeit. Cineastisch erleben lässt sich das vom 4. bis 7. März während der Balkan-Film-Woche. In der mittlerweile traditionellen Balkannacht im UT Connewitz stimmt Sara Renar, Künstlerin aus Zagreb, Kroatien, das Publikum mit ihren subtilen Melodien auf Südosteuropa ein. Das zeitgenössische Literaturschaffen dieser Länder präsentiert TRADUKI mit Autor:innen und Werken wie folgenden:

Alexandru Bulucz: „Stundenholz“, Schöffling & Co. Verlag, 20.03.2024 

Stefan Çapaliku: „Tirana. Ein kurzer Traum“, übersetzt von Zuzana Finger, Transit Verlag, 26.02.2024 

Zoltán Danyi: „Rosenroman“, übersetzt von Terézia Mora, Suhrkamp Verlag, 11.09.2023 

Aleksandar Hemon: „Die Welt und alles, was sie enthält“, übersetzt von Henning Ahrens, Claassen 01.02.2024

Nataša Kramberger: „Mauerpfeffer“, übersetzt von Liza Linde, Verbrecher Verlag, 05.10.2023 

Barbi Marković: „Minihorror“, Residenz Verlag, 06.10.2023

Antonela Marušić: „Mitgift“, übersetzt von Marie Alpermann, Edition CONVERSO, 09.02.2024 


Norwegen – Gastland 2025 der Leipziger Buchmesse

Norwegen ist bekannt für seine Autor:innen, vor allem die Dramatiker:innen und Literaturnobelpreistragenden aber auch die zeitgenössischen Erzähler:innen. Sie sorgen seit einigen Jahrzehnten für eine Renaissance der norwegischen Literatur – vor allem wenn sie die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit aufheben und ihre Werke sich nicht mehr eindeutig in Belletristik oder Sachbuch unterscheiden lassen. Einen Vorgeschmack auf den Gastlandauftritt 2025 geben zum Beispiel:

Cecilie Enger: „Aufs Meer hinaus“, übersetzt von Gabriele Haefs, Penguin, 13.09.2023

Lena Lindgren: „Echo: Ein Essay über Algorithmen und Begehren“, übersetzt von Claudia Steinitz, Kommode, 01.02.2024

Trude Teige: „Und Großvater atmete mit den Wellen“, übersetzt von Günther Frauenlob, Fischer, 27.03.2024

Andreas Viestad: „Ein Abendessen in Rom“, übersetzt von Ulrich Sonnenberg, Transit, 21.11.2023


Geschichten, die das Leben schreibt – die aktuelle deutschsprachige Literatur

Elemente ihrer eigenen Biografie tauchen auch in den aktuellen Titeln deutscher Schreibender wieder verstärkt auf – seien es die Endlichkeit des Lebens und die Unmöglichkeit des Abschiedsnehmens, das Altwerden mit Hund statt Frau oder zeitlose grenzüberschreitende Freundschaften und die fortwährende Suche nach den eigenen Wurzeln. Unter den deutschsprachigen Autor:innen, die im Rahmen von Leipzig liest ihre neuen Werke vorstellen, befinden sich ebenfalls ehemalige Nominierte für den Preis der Leipziger Buchmesse wie Anne Weber und Ulrich Peltzer. Der Preis wird in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen.

Dana Grigorcea: „Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen“, Penguin, 28.02.2024

Bodo Kirchhoff: „Seit er sein Leben mit einem Tier teilt“, dtv, 11.01.2024

Angela Krauß: „Das Weltgebäude muss errichtet werden. Man will ja irgendwo wohnen.“, Suhrkamp, 11.03.2024

Ulrich Peltzer: „Der Ernst des Lebens“, S. Fischer, 13.03.2024

Bernhard Schlink: „Das späte Leben“, Diogenes, 13.12.2023

Heinrich Steinfest: „Sprung ins Leere“, Piper, 29.2.2024

Anne Weber: „Bannmeilen“, Matthes & Seitz, 07.03.2024

Frank Witzel: „Meine Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts“, Matthes & Seitz, 23.03.24

Iris Wolff: „Lichtungen“, Klett-Cotta, 13.01.2024


Junge Stimmen auf der Leipziger Buchmesse

Man verpasst im Leben mehr, als man erleben kann. Manche erleben aber auch mehr, als man ertragen kann. Wie sich das anfühlt, dieses Leben, wenn man gerade 18 geworden ist und die Freiheit in einer Metropole sucht – oder wenn man mit der Familie flüchten muss, davon und von vielen anderen bewegenden Geschichten erzählen die jungen Autor:innen auf der Buchmesse und während der Langen Leipziger Lesenacht am 20. und 21. März in der Moritzbastei. 

Illona Hartmann: „Klarkommen“, park x ullstein, 01.02.2024

Elias Hirschel: „Content“, Zsolnay, 29.01.2024

Maren Karmes: „Halb Taube Halb Pfau“, Suhrkamp, 18.03.2024 & Hasenprosa, Suhrkamp, 18.03.2024

Deniz Ohde: „Ich stelle mich schlafend“, Suhrkamp, 11.03.2024

Ronya Othmann: „Vierundsiebzig“, Rowohlt, 12.03.2024

Toxische Pommes: „Ein schönes Ausländerkind“, Zsolnay, 18.03.2024

Kurt Tallert: „Spur und Abweg“, DuMont, 13.02.2024

Evan Tempest: „Schreib den Namen deiner Mutter“, Piper, 29.02.2024

 

Jüdische Lebenswelten: Gespräche und Lektüre als Wege der Verständigung

In einer Zeit, in der Antisemitismus und Rassismus in Deutschland erstarken, gibt Literatur Vielfalt eine Stimme, weckt Empathie und öffnet Türen. Das Programm auf der Leipziger Buchmesse stellt sehr unterschiedliche Werke und Themen vor, die facettenreiche Einblicke in jüdische Lebenswelten ermöglichen. Es lädt dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken und bestehende Meinungen zu hinterfragen. Sein Ziel: Verständnis und Solidarität mit jüdischen Menschen zu fördern – für eine Gesellschaft, die respektvoll und tolerant ist, und die ihren jüdischen Mitbürger:innen das Gefühl vermittelt: Wir stehen an eurer Seite!

Stephan Abarbanell: „Paula oder Die sieben Farben der Einsamkeit“, Blessing, 20.03.2024

Philipp Peymann Engel: „Deutsche Lebenslügen“, dtv, 14.03.2024

Mirna Funk: „Von Juden lernen“, dtv, 15.02.2024

Thomas Sparr: „Zauberberge. Ein Jahrhundertroman aus Davos“, S. Fischer, 15.02.2024


Die Unabhängigen Verlage

Das Forum „Die Unabhängigen“ ist in diesem Jahr zum siebten Mal auf der Leipziger Buchmesse zu finden. Mit über 43 Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Podiumsgästen aus ganz Europa richtet es seinen Blick erneut darauf, was uns als Gesellschaft bewegt und welche ästhetischen Maßstäbe Literatur setzt. An vier Messetagen werden bei 49 Veranstaltungen zahlreiche Herausgeber:innen, Übersetzer:innen, Verleger:innen und Autor:innen wie folgende vor Ort sein: 

Artur Becker: „Schwarze Servietten auf meinem Herzen. Aus den Leben der Kosmopolen“,  Arco, 18.03.2024

Helwig Brunner: „Flirren“, Literaturverlag Droschl, 29.02.2024

Frauke Buchholz: „Skalpjagd“, Pendragon Verlag, 21.02.2024

Dilek Güngör: „A wie Ada“, Verbrecher Verlag, 24.01.2024

Thomas Lehr: „Kafkas Schere“, Wallstein, 28.02.2024

Alexander Kamber: „Nachtblaue Blumen“, Limmat, 14.03.2024

Odile Kennel: „Irgendetwas dazwischen“, Verlagshaus Berlin, 16.10.2023

Theresa Patzschke: „Verweile Doch“, Korbinian, 18.03.2024

Jochen Schimmang: „Abschied von den Diskursteilnehmern“, Edition Nautilus GmbH, 04.03.2024

