Sonntag, 15. Oktober 2023

Ukraine auf der Frankfurter Buchmesse: „Fragilität der Existenz”

Die Ukraine ist dank eines Zusammenschlusses zahlreicher Institutionen auf der Frankfurter Buchmesse wieder stark vertreten. Vom 18. bis 22. Oktober 2023 präsentieren das Ukrainische Buchinstitut, das Goethe-Institut, das Mystetskyi Arsenal (Art Arsenal) und das Ukrainische Institut die Verlags- und Kulturlandschaft der Ukraine auf der Frankfurter Buchmesse. Das Veranstaltungsprogramm bringt renommierte ukrainische Autor*innen, Übersetzer*innen und Intellektuelle zusammen, die sich auf internationalen Diskussionsbühnen austauschen.

Am 18. Oktober um 11:00 Uhr, am Länderstand (Halle 4.1 B 82), geben die Referent*innen Olena Odynoka (stellvertretende Direktorin des ukrainischen Buchinstituts), Fabian Mühlthaler (Direktor des Goethe-Instituts Ukraine), Yuliia Kozlovetz (Generalkoordinatorin des Internationalen Book Arsenal Festival), Volodymyr Sheiko (Direktor des ukrainischen Instituts) und Peter Kraus vom Cleff (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) einen Überblick über Themen, die durch den russischen Angriffskrieg besonders akut geworden sind und am Ukraine-Stand diskutiert werden.

Unter dem Motto „Fragilität der Existenz“ steht beim Programm die Anfälligkeit und Zerstörung von Natur und Umwelt in Kriegszeiten im Mittelpunkt. Der Stand hat eine Bühne, auf der täglich Veranstaltungen in englischer und deutscher Sprache stattfinden.

Neben Diskussionen über die aktuelle Situation in der Ukraine werden die Besucher*innen auch die ukrainische Kultur, Buchgestaltung und Buchkunst kennenlernen. Unter den Autor*innen und Gästen befinden sich Iryna Tsilyk, Maxym Yakovlyev, Kateryna Mykhailitsyna, Anna Novosad, Olesia Ostrovska-Liuta, Kateryna Botanova, Evhenia Lopata, Sevgil Musayeva Yuliia Kozlovets, Alona Karavai, Vakhtang Kebuladze, Svitlana Oslavska, Oksana Sabuzhko und Yaryna Chornohuz und viele andere. 

Weitere Themen sind „Krieg und Lesen“, „Frauenstimmen aus der Ukraine an die Welt“, „Nuancen des Übersetzens: Literatur rund um den Krieg“ und „Kreatives Europa: Chancen für ukrainische Verleger*innen“.Das ukrainische Online-Fachmagazin für Buch und Kultur Chytomo wird am Messemittwoch den neuen Preis für herausragende Leistungen im Verlagswesen präsentieren.

„Presence vs. Absence“

Mystetskyi Arsenal (Halle 3.1 J 103) präsentiert unter dem Motto „Presence vs. Absence“ die Arbeiten des ukrainischen Fotographen Andrii Denysenko. Die Aussteller beleuchten den Alltag der Freiwilligen im Dorf Kolychivka in der Region Tschernihiw, welche beim Wiederaufbau der Häuser geholfen haben. Bereits im Februar 2022 begann das Mystetskyi Arsenal mit der Erforschung von Werken ukrainischer Künstler*innen, die den Russland-Krieg gegen die Ukraine von 2014 bis heute reflektieren.

Quelle: Goethe Institut


Illustrationsausstellung "When Everything Matters"

Pictoric und das International Book Arsenal Festival präsentieren auf der Agora die internationale Illustrationsausstellung "When Everything Matters". Sie wurde erstmals während des 11. Internationalen Book Arsenal Festivals gezeigt, das im Juni 2023 in Kiew stattfand. Die Ausstellung präsentiert neue Werke von führenden ukrainischen und internationalen Künstler*innen.

Multimediale Projekte zur Ukraine

In zwei multimedialen Projekten des Ukrainischen Instituts am THE ARTS+ Stand (Halle 4.1 H 36) werden Geschichte und Gegenwart der Kultur in der Ukraine vorgestellt. Dabei werden die verheerenden Auswirkungen des Krieges auf die Kunst thematisiert. Eine kuratierte Auswahl von Kunstbüchern ergänzt den Stand. Der Stand ist Teil der Plattform THE ARTS+ der Frankfurter Buchmesse, die als Schnittstelle zwischen der Verlagsbranche und der Kreativwirtschaft dient. 

Discover Ukraine: Bits Destroyed lässt den Betrachter in die ukrainische Monumentalkunst der 1960er und 70er Jahre eintauchen. Das animierte Projekt zeigt Bilder von 56 Mosaiken von Alla Horska, Hryhorii Pryshedko, Halyna Zubchenko und anderen ukrainischen Künstlern. Mehr als ein Viertel dieser Werke wurde seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine beschädigt oder zerstört. Die Installation basiert auf Dokumentarfotos von Yevhen Nikiforov und wurde vom Ukrainischen Institut und dem Rock 'n' Light Studio erstellt.    

Insight.UA deckt als digitaler Wegweiser verschiedene Bereiche ab: Musik, Literatur, Theater, Kino, bildende Kunst, Krimi und Analyse. Die Plattform lädt dazu ein, die ukrainische Kultur in verschiedenen Formaten zu erkunden - von einer Auswahl ukrainischer Filme, Ausstellungen und Bücher bis hin zu Playlists.