Sophia Lunra Schnack: „feuchtes holz“, Otto Müller Verlag GmbH, 23.08.2023


Von Toyfriends, Datingshows, Fürsten, Sizilianerinnen und veganen Rühreiern

Literatur soll bewegen, aufrütteln und nachdenklich machen – sie soll aber auch für Spannung sorgen, mitreißen, begeistern und amüsieren. Die neuen Titel aus dem Bereich Unterhaltung versprechen genau das. Ob fesselnde Lebens- und Liebesgeschichte, Familiensaga oder historischer Roman, die Held:innen laden zum Mitfiebern ein und erklären der älteren Generation auch schon mal Gendersternchen und Klimaaktivismus. Hier einige Beispiele:

Ayla Dade: „Blackwell Palace. Feeling it all”, Penguin, 07.02.2024

Sabine Ebert: „Der Silberbaum. Die siebente Tugend“, Droemer Knaur, 02.11.2023

Amelie Fried: „Der längste Sommer ihres Lebens“, Heyne, 13.03.2024

Mario Giordano: „Die Frauen der Familie Carbonaro“, Goldmann, 13.03.2024

Wladimir Kaminer: „Wie sage ich es meiner Mutter“, Goldmann, 22.11.2023

Darkviktory & Kostas Kind: „Secondhand Toyfriend”, Fischer New Media,13.03.2024

Sarah Sprinz: „Infinity Falling. Change My Mind“, Lyx, 20.02.2024

 

Antisemitismus, Identität, Protest u. v. m. – die Sachbuch/Politik/Gesellschaft-Novitäten

Wer unabhängig informiert sein und Zusammenhänge verstehen möchte, den bringen gute Sachbücher weiter. In Zeiten, in denen vor allem das digitale Informationsangebot schier unendlich scheint und Fake-News zunehmen, hilft oft der Griff ins Regal – oder der Besuch einer Podiumsdiskussion. Unter dem Motto „Rechtspopulismus und Antisemitismus in Europa“ spricht am 22. März um 20 Uhr im Alten Rathaus zu Leipzig Susan Arndt, Autorin des Buches „Ich bin Ostdeutsch und gegen die AfD“ (C.H. Beck) mit Philipp Peyman Engel,  Autor von „Deutsche Lebenslügen. Der Antisemitismus, wieder und immer noch“ (dtv) und Markus Preiß, Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen und Autor von „Angezählt – Warum ein schwaches Deutschland Europa schadet“ (dtv). Die Moderation übernimmt Susanne Biedenkopf.

Aus der Kategorie Sachbuch/Politik/Gesellschaft haben sich ebenfalls u. a. angekündigt:

Sina Haghirir: „Mit Nachsicht. Wie Empathie uns selbst und vielleicht sogar die Welt verändern kann“, Kösel, 20.03.2024

Ole Liebl: „Freunde lieben. Die Revolte in unseren engsten Beziehungen“, HarperCollins, 20.02.2024

Sabine Adler: „Was wird aus Russland – Über eine Nation zwischen Krieg und Selbstzerstörung“, Ch.Links, 14.02.2024

Friedeman Karig: „Was ihr wollt“, Ullstein, 14.03.2024

Ilko-Sascha Kowalczuk: „Walter Ulbricht. Der kommunistische Diktator“, C.H.Beck, 14.03.2024

Leonie Schöler: „Beklaute Frauen“, Penguin, 28.02.2024

Jessi Welmer: „Die neue Entfremdung. Warum Ost- und Westdeutschland auseinanderdriften und was wir dagegen tun können“, Kiepenheuer & Witsch, 08.02.2024


Das Frühjahr wird spannend – die neuen Krimis 2024

Vielleicht verzichten Sie beim nächsten Restaurantbesuch auf den Gruß aus der Küche. Eventuell wollen Sie auch nie mehr an die Ostsee – und auch nicht nach Gran Canaria. Möglicherweise gruseln Sie sich auch einfach nur angenehm, wenn die fiktive schwedische Kommissarin ihren ersten Fall löst oder eine Gruppe von Expert:innen versucht, aus einer KI-gesteuerten Escape-Welt zu entkommen. Eines ist sicher: Krimi- und Thrillerfans langweilen sich 2024 dank Titeln wie folgenden garantiert nicht:

Eva Almstädt: „Ostseefinsternis“, Lübbe, 28.03.2024

Eric Berg: „Roter Sand. Mord auf Gran Canaria”, Limes, 28.02.2024

Arne Dahl: „Stummer Schrei“, Piper, 01.02.2024

Ingrid Noll: „Gruß aus der Küche“, Diogenes, 21.02.2024

Ursula Poznanski: „Die Burg“, Droemer Knaur, 01.02.2024

Sabine Thiesler: „Romeos Tod”, Heyne, 17.01.2024


Auch Promis, Stars & Sternchen schreiben wieder

Wer Schauspieler:innen wie Jörg Hartmann, Oliver Masucci oder Uschi Glas gerne in Filmen sieht, kann jetzt auch auf Papier mit ihnen mitfiebern. Autobiografisches erfährt man in diesem Jahr ebenfalls von Influencerin Carmushka oder Martin Sonneborn. 

Carmushka: „Mein Knopf, ein Universum“, Community Editions, 29.02.2024

Uschi Glas: „Ein Schätzchen war ich nie“, Mosaik, 28.02.2024

Jörg Hartmann: „Der Lärm des Lebens“, Rowohlt, 12.03.2024

Boss Hoss: „The BossHoss. Rock am Grill Volume II”, Südwest, 27.03.2024

Marc Uwe Kling: „Die Känguru-Klassiker, mit Zeichnungen von Bernd Kissel“, Reclam, 20.03.2024, Hörbuch „Trubel bei Tiffany & Co“, Silberfisch, 25.03.2024

Sebastian Klussmann: „Fast alles, was Sie wissen müssen Teil 2“, Heyne, 13.03.2024

Oliver Masucci: „Träumertänzer“, Lübbe, 29.09.2023

Katja Riemann: „Zeit der Zäune. Orte der Flucht“, S. Fischer, 28.02.2024

Martin Sonneborn: „Herr Sonneborn bleibt in Brüssel. Neue Abenteuer im Europaparlament“, Kiepenheuer & Witsch, 08.02.2024


Neue Kinder- und Jugendliteratur zum Zaubern, Träumen und Lernen

Wer Kinder und Jugendliche fürs Lesen begeistern kann, der hat es wirklich drauf. Denn sie klappen ein Buch direkt zu, wenn es sie nicht mitreißt. Spannende Geschichten und Figuren, mit denen sich auch die Jüngsten identifizieren können, bieten die Novitäten in diesem Jahr zweifelsohne. Viel dazu lernen lässt sich zum Beispiel mit den neuen Sach-Bilderbüchern von Mai Thi Nguyen-Kim und Marie Meimberg. In ihren zwei neuen Titeln erklären sie kindgerecht, warum wir besser überleben, wenn wir sehr, sehr unterschiedlich sind, warum Sterne leuchten und Dinos noch leben.

Raúl Aguayo-Krauthausen: „Als Ela das All eroberte“, Carlsen, 26.02.2024

Sabine Buhlmann: „Willkommen bei den Grauses 1. Wer ist schon normal?“, Planet!, 24.02.2024

Paul & Hannes Maar: „Die Tochter der Zauberin“, Oetinger, 09.02.2024

Mai Thi Nguyen-Kim (Autorin) & Marie Meimberg (Autorin, Illustratorin): „BiBiBiber hat da mal 'ne Frage. Sind Dinos wirklich alle tot?“, Oetinger, 14.03.2024 & „BiBiBiber hat da mal 'ne Frage. Warum leuchten Sterne?“, Oetinger, 14.03.2024

THiLO: „Ostwind. Ein Delfin braucht Hilfe“, Penguin Random House, 28.02.2024

Adriana Popescu: „Der Sommer, als wir träumen lernten“, cbt, 13.03.2024

ViktoriaSarina: „Abenteuer vom Rosenhof. Sorge um Cookie“, Community Editions,  01.03.2024


10 Jahre Manga-Comic-Con mit vielen neuen Manga, Animes, Webtoons & Comics 

Echte Manga-, Anime-, Webtoon- und Comicfans zählen bereits die Tage bis die Convention ihre Türen öffnet. Denn dann haben sie wieder gute Chancen, ihre Stars auf der Manga-Comic-Con und abends bei Leipzig liest zu treffen – und Autogramme und Fanartikel abzustauben. Einige der Künstler:innen kommen von weit her, viele sind inzwischen Stammgäste auf der Convention. Vor Ort werden unter anderem erwartet:

Jonathan Kunz und Timo Wuerz u. v. m.: „Der wichtigste Comic aller Zeiten: Geschichten, um die Welt zu retten“, Panini, 19.03.2024

Nora Krug: „Im Krieg. Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg“, übersetzt von Alexander Weber und Nora Krug, Penguin, 14.02.2024

Joris Mertens: „Beatrice“, übersetzt von Axel Rothkamm, Splitter, 23.08.2023

Thomas Nicolai (Übersetzer): „Asterix Mundart Sächsisch IV - Hühm wie Drühm“, Egmont Comic Collection, 09.03.2024

Satoru Nii: „Wind Breaker 5“, übersetzt von Jan-Christoph Müller, TOKYOPOP, 10.01.2024

Flavia Scuderi (Illustratorin) & Alessandro Ferrari (Autor): „Marlene Dietrich“ Bd. 2, Panini, 19.03.2024

sora: „Lieb mich noch, bevor du stirbst“ Bd. 17, übersetzt von Rahel Niedermann, altraverse, 15.01.2024

Gou Tanabe: „Mr Nobody – Auf den Spuren der Vergangenheit 3“, Carlsen Manga, 09.01.2024


Seit dem 22. Februar finden Sie das detaillierte Programm von Leipzig liest mit allen Veranstaltungen auf der Website sowie in der App.


Freitag, 1. Dezember 2023

„Alles außer flach“ – Niederlande & Flandern. Gastland der Leipziger Buchmesse 2024

Die Niederlande haben gewählt. Am 22. November 2023 hat die „Partei der Freiheit“ unter der Führung des Rechtspopulisten Geert Wilders bei der Parlamentswahl die meisten Stimmen bekommen. Ein Schock für viele im Land, das doch bisher als besonders freizügig und freundlich galt. Dabei bilden die Niederlande mit diesem Wahlergebnis keine Ausnahme: In vielen europäischen Ländern sind rechtsextreme Kräfte im Aufwind. Was bedeutet das für den Gastlandauftritt auf der Leipziger Buchmesse 2024? Die Antwort liegt bereits im Auftreten der jungen niederländischsprachigen Schriftsteller:innengeneration, die in Leipzig zu Gast sein wird. Ihre Romane, Gedichte und Essays sind politisch engagiert, sensibel für Veränderungen und der Welt unbedingt zugewandt. Der Gastlandauftritt der Niederlande und Flanderns findet im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit statt, fördert unabhängige Verlage und setzt sich für Diversität und Menschenrechte ein. Denn Literatur kann, soll und darf nicht nur unterhalten und bewegen, sondern auch aktivieren, motivieren und ermutigen. Dieser Kraft der Literatur sind wir uns bewusst und treten für sie ein. Das war bereits vor dem 22. November 2023 so und gilt seitdem umso mehr.

Und woran denken Sie, wenn Sie an die Niederlande und Flandern denken? Eine Region am westlichen Rand des europäischen Kontinents, ohne hohe Berge und tiefe Täler? Landschaften, in denen die Menschen sicher hinter ihren Deichen leben, Tulpen pflanzen und dabei grasenden Kühen und sich gemächlich drehenden Windmühlen zusehen? An Künstler wie Rembrandt, Rubens und Vermeer? Oder an die berühmte Offenheit und Toleranz, die durch die aktuellen Wahlen eine Schlagseite bekommen haben?

Als Gastland der Leipziger Buchmesse möchten die Niederlande und Flandern ein aktuelles Bild der flachen Länder präsentieren! Denn wer hoch auf den Deichen steht, hat einen weiten Blick. Wer kaum Berge und Täler kennt und am Meer lebt, knüpft leicht Kontakt zum Rest der Welt. Und wer mit der Welt im Kontakt steht, denkt über sie nach, denkt international, ist offen für diverse Einflüsse, ist innovativ und engagiert.

Die Niederlande und Flandern mögen geografisch flach sein. In gesellschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht sind sie es ganz sicher nicht. In Leipzig wird niederländische und flämische Literatur präsentiert, die für sich steht, die Geschichten von gedanklichen Gipfeln und emotionalen Tälern erzählt, die literarische Steilhänge und Schluchten erkundet, die genau so ist: „Alles außer flach”.

Fünf Kernthemen prägen den Gastlandauftritt unter dem Motto „Alles außer flach”:

I. Neue Stimmen, neue Perspektiven

Neue Stimmen, neue Perspektiven: Eine neue Generation von niederländischen und flämischen Autor:innen ist auf der Leipziger Buchmesse 2024 zu Gast.

Die Erinnerung ist noch frisch, dass die niederländische und flämische Literatur 2016 im Mittelpunkt der Frankfurter Buchmesse stand. Doch seitdem ist viel passiert: In den vergangenen acht Jahren hat sich die Welt verändert und eine neue schreibende Generation ist nachgerückt. Und wenn die Welt sich verändert, verändert sich auch die Literatur. In Leipzig werden diese Veränderungen unter dem Motto „Alles außer flach” präsentiert.

Charakteristisch für die Arbeit der neuen Autor:innengeneration ist vor allem ihr persönliches Engagement. Politische Themen wie die Klimakrise, Geschlechtergleichheit, Rassismus und Kolonialismus spielen ganz selbstverständlich eine Rolle in ihren Texten. Aktuelle Ereignisse und Debatten werden ernsthaft thematisiert, doch oft in einem charakteristisch leichten Ton beschrieben und humorvoll kommentiert.

Dafür nur drei Beispiele: In Jaguarmann (edition amikejo, Übersetzung: Lotte Hammond) begibt sich Raoul de Jong auf die Suche nach Held:innen der Geschichte Surinams – dem Land, aus dem sein Vater kommt. Mariken Heitman schreibt in Wilde Erbsen (Klett-Cotta, Übersetzung: Christiane Burkhardt) über binäre Normen und darüber, wie das Leben aussieht, wenn man sich keiner der beiden Kategorien Mann oder Frau zugehörig fühlt. In ihrem spannenden und erschütternden Roman Trophäe (Zsolnay, Übersetzung: Lisa Mensing) untergräbt Gaea Schoeters wiederum den weißen, neokolonialen Blick auf Afrika.

Im Rahmen von „Leipzig liest“ schlagen zudem Autor:innen aus den Niederlanden und Flandern gemeinsam mit deutschen Kolleg:innen literarische Brücken: So spricht unter anderem Anna Enquist mit Szusza Bánk, Stefan Hertmans mit Nora Bossong und Mariken Heitman trifft auf Lola Randl.

Natürlich kommen auch Dichter:innen nach Leipzig, darunter Radna Fabias, Maarten Inghels und Charlotte Van den Broeck. Engagiert, eigenwillig und mit Humor betrachten sie die Welt jeweils aus ihrem persönlichen Blickwinkel und in ihrem ganz eigenen Stil. Zu erleben sind sie unter anderem während „Apéro & Poetry“, der täglichen Eröffnungsveranstaltung des Programms in der Schaubühne Lindenfels, dem Hauptquartier des Gastlandauftritts.

Weitere Autor:innen, die auf der Leipziger Buchmesse erwartet werden, sind: Simone Atangana Bekono, Rob van Essen, Valentijn Hoogenkamp, Connie Palmen, Jaap Robben, Astrid Roemer, Matthijs de Ridder, Eva Meijer, Angelo Tijssens, Lize Spit, Wytske Versteeg, Gijs Wilbrink, Annelies Verbeke und Lisa Weeda.

Auch das Projekt „Du hast eine neue Freundschaftsanfrage“, welches im Oktober 2023 einen erfolgreichen Auftakt in Leipzig feierte, wird fortgesetzt. Während der Messe werden die drei vielversprechenden, aber noch nicht ins Deutsche übersetzten Autorinnen Aya Sabi, Nadia de Vries und Sholeh Rezazadeh ihre Leipziger Brieffreundinnen Kaśka Bryla, Marlen Hobrack und Linn Penelope Rieger wiedertreffen. Worüber werden sie ihre nächsten Briefe schreiben?