Austausch der deutschen und ukrainischen Buch- und Literaturbranche

Die meisten ukrainischen Präsenzen auf der diesjährigen FBM finden im Rahmen des Projekts „Austausch der deutschen und ukrainischen Buch- und Literaturbranche“ statt, gefördert von der Staatsministerin für Kultur und Medien. Das Projekt soll mit einer Reihe von Einzelprojekten die Arbeit ukrainischer Autor*innen, Verleger*innen und Medienschaffender unterstützen sowie in Deutschland Kenntnis über und Verständnis für die ukrainische Kultur und Geschichte schaffen. Das Projekt wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchgeführt, in enger Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse und dem Ukrainian Book Institute sowie der ukrainischen Kulturinstitution Mystetskyi Arsenal, dem Online-Fachmagazin für Buch und Kultur Chytomo und dem Goethe-Institut Ukraine.

Zusätzlich gibt es das Special Programme for Publishers from Ukraine and neighbouring countries: ein intensives Fortbildungs- und Vernetzungsprogramm für Verleger*innen, Lektor*innen, Lizenzverantwortliche und literarische Agent*innen. Vor Ort besteht das Programm aus einem eintägigen Seminar mit deutschen Expert*innen, gefolgt von der Teilnahme an der offiziellen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse und zahlreichen internationalen Networking-Angeboten bis zum Messesamstag. Dieses Förderprogramm wird vom Auswärtigem Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt und von der Frankfurter Buchmesse GmbH kuratiert und organisiert, in Zusammenarbeit mit dem International Book Arsenal Festival und dem Goethe-Institut Ukraine.

Zum Programm: www.goethe.de/ins/ua/de/kul/uap/fbm.html


Freitag, 29. September 2023

Salman Rushdie zu Gast bei der Literaturgala am Messesamstag

Für den Messesamstag, den 21. Oktober um 19.00 Uhr, laden die Frankfurter Buchmesse, ARD, ZDF und 3sat zu einem der Höhepunkte der Buchmessetage ein: zur „Frankfurter Buchmesse Spezial: Literaturgala“. Die Veranstaltung bietet Kultur- und Literaturfans die exklusive Möglichkeit, den preisgekrönten britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdie live zu erleben.


Salman Rushdie wird in diesem Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Auf der Literaturgala wird der Preisträger über sein neues Buch "Victory City" – ein epischer Roman über Macht, Liebe und was es bedeutet, ein Mensch zu sein – sprechen. Seit dem Angriff auf seine Person im Sommer 2022 hat der Schriftsteller nur wenige öffentliche Auftritte wahrgenommen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2015 war Rushdie Sprecher der Eröffnungspressekonferenz.


„Mich hat es sehr bewegt, dass Salman Rushdie es sich nicht nehmen lässt, neben seiner Teilnahme an der Preisverleihung, bei der er mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wird, auch dem Publikum in Frankfurt persönlich zu begegnen. Es ist mir eine große Ehre, Salman Rushdie erneut auf der Frankfurter Buchmesse begrüßen zu dürfen“, würdigt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, den Auftritt Rushdies auf der Literaturgala.


Rushdie auf der Eröffnungs-PK 2015

Rushdie stellte erst kürzlich in einem Interview zur 75. Frankfurter Buchmesse die Bedeutung der Buchmesse als Ort des demokratischen Austauschs heraus: „Die Frankfurter Buchmesse ist eines der wichtigsten kulturellen Foren in der westlichen Welt. […] Ihr Einfluss besteht gerade in dem freien Austausch von Ideen zwischen vielen Kulturen durch Bücher. Ein solcher Austausch ist für den sozialen Wandel und die Demokratie unerlässlich.“


Genau deshalb soll es – neben den aktuellen Büchern der Autor*innen – auf der Literaturgala auch um die großen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit und die Herausforderungen der Zukunft gehen. Die weiteren Gäste bei der Abendveranstaltung sind Kinder- und Jugendbuchautorin und Erfinderin der weltweit erfolgreichen „Tintenherz“-Reihe, Cornelia Funke, der australische Historiker Sir Christopher Clark, die israelische Schriftstellerin und Friedensaktivistin Lizzie Doron, der mehrfach preisgekrönte Romancier Thomas Hettche und der im Exil lebende iranische Schriftsteller Amir Gudarzi. Durch den Abend führen Thea Dorn, Publizistin und Gastgeberin der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“, und Denis Scheck, Literaturkritiker und Moderator des ARD-Literaturmagazins „Druckfrisch“.


Tickets für das Publikum sind erhältlich unter: www.hr-ticketcenter.de/tickets-hr/e2154572


Bildmaterial: buchmesse.de 

Montag, 18. September 2023

Demokratisch, diskursiv und divers: Politik auf der Frankfurter Buchmesse

In Zeiten zunehmender Verständnislosigkeit im öffentlichen Diskurs bietet die Frankfurter Buchmesse eine Plattform für den demokratischen Austausch. So steht das kulturpolitische Programm für eine Diversität von Literatur und ihren Literaturschaffenden sowie für die Vielfalt von Perspektiven.

„Die Buchmesse ist eine Demokratiemesse. Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzen wir uns seit 1949 für das freie Wort ein. In diesem Jahr wird die Anwesenheit von Salman Rushdie, der in Frankfurt am Abschlusstag der Messe den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, dem Thema ein besonderes Gewicht und internationale Sichtbarkeit geben. Auch in den Programmen, die wir selbst kuratieren, nimmt die Presse- und Meinungsfreiheit einen breiten Raum ein“, so Torsten Casimir, Sprecher der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurt Pavilion als kulturpolitische Bühne

Ein großer Teil dieses Programms findet im ikonischen Frankfurt Pavilion auf dem Außengelände der Agora statt. Es diskutieren u.a. Claudia Roth, (Bundesbeauftragte für Kultur und Medien), Deniz Yücel (PEN Berlin), Irina Scherbakowa (Schriftstellerin, Mitgründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial), Dmitri Gluchowski (russischer Bestseller-Autor im Exil) und Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank). Über zukünftige kriegerische Konflikte sprechen die Autoren und Militär-Experten Herfried Münkler und Carlo Masala. Und die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) organisiert ein Panel mit Frankfurter Schreibenden, die sich über kulturelle Teilhabe aus Migrant*innen-Sicht austauschen.