Am Messestand des Gastlandes gibt die renommierte Illustratorin und Graphic Novel-Künstlerin Judith Vanistendael einen Workshop zum Thema „Wolken“, bei dem die Messebesucher:innen selbst kreativ werden und die Wolken von René Magritte und Jacob van Ruisdael in einen Graphic Novel-Stil übertragen können.

Und selbstverständlich findet am Messestand erneut das erfolgreiche Gesprächsformat „Kopje koffie” statt, bei dem bereits 2023 Gastlandautor:innen in schneller Folge bei einer Tasse Kaffee ihre neuen Bücher präsentierten.

II. Kinder- und Jugendliteratur 

Kinder- und Jugendliteratur aus den Niederlanden und Flandern ist anspruchsvoll, innovativ und spannend: In der internationalen Verlagswelt ist das längst bekannt.

Nach Leipzig sind zehn preisgekrönte und international bekannte Kinderbuchautor:innen eingeladen: Ihre Bücher sind tonangebend, inspirierend und zeichnen sich bei der Themenwahl durch Originalität, Inklusivität und Einfallsreichtum aus.

Martijn van der Linden und Maranke Rinck haben gemeinsam eine Reihe für Erstleser:innen entwickelt: Bob Popcorn „für alle ab 4 Jahren, die auch mal wütend werden“ (Schaltzeit, Übersetzer: Rolf Erdorf). In ihrem historischen Roman Nächte im Tunnel (Carlsen, Übersetzung: Andrea Kluitmann), der gerade mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher ausgezeichnet wurde, schreibt Anna Woltz über Freundschaft und Klassenunterschiede. Ihr Buch Skip und der Kaninchendieb (Carlsen, Illustration: Saskia Gayman, Übersetzung: Andrea Kluitmann), mit dem sie eine jüngere Zielgruppe anspricht, erscheint kurz vor der Buchmesse. Nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Leipziger Buchmesse 2023 stellt Leo Timmers das Bilderbuch Bär und seine Brille (DOZ-Verlag) vor. Diese verspielte und lustige Geschichte sollte jedem Brillenträger bekannt vorkommen. Autor Stefan Boonen und Illustrator Melvin, von denen schon mehrere Bücher ins Deutsche übersetzt wurden, präsentieren ihr erstes gemeinsames Sachbuchprojekt für Kinder: Billie und seine Gene (mixtvision, Übersetzung: Birgit Erdmann), ein lehrreiches und lustiges Buch über unsere DNA. Mit dem illustrierten Roman Hier kommt Bahar Bizarr (Beltz und Geldberg, Übersetzung: Rolf Erdorf) hat Michael de Cock eine fröhliche und unkomplizierte Geschichte über das Erwachsenwerden, Identität, Freundschaft und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt geschrieben. Die schwarz-weiß-Illustrationen von Arevik d’Or unterstreichen dabei den zeitlosen und positiven Charakter von Bahars Geschichte. Enne Koens’ Buch Ich bin Vincent und ich habe keine Angst (Gerstenberg, Übersetzung: Andrea Kluitmann) war für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, wird derzeit in Deutschland verfilmt und auch eine Theateradaption ist geplant.

Edward van de Vendel wiederum ist ein echtes Phänomen. Er ist Autor, Kinderbuchbotschafter und Verleger. Und er schreibt Geschichten für alle: vom Bilderbuch bis zum Jugendbuch und wurde dafür vielfach ausgezeichnet.

Eselsohr – die Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien wird aus Anlass des Gastlandauftrittes im Februar eine Sonderausgabe über niederländische und flämische Kinderliteratur herausgeben. Darin unter anderem eine Tour d’Horizon von Mirjam Noorduijn und ein ausführliches Interview mit Edward van de Vendel.

III. Ohne Übersetzer:innen keine Weltliteratur 

Ohne Übersetzer:innen keine Weltliteratur und keine niederländischsprachige Literatur für deutsche Leser:innen. Nur dank engagierter Übersetzer:innen erreicht ein Buch sein internationales Publikum. Aus diesem Grund bekommt die Kunst des Übersetzens innerhalb des Gastlandauftritts einen prominenten Platz. Unter anderem richtet sich die Aufmerksamkeit auf die handwerkliche Dimension des Übersetzens: Wie arbeiten Literaturübersetzer:innen? Wie übersetzt man Poesie? Gibt es eigentlich unübersetzbare Wörter? Und wo verstecken sich die berüchtigten „falschen Freunde“?

Auf der Website allesausserflach.de findet sich passend dazu die Interviewreihe „Aller Anfang ist schwer“, in der Übersetzer:innen über den oft bedeutungsvollen ersten Satz der von ihnen übersetzten Bücher sprechen. Während der Leipziger Buchmesse sind außerdem zahlreiche Übersetzer:innen im Übersetzerzentrum und am Messestand zu Gast. Die feierliche Vergabe des renommierten Else-Otten-Preises für die beste Übersetzung aus dem Niederländischen ins Deutsche wird ebenfalls Teil des Gastlandprogramms sein.

IV. Multimediale Projekte

Längst findet Literatur nicht mehr nur auf Papier statt. Deshalb präsentiert das Gastland innovative literarische Ideen als multimediale Projekte. Am Messestand und in der Stadt wird gezeigt, wie Literatur jenseits des Buches Gestalt annimmt.

Das „StoryScope“, eine moderne Laterna Magica, ist dafür gemacht, dass erstklassige Kinderbuchautor:innen gemeinsam mit Kindern die schönsten Geschichten auf die Leinwand zaubern.

Ob sich das Gehirn umgehen lässt und man auf direktem Weg zum Herzen gelangen kann, dem Ort, an dem Poesie die Seele berührt? „VER“ ist eine Installation, die Virtual Reality mit Poesie kombiniert und Gedichte „erlebbar“ macht.

Und schließlich die spektakuläre „Poetry Booth“: eine Zusammenarbeit zwischen niederländischsprachigen Dichter:innen und der revolutionären Rechenleistung künstlicher Intelligenz. Stell dich vor den Spiegel, fotografiere dich, und in Windeseile schreibt diese Poesie-Maschine ein Gedicht im Stil der am Projekt beteiligten Dichter:innen.

Neben diesen hybriden digitalen Formen der Literatur werden in der Schaubühne Lindenfels niederländische und flämische Spoken Word-Künstler:innen mit ihren deutschen Kolleg:innen zusammenarbeiten. Gemeinsam schaffen sie brandneue Werke, die während „Apéro & Poetry” vorgetragen werden.

V.  Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein charakteristisches Merkmal dieses Gastlandauftritts. Für das Design des Messestandes wird ausschließlich recyceltes oder geliehenes Material eingesetzt. Tische und Wände, Vorhänge und Lampen – alles wird wiederverwendet.

Doch nicht nur äußerlich, auch inhaltlich setzen die Niederlande und Flandern auf Nachhaltigkeit: Eigens initiierte internationale Kooperationen werden nach dem Gastlandauftritt nicht enden. Die Autorinnen des Projekts „Du hast eine neue Freundschaftsanfrage“ inspirieren sich gegenseitig und treten gemeinsam in den Niederlanden, Flandern und Deutschland auf. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Spoken Word-Vereinen „Mensen Zeggen Dingen“ („Menschen sagen Dinge“) aus den Niederlanden und „Livelyrix“ aus Leipzig soll über die Buchmesse hinaus weitergeführt werden. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast „Kopje Koffie” ist ebenso ein Beispiel für inhaltliche Nachhaltigkeit. Seit 2021 sind über zwanzig Folgen, in denen neue Bücher niederländischer und flämischer Autor:innen vorgestellt werden, erschienen. Auch nach der Buchmesse wird der Podcast fortgesetzt.

 „Alles außer flach“ – Niederlande & Flandern. Gastland Leipziger Buchmesse 24

Niederländische Stiftung für Literatur, Amsterdam

Flanders Literature, Antwerpen

Sonntag, 29. Oktober 2023

Buchtipp: "Der Skandal" von T. S. Orgel

Das schreibende Brüderpaar, das hinter dem Pseudonym T. S. Orgel steckt, ist schon seit einigen Jahren fester und erfolgreicher Bestandteil der deutschsprachigen Phantastik. Bekannt sind sie für ihre epischen Fantasyromane, aber auch für historische Romane und Science Fiction. Sie sind gern gesehene Gäste beim BuCon und bereichern dessen Programm regelmäßig mit ihren launigen Lesungen - wirklich, die solltet ihr euch mal live gönnen, macht Spaß!