Zum Thema Demokratie und Menschenrechte findet im Pavilion das Frankfurt Forum, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, statt. Hier diskutieren die philippinische Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa, der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir, Can Dündar (Journalist und Autor im Exil) sowie UN High Commissioner for Human Rights Volker Türk. Zum Thema postkoloniale Erinnerungskultur veranstaltet das Goethe-Institut Berlin mit Tahir Della (Aktivist der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland) ein Event.

Die taz spricht mit der Psychologin und Impfkampagnen-Expertin Prof. Cornelia Betsch über Gesellschaften in der Dauerkrise. Außerdem findet eine Veranstaltung mit der LiBeraturpreisträgerin Adania Shibli statt. Die palästinensische Autorin erhält zuvor die jährliche Auszeichnung für Autorinnen aus dem Globalen Süden. Musikalisch setzt die iranisch-stämmige israelische Sängerin  Liraz Charhi als „Stimme der iranischen Proteste“ ein Zeichen..

Menschenrechte-Lesung, Ukraine und Streiterinnen für die Zukunft

Zum 75-jährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte werden internationale Autor*innen in ihrer Landessprache ausgewählte Artikel vortragen. Sie kommen aus Gastländern der Frankfurter Buchmesse wie Slowenien, Italien und den Philippinen. Außerdem hat das Israel Institute for Hebrew Literature die Sängerin Rita Yahan-Forouz, die auf Farsi ihre Solidarität mit dem iranischen Widerstand bekundet, auf die International Stage eingeladen.

Das Goethe-Institut Ukraine und das Ukrainische Buchinstitut präsentieren auf einem 200 qm großen Länderstand unter dem Motto "Fragility of the Earth" die Kulturbranche der Ukraine. Als ein Zeugnis der Verbrechen des Dritten Reichs befindet sich auf der Agora die Ausstellung "Verbrannte Orte - Bücherverbrennungen von 1933". Im Mittelpunkt stehen Fotografien der heutigen verbrannten Orte und laden die Betrachter ein sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

Mit „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ wird die Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat engagierte Autorinnen vorstellen. Mit dabei sind u.a. die Klima-Aktivistin und Gründerin der „Letzten Generation“ Lea Bonasera, die ehemalige Femen-Aktivistin Zana Ramadani sowie die KI-Expertin und Gründerin Mina Saidze. Moderiert wird SHEROES von der „Freiheit Deluxe“-Podcasterin Jagoda  Marinić.

Auf dem Panel „Black Femininity - (New) Daughters of Africa” sprechen die Schriftstellerin Bridget Minamore, die Übersetzerin Eleonore Wiedenroth-Coulibaly und die Geschlechter- und Rassismusforscherin Dr. Denise Bergold-Caldwell über das Schreiben vor dem Hintergrund von Erfahrungen mit Diskriminierung.

Sonntag, 17. September 2023

BuCon 2023 - Mit Qindie dabei

Ihr Lieben, es ist offiziell: Qindie wird als Aussteller auf dem diesjährigen BuCon, dem Buchmesse Convent, dabei sein!

Seit heute ist die Liste der Aussteller online, und die kann sich wieder sehen lassen. Wir wissen noch nicht, wo genau unser Tisch stehen wird und wer unsere Standnachbarn sein werden, aber so groß ist die Location ja nicht, das passt schon.

So viel können wir heute schon mal ankündigen: Bei uns wird dieses Jahr der Fokus auf die Bloody Qindie Anthologien gerichtet. Passend dazu wird kurz vorher die neueste Bloody Qindie Anthologie "Gefährliche Bücher" erscheinen. Die bekommt natürlich einen extra Scheinwerfer! 😉

Weitere Infos demnächst!

Sehen wir uns in Dreieich?


Dienstag, 12. September 2023

Lesung im Garten - Neulich in Dietzenbach

Am 26. August 2023, einem herrlichen, sommerlich-warmen Samstag, war es für mich das erste Mal seit mehr als drei Jahren soweit: Ich durfte vor Publikum lesen!

In einem Festzelt auf dem wunderschönen Gelände des Dietzenbacher Obst- und Gartenbauvereins gestalteten die Frankfurter Autorin Martina Peukert und ich einen lauschig-gemütlichen Nachmittag mit Passagen aus unseren Büchern.



Endlich wieder vorlesen!

Ich kannte Martina Peukert vorher gar nicht, wir waren beide unabhängig voneinander zur Lesung eingeladen worden. Martina, für die das Schreiben von Büchern nur eine ihrer vielen Facetten ist, begann den Nachmittag und gab erst einmal einen Einblick in ihren Krimi "Mord im Cluburlaub". Das fing schon mal amüsant an und wurde nur noch gesteigert, als Martina zu ihrem zweiten Buch überging: "Oma Gisela geht ins Internet". Das Buch über Oma Gisela und wie sie das Internet entdeckte, basiert tatsächlich auf echten Erfahrungen, die Martina Peukert in ihrem Beruf als IT-Coach mit Senior:innen gemacht hat. Das Publikum, das - wie es sich zufällig ergab - vorwiegend aus gutgelaunten Damen im eher rüstigen Alter bestand, amüsierte sich prächtig. Das eine oder andere Kichern klang auch ein bisschen, als fühlte sich da jemand ertappt, was die anderen erst recht zum Lachen brachte. 