Nun habe ich aber tatsächlich noch kein einziges ihrer Bücher gelesen - bis heute, und was ich euch heute vorstellen möchte, fällt schon rein vom Thema total aus dem "typischen" Orgel-Schema. Es handelt sich nämlich um einen Thriller. Einen Biothriller, genauer gesagt.

"Der Skandal" fühlt sich an wie ein Kino-Blockbuster, in dem es um Weltkonzerne, raffinierte Biotechnologie, korrupte mächtige Menschen, clevere Aktivistinnen und eine Bedrohung für die gesamte Menschheit geht. Würde mich wirklich nicht wundern, wenn das demnächst bei Netflix & Co. angekündigt wird. Vor meinem inneren Auge lief jedenfalls die ganze Zeit der Film mit.

Worum geht es?

Da ist dieses supermoderne, coole Unternehmen namens Light Foods. Die haben es geschafft, Fleisch im Labor zu züchten. Für dieses Fleisch müssen keine Tiere sterben, und es unterscheidet sich in Geschmack, Optik und Struktur nicht von echtem Fleisch - im Gegenteil: es schmeckt noch besser. Zu schön, um wahr zu sein? Firmenchef Dan Light ist von seiner Vision und seiner Firma absolut überzeugt. Das Geschäft brummt, die ganze Welt ist verrückt nach seinen Produkten. Doch dann tauchen Gerüchte auf, dass Light Foods etwas mit den immer häufiger auftretenden Fällen einer tödlichen Krankheit namens TASE zu tun hat. Als eine Gruppe von Aktivisten, die ebenfalls diesem Verdacht nachgehen, mit einer Aktion für die nötige Aufmerksamkeit sorgen, eskaliert die Situation, und plötzlich stehen nicht nur die Aktivisten im Fokus, sondern Dan Light selbst gerät unter Verdacht und riskiert, alles zu verlieren.

Mein Eindruck

Ich bin ganz angetan von diesem Thriller. Er spielt in Deutschland - Berlin, Müritz, die Mecklenburger Seenplatte, das Brandenburger Havelland sind die Schauplätze. Die vielen technischen Details sind leicht verständlich in die Handlung eingebaut. Es werden immer mal falsche Fährten ausgelegt und mehr oder weniger überraschende Wendepunkte eingebaut. Ich mochte die kleinen Seitenhiebe hier und da auf gewisse in der realen Welt existierende Milliardäre, die zufällig auch im Brandenburger Land Standorte für ihre zukunftsorientierten Technologien betreiben. Mir hat es auch Spaß gemacht mitzuraten, welche Figur ein falsches Spiel spielt und wer sich am Ende als gar nicht so großes Arschloch herausstellt, wie ich das als Leserin zunächst annehmen sollte.

Wer Thriller mag, in denen es um die Tücken der Technologie geht, wird hier fündig. Rasant, unterhaltsam und hochaktuell verpackt erzählen uns die Orgels eine spannende Geschichte, deren reale Hintergründe gar nicht mehr so Science Fiction sind, sondern möglicherweise schon bald bestimmender Teil unserer Welt sein könnten.

Von mir gibt es 4, 5 von 5 kontaminierten Nährlösungstanks.


Ihr findet das Buch "Der Skandal" überall im Buchhandel und allen einschlägig bekannten Online-Shops.

Bilder: Offizielle Website von T. S. Orgel


Freitag, 27. Oktober 2023

Leserunde für "Bloody Qindie: Gefährliche Bücher" - Jetzt bewerben!

Ich hatte ja versprochen, hier Bescheid zu geben, wenn die Leserunde zu unserer neuesten Bloody Qindie Anthologie losgeht. Also: Bescheid!

Auf Lovelybooks könnt ihr euch noch bis 31. Oktober 2023 um eines von 15 Freiexemplaren bewerben. Oder ihr habt das Buch bereits erworben oder habt es noch vor, dann macht einfach mit und diskutiert mit allen Teilnehmenden sowie den Autorinnen der Anthologie.

Bitte hier entlang: Lovelybooks Leserunde für Bloody Qindie: Gefährliche Bücher

Viel Glück für den Lostopf und viel Spaß bei der Lektüre!


BuCon und Frankfurter Buchmesse 2023 - Kleiner Rückblick

Fast eine Woche ist es schon wieder her, dass ich mich kopfüber ins Buchmessegetümmel gestürzt habe. Da ich direkt danach die hessische Herbstferienwoche für einen Wellnessausflug mit der Familie genutzt habe, komme ich erst heute, gut erholt und ausgeschlafen, dazu zurückzublicken.

Frankfurter Buchmesse

Am Freitag ging es für mich zur FBM. Ich hatte das Glück, ein Fachbesucherticket zu bekommen (danke an den Alea Libris Verlag!), und konnte schon vormittags aufs Messegelände. Als ich nämlich gegen 14 Uhr in der Zwischenebene von Halle 3 runter in den Eingangsbereich blickte, entdeckte ich dort eine richtig große Menschentraube - ab 14:30 Uhr öffnete die Messe für Privatbesucher, und gefühlt waren die meisten schon dort und bereit, die Hallen zu stürmen. Am Nachmittag wurde es zumindest in Halle 3.0 auch extrem voll, wobei ich von genügend Berichten über den Messesamstag weiß, dass ich nur einen Vorgeschmack auf das Chaos erlebt hatte - der aber hatte mir bereits gereicht.

Was erlebte ich alles am Freitag auf der FBM? Nun, ich habe wieder einmal die meiste Zeit in Halle 3.0 verbracht. Ich traf meinen Qindie-Kollegen David Pawn, ein paar der Leute vom PAN-Team und meine liebe Freundin Michaela Harich, die diesmal mit eigenem Stand und ihrem eigenen Verlag Alea Libris am Start war. Dementsprechend gefragt war sie und hatte zwischen den Terminen auch leider gar nicht so viel Zeit. Aber die Freude über unser Wiedersehen war groß, und da auch ihr restliches Standteam zauberhaft und sehr lieb zu mir war (ich bekam jederzeit Kaffee!), verbrachte ich dennoch viel Zeit bei Alea Libris. Besonders groß war meine Freude, Vicky Lubomski nach etlichen Jahren wiederzusehen. Sie ist so eine begnadete Künstlerin, und ich hoffe, ich komme demnächst wieder in den Genuss ihrer Coverdesignskills.

Ich machte auch einen kurzen Abstecher zum Pavillon des diesjährigen Gastlandes Slowenien, lauschte eine Weile an der ARD-Bühne, wo Michel Friedman wieder sehr kluge Dinge sagte. Durch Halle 4.1 schlenderte ich auch, vor allem, weil ich mir diese groß angekündigte Meet-the-Author-Area anschauen wollte. Als ich da war, war alles leer und sah ernüchternd steril aus. Aber immerhin schien es wirklich viel Platz zu geben, falls da mal eine Autorin mit besonders großer Fanbase sitzen sollte, die da dann drängeln würden. Das Wetter spielte einigermaßen mit, sodass ich auf der Agora, also dem Außengelände, noch gemütlich einen Snack unter freiem Himmel genießen konnte.

Als ich gegen 17 Uhr das Messegelände verließ, war ich erleichtert, aus den Menschenmassen entkommen zu sein. Ich bin auch irgendwie ganz froh, den FBM-Zirkus nur als Gast und nur für einen Tag "ertragen" zu haben - Respekt an alle, die als Ausstellerinnen das Ganze die vollen fünf Tage mitgemacht haben!