Nach einer Pause mit Sekt und Snacks war dann endlich ich dran. Man hatte mich angekündigt als die "Autorin mit den blutigen Geschichten". Es blieben aber alle Gäste mutig sitzen und lauschten andächtig, als ich zunächst mit einer meiner Mikrogeschichten startete. Ich nahm mir auch die Zeit, das Konzept der Kurzgeschichte und warum ich es so liebe, mich (und andere) zu gruseln, näherzubringen. Das kam gut an. Besser kam nur noch meine Geschichte an, die ich komplett vorlas: "Die Lektüre der alten Dame". Mein Garten-Publikum hatte sozusagen die Ehre, einer exklusiven Preview beizuwohnen, denn diese Geschichte habe ich gerade erst geschrieben. Sie wird im Oktober in der nächsten Bloody-Qindie-Anthologie erscheinen.

Gänsehautfaktor mit Lokalkolorit

Dass ich mit der Geschichte einen Nerv traf, lag weniger am Grusel- oder Blutfaktor. Blut kam so gut wie gar nicht vor, dafür jede Menge Lokalkolorit, denn diese Geschichte spielt komplett in Dietzenbach. Der Bücherschrank auf dem Platz gleich bei mir um die Ecke spielt eine zentrale Rolle darin. Die Seniorenwohnanlage, die hundert Meter von unserem Lesegarten entfernt liegt, finden darin ebenso Erwähnung wie die Christuskirche in der Altstadt und das gerade erst eingeweihte 3D-Relief auf dem Roten Platz. Aber es gibt darin auch einen Geist und ein besonderes Buch, um das sich am Ende alles dreht.

Martina und ich konnten anschließend beide einige Exemplare unserer Bücher verkaufen und erhielten von den Besucherinnen viel Lob und sehr schönes Feedback. Es war ein rundum gelungener Nachmittag, perfekt organisiert von Jenny und Gisela, unseren persönlichen Ansprechpartnerinnen vom Gartenverein - mein besonderer Dank an euch beide!

Sollte der Verein ein solches Event wiederholen - mit anderen Autor:innen und Geschichten -, bin ich auf jeden Fall wieder dabei - als Gast und aufmerksame Zuhörerin.




Sonntag, 10. September 2023

Der Bundeskanzler und die slowenische Staatspräsidentin eröffnen die 75. Frankfurter Buchmesse

Frankfurt - Bundeskanzler Olaf Scholz und die slowenische Staatspräsidentin Nataša Pirc Musar werden am Dienstag, 17. Oktober 2023 die 75. Frankfurter Buchmesse (18.-22. Oktober 2023) eröffnen. Slowenien ist Ehrengast der Buchmesse 2023. Unter dem Motto „Waben der Worte“ werden 75 slowenische Autor*innen, Lyriker*innen und Übersetzer*innen in Frankfurt erwartet. Im Anschluss an den Festakt im Congress Center der Messe Frankfurt werden der Bundeskanzler und die slowenische Präsidentin den Ehrengast-Pavillon eröffnen. Die Frankfurter Buchmesse findet 2023 zum 75. Mal statt. In ihrem Jubiläumsjahr feiert die Buchmesse gute Geschichten, zelebriert den demokratischen Diskurs und ermöglicht den friedlichen Austausch in unfriedlichen Zeiten.



„Von ihren Anfängen in der Paulskirche bis heute steht die Frankfurter Buchmesse für Demokratie und Vielfalt. Zum 75. Mal wird die Buchmesse zu einer Plattform für demokratischen Austausch. Und sie ist ein Marktplatz der Kultur. Verleger*innen und Autor*innen, Literatur- und Kulturbegeisterte aus über 100 Ländern können hier einander in Frieden und Sicherheit begegnen. Die Anwesenheit des Bundeskanzlers und der slowenischen Präsidentin bei der Eröffnung unterstreicht die internationale Bedeutung der Buchmesse für Demokratie, Freiheit und Verständigung“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Weitere Redner anlässlich der Eröffnungsfeier der 75. Frankfurter Buchmesse sind neben Juergen Boos und Karin Schmidt-Friderichs, der Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main. Die literarischen Redner*innen, die traditionell vom Ehrengastkomitee ausgewählt werden, sind in diesem Jahr der Autor und Philosoph Slavoj Žižek und die Autorin Miljana Cunta.

Zur Chronik der Frankfurter Buchmesse: https://www.buchmesse.de/chronik

Mehr Informationen zum Ehrengastauftritt Sloweniens: https://sloveniafrankfurt2023.com/de



P.S. Ob Herr Scholz bis dahin die Augenbinde wieder abgelegt haben wird? Man hat sich ja an diesen "verwegenen" Anblick schon ein bisschen gewöhnt ... 😁

Donnerstag, 31. August 2023

Book-to-Screen Day auf der Frankfurter Buchmesse

Der Buchmessefreitag auf der kommenden Frankfurter Buchmesse setzt das Thema Film- und Serien-Adaptionen in den Fokus / Das Programm besteht aus Matchmaking, Networking und Vorträgen 

 Welche Bücher haben Potenzial für eine Verfilmung? Nach welchen Genres und Themen suchen Film- und Serien-Produzent*innen? Welche Schritte sind notwendig, damit ein Buch den Weg auf die Leinwand oder den Bildschirm findet? Am Buchmessefreitag (20. Oktober 2023) stellt die diesjährige Frankfurter Buchmesse (18. bis 22. Oktober 2023) mit dem Book-to-Screen Day das Thema Film- und Serienadaptionen ins Rampenlicht. Zahlreiche Veranstaltungen ermöglichen Filmschaffenden den Zugang zur internationalen Buchbranche und fördern den Austausch zwischen den verschiedenen Akteur*innen. 

Der Book-to-Screen Day am 20. Oktober bietet einen Buchmesse-Rundgang für internationale Filmproduzent*innen und Filmschaffende, ein von der Frankfurter Buchmesse und der Berlinale kuratiertes Matchmaking-Event für Filmproduzent*innen, Verlage und Agent*innen und den Comics‘ Cocktail (ein kuratiertes Comic-to-Screen Matchmaking) im Comic Centre in Halle 6.1. Im Frankfurt Pavilion auf der Agora findet in Kooperation mit dem Berlinale Co-Production Market, von 14.00 bis 15.00 Uhr, die Veranstaltung “Neue Geschichten vom Franz” statt.  Moderatorin Syd Atlas wirft darin gemeinsam mit ihren Gästen Anna Zielasko (Senior Rights Manager, Verlagsgruppe Oetinger), Katharina Posch (Produzentin, Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion) und Sarah Wassermair (Drehbuchautorin) einen Blick hinter die Kulissen der neuen Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs von Christiane Nöstlinger. Außerdem geht es auf der Aldus Up-Stage in Halle 4.1 von 15.00 bis 20.00 Uhr um die Themen Diversität in Filmen und Illustrationen sowie um „Film meets Games“.  Die B3 – Biennale des bewegten Bildes und die Akademie für Kindermedien gestalten darüber hinaus eigene Programmpunkte. So wird in der Veranstaltung “Von Einzelstück bis plattformübergreifende IP – Stoffentwicklung im Spannungsfeld Kreative, Vermittler, Plattformen und Publikum” gezeigt, wie in der Akademie für Kindermedien Stoffe für das junge Publikum entwickelt und umgesetzt werden. 

Die Book-to-Screen-Events im Frankfurt Pavilion und auf der Aldus Up-Stage sind für alle Messebesucher*innen zugänglich. Für die weiteren Veranstaltungen sind die Teilnehmer*innenzahlen begrenzt. Weitere Informationen und Details auf buchmesse.de

Das Thema Film- und Serienadaption spielt für die Frankfurter Buchmesse, als wichtigster Handelsplatz für Rechte und Lizenzen, schon lange eine besondere Rolle. Denn jedes Jahr im Oktober kommt die internationale Verlagswelt in Frankfurt zusammen, um gute Geschichten zu feiern. Für internationale Filmschaffende ist das die Gelegenheit, neue Geschichten, Charaktere und Ideen aus der ganzen Welt an einem Ort zu entdecken. Die Frankfurter Buchmesse vernetzt die kreativen Industrien und unterstützt den Austausch zwischen dem Verlagswesen und der Film- und Streaming-Branche, damit diese Geschichten neu erzählt werden können. 

Auch unabhängig vom Book-to-Screen Day finden in der Messewoche weitere Veranstaltungen zum Film-Thema statt. Bereits am Dienstag, 17. Oktober um 20.00 Uhr, ist die Frankfurter Buchmesse Partner der Frankfurt-Premiere von „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“. Nach der Filmvorführung im Cinéma Kino werden Regisseurin Margarethe von Trotta und Ina Hartwig (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt) im Gespräch mit der Moderatorin Sandra Kegel (Ressortleiterin Feuilleton FAZ) sich der österreichischen Lyrikerin widmen und einen Blick hinter die Kulissen einer großen Filmproduktion werfen. Karten sind im Vorverkauf beim Kino erhältlich. 

Der Hessische Film- und Kinopreis kehrt ebenfalls auf die große Bühne zurück: Am Freitagabend, 20. Oktober 2023, lädt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn Filmschaffende, Stars und Sternchen zur Preisverleihung in die Alte Oper Frankfurt ein. Die Moderation übernehmen Annabelle Mandeng und Rainer Ewerrien. Die ausgezeichneten Filme wird es am Buchmessen-Wochenende in mehreren Kinos zu sehen geben. Alle weiteren Infos unter hessischerfilmpreis.de

Und bereits im September, am Dienstag, 19. September 2023, von 16.00 bis 17.00 Uhr, findet die digitale Veranstaltung „From Book to Screen: Exploring the Film (Rights) Market“ im Rahmen des Frankfurt Rights Meeting statt. Die Literaturagentinnen Erin P. Hennicke (Booksmart Scouting), und Hannah Vaughn (The Gersh Agency), zeigen den Weg vom Buch zum Film auf. Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in den „traditionellen“ Rechteverkauf für Filme und tauchen auch in die Szene der Streaming-Anbieter ein, indem sie deren Geschäftsmodelle, Stoffanforderungen und Produktionszeiträume erläutern. Mehr Informationen und Tickets auf buchmesse.de.




Samstag, 19. August 2023

Neulich in Köln: Buchpremiere mit Annette Meisl und "La Galana"

Letzte Woche habe ich an einer außergewöhnlichen Veranstaltung teilgenommen. Es war eine Premierenfeier für ein Buch, an sich nichts Ungewöhnliches, doch diese Premiere war anders als alles, was ich bisher erlebt hatte.

Die Kölnerin Annette Meisl hatte mich und meinen Mann eingeladen, weil ich das Korrektorat für ihr Buch gemacht hatte. Sie besitzt ein Zigarrenfachgeschäft in Köln, wo sie auch selbst die Zigarren in Handarbeit zusammen mit einem kleinen Team herstellt. Gleichzeitig ist sie aber auch noch viel mehr: Sängerin, Entertainerin und eben Autorin. Für ihren neuen historischen Roman hat sie auf ihr umfangreiches Wissen über Cuba und die Kunst der Zigarrenherstellung zurückgegriffen und auf Basis von zufällig entdeckten Aufzeichnungen einer Vorfahrin die packende, wunderbar erzählte Geschichte geschrieben.