Buchmesse Convent - die gar nicht mehr so kleine Messeschwester

Oder ist es der Bruder? Immerhin heißt es DER BuCon und nicht die BuCon. Dieser fand wieder am Samstag im Bürgerhaus Dreieich statt. Das Besondere für mich war in diesem Jahr der Umstand, dass ich selbst als Ausstellerin teilnehmen würde. Ich hatte mich für Qindie um einen Tisch beworben und diesen auch tatsächlich bekommen. So traf ich also gegen 9 Uhr im großen Saal ein, wo unser Tisch schräg gegenüber vom Catering stand. Mit schwarzen Tischdecken und passenden Kerzenständern war schnell die passende Rahmendeko geschaffen, um unsere Bloody Qindie Anthologien zu präsentieren. Auf diese wollte ich nämlich den Fokus richten und platzierte um die inzwischen 8 Bände nur wenige ausgewählte andere Titel. Mehr wäre auch gar nicht gegangen, denn so ein Tisch ist schnell voll.

Mit Martina Bauer, die extra für den BuCon angereist war, bekam ich hervorragende Unterstützung für unseren Tisch. Martina ist langjähriges Qindie-Mitglied und schreibt für die Bloody Qindie Anthologien auch fast immer passende Geschichten. So konnten wir uns abwechseln, eine konnte auch mal eine Runde drehen, Pause machen oder am vollgepackten BuCon-Programm teilnehmen, während die andere die Stellung hielt. Wir hätten am Ende des Tages zwar gerne viel mehr Bücher verkauft (wobei der Umsatz doch ganz ordentlich war), aber wichtiger war, dass wir eine Menge Spaß hatten und viele gute Gespräche mit Menschen führen konnten, die bei uns vorbeischauten.

Tatsächlich hatte ich auch einen eigenen Programmpunkt. Um 17 Uhr präsentierte Herausgeber Constantin Dupien die frisch erschienene Mängelexemplare Anthologie-Dilogie (ja, richtig gelesen: eine Anthologie, die aus zwei Bänden besteht). Ich hatte für den Band "Am Ende der Zeit" eine Geschichte  mit dem Titel "Steve und Gypsy" beigesteuert, die ich an anderer Stelle vorstellen werde, und durfte zusammen mit Constantin und einigen weiteren anwesenden Autorinnen die Bücher vorstellen und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

Riesig gefreut habe ich mich, Vincent Voss und Arthur Gordon Wolf wiederzusehen. Beide sind begnadete Autoren, besonders von Vincent bin ich ja schon seit etlichen Jahren Fan. Und es war ewig her, seit wir uns das letzte Mal begegnet waren. Und nun sind wir wieder vereint in den Mängelexemplaren von Constantin Dupien. Ein großartiges Gefühl! Neu kennengelernt habe ich die Autorin Sanjina Karma, die mit der neuen Anthologie zur Mängelexemplare-Familie dazugestoßen ist. Sie las eine kurze Passage aus ihrer Geschichte "Idas Augen", die mich total fasziniert hat. Auf dem Foto seht ihr von links: Verleger Jürgen Eglseer (Amrûn Verlag), die Mitautorinnen Lisanne Surborg, Sanjina Karma und mich sowie Herausgeber Constantin Dupien.

Der BuCon war auch sonst in jeder Hinsicht überwältigend. Noch nie gab es so viele Aussteller, nämlich 95 insgesamt, und auch einen Besucherrekord gab es zu feiern. Irgendwann am Nachmittag traf die 1000. Besucherin ein (tatsächlich mit Lena Falkenhagen ein ziemlich prominenter Gast). Irre. Dennoch konnte man durch alle Räumlichkeiten entspannt schlendern, kam an die Tische meist problemlos heran und leicht ins Gespräch mit den Verlegerinnen und Autorinnen, die natürlich wieder zahlreich vertreten waren. Auf die Gefahr hin, dass ich jemanden vergesse, möchte ich trotzdem ein paar liebgewonnene Buchmenschen nennen, mit denen ich wenigstens mal ein paar Worte wechseln konnte: Thomas Williams, Torsten Scheib, Marc Hamacher, Grit Richter, Janika Hofmann, Jeanette Lagall, Emma Marten (unsere charmante Tischnachbarin), Michaela Harich (ja, auch hier war Alea Libris mit eigenem Tisch vertreten), Melanie Lübker, Thomas Heidemann, Claudia Rapp, Thomas Karg, Carolin Gmyrek, Markus Heitkamp, Hanna Nolden und, und, und ...

Besondere Grüße und ein riesiges Dankeschön gehen raus an Katharina Gerlach (Foto rechts). Ohne sie wäre unser Tisch leer geblieben. Katharina ist quasi Qindie-Urgestein und Organisationstalent für unsere Messeauftritte. Sie lagert sämtliche Bücher ein, die wir auf den Messen präsentieren, und hat mich mit allen Exemplaren versorgt, die ich für unseren Tisch benötigte. Katharina war mit eigenem Tisch am Start. Sie schreibt übrigens Märchen, Fantasy und Science Fiction, noch dazu sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Sie ist ein richtiges Multitalent und hatte bei ihrer eigenen BuCon-Lesung am Nachmittag auch begeistern können. Wenn ihr noch nichts von ihr gelesen habt, schaut mal bei ihr vorbei!

Mir bleibt nur noch zu sagen: Danke an das BuCon-Team, danke an alle Besucherinnen, danke an alle, die uns am Stand besucht haben, besonderen Dank an alle, die auch ein Buch bei uns gekauft haben - ihr habt euch hoffentlich alle bei der Lektüre schön gegruselt!

Im nächsten Jahr wären wir mit Qindie gern wieder aktiv dabei, schauen wir mal, ob es wieder klappt. Und wer eigentlich am liebsten Phantastik liest und sich über das Ölsardinengefühl auf der Frankfurter Buchmesse am Samstag geärgert hat: Kommt besser nach Dreieich. Hier gibt es die richtigen Bücher, hier erlebt ihr die Autorinnen hautnah, hier habt ihr Platz und Luft!

Wir sehen uns wieder am Samstag, 19. Oktober 2024, in Dreieich!

Sonntag, 22. Oktober 2023

#fbm23 Nachlese: Einzigartige Stellung als Branchentreff, geprägt von engagiertem politischem Diskurs

Die 75. Frankfurter Buchmesse (18.-22. Oktober 2023) hat ihre einzigartige Stellung als wichtigster internationaler Treffpunkt der Buch- und Medienbranche abermals gezeigt: Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) gelang der Frankfurter Buchmesse nach den beiden Coronajahren 2020 und 2021 erneut ein deutlicher Wachstumsschub. Die beiden Publikumstage Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022. Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen. Das früh ausgebuchte Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) meldete mit 548 Tischen eine Rekordbelegung. Mit Rechtehändler*innen aus insgesamt 324 Agenturen und mit über 35.000 Eintritten war das LitAg so frequentiert wie nie zuvor. Mehr als 7.000 Medienvertreter*innen berichteten über die gut 2.600 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen. 

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, sagt zur Bilanz der Jubiläumsmesse: „Unsere Erfolgsformel lautet Interesse folgt Relevanz. Die Menschen kommen aus aller Welt hierher, weil sie wissen, dass für ihr eigenes Geschäft die Präsenz in Frankfurt unverzichtbar ist. Hinzu kommt die wachsende politische Bedeutung der Frankfurter Buchmesse in Kriegs- und Krisenzeiten, in denen die Verteidigung der Freiheit des Wortes umso wichtiger wird. Salman Rushdie, unser diesjähriger Friedenspreisträger, hat es heute in der Paulskirche eindringlich gesagt: Die Meinungsfreiheit gerät weltweit von allen Seiten unter Druck. Deshalb braucht es nötiger denn je die Buchmesse als internationale Plattform für den freien Austausch von Gedanken. Und nicht zuletzt spielt die persönliche Begegnung zwischen dem Lesepublikum und den Autorinnen und Autoren für uns eine immer wichtigere Rolle. Für diese Begegnungen haben wir im Jubiläumsjahr zahlreiche Angebote geschaffen, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Am großen Erfolg der TikTok-Bühne erkennt man, dass die Geschichte der Buchmesse, wie es unser Jubiläumsslogan And the story goes on verspricht, tatsächlich auf neuen wie auf bewährten Wegen weitergeht.“ 

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, unterstreicht aus der Perspektive der Buchbranche: „Größter Handelsplatz für Bücher, begeisterndes Lesefest und Plattform für Demokratie und Meinungsfreiheit – das alles war die Frankfurter Buchmesse zum 75. Mal. Die Buchbranche hat sich auf der Buchmesse als lebendig, zukunftsgewandt und relevant gezeigt. Offene, gesellschaftliche Debatten in herausfordernden Zeiten gehörten ebenso dazu wie der Austausch über die Branchenthemen von heute und morgen.“ 

Diskursiver Widerhall der Weltpolitik und gesellschaftlicher Fragestellungen 

Ob Klimawandel, Krise der Demokratien oder Kriege: Die internationalen Konflikte fanden einen diskursiven Widerhall auf der Messe. Der Frankfurt Pavilion war als kulturpolitische Bühne mit Debatten zum Nahost-Konflikt, zum Krieg in der Ukraine oder zum Protest der Letzten Generation sehr gut besucht. Der Wesenskern der Buchmesse als Diskursplattform zeigte sich gleich zu Beginn in Rede und Widerrede während der Eröffnungsfeier am Dienstag: Zu starken Reaktionen im Publikum und den Medien führten die Ausführungen des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek zum Nahost-Konflikt. Um die ukrainische Buchbranche trotz des russischen Angriffskriegs sichtbar zu halten und ihr internationale Solidarität zu bekunden, wurde ein 200qm Länderstand inklusive eines vielfältigen Bühnenprogramms organisiert. 