"Das Geheimnis der Zigarrenkönigin" ist der Titel des Buches und erzählt die Geschichte von Anna, einem jungen Bremer Mädchen, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor ihrer eigenen Zwangsheirat flieht, und zwar über den Atlantik, wo sie schließlich in Havana strandet. Dort nun versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, lernt freundlich gesinnte Menschen kennen, die ihr helfen und sie fördern, kann auf ihr Wissen über die Kunst des Zigarrendrehens zurückgreifen und findet in einem jungen Mann namens Luca die große Liebe. All das wird erzählt vor dem spannenden historischen Hintergrund eines mittelamerikanischen Landes, das sich von der spanischen Kolonialmacht befreien will und in dem aus dem Ende der Sklaverei eine revolutionäre Bewegung entsteht. 

Ich hatte schon bei der Arbeit an dem Manuskript viel Spaß. Historische Romane gehören eigentlich nicht zu meiner bevorzugten Lektüre, aber dieser hier hat mich wirklich begeistert und mit den Figuren mitleiden und mitfühlen lassen.

Die Premierenfeier fand also am 17. August 2023 in Köln statt, und zwar im Theatersaal der Volksbühne in der Aachener Straße. Die Location war schon bezaubernd: Alles wirkte liebevoll gepflegt und zugleich wie aus einer anderen Zeit - äußerst passend für die Präsentation eines historischen Romans. Es waren einige Gäste in passender Kleidung inklusive Havanna-Hut erschienen. Insgesamt war der Saal gut gefüllt, und allen schien die Vorstellung genauso gut zu gefallen wie mir. Denn Annette Meisl stand nicht einfach nur auf der Bühne und las vor. Es wurde musiziert und gesungen, die vorgelesenen Passagen wurden auf dem Klavier begleitet. Annette ist nicht nur eine tolle Sängerin, sondern auch eine sensationell gute Vorleserin. Nachdem sie die Szene beendete, in der Protagonistin Anna ihren angebeteten Luca zum ersten Mal küsst, ging ein leidenschaftliches Seufzen durch den Saal. Ihre zwei musikalischen Bühnenpartner, der cubanische Sänger und Percussion-Künstler Ney Portales sowie der erst 24 Jahre alte Nicholas von der Nahmer an Flügel und Horn, der ebenfalls gesanglich begleitete, waren großartig und harmonierten wunderbar miteinander. Es gab bekannte cubanische Melodien und Lieder sowie ein paar extra für diesen Abend komponierte Stücke, zu denen das Publikum die Texte erhielt, damit man mitsingen konnte, wenn man wollte.

Anschließend gab es für jede "Galana", also jede anwesende Dame, eine rote Rose sowie für alle ein Gläschen leckeren Rumlikör. Dabei konnte ich auch endlich Annette persönlich kennenlernen. Eine supersympathische Persönlichkeit! Für mich gab es als Andenken ein von Annette signiertes Exemplar des Buches und für meinen Mann zwei handgedrehte Zigarren mit der La-Galana-Banderole.

Ich werde diesen Abend in sehr guter Erinnerung behalten und habe mir für meine eigene nächste Lesung schon die eine oder andere Scheibe an Annette Meisls Vorlesetalent abgeschnitten - hoffentlich an den richtigen Stellen!

Ich kann euch das Buch nur wärmstens empfehlen. Hier findet ihr mehr Infos, ein paar Videos von der Buchpremiere sowie Links, wo ihr das Buch kaufen könnt.

Sonntag, 12. März 2023

Buchtipp: "Fairy Tale" von Stephen King

Ich merke gerade, dass mein letzter Buchtipp hier auf dem Blog ebenfalls ein Titel von Stephen King war. Aber egal, ich habe die Lektüre von "Fairy Tale" so sehr genossen, ich muss euch dieses Buch einfach unbedingt vorstellen - und wärmstens empfehlen.

Allen, die mit dem Namen Stephen King finsteren Horror à la "Friedhof der Kuscheltiere" oder "ES" verbinden, sei gesagt: Der Mann schreibt auch in ganz anderen Genres, und zwar verdammt gut. "Fairy Tale" ist eine astreine Fantasy-Geschichte, die aber die unverkennbare Handschrift des King of Horror trägt.

Dabei ist es nicht einmal sein erster Fantasy-Roman, allerdings der erste seit einer langen Zeit.

Worum geht es?

Wir lernen zunächst den 17-jährigen Charlie Reade kennen, einen auf den ersten Blick typisch amerikanischen Teenager, der in einer typisch amerikanischen Kleinstadt in eine typisch amerikanische High School geht, wo er unter anderem im Schulteam die wirklich super-typisch amerikanische Sportart Baseball trainiert. Aber unter seiner äußeren Erscheinung verbirgt sich eine verletzte Seele: Charlie verlor seine Mutter früh durch einen schlimmen Unfall, der Vater entwickelte eine schwere Alkoholsucht, aus der er es jahrelang nicht herausschaffte, Charlies Kindheit verlief alles andere als unbeschert. Dennoch ist er der nette, hilfsbereite junge Mann geworden, der eines Tages dem griesgrämigen, eigenbrötlerischen Howard Bowditch zur Hilfe eilt, als der sich bei einem Sturz schwere Knochenbrüche zuzieht. Vor allem über die alte Hundedame Radar findet Charlie einen Zugang zu dem Mann, der seit Ewigkeiten allein in seinem Haus lebt und nun zum ersten Mal auf fremde Hilfe angewiesen ist. Die soll Charlie ihm leisten, denn er ist der einzige, dem Mr. Bowditch halbwegs vertraut. Der Alte hütet auf seinem Grundstück nämlich nicht nur einen gewaltigen Goldschatz, sondern auch den Zugang zu einer fremden Welt. Bis es soweit ist, dass wir dort hindurchgeführt werden, vergehen einige Seiten - die jedoch lassen sich mit Genuss lesen.

Es kommt eines zum anderen, und Charlie findet sich selbst in jener fremden Welt wieder - zusammen mit Radar, der Hundedame, die so krank ist, dass sie bald sterben wird, wenn Charlie sie nicht zu einem bestimmten Ort in dieser Anderswelt bringt, wo sie geheilt werden kann. Er lernt freundlich gesonnene Bewohner kennen an diesem Ort, der gleichzeitig fremdartig und seltsam vertraut wirkt. Dabei erfährt Charlie nach und nach, unter welchem schrecklichen Fluch die Menschen hier leiden und dass diese Welt im Sterben liegt, wenn nicht eines Tages ein Held erscheint, der den Kampf gegen das Böse aufnimmt. Aber Charlie ist nur ein Teenager aus einer amerikanischen Kleinstadt und kein Held. Oder?

Mein Eindruck

Stephen King hat meine Erwartungen übertroffen. Er hat eine wundervolle, spannende, packende Fantasy-Geschichte geschrieben, die alles enthält, was ein Fantasy-Roman enthalten muss, um ihn als episch zu bezeichnen: Eine fremde Welt voller Magie und Wunder, einen mutigen jungen Helden, eine schöne Prinzessin, die von einem Fluch befreit werden muss, ein geknechtetes Volk, das auf seinen Retter wartet, kleinere Fieslinge, die auf der Heldenreise bezwungen werden müssen, bis hin zu großen Gegnern, die es zu überwinden gilt - bis am Ende der Showdown an einem düsteren Ort stattfinden kann - der Kampf gegen das übermächtige, ultimative Böse.

Und dennoch ist hier vieles anders, werden Klischees nur aufgegriffen, um gebrochen zu werden. Charlie Reade erzählt uns seine Geschichte rückblickend und kommentiert und bewertet vieles aus seiner heutigen Sicht und betont dabei immer wieder, dass das hier "nicht so eine Geschichte" sei. Das macht ihn greifbar, menschlich und kein bisschen heldenhaft, obwohl er im Lauf seines Abenteuers immer wieder ein Stück weiter über sich selbst hinauswachsen muss.

Hinzu kommen die vielen lebendigen Figuren, denen wir in dieser fremden Welt begegnen, von der Schuhflickerin Dora über den hinterhältigen Peterkin bis zu Snab, der großen roten Grille. Dann wären da noch die schöne Prinzessin Leah, der mutige, streitlustige Iota, die taube Claudia, der blinde Woody, die grässliche Riesin Hana und so viele mehr. Und das sind nur die Leute aus der Anderswelt. Auf unserer Seite lernen wir Charlies Vater kennen und natürlich Mr. Bowditch, den  granteligen Bewohner des Hauses am Ende der Sycamore Street, in dessen Schuppen sich ein echtes Weltentor verbirgt.

Extra erwähnen muss ich Radar. Sie ist ein bezaubernder Charakter in dieser Geschichte. Eine Schäferhündin, die Mr. Bowditch gehört, an die Charlie aber sein Herz verliert - wie ich als Leserin übrigens auch, dabei bin ich gar kein "Hundemensch". Radar ist diejenige, mit der ich von allen Figuren in "Fairy Tale" am meisten mitgefiebert habe.

Wie schon erwähnt, wäre dies kein Stephen-King-Buch, wenn nicht hier und dort das eine oder andere Horrorelement durchschimmern würde - von den untoten Nachtsoldaten bis zu Gogmagog, einem Wesen, das direkt aus Lovecrafts Cthulhu-Universum entsprungen sein könnte.

Fazit

Ich darf gar nicht viel mehr verraten, deshalb nur noch einmal zusammengefasst: "Fairy Tale" ist ein großartiger Fantasy-Roman, wunderbar und episch. Es zeigt, dass man das Rad literarisch nicht komplett neu erfinden muss, sondern dass man "nur" die richtigen Zutaten kennen und auf ganz eigene, originelle Weise miteinander kombinieren und vermischen können muss - und dass Stephen King das kann, hat er hier auf eindrucksvolle Weise bewiesen.

Ich vergebe volle 5 von 5 Monarchenfaltern!

Übrigens:

Schon kurz nach Erscheinen des Buches wurde bekannt, dass Stephen King die Filmrechte für einen symbolischen Dollar an den Regisseur Paul Greengrass verkauft haben soll, von dem der Autor ein Fan sei. Ob aus dem Stoff ein Kinofilm oder eine Netflixproduktion wird, ein Einteiler oder eine Serie, ist noch nicht bekannt. Genug Material würde die Geschichte bieten. Ich kenne mich: Ich werde es auf jeden Fall anschauen. Drüben auf meinem Filmblog würde ich es dann natürlich beizeiten vorstellen.

Mittwoch, 9. November 2022

Nachlese: Frankfurter Buchmesse und BuCon 2022

Kinder, wie die Zeit vergeht. Es ist ja schon November.

Höchste Zeit für einen kleinen, persönlichen Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse und den Buchmesse Convent 2022. Endlich wieder Buchmesse im großen Stil. Ich hatte in diesem Jahr keine Presseakkreditierung erhalten, dafür war mein Blog einfach monatelang zu "ruhig" gewesen.