Ehrengast Slowenien: positive Bilanz   

 Der slowenische Gastland-Pavillon auf der Messe erwies sich durch mehr als 70 Veranstaltungen mit Autor*innen, Dichter*innen und Denker*innen aus Slowenien und dem internationalen Literaturbetrieb als absoluter Anziehungspunkt für die Messebesucher*innen. Mit zwei wabenförmigen Auditorien und seiner nachhaltigen Architektur brachte der Pavillon nicht nur das Ehrengastmotto „Waben der Worte“, sondern auch die slowenische Landschaft auf das Messegelände. In der Stadt Frankfurt fanden während der Messe zudem zahlreiche stark besuchte Lesungen, philosophische Debatten, Ausstellungen und ein exklusives Konzert der Band Laibach statt.   

Seit Slowenien im Oktober 2022 die „GastRolle“ von Spanien übernahm, wurden bei zahlreichen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum slowenische Autor*innen, Poet*innen, Philosoph*innen, Künstler*innen und Musiker*innen und ihre Werke vorgestellt. Insgesamt wurden seit Beginn des Ehrengastprojekts rund 100 neue Bücher in deutscher Sprache und zahlreiche Titel in anderen europäischen Sprachen veröffentlicht. Die Ausstellung „Books on Slovenia“ auf der Messe umfasste rund 400 Titel.  

Spotlight on: Die Publikumshighlights  

Das Messewochenende (20-22. Oktober) bot ein Publikumsprogramm, bei dem die Besucher*innen internationale Bestseller-Autor*innen, TV-Stars und Influencer*innen erleben konnten. Bevor Salman Rushdie am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, trat er gemeinsam mit Christopher Clark, Lizzie Doron, Cornelia Funke, Thomas Hettche und Amir Gudarzi bei der großen Literaturgala von ARD, ZDF und 3sat auf der Buchmesse auf. Lexi Ryan, Benjamin Lacombe, Motsi Mabuse, Guido Maria Kretschmer, Verona Pooth, SASHA und viele andere begeisterten das Publikum an der Open Stage. Im neuen „Meet the Author“-Areal hatten die Fans die Möglichkeit, u.a. Lucy Score, Rafik Schami, Elke Heidenreich, Mona Kasten und Sarah Sprinz zu begegnen.

Bekannte Autor*innen wie Deborah Feldman, Boštjan Gombač, Gaby Hauptmann, Axel Scheffler, Dirk Steffens und viele andere haben das Programm des BOOKFEST city 2023 in den Buchhandlungen und Bibliotheken in Frankfurt und Umgebung bereichert. Beim Frankfurt Kids Festival auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt konnten junge Buchfans ihre Lieblingsautor*innen persönlich treffen, spannende Lesungen besuchen und bei Workshops und tollen Mitmachaktionen selbst kreativ werden. Tijen Onaran und Cornelia Funke sowie die Sieger*innen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2023 gaben sich im Frankfurt Studio die Ehre. Im Rahmen des Audio-Schwerpunkts konnten die Besucher*innen Harry Potter-Sprecher Rufus Beck, Känguru-Chroniken-Autor Marc-Uwe Kling, Podcasterin Sophie Passmann und Entertainer Helge Schneider live erleben. 

Im Rahmen des ersten TikTok Book Awards wurden die Lieblingscreator*innen, - autor*innen, -bücher und -verlage der #BookTok Community ausgezeichnet. Anwesend waren auch bekannte Gesichter wie Otto Waalkes und Sebastian Fitzek. 

Jubiläumsaktionen zur 75. Frankfurter Buchmesse   

Die 75. Frankfurter Buchmesse zeichnete sich durch viele bunte Jubiläumsaktivitäten auf dem Messegelände und im gesamten Frankfurter Stadtgebiet aus. Ein besonders auffälliger Hingucker war die Aktion „75 Stühle - 75 Geschichten“. 75 Stühle erzählten per QR-Code die Geschichten von Menschen und ihrer Verbindung zur Frankfurter Buchmesse. Mit dabei waren u.a. Michel Friedman, Lina Atfah, Nina George, Volker Türk und Meron Mendel. Im Jubiläumsareal konnten die Besucher*innen ihre persönlichen Glückwünsche hinterlassen. Auch zahlreiche Aussteller hatten sich kreative Beiträge ausgedacht, um der Frankfurter Buchmesse zum Jubiläum zu gratulieren: mit Glückwunschbannern, besonders gestalteten Bücherwänden oder großen Illustrationen am Messestand.  Fachprogramm: Künstliche Intelligenz und internationale Buchmarkt-Trends 

Das internationale Fachprogramm bot Weiterbildungs-, Diskussions- und Networking-Veranstaltungen. Großen Raum nahm dabei das Thema Künstliche Intelligenz ein. Vor allem der Ruf nach Transparenz und nach einem gesetzlichen Rahmen, der die Interessen der Urheber*innen schützt, war während der Messetage vernehmbar. Aus der Praxis berichtete Anna Soler-Pont (Pontas Literary Agency, Spanien) im Publishing Perspectives Forum: „Wir haben in unsere Verträge Klauseln über KI aufgenommen, um unsere Kund*innen zu schützen. Wir möchten beispielsweise, dass menschliche Stimmen unsere Hörbücher aufnehmen.“ Im Executive Talk reflektierte Nihar Malaviya, CEO von Penguin Random House: „Es geht nicht um Mensch gegen Maschine. Es geht um Menschen UND Maschinen. Wie können wir diese Technologie nutzen, um uns zu helfen?“ 

Die neue Frankfurt International Stage hat sich als der Ort für Veranstaltungen zu Buchmärkten und Brancheninitiativen gleich im ersten Jahr bewährt, wobei sich Asien, der lateinamerikanische Raum sowie europäische Länder besonders aktiv ins Programm eingebracht haben. Die rund 30 größtenteils englischsprachigen Panels und Vorträge zu Themen wie Metadaten, Open Access, Bildung, Independent Publishing oder Nachhaltigkeit erhielten von den internationalen Publishing Professionals viel Aufmerksamkeit.

Am Buchmesse-Wochenende übernahmen Autor*innen wie Georgi Gospodinow (Bulgarien), Lola Shoneyin (Nigeria), Lynn Cullen (USA) und Diaty Diallo (Frankreich) die Bühne für rund 20 verschiedene Lesungen und Gespräche. Insgesamt besuchten etwa 1.800 Personen die Veranstaltungen der International Stage. Zahlen ähnlicher Größenordnung wurden zum Beispiel aus dem Internationalen Übersetzungszentrum (Halle 4.1) gemeldet, auch die Podien des Forum Bildung (Halle 3.1) waren sehr gut besucht. Der Book-to-Screen Day am Buchmessefreitag ermöglichte einer Vielzahl an Filmschaffenden aus der ganzen Welt den Austausch mit der internationalen Buchbranche. 

Alle Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen auf der #fbm23 sind in unserer Mediathek und auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse abrufbar. 

Die kommende Frankfurter Buchmesse findet vom 16.-20. Oktober 2024 statt. Ehrengast ist Italien. 


Bilder: 1 - 4 buchmesse.de; 5 eigenes Foto


Montag, 16. Oktober 2023

Neuerscheinung! Bloody Qindie präsentiert: Gefährliche Bücher: Halloween Special

Pünktlich zur herbstlichen Buchmessezeit haben wir es geschafft und können voller Stolz unsere neueste Bloody Qindie Anthologie präsentieren. Der Titel verrät: Diesmal dreht sich alles um Bücher. Gefährliche Bücher. Unheimliche Bücher. Bücher mit einem Eigenleben. Bücher mit geheimnisvollen Botschaften. Bücher, die mehr als nur die Geschichte erzählen, die in sie gedruckt wurde.

Ich bin diesmal mit zwei Geschichten vertreten. Da wäre zum Einen meine Kurzgeschichte "Das leere Buch". Diese war die allererste Geschichte aus meiner Feder, die jemals veröffentlicht wurde, und zwar im Jahr 2009. Mit dieser Geschichte fing alles an. Umso mehr freue ich mich, sie in leicht überarbeiteter Fassung in unserer Bloody Qindie Reihe präsentieren zu dürfen.

Die zweite Geschichte habe ich erst dieses Jahr extra für unsere Anthologie geschrieben. Sie trägt den Titel "Die Lektüre der alten Dame". Natürlich ist es eine eher unheimliche Geschichte, immerhin kommt ein Geist vor, es kommt sogar ein kompletter Geister-Bücherschrank vor! Doch diesmal wird bei mir kein Blut vergossen, und das Ende ist für meine Verhältnisse doch ziemlich versöhnlich, ja fast schon happy. Aber mehr verrate ich nicht - außer einer kurzen Leseprobe am Ende dieses Artikels.

Bloody Qindie präsentiert: Gefährliche Bücher: Halloween Special

Cover: Katharina Gerlach


Klappentext

Ein geerbtes Buch, das einen eigenen Willen entwickelt …

Ein Tagebuch, das über sehr spezielle Experimente berichtet …

Und ein Buch, das Leben gibt und Nichts verspricht …

Sie denken, Bücher sind einfach nur zum Lesen da? Doch was, wenn ein Buch Wünsche erfüllen kann? Und nicht nur die Guten … Was, wenn das schlichte Öffnen eines Buches einen Dämon entfesselt? Oder jeder Wetteinsatz, den Sie in ein Notizbuch schreiben, gnadenlos eingefordert wird?

Nicht jedes Buch unterhält Sie. In manchen lauert bittere Rache oder der Korrektor des Grauens. Passen Sie also auf, wenn Sie das nächste Mal auf dem Flohmarkt ein Buch erstehen oder ein achtlos liegengebliebenes mitnehmen. Und eines noch: Egal, was ein Buch verspricht, gehen Sie sorgsam mit Ihren Wünschen um.

Bloody Qindie präsentiert zum achten Mal düstere Kurzgeschichten mit und ohne Fantasy. Mit diesen zwölf Geschichten von elf Qindie-Autoren laden wir sie herzlich ein in die Untiefen der gebundenen Seiten. Doch wissen Sie folgendes: „Gefährliche Bücher“ lesen Sie auf eigene Gefahr!

Folgende Geschichten sind enthalten:

Pitch Black Jack – Selma J. Spieweg

Die Welt steht still, wenn die Königin es will – Regina Mengel

Das Tagebuch – Rainer Ruppersberg

Bocore – Martina Bauer

Die Lektüre der alten Dame – Jana Oltersdorff

Lebe dein Buch – Florian Tietgen

Das leere Buch – Jana Oltersdorff

Die Gier nach Macht – Divina Michaelis

Such dich selbst – Lotte R. Wöss

Zeit für ein gutes Buch – Katharina Gerlach

Wünsch’ dir was! – Patricia Strunk

Auf dem Buchmesse Convent am 21. Oktober 2023 in Dreieich werde ich das Buch an unserem Qindie-Tisch präsentieren. Kommt vorbei und holt euch eines der allerersten druckfrischen Exemplare!

Ansonsten könnt ihr das Buch schon bei Amazon käuflich erwerben (eBook und Taschenbuch) und außerdem als eBook in allen Online Shops der Tolino-Gruppe, z. B. bei Thalia.

In Kürze wird auf Lovelybooks dazu auch eine Leserunde starten. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!

Aber nun wie versprochen die Leseprobe aus meiner Geschichte "Die Lektüre der alten Dame":

Den Bücherschrank auf dem kleinen Platz bemerkte Emma in der zweiten Nacht nach ihrem Einzug. Sie konnte nicht schlafen, weil sich alles noch fremd anfühlte. Also stand sie in der Küche mit einem Glas Wasser und starrte gedankenversunken nach draußen. Von hier oben im zweiten Stock hatte sie einen guten Blick. Die Straße lag verlassen da. Das gelbliche Licht der Straßenlaterne beleuchtete die großen Kastanienbäume. Zwischen ihnen stand er. Ein schmaler Quader, ungefähr so groß wie eine Telefonzelle. Und er schien randvoll mit Büchern zu sein, so viel konnte Emma erkennen.

Sie seufzte. Wie lange war es her, dass sie ein Buch gelesen hatte? Ein angefangener Roman lag auf dem Tischchen neben ihrem Bett. Ein Geschenk ihrer Mutter zu Weihnachten – vor drei Jahren. Seitdem hatte sie darin vielleicht fünfzig Seiten gelesen und es dann … ja, was? Vergessen? Abgebrochen? Die Lust am Lesen war ihr irgendwie verlorengegangen. Aber das Lesezeichen steckte noch an der Stelle, bis zu der sie gekommen war. Sie hatte das Buch gestern erst aus dem Umzugskarton genommen und sorgfältig auf dem Tischchen platziert, als sei es ein Dekogegenstand. Emma wusste noch, dass es ein Thriller von Cody McFadyen war, aber an den Titel oder die Handlung erinnerte sie sich nicht mehr. Sollte sie dieses Buch irgendwann weiterlesen wollen, würde sie wohl noch einmal von vorn beginnen müssen.

Oder sie könnte sich stattdessen etwas Anderes aus diesem Bücherschrank dort drüben holen. Womöglich beherbergte er den einen oder anderen Schatz. Aber nicht mehr heute Nacht. Sie gähnte herzhaft. Endlich spürte sie ein Gefühl der Bettschwere. Sie stellte das Glas neben die Spüle und warf einen letzten Blick nach draußen. Da bemerkte sie eine Bewegung bei einem der Bäume. Neugierig schaute Emma nach draußen. Kurz verschwand eine Gestalt hinter dem massiven Stamm, um gleich darauf wiederaufzutauchen. Es handelte sich um eine ältere Frau, wie Emma im Licht der Straßenbeleuchtung erkannte. Das weiße Haar zu einem Knoten gebunden, die Kleidung dunkel, wahrscheinlich ein Mantel über einem Kleid oder Rock. Die Frau ging nicht besonders schnell. Ihr Rücken war gekrümmt, bei jedem Schritt stützte sie sich auf einen Gehstock.

Vor dem Bücherschrank machte sie halt, öffnete die Tür und bückte sich. Als sie sich wieder aufrichtete, hielt sie ein Buch in der Hand. Sie ging damit zu der Parkbank, die gleich neben dem Bücherschrank stand, nahm darauf Platz und schlug das Buch auf.

Emma stieß mit der Nase an die Fensterscheibe und hinterließ einen kleinen Fettfleck auf dem Glas bei dem Versuch zu erkennen, um was für ein Buch es sich handelte. Welche Art Buch las eine alte Dame mitten in der Nacht im Schein einer Straßenlaterne? Es wollte Emma nicht gelingen, zumal sie inzwischen zu müde warum der Frau weiter zuzusehen. Bevor sie hier noch im Stehen einschlief, ginge sie besser wieder ins Bett. In diesem Augenblick klappte die Alte das Buch zu, stand auf, stellte es zurück in den Bücherschrank und verließ den Platz unter den Kastanien genauso langsam und bedächtig, wie sie gekommen war.

Emma schüttelte den Kopf und konnte sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. Etwas an dem soeben Erlebten berührte sie im Inneren und bekräftigte ihren Entschluss, sich diesen Bücherschrank bei nächster Gelegenheit aus der Nähe anzuschauen.

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