Aber zum Glück ist ja inzwischen auch der Freitag offen fürs Publikum, also habe ich mich am Freitag nach Frankfurt aufgemacht.

Weit ist der Weg für mich ja nicht, ich wohne mitten im Rhein-Main-Gebiet und habe es dadurch weder zur FBM noch zum BuCon weit. Gut organisiert ist die Anreise wie immer auch gewesen.

Frankfurter Buchmesse

Ich habe mich dieses Jahr wegen des schlechten Wetters fürs Auto entschieden, parkte entspannt im Parkhaus und fuhr im Shuttlebus rüber aufs Messegelände. In Halle 3 an der Garderobe hatte ich direkt mein erstes bemerkenswertes Erlebnis: Ich traf einen echten Jana-Oltersdorff-Fan. 😊

Julia ist eigentlich Archäologin, jobbt aber als leidenschaftliche Leseratte auf der FBM an der Garderobe. Sie hatte mich ein paar Tage zuvor angeschrieben, und wir hatten uns verabredet, dass ich meine Sachen bei ihr abgebe. Die Gelegenheit nutzten wir direkt für ein ausgiebiges Schwätzchen, Fotos und ein Autogramm, das sie sich von mir wünschte. Ich fühlte mich außerordentlich gebauchpinselt und fast schon ein wenig überfordert von so viel Begeisterung. Julia hat alle meine Geschichten geradezu verschlungen und war schrecklich aufgeregt, als ich auf einmal leibhaftig vor ihr stand. Auf jeden Fall habe auch ich aus dem Gespräch mit ihr einige spannende Impulse mitnehmen können. Julia - falls du das hier liest - ich trinke gern mal mit dir einen Kaffee, es gibt da ein paar Themen, die ich unbedingt noch mit dir vertiefen muss - Stichwort Wikingerstaub ...

Tatsächlich habe ich von der FBM wieder mal gar nicht so viel gesehen. Die meiste Zeit verbrachte ich in Halle 3, besuchte aber zumindest auch mal den von Spanien gestalteten Gastpavillon, der mir außerordentlich gut gefiel. Ich traf David Pawn und Katharina Gerlach, zwei Mit-Qindianer, die wie im Jahr zuvor mit eigenem Stand vertreten waren und dort gut zu tun hatten, denn es war wirklich viel Publikum in den Gängen unterwegs. Ich stattete PAN einen Besuch ab und traf dann endlich meine Freundin Michaela Harich - Autorin, Verlegerin und absoluter Buchnerd. Mit Michaela verbindet mich so viel. Wir haben uns vor Jahren auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt. Ich habe schon Bücher von ihr lektoriert, an der Entstehung bzw. der Idee zu ihrem Buch "Das Einhorn, der Zombie und ich" war ich mitschuldig.

Wir verbrachten den Großteil des Messetages zusammen. Michaela ist gut vernetzt, und auf diese Weise traf ich einige neue Gesichter. Am späten Nachmittag supporteten wir Michaela dann noch auf der Bühne des Forums Rheinland-Pfalz, wo sie einen Vortrag zum Thema "Zombies" halten durfte. Ja, Zombies, ihr habt richtig gelesen. Michaela ist nämlich auch eine echte Spezialistin, was das Thema angeht, und konnte es informativ und unterhaltsam rüberbringen. Und entgegen ihrer Befürchtung, dass kaum Zuhörer da sein würden, kamen immer mehr Leute dazu. Sämtliche Sitzplätze waren belegt, drumherum standen locker noch einmal 100 Leute.

Buchmesse Convent

Am Samstag war BuCon-Tag. Wie sagen wir BuCon-Insider so gern: "Die coolen Kids sind am Samstag in Dreieich-Sprendlingen." 😄 Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie fand der BuCon wieder live, in Farbe und mit Publikum statt. Tickets musste man diesmal schon vorher online kaufen, aber das ging ja auch noch einen Tag vorher, also alles kein großes Problem. Der BuCon ist für mich wie für viele langjährige Wiederholungstäter:innen ein großes Familienfest. Ich habe so viele geliebte Buchmenschen zum ersten Mal seit Jahren wiedergesehen, und das war so schön! Michaela Harich war mit ihrem Verlag Alea Libris erstmals mit eigenem Stand vertreten. Ich verbrachte dort recht viel Zeit, schlenderte aber auch zig Runden durch die Hallen und ging zusammen mit Freunden zu einigen Lesungen - das BuCon-Programm war wieder pickepackevoll.

Ein Buch kam mit, an dem ich nicht so richtig vorbeikam, schon allein wegen des großartigen Covers. Aber auch die Liste der beitragenden Autor:innen der Anthologie "Mysterien der See" von den Herausgebern Vanessa Kaiser und Thomas Karg liest sich ein bisschen wie das Who-is-Who der deutschsprachigen Phantastikszene. Außerdem haben wir mit "Dunkle Wasser" bei Bloody Qindie ja vor kurzem ein ähnlich thematisiertes Buch herausgebracht, deshalb fand ich es spannend zu sehen, was andere daraus gemacht haben. Zum Inhalt kann ich allerdings noch nichts sagen, ich habe es noch nicht gelesen. Das hole ich dann beizeiten hier nach. Allerdings nutzte ich die hohe Dichte anwesender Autor:innen dieser Anthologie, um ordentlich Autogramme zu sammeln.

Ich habe meine zwei Buchmessetage im Oktober sehr genossen. Das Beste waren jedenfalls wieder die Menschen, die ich dort treffen konnte. Das zeigt mir wieder einmal: Eine Buchmesse ist dann am besten, wenn sie live vor Ort mit echten Menschen stattfinden kann. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich dies auch im kommenden Jahr wieder tun kann - dass wir uns dann wiedersehen!